Music Porträt | verfasst 08.11.2019
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Text Christoph Benkeser
100eletronica_labelwatch_1024x685px
Rubriken_sticker_detail_06

Römische Büsten drehen sich hinter pixeligen Windows 95-Logos, Delfine planschen unter hazy Palmen, japanische Schrift verwischt sich zwischen retrofuturistischen Cyberpunk-trifft-auf-Tokio-der-Siebziger – Vaporwave definiert sich vor allem über seine Ästhetik. Eine Ästhetik, die nur im Internet entstehen konnte, wo pubertierende Teenager via YouTube auf Popsongs der Achtziger stießen, das Gejaule in ihrer gecrackten Ableton-Software ein bisschen runterpitchten und damit den Sound des kapitalistischen Realismus unserer Tage einfingen. Der Zinnober ist acht Jahre her. Mindestens. In den imaginierten Einkaufszentren der Soundcloud-Community läuft zwar immer noch das hyperreale Muzak-Geplätscher von Vorvorgestern, andere haben ihre Anfangseuphorie aber in eine substantielle Weiterentwicklung von Vaporwave gesteckt. George Clanton, zum Beispiel.

Der 31-jährige US-Amerikaner ist so etwas wie der Andy Warhol der 2010er Jahre, getarnt in den Klamotten eines College-Studenten aus den Neunzigern. »Als ich 2012 zum ersten Mal Vaporwave hörte, war ich total begeistert. Ich wusste: Das ist die Musik, die ich machen will«, sagt Clanton. Er sucht nach Worten, mit dem er das Gefühl beschreiben kann, das der Sound in ihm auslöst – findet aber keine. »Wenn ich heute Musik produziere, denke ich nicht an Vaporwave. Ich versuche das Gefühl herzustellen, dass die Musik damals in mir auslöste.« Und das funktioniert gut. Sehr gut. George Clanton hat als Mirror Kisses und ESPRIT 空想 die Internet-Community auf einen kollektiven Retrotrip geschickt und 2015 mit 100% Electronica ein Label gegründet, das heute zu den bekanntesten Plattformen für Vaporwave gehört. »Damals dachte ich, ich bräuchte ein großes Label hinter mir, um mit meiner Musik aufzufallen«, sagt die Vaporwave-Ikone. »Ich habe mich in Veröffentlichungen mit kleinen Internetlabels versucht. Das führte zu nichts. Außer zu Unzufriedenheit. Ich wusste anfangs nicht, wo ich hingehörte.«

»Wenn ich heute Musik produziere, denke ich nicht an Vaporwave. Ich versuche das Gefühl herzustellen, dass die Musik damals in mir auslöste.« (George Clanton)

Clanton entscheidet, selbst die Initiative zu ergreifen. Einer seiner ersten Veröffentlichungen benennt er nach seinem neu gegründeten Label: »100% Electronica«. Die Platte verbreitet sich in der Szene wie die Ironie in einem gut gemachten Meme, macht ihn zu einer fixen Größe in der Community und gilt heute als Standardwerk. Fans verpassen ihm den Namen Vapordaddy. Eine Zuschreibung, die Clanton nicht ablehnt, auch wenn er sich mittlerweile von ihr lösen will. »Wir sind ein progressives Vaporwave-Label«, erklärt er und meint: »Wir haben zwar eine große Anhängerschaft in der Vaporwave-Community. Aber viele Leute behaupten, dass unsere Veröffentlichungen nichts mit Vaporwave zu tun haben.«

Stellt sich also die Frage, was Vaporwave ist. Und wer darüber entscheidet. George Clanton sieht die Sache entspannt. »Ich kann es nicht beschreiben, aber ich weiß, was es ist, wenn ich es höre.« Mit seiner Musik und den Veröffentlichungen auf 100% Electronica versuche er auszuloten, was die Sache für ihn bedeutet. »Ich hoffe, dass wir die Szene dadurch interessanter gestalten, ihr neues Leben einhauchen und sie stärker machen als bisher.« Manche Leute werden zwar weiterhin stur auf den »Slow-Down-A-Sample«-Stil setzen, so Clanton. »Aber ohne Veränderungen würde das Genre aussterben.«


Die Schallplatten von 100% Electronica findest du bei uns im Webshop


Veränderungen gehören zu Clantons Leben dazu wie die nach hinten gedrehte Basecap auf seinem Kopf. Als er 2015 das Label gründet, lebt er in New York. Er kündigt seinen Job, konzentriert sich aufs Musikmachen, setzt alles auf eine Karte. Am Anfang reicht die Kohle nicht aus, um über die Runden zu kommen. Er zieht nach Virginia, wo die Mieten günstiger sind. Drei Jahre später schafft er es mit seiner Musik auf Jahresbestenlisten, die Pressanlagen kommen mit der Nachfrage nicht hinterher. Veröffentlichungen auf 100% Electronica sind oft innerhalb von Stunden ausverkauft. Viele Pakete verschickt Clanton innerhalb der USA, gefolgt von Japan und Kanada. 2018 merkt Clanton: Das Label läuft. Er kann davon leben. Als er zurück nach New York ziehen will, stirbt Kody, sein Hund.

»Meine Freundin (Lindsey French aka Negative Gemini; Anm. d. Autors) und ich wollten in diesem Moment eine Veränderung in unserem Leben. Wir entschieden uns, nach Los Angeles zu ziehen. Dort ist es wie in New York, nur viel entspannter – und es gibt keinen richtigen Winter. Was Besseres hätte uns nicht passieren können.« Seit dem Umzug an die Westküste prangt auf den Label-T-Shirts nicht nur »New York« sondern auch »Los Angeles«. Das macht Sinn. Schließlich ist Vaporwave eine zerstreute Szene, die sich global übers Internet organisiert. Umso verrückter erscheint die Idee, die Leute von ihren Computerbildschirmen wegzureißen und in eine Veranstaltungshalle zu packen.

»Alle dachten, ich sei verrückt geworden. Aber ich habe mehr Arbeit in dieses Festival gesteckt als jemals in etwas anderes in meinem Leben. Und es hat sich gelohnt.« (George Clanton)

Aber genau das hat Clanton vor. Im August 2019 organisiert Clanton das erste 100% ElectroniCON Festival – mitten in New York. Er lädt die Größen der Vaporwave-Szene ein: Saint Pepsi, Telepath, Vaprerror, 18 Carat Affair. Dazu kommen Labelkolleg:innen wie Surfing, Equip und Satin Sheets. Sie alle versammeln sich am gleichen Ort, spielen Sets vor Publikum – nicht wie sonst innerhalb der Grenzen einer dezentralisierten Internet-Community, die sich die Alben über den YouTube-Algorithmus reinzieht. »Alle dachten, ich sei verrückt geworden. Aber ich habe mehr Arbeit in dieses Festival gesteckt als jemals in etwas anderes in meinem Leben. Und es hat sich gelohnt«, sagt Clanton. »Die Leute waren überglücklich. Niemand wusste, wie viele Menschen aus der ganzen Welt für diese Veranstaltung anreisen würden. Außer mir, natürlich.«

Im November wird das Festival in Los Angeles stattfinden. Es ist ein neuer Gradmesser für den gegenwärtigen Zustand der Vaporwave-Szene. Und ein Ausblick darauf, was man in den nächsten Jahren auf 100% Electronica erwarten kann. »Wer auf dem Festival überzeugt, soll die Chance bekommen, auf dem Label zu veröffentlichen«, so Clanton und meint: »Es ist heute so einfach, eine Platte zu veröffentlichen. Deshalb bin ich nur daran interessiert, an wirklich guten Projekten zu arbeiten und das Genre zu pushen.« Wer das Potential dafür hat, werde sich zeigen. Clanton gibt sich ohnehin bescheiden. Die Sache laufe zwar gut, solle aber nicht zu groß werden. »Ich möchte nicht mehr Leute auf dem Label haben, als ich Mitglieder des Wu-Tang Clans aus dem Gedächtnis aufsagen kann.«


Die Schallplatten von 100% Electronica findest du bei uns im Webshop

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.07.2018
Equip
I Dreamed Of A Palace In The Sky
Auf »I Dreamed Of A Palace In The Sky« erweckt Equip mit Sounds aus Videospielen, New Age, Filmmusik der Achtziger nostalgische Gefühle.
Music Review | verfasst 28.03.2017
Software
Digital-Dance
Was kommt nach dem Beat? Die Berliner Schule suchte Antworten, Software machen einen Vorschlag. Den dürfte man heute auch kitschig finden.
Music News | verfasst 02.10.2019
Surfing
Exclusive Edition: »Emotion«
Das Duo Surfing aus Melbourne legt auf 100% electronica sein neues Album »Emotion« vor. Exklusiv bei HHV Records wird’s in einer auf 100 Exemplare limitierten Violet Vinyl Edition erhältlich sein.
Music Bericht | verfasst 22.03.2013
All City Dublin
Platten für die Zukunft
Zwölf Jahre nachem Olan O’Brien 2001 einen kleinen Plattenladen im Temple Bar District in Dublin eröffnet hat, ist All City Records zum einem kleinen Brückenkopf amerikanischer Musik in Europa gewachsen.
Music Porträt | verfasst 15.03.2012
Eglo Records
Fingerübung in Sachen Qualität
Vor genau drei Jahren taten sich Sam Shepherd (Floating Points) und Radio-DJ Alexander Nut zusammen und gründeten das Label Eglo Records. Wir stellen euch das Londoner Label genauer vor.
Music Porträt | verfasst 23.05.2013
Minimal Wave
Die verlorenen Tapes
Veronica Vasicka hat mit Minimal Wave Records nicht nur ein Label gegründet, sondern gleich ein ganzes Genre gefunden, geordnet und wieder zugänglich gemacht. Ein Blick auf ein außergewöhnliches Label und seine Geschichte.
Music Essay | verfasst 27.05.2013
10 Favourites
Tape Labels You Better Should Know
Hurra! Die Tonbandkassete wird 50 und obwohl das wirklich alt ist, oder jedenfalls ziemlich alt, ist das Tape quicklebendig. Wir stellen euch 10 Labels vor, die einem nur vermeintlich veralteten Format die Treue halten.
Fashion Porträt | verfasst 25.10.2012
aNYthing Clothing
Identifikation mit einer guten Sachen
Zwischen den Klamotten ihres Modelabels und ihnen selbst passt nicht viel dazwischen. Die Kleidung, das sind Kiernan Costello und Aaron Bondaroff. Diese Authentizität, diese Unmittelbare der Designs, das ist es, für was das Label steht.
Music Porträt | verfasst 21.11.2013
Staple Design
»Mode ist Bullshit«
Es geht Staple Design nicht um T-Shirts, nicht darum einen dritten Ärmel am Oberteil unterzubringen oder den Kragen neu zu definieren. Hier steht eine Botschaft im Vordergrund und Mode ist »nur« ein Medium, die Menschen zu erreichen.
Music Porträt | verfasst 17.10.2013
Friends Of Friends Music
Haschisch, MySpace und elektronische Musik
Leeor Brown und sein Label Friends Of Friends Music gehen musikalisch als auch visuell eigene Wege. Das hat das Label aus Los Angeles weltweit zu einem der hipsten Institutionen in Sachen Musik gemacht.
Music Porträt | verfasst 05.06.2014
Antime Records
Scheitern als Chance
Von der großen Bühne zurück auf Null: Mit seinem Label Antime möchte der Frittenbude-Gitarrist Martin Steer künstlerische und geografische Grenzen überwinden. Und langsam mausert sich das einstige Netzlabel zum internationalen Netzwerk.
Music Interview | verfasst 16.06.2014
Hyperdub Records
Interview mit Steve Goodman
Der Hyperdub-Chef Steve Goodman aka Kode9 im Interview über 10 Jahre im Dienste der Bassmusik, Schwingungen in der Wirbelsäule, die Allianz weiblicher Musikerinnen auf seinem Plattenlabel und den Tod von DJ Rashad.
Music Porträt | verfasst 23.10.2014
Lobster Theremin
Nachhaltigkeit statt Kompromisse
In etwas mehr als einem Jahr hat sich das Londoner Plattenlabel Lobster Theremin als Bank für einen abwechslungsreichen Stilmix von House über kratzigen Techno bis zu spuligem Ambient bewiesen. Wir sprachen mit seinem Gründer Jimmy Asquith.
Music Porträt | verfasst 02.10.2014
Denovali Records
Von der Musik auf dem Grund der Zeit
Timo Alterauge und Thomas Hack haben vor 9 Jahren ein Plattenlabel für Musikliebhaber gegründet. Stilistisch ist Denovali Records schwer zu fassen. Man setzt bei der Auswahl halt auf Qualität und Zeitlosigkeit – und das zahlt sich aus.
Music Porträt | verfasst 13.11.2014
Hubro Music
Im Wunderland der neuen Klänge
Mit Hubro hat Andreas Meland vor genau fünf Jahren einen Raum für Musik geschaffen, die scheinbar mühelos zu neuen Ufern aufbricht. Ein Plattenlabel, das in dieser Form vielleicht nur in Norwegen möglich ist.
Music Porträt | verfasst 04.12.2014
Houndstooth Records
Keine Angst vor dem Neuen
Houndstooth Records ist gerade anderthalb Jahre alt und schon jetzt eine Institution für die Grenzgänge der elektronischen Musik. Mit dem nimmersatten Rob Booth als A&R ist Großes zu erwarten.
Music Porträt | verfasst 26.02.2015
Planet µ (Planet Mu)
Planet der Mu-siker
Eigentlich wollte Mike Paradinas nur einen guten Freund veröffentlichen. Daraus wurde in den Nullerjahren die Heimat für Grime, Dubstep, Breakcore, Acid, glitchy Shoegaze und Footwork. Dieses Jahr wird Planet Mu 20 Jahre.
Music Porträt | verfasst 18.06.2015
Editions Mego
Warum machen, wenn es nicht seltsam ist?
Das ist keine Musik, zu der man den Abwasch erledigt. Es ist mal schwierige, mal akademische, mal einfach seltsame Musik. Es ist die Musik, die bei Editions Mego erscheint. Wir haben mit dem Peter Rehberg, dem Gründer des Labels gesprochen.
Music Porträt | verfasst 14.05.2015
Dial Records
Dinge ändern sich, Dial bleibt
Keine Haltung ist auch eine, und das erst recht. Seit nunmehr 15 Jahren steht das in Hamburg gegründete Label Dial für musikalische Offenheit. Mitgründer Lawrence erzählt uns, wie das alles gekommen ist: irgendwie halt nämlich.
Music Porträt | verfasst 20.08.2015
Audiolith Records
Bitte ziehen Sie durch!
Seit beinahe zwölf Jahren geht das Hamburger Plattenlabel Audiolith seinen ganz eigenen Weg. Wir sprachen mit Lars Lewerenz und Artur Schock darüber, wie es ist, konsequent sein Ding zu machen.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.