Music Kolumne | verfasst 04.09.2019
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Text Florian Aigner

Benny The butcher the plugsWebshop ► LP Hatte ich an dieser Stelle vor zwei Monaten noch gemutmaßt Freddie Gibbs & Madlib könnten das beste Rapalbum des Jahres gemacht haben, muss man im September in diesem Zusammenhang auch über Maxo Kream und Young Thug reden. Also müsste man, wenn die beiden Herren ihre Platten physisch veröffentlicht hätten. So sitzen wir hier jetzt nur auf einer neuen LP von Benny The Butcher, die definitiv nicht das Rapalbum des Jahres ist, aber bei diesem ganzen neoklassizistischen Griselda-Movement (inklusive Scarface Artwork) auch mal ein paar alte Herren zu Wort kommen lässt.
 

your old droog it wasnt even closeWebshop ► 2LP | CD Auch Your Old Droog schemed im Windschatten von Mach Hommy, der auf »It Wasn’t Even Close« direkt die loopgeschulte Produktion übernimmt. Natürlich rappt hier auch der Consigliere der hyperpointierten Lakonie, Roc Marciano I. und wäre jener nicht so verdammt gut in dem, was er tut, hätte ich mir bereits mindestens drei Your Old Droog Playlists gebaut.
 

i jahbar soundclashWebshop ► Tape Über Bokeh und Duppy Gun erschien vor einigen Monaten mit »Seh Dem Bad« bereits der bösartigste Dancehall Track des Jahres, nun legt die London-LA-Achse mit einem Tape von I Jahbar nach, bei dem man sich zwar nicht nach jeder Line instinktiv duckt, aber dennoch respektvoll jordanshrugt ob der rhythmischen Radikalität und kompromisslosen Delivery. Stilecht auf Tape, versteht sich.
 

Why? - AOKOHIO LPWebshop ► 2LP | 2LP Why? habe ich bisher eher augenbrauenzuckend empfangen, da einen »Aokohio« aber direkt mit ausgewaschenem Psych-Pop begrüßt, könnte das mit gut fünfzehnjähriger Verspätung vielleicht doch noch etwas mit uns werden. Im Laufe des Albums werde ich dann aber das Gefühl nicht los, dass irgendjemand dem Paukentyp von Imagine Dragons erlaubt hat »Person Pitch« zu covern.
 

ramuntcho matta 96Webshop ► LP Eine absolute Sensation dafür dann das neue Album von Ramuntcho Matta, nicht weil Matta in Sachen sensationeller Musik ein unbeschriebenes Blatt wäre, aber drei Jahrzehnte nach seinem Median- und Reissue-geadelten ersten Run noch derart selbstverständlich ein unpeinliches Avantgarde-Album zu machen, ist schon stark. Das gelingt wahrscheinlich auch deswegen so außergewöhnlich gut, weil Matta weiß, wer bei ihm über die Jahre wieder und wieder abgepaust hat.
 

Felicia Atkinson – The Flower And The VesselWebshop ► 2LP Ähnlich wie bei Matta spielt Spoken Word bei Felicia Atkinson eine wichtige, aber selten eine exponierte Rolle. Wie schon Kollege Hinz in seiner Review zu »The Flower And The Vessel« feststellt, ist Atkinson vor allem deswegen so eine Königin, weil sie sich zwar vordergründig bei den selben avantgardistischen Tropen bedient wie alle, diese aber wesentlich behutsamer und weniger effekthaschend zusammenpuzzlet. Natürlich ist da wieder diese verbindliche Stimme, aber auch diese ordnet sich einem komplett intuitiven Flow unter.
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV


Young Marco – BahasaWebshop ► 2LP Wie schwer dieser zu generieren ist, kann man eigentlich kaum genug betonen. Bestes Beispiel hierfür: während Black Merlins erste Platte für Island Of The Gods vollkommen organisch zum Apocalypse Now für Salon-Schamanen avancierte, gelingt es Young Marco unter beinahe identischen Voraussetzungen und mit fast denselben musikalischen Mitteln auf »Bahasa« nur selten mehr als eine plätschrige Ambient-Platte mit dem vorgeschriebenen Percussion-Anteil von mindestens 35% aufzunehmen. Gemein und subjektiv? Natürlich.
 

Eiger Drums Propaganda – Eiger Drums Propaganda IIWebshop ► LP Wie gemein das alles ist, zeigt dann im Anschluss auch die Platte von Eiger Drums Propaganda. Der bespielt im Grunde in ähnlichen Geschwindigkeiten und vergleichbarem Instrumentarium die selben Schamanen wie Young Marco, kryptische Spoken Word- und Ambientpassagen inklusive, aber irgendwie sitzt hier alles besser. Vielleicht ist diese 4th-World-Chose tatsächlich schon wieder 1-2 Jahre über ihrem Zenit, hier aber wird über Macadam Mambo noch eine Pointe gesetzt, an die man sich erinnern wird.
 

curses carcasonneWebshop ► LP Letztes Wochenende unterhielt ich mich mit zwei Freunden über NuRave-Survivor und bereits nach zwanzig Sekunden fiel der Name Curses. Warum genau Curses nicht im Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der MySpace-Hölle verendete, dürfte viele Gründe haben, aber »Carcassonne«, eine stark Carpenter beeinflusste Mini-LP, macht es einem nicht unbedingt leicht, diese aufzuzählen. Dafür erinnert das doch zu stark an die uninspirierteren DFA-Platten aus der Nu-Disco-Ära oder an eine poliertere Version von Zombie Zombie.
 

move d building bridgesWebshop ► LP Polieren hatte Move D noch nie nötig, dafür ist Moufaings Definition von House viel zu unprätentiös. Entstanden mit den üblichen Kollaborateuren (Juju & Jordash, Fred P, Thomas Fehlmann, Benjamin Brunn, etc.), hätte dieses Album genau so auch 2009 oder 1999 erscheinen können, nur mit dem Unterschied, dass ich das vielleicht nicht nur kurz anerkennend weggenickt hätte.
 

paranoid london albumWebshop ► 2LP Während Move D schon immer am liebsten auf halb Neun programmiert hat, kennen Paranoid London nach wie vor nur die sprichwörtliche volle Zwölf. Das mag als Album etwas ermüden, insbesondere wenn die 303 nach 32 Takten schon wieder reinurkelt oder die achtzigste 909 Hi-Hat darum bettelt in den roten Bereich gedreht zu werden, aber ey hier gibt Alan fucking Vega zwischendurch den Lil Louis und allein dafür ein verschwitzt gegurgeltes »Danke«!
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV


plaid polymerWebshop ► 2LP Unter den ganzen Warp-Helden immer noch irgendwie unterschätzt, die guten alten Plaid. Keine Ahnung, ob »Polymer« ein Versuch ist, diesen ganzen Deconstructed-IDM-Millenials zu zeigen, dass Ed Handley und Andy Turner schon die Arca’sche Trickkiste kannten als Snake noch eine Betaversion war, aber dieses Album ist merkwürdig unruhig. Das flirrende Melodienrepertoire wirkt beinahe wie Ballast, dem sie sich mit dezidiert modernen Techniken entledigen wollen, ohne genau zu wissen was das für Plaid bedeutet.
 

flatyWebshop ► LP Vielleicht aber auch nur seltsam, weil es zu Plaid eine fast dreißigjährige Rezeptionsgeschichte gibt und zu Flaty ööööööh nichts. Zwei Platten auf Gost Zvuk, diverse Nebenprojekte, ok, aber »Generic Targz« überwältigt in seiner flattrigen Nervosität und Unberechenbarkeit dann natürlich mehr als das zehnte Plaid Album. Ob der Ideenüberschuss letztlich zu einem guten Album geführt hat, kann ich nach zwei Durchgängen immer noch nicht beantworten, aber das ist streng genommen 2019 auch bereits ein Ritterschlag.
 

antwood delphiWebshop ► LP Antwoods »Delphi« kann man derweil auf zwei Arten hören: erstens musikalisch – als eines der einfühlsameren (Geigen, yo, Piano, yo) Alben im zunehmend unübersichtlichen Deconstructed Club Music Circlejerk. Zweitens narrativ – als Bot-Love-Kammerspiel, bei dem nicht Spike Jonze sondern Denis Villeneuve Regie führt.
 

rap exportWebshop ► LP Die beste weil befreiteste Popmusik erscheint weiterhin über Jolly Discs. Muss zwar keiner glauben, aber Rap und deren Mini-Album »Export« sind ein weiterer Beweis dafür, dass Thomas Bush sich jetzt schon perfekt positioniert hat um der Unsung Hero des nächsten Jahrzehnts zu werden.
 

htrk venus in leoWebshop ► LP Als twitternder Einfaltspinsel würde ich abschließend vielleicht noch folgendes fragen: Existiert »Venus In Leo« vor allem deswegen, weil viele Menschen insgeheim gerne wieder das erste The xxAlbum hören wollen, sich aber nicht trauern? Als jemand, der gerade darüber nachdenkt den Kollegen Kunze zum heutigen Konzert von HTRK zu begleiten, lolle ich mir einen über soviel Selbstgeiselung und weine vielleicht stattdessen endlich mal wieder öffentlich.
 


Die Schallplatten aus Aigners Inventur findest du im Webshop von HHV

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.07.2015
Your Old Droog
Kinison EP
Zunächst wurde Your Old Droog noch für Nas gehalten. Mit der »Kinison EP« schickt sich der Rapper an, einen eigenen Namen zu machen.
Music Review | verfasst 14.09.2010
Josiah Wolf
Jet Lag
Josiah Wolf, seines Zeichens Schlagzeuger von Why?, und älterer Bruder des Frontmanns selbiger Band, veröffentlicht sein Debüt.
Music Review | verfasst 08.03.2017
Why?
Moh Lhean
Zehn neue, äußerst detailreiche und vor allem überraschend unironische Songs von Why? sind auf »Moh Lhean« zu hören.
Music Review | verfasst 08.08.2019
Why?
AOKOHIO
Psych Pop zwischen verschroben und hymnisch, mal kryptisch verklausuliert, mal mit der emotionalen Dampfwalze von Befindlichkeitsnudisten.
Music Kolumne | verfasst 10.09.2018
Records Revisited
Why? – Alopecia (2008)
10 Jahre alt ist »Alopecia« dieses Jahr geworden. Sein Namen bezeichnet einen kreisrunden Haarausfall. Über ein Album, das über das Nebeneinander von Sentimentalität und Gleichgültigkeit den Zeitgeist einfing wie kein zweites.
Music Review | verfasst 15.06.2017
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik.
Music Review | verfasst 07.12.2018
Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma
Limpid As The Solitudes
Félicia Atkinson und Jefre Cantu-Ledesma tun sich wieder zusammen. »Limpid As The Solitudes« versammelt Musik über bessere Zeiten.
Music Review | verfasst 22.07.2019
Félicia Atkinson
The Flower And The Vessel
Schallplatten von Félicia Atkinson sind etwas Besonderes. Hier passt alles: Design, Sound, Kunst. So auch bei »The Flower And The Vessel«.
Music Review | verfasst 05.07.2019
Trans-4M
Sublunar Oracles
1992 legten Tranns-4M mit »Sublunar Oracles« so etwas wie das belgische »Selected Ambient Works« vor. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 02.08.2019
Young Marco
Bahasa
Fünf Jahre nach einem prägenden Besuch von Indonesien hat Young Marco mit »Bahasa« das Ergebnis dieser Auseinandersetzung veröffentlicht.
Music Review | verfasst 29.07.2019
Eiger Drums Propaganda
II
Ist das das letzte Album von Eiger Drums Propganda? Am Ende klingt es beinahe so. Bis zur offiziellen Bestätigung ist es aber Album »II«.
Music Review | verfasst 29.10.2015
Moufang / Czamanski
Live In Seattle
Live-Alben sind im Techno noch immer die Ausnahme. David Moufang und Jordan Czamanski haben 2013 live in Seattle was mitgeschnitten.
Music Review | verfasst 28.05.2014
Plaid
Reachy Prints
Auf »Reachy Prints« beweisen die Herren von Plaid, sich vor den Stilen ihres Metiers verbeugend, dass sie zu Recht Warp-Dauerbrenner sind.
Music Review | verfasst 29.06.2016
Plaid
The Digging Remedy
Plaid machen auf ihrem 13. Album genau das, was der Titel »The Digging Remedy« verspricht: sie graben sich zurück.
Music Review | verfasst 06.02.2019
Repeat
Repeats
Mark Broom, Plaid und Dave Hill trafen als Repeat in einer stilistisch unsicheren Zeit zusammen. Ihr Album »Repeats« wurde neu aufgelegt.
Music Review | verfasst 23.05.2014
HTRK
Psychic 9-5 Club
As hätten The xx mit King Tubby einen durchgezogen und leierten nun, vom Dub-Sound getragen, ihre Geschichten über die Liebe hin.
Music Porträt | verfasst 03.06.2014
HTRK
Die Frage leben
Sean Stewart nahm sich 2010 das Leben. Stewart war damals der Bassist der australischen Band HTRK. Sein Selbstmord steht im Zentrum des Schaffens der verbliebenen Bandmitglieder Jonnine Standish und Nigel Yang.
Music Kolumne | verfasst 16.03.2011
Aigners Inventur
Februar 2011
Raekwon kümmert sich um die Basis, Mr Dibiase um die Atari-Nerds, Show & KRS-One um die ewig Gestrigen, Virgo 4 um Chicago, PJ Harvey um England und Radiohead um die Journaille. Madames et Monsieurs: der Februar!
Music Kolumne | verfasst 20.04.2011
Aigners Inventur
März 2011
Auch in diesem Monat klärt Aigners Inventur wieder die wirklich essentiellen Fragen der Menschheit: Fürchtet Pusha T wirklich das Fegefeuer? Vermittelt Frank Ocean zwischen Tyler und Bieber? Ist die Welt tatsächlich aus Plastik?
Music Kolumne | verfasst 17.05.2011
Aigners Inventur
April 2011
Zugegeben: es war nicht einfach neben den Marktschreiern der Wolf Gang in den letzten vier Wochen noch andere Stimmen zu vernehmen, aber bei genauem Hinhören gab es für die Musikindustrie doch noch ein Leben neben OFWGKTA.
Music Kolumne | verfasst 15.06.2011
Aigners Inventur
Mai 2011
Irgendetwas stimmt diesen Monat nicht. Was sich im Mai zur Kaffeefahrt verabredete, war im Schnitt älter als der AC Mailand. Und das ausgerechnet im Monat nach Goblin. Quo vadis, Mai?
Music Kolumne | verfasst 10.08.2011
Aigners Inventur
Juni/Juli 2011
Wer anfängt sich in seinem Liegestuhl zu langweilen, bekommt nun die Gelegenheit, die nächsten 15 Minuten mit unserem Scharfrichter vom Dienst und Casper, Wiley, Zomby, MCDE, fLako, den Junior Boys und Laurel Halo zu verbringen.
Music Kolumne | verfasst 19.10.2011
Aigners Inventur
September/Oktober 2011
Wie üblich macht unser Kolumnist vom Dienst auch in dieser Ausgabe vor großen Namen nicht Halt. So dürfen sich Phonte, Emika, James Blake, Radiohead und Apparat Watschen abholen. Warum es trotzdem ein guter Monat war, lest ihr hier.
Music Kolumne | verfasst 18.01.2012
Aigners Inventur
Januar 2012
Da hatte er schon auf einen verlängerten Weihnachsturlaub spekuliert und dann kamen ihm doch wieder massig Platten dazwischen. Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander.
Music Kolumne | verfasst 21.03.2012
Aigners Inventur
März 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Motrip, Lee Fields, Grimes, Ital und DJ Cam.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.