Die Glocke – und als Batterie in Carillon-Form angeordnet –, seit dem frühen Mittelalter in den Dachgeschossen von Gotteshäusern in ganz Europa verbreitet und mit den kriegsdienlichen Beschlagnahmungen während der Weltkriege Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zahlenmäßig wieder geschrumpft, stellt für Pantha Du Prince & The Bell Laboratory eine eigenständige Weiterentwicklung der Klangästhetik von Black Noise (Rough Trade Records, 2010) dar – und keine Romantisierung bzw. Aneignung von christlichem Glauben und dessen Symbolen. Wo Pantha Du Prince auf Black Noise die Methode der digitalen Annäherung an das charakteristische Klangverhalten von Glocken (Dopplereffekt durch Schwingung! Harmonie von Unter- und Obertönen sowie obertonfremde Frequenzen! Gusstechnik der Glockenrippe!) und deren anschließende elektronische Verfremdung nutzte, entschied sich Hendrik Weber alias Pantha Du Prince mit The Bell Laboratory für die klangliche Limitierung am Instrument selbst. The Bell Laboratory ist dabei gleichzeitig als Partitur wie auch als Orchester zu verstehen. Ausgehend von der Inspiration zur Komposition für ein Carillon – ein über einen Spieltisch gesteuertes Ensemble von Glocken verschiedener Klangfarben, in diesem Fall 64-teilig – arbeitete Pantha Du Prince seit 2010 gemeinsam mit dem norwegischen Dirigenten, Instrumentalmusiker und elektroakustischen Kompositionen Lars Petter Hagen an Elements of Light, einer zusammenhängenden, rund 40-minütigen Symphonie für Carillon, Live-Programmierung und Perkussion – darunter zahlreiche Röhrenglocken, Marimba, Xylophon, verschiedene Cymbals und Klangvasen. Elements of Light entstand dabei zunächst auf Papier und Computer: die einzelnen digitalen Samples des durch Seilzüge gespielten Osloer Rathaus-Carillons wurden geschrieben, arrangiert und schließlich als Ganzes gespielt – analog zur Herangehensweise für reguläre Stücke von Pantha Du Prince. Die Ausformulierung mit der weiteren Instrumentierung erfolgte im nächsten Schritt. Komposition in einen imaginären Freiraum also, die durch die Transkription sowie die Proben mit weiteren Musikern zum Leben erweckt wird. An der weiteren Ausarbeitung beteiligt waren (bzw. sind durch die Live-Umsetzung) neben Weber und Hagen auch der Carillonneur des Osloer Rathauses Vegar Sandholt sowie die Percussionisten Martin Horntveth (Jaga Jazzist), Erland Dahlen (Madrugada), HÃ¥kon Stene (Norwegische Musikhochschule) und Heming Valebjørg (Philharmonie Oslo). Die umfangreiche Besetzung und musikalische Kleinteiligkeit von The Bell Laboratory spielt auch auf die poetische Reflektion von Elements of Light an: das Verhalten von Teilen des Lichts und ihre Verzahnung. Die spektrale Veränderung bzw. Verzahnung, sobald ein Farbton hinzukommt oder wegfällt. Weitere Interpretationen in Richtung Handwerk und die menschliche Raum-Zeit-Wahrnehmung obliegen dem Betrachter. Musikalisch bewegt sich Elements of Light in Nähe von, aber nicht auf Pantha Du Princes bekannten Pfaden. Elements of Light stellt ein originäres Stück mit klassischer Komposition und elektronischen Elementen dar, klanglich tief und weit gefächert, dennoch fokussiert auf das schwingende Klangspektrum von Glocke und Perkussion, angetrieben von einer an- und abschwellende Bassdrum. Die Fragestellungen lauteten: Wie lässt sich die Dynamik und Rhythmik von Techno auf eine Gruppe von Musikern übertragen? Wie lassen sich ein Carillon und die beteiligten Musiker zu einem Organismus formen? Wie schafft man mit diesem uralten Apparat etwas, das über sich hinausweist und wie schlägt man eine Brücke, die über das hinausgeht, was die Möglichkeiten grundsätzlich bieten – also ohne die Verfremdung bestehenden Materials mit den musikalischen Mitteln der klassichen oder Neuen Musik? Kurz: Wie erarbeitet man sich neue künstlerische Gebiete? Pantha Du Prince & The Bell Laboratory stellen Elements of Light nach der Uraufführung im Rahmen des Øya Festival 2011 in Oslo nun zum zweiten Mal der Öffentlichkeit vor. Für das von Pantha Du Prince kuratierte Festival »Kunst Als Klang« in der Galerie Vittorio Manalese Berlin wird das ursprünglich aus dem dänischen Ã…rhus stammende und von Morten Langberg gewartete Carillon aus der Scandinavian Carillon School nach Deutschland überführt, The Bell Laboratory werden in der gesamten siebenköpfigen Besetzung auftreten. Präsentiert wird bzw. ursprünglich initiiert wurde Pantha Du Prince & The Bell Laboratory von dem norwegischen Panta Rhei Project. Neben dem Auftritt in Berlin sind weitere nationale und internationale Termine in Vorbereitung, abseits von Elements of Light wird Pantha Du Prince auch weiterhin sein reguläres Live-Programm spielen.
Solltest Du schon einen Account bei hhv-mag.com haben, dann kannst Du Dich mit Deinen Daten in den untenstehenden Feldern einloggen. ― Noch nicht registriert?