Music Porträt | verfasst 26.06.2018
Spasibo Records
From Russia With Funk
Eines Tages würden sie gerne mit Daptone und Jazzman in einem Atemzug genannt werden: Das St. Petersburger Label Spasibo verlegt die Grooves der Landsmänner neu. Tips dazu gab es auch von Jan Weissenfeldt.
Text Anna Gyapjas , Fotos © Spasibo Records
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Das Motto von Spasibo Records klingt unspezifisch: »Für jene Djs (und deren Freunde), die Musen und Musiker zu schätzen wissen.« Könnte auch für Elektronisches stehen. Aber DJ Bazil, A&R des russischen Labels erklärt: »Optimismus und Freundlichkeit sind ganz nützlich für ein komfortables Leben. Wir veröffentlichen die Musik, die diese ›Vibrations‹ enthält.« Good vibrations, aha. Und der ambitionierte Hinweis: »Eines Tages würden wir gerne mit Daptone und Jazzman in einem Atemzug genannt.«

Große Erwartungen für ein Label, das Baz, so lässt sich der DJ nennen, als »Kreuzkraut im Windschatten« bezeichnet. 2006 entdeckt er in einem Forum namens »Funk-Petersburg« die Band Wake & Bake (heute als Great Revivers unterwegs). Zu der Zeit ist Baz bereits in die Freuden von »black music« eingeweiht, hat auch den schottischen Deep-Funk-Pionier Keb Darge auflegen sehen, aber eben noch keine Funkband in Aktion. Also kreuzt er bei einer Wake & Bake-Probe auf und ist hin und weg.


Die Musik von Spasibo Records findest du bei HHV Records.


»Damals sammelte ich auch schon 7-inches«, erzählt Baz, »was also war die Idee? Genau, die Bandprobe veröffentlichen!« Vorerst bleibt es beim Traum, der DJ wird zum Manager der Band, vernetzt sich mit DJ Chak – »dem ersten DJ in Russland, der Funk auf Vinyl 7’’ sammelte« –, findet Leute im Netz, die genau wie er auf den Groove der Sowjetzeiten stehen, so wie der Gründer der Band The Soul Surfers, Igor Zhukovsky. Aus dem gemeinsamen Interesse geht 2015 die erste Spasibo-Platte hervor: »Vladimir’s Groove«, eingespielt von den Soul Surfers, gewidmet dem 1944 geborenen, 2013 verstorbenen Drummer Vladimir Vasilkov.

»Der Traum, im 7’’-Geschäft mitzumischen nahm Gestalt an, als wir sahen, wie schnell diese Veröffentlichung wegging und wie beliebt das erste Video ›Soviet Jazz-Funk 1974‹ mit Vasilkov war«, erzählt Baz und meint damit knapp 700.000 Aufrufe und 3.169 Likes auf YouTube. Igor und Baz ersinnen Namen für ihr Unterfangen, kommen auf »Thermos Records« und »Sun Door«, Baz’ Freundin liefert schließlich »Spasibo«. Die Do’s & Dont’s der Rechtebeschaffung, des Mastering, und weiteres bringt den Russen u.a. Jan Weissenfeldt von den Poets Of Rhythm bei. Und weil sie schon dabei sind, empfiehlt er ihnen auch ein Presswerk.

Mittlerweile sieben Musiknerds beliefern die Welt nun mit Musik aus der Sowjetzeit, der jüngste ist 21, der älteste 52. Sie arbeiten nebenbei als Tischler, Bibliothekar, Koch und Pilot. Es sei denn, sie diggen nach groovy Tunes oder jagen Musikrechten hinterher. Baz ist stolz, seinen Lieblingskünstlern konkrete Veröffentlichungsangebote vorzulegen statt nur schale Dankesworte, seien sie noch so ehrlich gemeint. »Symphoniker Murad Kazhalev komponiert seit den 1950er Jahren, er ist super freundlich und professionell!«, schwärmt er. Auch, als es um den musikalischen Nachlass von Multiinsturmentalist Yuri Morozov (1948-2006) ging, wurde er emotional: Die Erlaubnis von Morozovs Ehefrau zu erhalten, sei einfach »magisch« gewesen. Die Musik dieser Größen neu aufzulegen reicht Spasibo aber nicht. Zu Morozov kompilierten sie einen Film aus Archivmaterial, zu Kazhlaev ebenso. Mit Drummer Vasilkov führten sie das letzte Interview seines Lebens.

Und für wen machen die das alles? »In Russland ist die Szene der Groove-Musik-Sammler noch jung«, meint Baz. Die Zahl jener, die Geld für Vinyl 7’s’ ausgibt, belaufe sich auf höchstens 50, meist seien das Djs wie sie selbst. Die Fanbase für Soviet Groove sei weitaus größer, schlicht, weil die Musik verfügbarer ist. »Ich kenne nur eine Person, die in der UdSSR black music gesammelt hat«, sagt Baz. »Das war schon ein bunter Hund«. Gut, dass auf Vkontakte, dem russischen Pendant zu Facebook, gut 40.000 Menschen die Gruppe »FunkSoulJazzHHop« feiert. Denn auf die Frage, wo er das Label in fünf Jahren sieht, sagt Baz: »Weltweite Distribution wäre nett. Und ein Recordstore auf dem Mond!«


Die Musik von Spasibo Records findest du bei HHV Records.

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