Music Liste | verfasst 25.02.2020
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Text Christoph Benkeser
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The Heliocentrics – Infinity Of NowFind it at hhv.de: Orange Vinyl LP | Black Vinyl LP | CD »Wir wollen zeitlos klingen«, sagt Malcolm Catto, der Schlagzeuger und Chef von The Heliocentrics. Seit 15 Jahren dreht sich die britische Band um die Wüstensonne. Und 2020 schluckt sie endlich Acid, nur um das Skelett von Jim Morrison auszubuddeln und es mit den Gerippen von Grace Slick, Jimi Hendrix und George Clinton bekanntzumachen. Malcolm Catto, über den bis vor ein paar Jahren nicht einmal ein Wikipedia-Eintrag existierte, hat gute Gründe. Sein Vater war Jazzpianist, spielte ihm als Kind alte Swing-Platten aus New Orleans vor. »Nicht wirklich mein Ding«, so Catto im Gespräch mit Jamie Cullum, »aber es hat den Groove in meinem Spiel geprägt«. Als Jugendlicher fesselt ihn der Sound der Spaghetti-Western. Später schneidet er die Radiosendungen von John Peel mit und lernt neue Musik kennen: The Fall, The Swell Maps und Wire prallen auf Ennio Morricone und Bruno Nicolai. Der kantige Schrammelsound des Post-Punk-Commonwealth war dringlicher, die Zukunft abgesagt, das Hier und Jetzt ohnehin das, was sich noch abfackeln ließ. Bald sucht Catto für Jazzman Records nach Talenten, verbarrikadiert sich im Studio. Seine ersten Alben, zwischen Psych-Rock und Proto-Funk, entstehen als The Soul Destroyers. Zusammen mit Jake Ferguson und Adrian Owusu, jenen Musikern, die 2007 mit Catto The Heliocentrics gründen. Catto kommt rum. Er trommelt für Floating Points, Quantic und DJ Shadow, steht mit Afrobeat-Legende Orlando Julius im Studio und nimmt schrullige Soloalben mit noch schrulligeren Titeln wie »Popcorn Bubble Fish« auf. 2020 zielt er mit der neuen Heliocentrics-Platte direkt in den verrauchten Jazzkeller, verteilt süße Kippen und verzieht sich anschließend ins Fledermausland, weil sich die alten Giallo-Schinken aus dem Imaginären viel besser neu vertonen lassen. Madlib, der die Platten der Heliocentrics hortet und auf »Bandana« fleißig ihre Drum-Samples verbaute, veröffentlicht »Infinity of Now« nun auf seinem Label.


Die Schallplatten von The Heliocentrics findest du im Webshop von HHV Records.


Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza – The Feed-Back 1 – Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza – The Feed-Back (Schema) (1970) | Vinyl LP+CD
Malcolm Catto: Wie viele aus meiner Generation bin ich in den Bann des Maestros geraten, seit ich als Kind seiner unnachahmlichen Musik ausgesetzt war, indem ich seine »Spaghetti-Western«-Soundtracks vom Fernsehen auf Kassette aufnahm. Viele Jahre später, nachdem ich angenommen hatte, dass diese wegweisenden Soundtracks Morricones größter musikalischer Beitrag waren, spielte mir Gareth »Godsy« Cherrystones mit Überraschung und Freude einige Library Music und Horror-Soundtracks von Ennio Morricone (und seinem engen musikalischen Partner und langjährigen Mitarbeiter Bruno Nicholai) vor, die dieses aufregende frühere Versprechen vollständig einlösten. Ich hatte das Glück, ein Exemplar davon zu bekommen, lange bevor es in den 1990er Jahren Kultstatus erlangte. Auf diesem »The Feed-back«-Album und vielen dieser Library/Soundtrack-LPs ist nun ein Einfluss von Jazz, Psychedelic und Funk zu hören, aber es ist das präzise Breakbeat-Schlagzeug der Feed-back-Alben, das diesem besonderen Album eine moderne Relevanz verleiht, die es auf Discogs eine fürstliche Summe einbringt. Diese Musik ist der natürliche Höhepunkt von mehr als einem halben Leben des Experimentierens und Improvisierens und sieht nicht nur eine eklatante Missachtung von Melodie und Tonart, sondern auch den eigentlichen Lynch-Pin der modernen Musik ab dem Blues – Wiederholungen werden ebenfalls gemieden, da die Instrumente selbst aufgenommen, gespielt und wieder abgelegt werden, wenn der Musiker auf ein anderes Instrument wechselt, so dass die einzige Konstante das sich entwickelnde rhythmische Trommelmuster ist.

Swell Maps – Jane From Occupied Europe 2 – The Swell-Maps – Jane From Occupied Europe (Secretly Canadian) (1980) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Mein älterer Bruder brachte eines Tages »Never Mind The Bollocks« von den Sex Pistols mit nach Hause, und alles änderte sich. Eine DIY-Ethik wurde geboren, die fast über Nacht Hunderte von Bands hervorbrachte, die beweisen sollten, dass eine Idee wichtiger ist als ihre Umsetzung. Und die eine Reaktion auf die damals unangepasste und sterile Buchhalterin der britischen Musikszene waren. Wir kamen aus Stevenage, nur 30 Meilen nördlich von London, aber die Schockwelle der Punks breitete sich bald in jeder größeren britischen Stadt aus, in der zuvor entfremdete Jugendliche auftauchten, die, bevor sie »Never Mind The Bollocks« hörten, wenig oder keine musikalische Erfahrung oder Kenntnisse hatten und nun die Gelegenheit hatten, ihre zuvor gedämpften Gefühle der Sinnlosigkeit und Angst zum Ausdruck zu bringen und so zum Sprecher einer Generation zu werden. Es gab keine direkte Vorgabe, was Punk damals sein musste, man brauchte nur entsprechend entzaubert zu wirken und unkomplizierte, auffällige Musik zu machen, wie die Prog-Dinosaurier, die nun vom Aussterben bedroht waren. So wie der Blues in den 1920er und 1930er Jahren zunächst ein präformelhafter 12-Takt war, so sahen diese frühen Jahre der Punk-Konzeption endlose Erfindung und Vielfalt und schlossen unter ihrem Banner Bands ein, deren Musikstile sich so stark unterschieden wie The Magazine, die Talking Heads, Suicide, Motorhead und The Jam. Man brauchte nur entsprechend entzaubert zu werden, um sich zu beweisen. Die Swell Maps sind ein solches Beispiel für die vielen musikalischen Anomalien, die unter der kurzen, aber intensiven explosiven Ankunft der Punks kurzzeitig aufblühten. Es gab Bands, die sich nicht zu weit vom Baum entfernten und jenen frühen Punk-Missionaren nacheiferten – The Clash and the Sex Pistols usw., aber die Menschen, wie Wire, ATV, die frühen Adam and the Ants, X Ray Spex, The Fall und Siouxsie und die Banshees, um nur eine Hand voll zu nennen, nutzten diese Gelegenheit der Selbstdarstellung, die ihnen der Punk/New Wave-Schirm gab, um ihre eigene, völlig einzigartige Sichtweise auf das Genre zu schaffen. Die Swell Maps sind eine solche Band, die ihre vielfältigen Einflüsse von Can bis Stockhausen nutzt und die ganz ausnahmsweise ungerade Zeitsignaturen (damals selten) und Dissonanzen verwendete und ein Bandmitglied einschloss, das ausschließlich Kinderspielzeug spielte. Im Gegensatz zum eher traditionellen Pub-Rock, weniger künstlerisch klingenden Bands dieser Zeit, bleibt dieses Swell-Maps-Album musikalisch inspirierend und wirklich subversiv.

Friend Sound - Joyride 3 – Friend Sound – Joyride (RCA) (1966) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Nach der anfänglichen Schockwelle der Punks entstanden viele andere interessante Bands, die unter der allgemeinen Klassifizierung des Post Punk existierten. Diese dauerte bis in die frühen 1980er Jahre mit innovativen und experimentellen Bands wie 23 Skidoo, Cabaret Voltaire, The Blue Orchids, Gang Of Four und The Birthday Party. Danach begann eine Verschiebung hin zu dem, was von da an als “unabhängige (oder Indie-)Musik” bekannt werden sollte, und es entstanden die Anoraks und die Strickjacke als die begehrten Kleidungsstücke. Und abgesehen von ein paar Bands der Superlative wie My Bloody Valentine und The Pastels, waren die neuen aufstrebenden Indie-Könige The Smith’s, die zu dieser Zeit in einem Ennui stark stilisierter Selbstbefriedigung regierten. Ich und eine Handvoll anderer “Stevenagites” flüchteten vor diesem musikalischen Abschwung in ein aufkommendes Interesse an 60er-Jahre-Garagen-Punk und Psychedelia. Dieser anfängliche Streifzug durch einen natürlichen Prozess von Versuch und Irrtum in Psych-Alben führte zu dem Ergebnis, dass zu dieser Zeit in Hertfordshire nur wenige an gebrauchten Platten aus den späten 1960er Jahren interessiert waren, die zudem zu einem Schleuderpreis angeboten wurden. Im Allgemeinen litten die Aufnahmen jedoch darunter, dass sie ein Produkt dieser Zeit waren, und klangen recht banal und veraltet. Eine Platte, die zusammen mit den frühen Velvet Underground, The Red Krayola, Godz ll und Beefhearts “Strictly Personal”, das für mich weit über diese Flut von mittelmäßigem Westküsten-Quasi-Psychedelic-Pop hinausragte, war die oben genannte. Das ist insofern ironisch, als die Band, aus der Friendsound besteht, in Wirklichkeit aus Mitgliedern von Pop-Ikonen der 1960er Jahre bestand: Paul Revere und den Raiders, die anscheinend eine Horde lokaler Musiker ins Studio eingeladen haben, um dieses Juwel zu schaffen. Der wichtigste Song “Lost Angel Proper St” ist ein ausgedehnter Jam, der durch miteinander verklebte Tonbänder und eine Reihe von erstaunlichen Manipulationstechniken verbessert wurde. Mich verblüfft bis heute wie sie das erreicht haben. Das Ergebnis ist wahre Psychedelia, der den Geist verändert und der trippigste Track ist, den ich je gehört habe.

Butthole Surfers – Locust Abortion Technician 4 – Butthole Surfers – Locust Abortion Technician (Latino Bugger Veil ) (1987) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Zusammen mit Leuten wie Sonic Youth und Spacemen 3 halfen die Butthole Surfers dabei, den sonst musikalisch düsteren Teil der 1980er Jahre zu retten, nachdem Post-Punk, aber bevor Hip-Hop zu dem Phänomen wurde, das alles, was ihm in den Weg kam, verdampfen ließ und die Regelwerke neu schrieb. Es ist ein Beispiel für eine jener seltenen Platten, wie »White Light/White Heat«, die uns zeigen, was möglich ist, wenn eine Band, die alle auf der gleichen Seite stehen und sich nicht scheut, ihre ganz eigene, von Selbstzweifeln und Kommerzialisierung völlig unverdünnt musikalische Vision zu kreieren, den aktuellen musikalischen Trends den Rücken kehrt, um eine völlig aufrichtige und einzigartige musikalische Aussage zu schaffen, die wie ein schwarzes Loch alles in ihrer Nähe verschlingt, was neben ihr nicht einer Überprüfung standhält.

Siver Apples - Silver Apples LP 4 – Siver Apples – Silver Apples LP (Jackpot) (1968) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Ich schulde den Hip-Hop-Produzenten und denen, die immer tiefer in die Materie vordrangen, um faszinierendere Loops an die Rapper zu liefern. Denn sie haben viele der Alben entdeckt, die ich jetzt liebe. Das ist ein solches Beispiel und wurde auf einer Reise in die USA mit Jazzman Gerald in den 1990er Jahren entdeckt, zu einer Zeit, als die Suche nach Breaks und Loops am intensivsten war, und wir mit Hip-Hop-Produzenten und Rappern die Breaks auf den Schallplatten tauschten, die uns gefielen. Diese Platte wurde mir mit freundlicher Genehmigung von »Boston Bob«, der in Hip-Hop-Kreisen bekannt war, zur Kenntnis gebracht. Es hat mich umgehauen und ist für uns eine der einflussreichsten Platten der Geschichte. In seinen Rillen kann man einen Prototyp von Techno und Trip-Hop finden. Und das alles von einer 1968 erschienenen Platte. Zu einer Zeit also, als die meisten Platten die Verkörperung der naiven Liebe und des Friedensgefühls der West Coat Hippie-Bewegung waren. Die Silver Apples kamen, wie Velvet Underground und Madrigal, aus New York City, wo es das gibt, das diesem wesentlichsten englischen Charakterzug am nächsten kommt: Zynismus. Kreide und Käse. Silver Apples, ein Zwei-Mann-Betrieb, bestand lediglich aus Trommeln und einem hausgemachten, primitiven Synthesizer aus Oszillatoren namens »Simeon«. Auf die Frage nach der Zukunft der Musik, die in einem Interview um 1968 herum gestellt wurde, soll John Lennon geantwortet haben: »Ich habe sie gesehen, sie werden Silver Apples genannt«. Ein wahrhaftigeres Wort wurde noch nie gesprochen.

Organized Konfusion – Stress 5 – Organized Konfusion – Stress: The Extinction Agenda (Hollywood Basic) (1994) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Es dauerte eine Weile, bis Hip-Hop reifer wurde und sich zu diesem einzigen Statement entwickelte, in dem die Komplexität der Musik und die immer noch aussagekräftige Botschaft zusammenfließen und den Gipfel der 90er-Jazz-Hip-Hop-Szene bilden. Zu einer Zeit, die den Zenit des Samplingzeitalters darstellte, in der man alles mit allem anderen, unabhängig von der Herkunft, verbinden konnte. Diese befreiende Haltung, jede Art von Musik miteinander zu kombinieren, ist die Prämisse der meisten modernen Underground-Live-Bands… wo die einzige Regel für die Musik lautet, dass sie gut klingt.

Faust - The Faust Tapes 6 – Faust – The Faust Tapes (Superior Viaduct) (1973) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Diese bahnbrechende Divergenz zwischen unkommerzieller experimenteller Musik und extremen Produktionstechniken, deren Kühnheit heutige Bands weit in den Schatten stellt, war 1973 so revolutionär, dass ein junger Talentsucher von Virgin Records namens Richard Branson sie als die nächste große Sache betrachtete. Dies scheint jetzt verblüffend, wenn man diese Platte hört, die auch heute noch, fast 50 Jahre später, ein harter Brocken ist und völlig frei von allem ist, was auch nur annähernd kommerziell ist. Faust überwinden furchtlos unzählige musikalische Grenzen mit einer unverschämten Missachtung all dessen, was vor ihnen lag. So wagemutig wie jede Band aus jeder Epoche lassen Faust viele der anderen Exponenten des Krautrock im Vergleich dazu traditionell klingen. Sie sind bis heute stark. Ein Vorläufer der Punk-Haltung und eine Lektion in musikalischer Freiheit und den Möglichkeiten der Produktion. So tief, dass wir nur an der Oberfläche kratzen können.

Philip Cohran & The Artistic Heritage Ensemble – On The Beach 7 – Philip Cohran & The Artistic Heritage Ensemble – On The Beach (Pheelco) (1967) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Wir als Band haben Sun Ra bewundert und seine Fähigkeit, sich an die Veränderungen in der Musik und Technologie um ihn herum anzupassen, ohne seine Kernethik zu verlieren und seiner Vision immer treu zu bleiben. Ein herausragendes Merkmal für uns ist die Ära in den späten 1950er Jahren, die Zeit in der Sun Ra und sein Arkestra sich zu dem entwickelten, wofür es bekannt ist. Diese unheimlich schönen frühen Alben wie »Angels And Demons At Play« und »The Futuristic Sounds Of Sun Ra« existieren außerhalb von Genre und Epoche. Der sofort erkennbare und völlig unnachahmliche Sun Ra blieb bis in die frühen 1980er Jahre hinein topaktuell. Seine Musik ist gut dokumentiert, aber diese Platte, auf der der ehemalige Arkestra-Trompeter Phil Cohran zu hören ist, ist weniger bekannt, aber musikalisch ebenso stark, wenn auch historisch vielleicht weniger wichtig. Auch hier steht das »Inside« doch »Outside«, jenes Idiom des Jazz im Mittelpunkt. Und hier sehen wir auch eine starke Botschaft der Schwarzen Ende der 1960er Jahre, die ein Arsenal elektrifizierter afrikanischer Instrumente enthält und mit Hornarrangements aufwartet, die mit Sun Ra und seinem »When Pathways Meet« rivalisieren. Jazz war für mich und Heliocentrics-Gründungsmitglied Jake Ferguson eine Offenbarung. Die Aufrichtigkeit und die Seele reichen über die Vergangenheit hinaus, um den Zuhörer jetzt und in tausend Jahren zu berühren.

This Heat – This Heat 8 – This Heat – This Heat (Piano) (1979) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Obwohl ich in meiner Jugend versucht habe, wach zu bleiben, während ich zwischen 10 und 12 Uhr morgens John Peels nächtlichen Radiosender hörte, bin ich nie auf This Heat gestoßen. John Peel spielte zu dieser Zeit jede Nacht die vielen neuen Platten ab, die ihm gerade von aufstrebenden New-Wave-Gruppen im ganzen Land geschickt worden waren. Dazu gesellten sich Weltmusik, Dub und was ihm sonst noch gefiel. Erst 2001, mit der Veröffentlichung meines Albums »Popcorn Bubblefish«, wurde ich auf diese einzigartige Band aufmerksam. Ein musikalischer Verbündeter, Dante Carfagna, erwähnte, dass ihm einige Stücke meines Albums gefielen, dass ich aber leider auch von einer Band namens This Heat übertroffen worden sei, die es etwa 20 Jahre zuvor wesentlich besser gemacht hätten. Und er war überrascht, dass ich sie nicht kannte. Als ich sie mir anhörte, konnte ich leider nur wenig Ähnlichkeit mit ihnen in meinen Songs finden, aber ich hatte eine der freigeistigsten und innovativsten britischen Bands aller Zeiten gefunden. Wie eine britische Version der Silver Apples, nur wütend und auf Steroiden, stehen This Heat (zusammen mit den frühen 23 Skidoo) allein in den Annalen dieser Ära als Vorläufer der Musik der Zukunft. Mit ihrem Konzept, Sounds über einen starken Rhythmus zu legen (dasselbe Prinzip, das Can auch heute noch zu einer großen Referenz macht), wurden This Heat zu einem Vorläufer der modernen elektronischen Tanzmusik. Die Band verwendete auch Tonbandschleifen, was in der Mainstream-Musik viele Jahre lang danach nicht mehr vorkommen sollte. Ich habe das Glück, mit dem Ex-23-Skidoo-Gitarristen Sam Mills zusammenzuarbeiten, der sich einmal daran erinnerte, dass ihre Band (die die Turnball-Brüder als treibende Kraft sah) in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre eine weitere Punk-Band mit drei Akkorden unter vielen war, bis einer der Turnballs zu einer Bandprobe auftauchte und behauptete, dass sie alle Songs ausrangieren und von vorne anfangen müssten, da er gerade eine Band gesehen hatte, die mit ihrer innovativen Herangehensweise an die Musik alle ihre Zeitgenossen aus dem Konzept brachten. Diese Band war This Heat.

Philippe Bescombes – Libra 9 – Philippe Bescombes – Libra (Pôle Records) (1975)###*
*
Malcolm Catto:** Einer der Vorteile einer Tournee ist die Möglichkeit, sich in Plattenläden auf der ganzen Welt inspirieren zu lassen. Das ist dann hilfreich, wenn der Ladenbesitzer zufällig unsere Band mag, da er oder sie in der Folge einige erstaunliche Platten hervorholt, die man vielleicht unwissentlich übersprungen hat und von denen man nie etwas mitbekommen hätte. Eine solche Platte ist diese, deren trügerisches Frontcover einem Michael-Jackson-Bootleg aus den 1980er Jahren gleicht. Als Band versuchen wir immer, uns weiterzuentwickeln und unsere kombinierten Einflüsse einzubringen, um einen Sound zu kreieren, der uns zu dieser Zeit verkörpert. Wir versuchen oft, mit Hilfe von Produktionstechniken und der Klangbearbeitung bekannter Instrumente einen einzigartigen Sound zu erreichen, der sie wie etwas ganz anderes klingen lässt. Ein solches Album war »The Last Transmission«, eine Reihe von Aufnahmen, die über mehrere Tage hinweg gemacht wurden und bei denen wir nach einer langen Zeit wieder miteinander jammten. Ich hatte Faust und andere Beispiele für unorthodoxe Produktionsstile gehört, die mich dazu inspirierten, einige dieser Ideen auf diese Aufnahmen anzuwenden. Wir haben selten das Gefühl, dass wir etwas geschaffen haben, das sich von allen anderen Aufnahmen, die wir gehört hatten, stark unterscheidet, aber es gab Momente auf diesem Album, in denen wir das Gefühl hatten, genau das erreicht zu haben. Es war einige Zeit später, als uns ein paar Gigs in Japan angeboten wurden, und während wir dort waren, empfahl uns ein japanischer Plattenladenbesitzer freundlicherweise dieses Album, das, wie ich zu hören bekam, im Grunde genommen sehr ähnlich klang wie »The Last Transmission«, wenn auch mit besseren Ideen und einer radikaleren Produktion, die 1975 gemacht wurde. Aber zurück zum Thema…

Pärson Sound – Pärson Sound 10 – Pärson Sound – Pärson Sound (Subliminal Sound) (2019) | Vinyl LP
Malcolm Catto: Dieses Box-Set mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen wurde mir von einem Plattenladenbesitzer in Kopenhagen empfohlen, der uns seit unserem Auftritt mit Mulatu Astatke dort, etwa 2010 oder 2011, unterstützt. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Musik ihre Umgebung und die Zeit, in der sie entstanden ist, abbildet. Das ist ein grundlegendes Kriterium für die meisten Musiker, da dies ein unvermeidlicher Teil Ihres Alltags ist, der sich durch Ihr Spiel manifestiert. Sun Ra überwand diese Unvermeidbarkeit durch seinen unaufhörlichen Blick nach oben in den Kosmos und suchte nach extra-terrestialen Einflüssen auf seine Musik. Dadurch und durch die Konzentration nicht auf die unmittelbar umgebende Realität, sondern auf die unendlichen Möglichkeiten, die außerhalb unserer Sphäre lagen, gelang es ihm, Musik zu machen, die sowohl seine Umgebung als auch seine Epoche überwand. Pärson Sound begann als eine Psych-Band namens Mecki marc men, die neben den zukunftsweisenden Bands Fifty Feet Hose und Spleen zwei Alben auf dem herausragenden, vorwiegend elektronischen Musiklabel Limelight veröffentlichte. Es ist auch interessant zu sehen, wie eine kleine Gruppe von Musikern/Künstlern so viel Musik aus dieser Zeit beeinflussen kann. Im Hip-Hop-Bereich gab es die D.I.T.C.-Crew, die dazu beigetragen hat, New York in den 1990er Jahren mit Künstlern wie Lord Finesse, Showbiz und A.G., Big L, O.C. und Diamond D an die Grenzen des Hip-Hop zu bringen. Sie alle haben sich gegenseitig bei den Aufnahmen unterstützt und ihre eigene Szene innerhalb einer Szene geschaffen. Wie Pärson Sound, deren Mitglieder auch die Bands Trad, Gras Och Stenar, Harvester und International Harvester bildeten. Pärson Sounds sind schwedische Musiker, die, obwohl sie ursprünglich wie ihre deutschen Kollegen Can zur Jazzszene gehörten, komplizierter Musikalität und »Koteletts« den Rücken kehrten. Und stattdessen waren sie besessen davon, jede überflüssige Komplexität abzustreifen, um etwas in der Einfachheit und Repetitivität fast Ursprüngliches zu schaffen. Ich habe gelesen, dass das Konzept von Pärson sound darin bestand, die Musik ein wenig zum Stillstand zu bringen, so wie es der Atem in der Kälte momentan tut. Das ist Stoner-Rock lange bevor der Begriff erfunden wurde. Und selbst die mit Heroin getränkten Klänge von Spacemen 3 haben sie 20 Jahre vorgegriffen. Indem sie alles auf die elementarsten Bestandteile zurückgestutzt und ein starkes Konzept angewandt haben, hat diese Band ihren eigenen, völlig einzigartigen Stil geschaffen. In ähnlicher Weise wie God Speed You! Black Emperor, fällt die spärliche und manchmal schmerzhaft langsame Musik nach und nach in einen intensiven kakophonischen Höhepunkt ab, den man live wohl nicht mehr erleben kann. Diese Band in all ihren verschiedenen Erscheinungsformen hat unsere Musik enorm beeinflusst.


Die Schallplatten von The Heliocentrics findest du im Webshop von HHV Records.

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Albert Mangelsdorff
Mainhattan Modern
»Mainhatten Modern« versammelt neun vergleichsweise konventionell arrangierte Songs aus der frühen Karriere von Albert Mangelsdorff.
Music Review | verfasst 11.11.2015
Brad Mehldau
10 Years Solo Live
Brad Mehldau hat sich die Zeitgenommen und »10 Years Solo Live« Revue passieren zu lassen. Herausgekommen ist eine 8 LP starke Vinylbox.
Music Review | verfasst 20.11.2015
Omer Klein
Fearless Friday
Die Musik von Omer Klein auf »Fearless Friday« klingt internationaler denn je. Sie atmet den Geist des rhythmisch- kraftvollen Trio-Jazz.
Music Review | verfasst 30.11.2015
Scott DuBois
Winter Light
Mit »Winter Light« debütiert Scott DuBois bei ACT. Ein ungewöhnliches Album für das Label, mal meditativ, mal Fusion-inspiriert.
Music Review | verfasst 01.02.2016
Nils Landgren
Some Other Time
»Some Other Time« ist Nils Landgrens Verneigung vor Leonard Bernstein. Es ist wie so viele seiner Alben, zu glatt poliert, um zu überzeugen.
Music Review | verfasst 11.02.2016
Ed Motta
Perpetual Gateways
Seit Donny Hathaway hat kaum jemand so butterweich geklungen: Jazzsänger Ed Motta legt mit »Perpetual Gateways« den Maßstab gewohnt hoch
Music Review | verfasst 17.02.2016
Moritz Sembritzki Magnetic Ghost Orchestra
Sand
Moritz Sembritzki scharrt 16 der besten, jungen Jazzmusiker hierzulande um sich und nimmt mit »Sand« eine rätselhafte, fordernde Platte auf.
Music Review | verfasst 22.02.2016
Alex Puddu
In The Eye Of The Cat
Alex Puddu vertont wieder Filme, die niemals existierten. Mit »In The Eye Of The Cat« widmet er sich dem Giallo-Genre.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Beatrice Dillon – Workaround
Auf PAN hat Beatrice Dillon ihr neues Album »Workaround« veröffentlicht. Florian Aigner, Philipp Kunze und Kristoffer Cornils unterhalten sich darüber. Und fragen sich: ist da ein Groove? Ist da ein Konzept? Sie werden sich nicht einigen.
Music Porträt
Mad About Records
Sündhaft sommerlich
Der Portugiese Joaquim Paulo kümmert sich mit seinem Label Mad About um die wirklich schwer zu findenden Schallplatten von Jazz bis Bossa Nova. Mit Erfolg. Wir stellen dir das Label ausführlich vor.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Liste
Sepalot
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich Sepalot der Aufgabe an.
Music Kolumne
Records Revisited
D'Angelo – Voodoo (2000)
Die Rückkehr des Unperfekten brauchte mehrere Jahre. Was sich lohnte. Denn »Voodoo« von D’Angelo brachte vor 20 Jahren die Wärme und den Groove des Soul zurück. Eine Geschichte über Mythen, Seele und eines der merkwürdigsten Musikvideos.
Music Porträt
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Music Interview
Kinderzimmer Productions
»Wer kennt noch Jenny Elvers?«
Kinderzimmer Productions beackerten im Deutschrap schon immer die Ränder. Ihre Samples waren ausgefuchster, ihre Anspielungen cleverer, ihr Anspruch war es, originell zu sein. Nach 13 Jahren Pause sind die Ulmer nun zurück Ein Interview.
Music Interview
Jan Schulte
Mein Name sei Bufiman
Jan Schulte ist der Mann mit den vielen Namen. Jetzt veröffentlicht er auf dem niederländischen Label Dekmantel sein Debüt »Albumsi« als Bufiman. Wir trafen ihn im Wolf Müller Flanger Studio und sprachen mit ihm darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Rolling Stones – Let It Bleed (1969)
Vom Western-Saloon in den Vietnamkrieg, Stress mit den Cops und Heroin in Arschbacken – der Weg zu »Let It Bleed« verläuft auf einem Pfad zwischen Morbidität und Leichtsinn. Am Ende waren die Drogen gelutscht und die Utopien der Hippies tot
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 12inches
Dance Music dominiert bei den Vinyl 12"s des Jahres 2019. Aber das ist doch nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Denn diese Auswahl zeigt: alles ist erlaubt auf dem Dancefloor und muss es ogar sein.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Reissues
Auch 2019 haben uns fleißige Plattenlabels Musik von gestern für ein besseres Morgen zur Verfügung gestellt. Wir haben 50 Schallplatten herausgesucht, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 Compilations
Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig ganz unterschiedliche Tracks zusammenkommen, ist das Ergebnis nur in 1% der Fälle überzeugend. Wir haben trotzdem 20 rausgesucht.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.