Music Kolumne | verfasst 16.03.2011
Aigners Inventur
Februar 2011
Raekwon kümmert sich um die Basis, Mr Dibiase um die Atari-Nerds, Show & KRS-One um die ewig Gestrigen, Virgo 4 um Chicago, PJ Harvey um England und Radiohead um die Journaille. Madames et Monsieurs: der Februar!
Text Florian Aigner , Fotos The Binh

Raekwon - Shaolin vs. Wu-TangFind it at hhv.de: CD Album anderthalb nach der triumphalen Rückkehr in Form von Cuban Linx Part 2 also. Während das Wu-Massacre-Intermezzo mit den Spezln Meth und Ghost in seiner hektischen Kürze eher Snack-Charakter hatte, meldet sich Raekwon auf Shaolin vs. Wu-Tang in epischer Breite zurück. Klassizistisch as fuck, wieder mit Post-Dipset-Hipster Jim Jones, allerlei Wu-Inventar, Rick »ich kann auch mit Streichern und Soul-Samples« Ross und seinem neuen Go-To-Guy Black Thought, rappt sich der Chef durch zeitloses NY-Brimborium, inklusive Shadowboxing-Sample-Bastardisierung. 1997 hätte ich mich vermutlich beklagt, dass der Clan das schon besser gemacht hat, 2011 applaudiere ich. The times they are a-changing – are they?

Lupe Fiasco - LasersFind it at hhv.de: LP | CD So, weiter mit einem der talentiertesten des neuen Milleniums. Anstatt aber seine immer noch einigermaßen exponierte Stellung zu nutzen und die Ringtone-Fraktion weiter mit Reimen zu verwirren, auf die Literaturwissenschaftsmagister stolz wären, entscheidet sich Lupe Fiasco für den vermeintlich einfachen Weg. Übersetzt heißt das: angestaubte Autotune-Geschichten, Choruses straight outta Keshaville und Beats die Pharrell nach einem Hördurchgang gelöscht hätte. Einigen interessanten Ideen und einem arschvoll Talent zum Trotz: Lasers ist eine mittelschwere Katastrophe.
 

Talib Kweli - Gutter RainbowFind it at hhv.de: CD | 2LP Weniger verheerend fällt das Urteil für Gutter Rainbows aus. Erschienen über die Resterampe Duck Down, veröffentlicht Talib Kweli ein solides, manchmal beliebig, manchmal richtig hungrig klingendes Album. An die überraschend starke Reflection Eternal-Reunion aus dem letzten Jahr oder __Liberation: reicht es jedoch nicht heran, dafür ist das alles zu zerfahren, zu mixtapy, zu groß die Diskrepanz zwischen dem routinierten Flexen mit Sean P auf Palookas und dem Post-Neo-Soul-Vibe der zweiten Albumhälfte.
 

Reks - R.E.K.S.Find it at hhv.de: CD Noch wesentlich expliziter an allen Trends vorbei rappt Reks auf R.E.K.S. (Rhythmatic Eternal King Supreme). Premier, Alchemist, Showbiz, Sean C & LV, Hi-Tek, Nottz, Styles P, clevere Lyrics, ein sauberer Flow – auf dem Papier ein Traum für die Brooklynosaurier. Und dennoch: irgendwie verdeutlicht dieses Album, dass die Lösung für Hip-Hops andauernde Sinnkrise auch nicht zwangsweise in den staubigen MPCs der Grande Seigneurs liegt.
 

KRS-One & Show - GodsvilleFind it at hhv.de: CD Apropos Sinnkrise: Wer diese in Potenz hören will, greift zu Godsville. Hier kollaborieren KRS-One und Showbiz auf Albumlänge und so sehr man das bedauern mag: das braucht heute keiner mehr. KRS stammelt sich von Plattitüde zu Plattitüde (»Hip Hop you don’t stop, now true dat./ We cut with the Boom Bip, scratch with the Boom Bap«) über größtenteils okaye, aber oft ebenso hüftsteife Show-Instrumentals. Eine Platte wie ihr Cover.
 

Mr Dibiase - Machines Hate MeFind it at hhv.de: CD Wer sich nach so vielen Phrasen die Ohren ausspülen muss, kann dies mit den bleepigen, ad infinitum gechoppten Beatskizzen Mr Dibiases tun. Der deutet auf Machines Hate Me an, warum der Titel durchaus Programm sein könnte. Hyperaktiv triggert sich Dibiase durch seine – Vorsicht, 2008er Vokabel – wonky Beats und lässt keine vier Takte gerade sein. Anstrengend, aber gut.
 

Long Arm - The BranchesFind it at hhv.de: CD Etwas melodieverliebter, wesentlich analoger, mit ähnlich schwach ausgeprägtem Sitzfleisch: The Branches, ein atmosphärisch sehr dichter und in seinen Arrangements an Dday One erinnernder Longplayer von Long Arm. Gerade wenn die extrem live klingenden Drums und jazzig-melancholischen Arrangements mit Vocal-Schnipseln pointiert werden, passt das herrlich in die Jahreszeit.
 

Gil Scott-Heron & Jamie xx - We're Ne HereFind it at hhv.de: CD | LP Schwer gehypt, für mich hinter den Erwartungen zurück geblieben: We’re New Here, die Remix-Maßarbeit des Doppel-X’lers Jamie xx. Gil Scott-Heron und Halftime-Wobble – das passt nicht. Nicht alles ist so problematisch wie die Neubearbeitung des jetzt schon relativ nahe am Klassiker dran seienden NY Is Killing Me – gerade I’ll Take Care Of You in der Piano-House- Variante oder die Brainfeederisierung von My Cloud haben eine Menge Charme – aber insgesamt wurde hier eine große Gelegenheit vergeben.
 

Egyptrixx - Bible EyesFind it at hhv.de So, und wer darf die erste Night Slugs-LP machen? Nope, nicht Girl Unit, nicht Bok Bok, nicht Jacques Greene, sondern der bislang relativ Hype-verschonte Egyptrixx. Während sein EP-Debüt mit Chicago und Detroit flirtete und in Neon goss, versucht er sich auf Bible Eyes auf eine im ersten Moment etwas unschlüssig wirkende Rehabilitation steifer Mnml-Konventionen, die dann gern in 2-Step-Rhythmen aufgebrochen und in ravige Bridges, Fidget-Gimmicks und weirden Synth Pop eingelagert werden. Seltsam, das. Aber hat was.
 

Siriusmo - MosaikFind it at hhv.de: CD | LP Mit ähnlicher Chuzpe produziert weiterhin Moritz Friedrich. Der hat sein Siriusmo-Alter Ego jetzt endlich mal auf Albumlänge in den Ring geschickt. Programmatisch auf den Namen Mosaik hörend, demonstriert Friedrich hier mal wieder, warum er das einzig legitime Berliner Pendant zu Mr Oizo ist. Sperrige Noise-Schlieren durchziehen den hyperaktiven Digital-Funk, Arpeggios stoppen so unvermittelt wie sie begonnen haben, wenn gebollert wird, dann immer mit einem diebischen Grinsen. Der Wahnsinn hat Methode.
 

Round Table Knights - Say WhatFind it at hhv.de: CD Während Siriusmo den Menschen, die seine Musik früh online promotet haben, nie so richtig getraut zu haben scheint, fühlten sich die beiden Schweizer Round Table Knights in der Discobelle-Posse augenscheinlich recht wohl. Wie viele frühe Bloghouser versucht sich das Duo mit ihrem Albumdebüt auf Jesse Roses Made To Play von allzu plakativen Etiketten zu befreien und ein ernstzunehmendes House-Album zu produzieren. Say What? will dann aber zuviel. Von Midget-Kleinklein über die Ethnokeule und Peaktime-Wums zu Downbeat und Sample-affinem Deep House – das mag gut gemeint sein, abgesehen von der fehlenden Kohärenz, stecken die Schweizer zusätzlich noch in dem Dilemma in keinem der durchexerzierten Micro-Genres zu den Klassenbesten zu gehören.
 

Salva - Complex HousingFind it at hhv.de: LPAll-Over-The-Placeness ist auch bei Salva Trumpf. Complex Housing bedient sich in Sachen Micro-Genres eher in der britischen Bass-Kiste, schmeißt aber auch einige dicke Boogie-Basslines und feisten Model 500-Electro in den Ring. Alles sehr digital, sehr Rustie meets Joker, aber wesentlich charmanter als das so manch anderer Epigone zuvor versucht hat.
 

Wolfram - WolframFind it at hhv.de: LP Ganz andere Ziele verfolgt der Wiener Wolfram, der sein Diskokaine Alias, so man der Legende glauben will, abgelegt hat, weil ihn eine nette alte Dame in einem öffentlichen Verkehrsmittel daran erinnert hat, dass Wolfram doch ein viel schönerer Name wäre. Gotta love the Ösis! Jener Wolfram lädt sich für sein Albumdebüt Wolfram nicht nur den Neo-Disco-Exzellenzcluster Hercules & Love Affair, Holy Ghost und House Of House ein; nein, auch Hollands Chef-Jacker Legowelt und Landsmann und Pionier Patrick Pulsinger dürfen ran. Und Dr. Alexander Nestor Haddaway. Doch, DER Haddaway! Diese Wahl darf durchaus als paradigmatisch gelten, so versucht Wolfram doch auf dem Album die Brücke zwischen fiesen Euro-Dance-Reminiszenzen und erhabenerer Disco-Musik zu schlagen. Was ihm zum Teil erstaunlich gut gelingt. Geht sich aus!
 

Soft Rocks - Disco PowerplayFind it at hhv.de: CD Den Editierern von Soft Rocks wäre das natürlich viel zu platt. Die versammeln auf Disco Powerplay krude Krautrock-Jams, C-Movie-Schwülstigkeiten, ekstatischen Afro-Funk, fiesen Dad-Rock, käsige Boogie Jams und alles andere, was man als Kosmiker halt so spielen kann. Sympathisch und viel besser als diese Beschreibung erahnen lässt.
 

Nicholas - Depths of My SoulFind it at hhv.de: CD Direkt eine noch relativ unbesetzte Nische im Edit-Business reklamiert hat der 25-jährige Italiener Nicholas, der auf Depths Of My Soul seine zahlreichen Vinyl-Beiträge kompiliert. Nicholas’ Instrumentals verbinden funky Disco-Breaks mit nachdrücklich jackendem Roland-Wahnsinn Chicago’scher Prägung. Das alleine reicht – immer und immer wieder – schon für Aigner’sche Begeisterungsstürme, was Nicholas aber so gut wie wenige andere kann: Vocals. Die klaut und samplet er sich von expressiven Disco- und House-Diven zusammen und klatscht sie über seine, gerne im Midtempo trudelnden Tracks. Und es passt – auch immer und immer wieder.
 

Virgo Four - ResurrectionFind it at hhv.de: 5LP | CD Kommen wir zu einem Release, das – ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster – den Platz in meiner Jahrestop 3 jetzt schon fest gebucht hat. Eric Lewis und Merwyn Sanders waren und sind dank Rush Hour jetzt wieder Virgo 4. Resurrection versammelt Material das in den Jahren 1984 bis 1990 entstanden ist und zementiert das, was spätestens seit dem letzten Jahr alle wissen: Virgo 4 sind die historisch unterbewertetste House-Combo aller Zeiten. Da können manche Kollegen noch so oft schreiben, dass nicht alles auf dieser monströsen 5er-LP essentiell sei und manche Tracks eher Skizzen gleichen würden. Banausen, ihr! Für mich sind diese subtilen und tiefen Tracks nicht nur eine Reise in das sagenumwobene Chicago der Achtziger, sondern so ziemlich das Beste, was 2011 hätte passieren können. Da kann sich der Rest der heutigen House Nation noch so oft durch die Roland-Palette durchdeklinieren: this is how it’s supposed to be done!
 

Rick Wilhite - Analog AquariumFind it at hhv.de: CD | LP Und gleich nochmal eine Legende: Rick Wilhite, seines Zeichens Detroiter Instanz in Sachen Vinylverkauf und mit den ganz Großen musizieren, entschließt sich nach mehr als zweieinhalb Dekaden dann doch mal dazu ein Soloalbum zu veröffentlichen. Wobei – so ganz alleine ist er auf Analog Aquarium (natürlich) nicht. Seelenverwandte wie Theo Parrish, Osunlade, Billy Love oder Marcellus Pittman greifen dem Godson tatkräftig unter die Arme und sind nicht gerade unbeteiligt daran, dass man sich im Handumdrehen in diesen tiefen, großflächig arrangierten Soul-Stompern verliert, bevor Wilhite gen Ende kosmische Dschungelsuppe auftischt und die Parameter in Richtung Techno verschiebt. Groß, groß, groß!
 

Moritz von Oswald Trio - Horizontal StructuresFind it at hhv.de: CD | LP Moritz Von Oswald bastelt derweil unbeirrt an seinem ganz eigenen Klanguniversum. Für Horizontal Structures lud er sich erneut Vladislav Delay und Max Lodermann zur gemeinsamen Grenzauslotung ein und herausgekommen ist, wie schon auf dem Vorgänger, ein unklassifizierbarer Monolith, der auf dubbigem Gewummer, improvisierten, schwer greifbaren Klangkörpern, Headfuck-Electronica und krautigen Ambient-Drones fußt. Erschienen ist das nächste Kapitel des Moritz Von Oswald Trios übrigens wieder via Honest Jon’s.
 

Tim Hecker - Ravedeath, 1972Find it at hhv.de So, weiter mit Eno. Äh, Hecker. Ravedeath, 1972 ist eine epische Piano-Elegie, eine demonstrative Entschleunigung, die so gar nichts mit Ambient-Klischees am Hut hat. Sondern eben mit Eno. Vorsicht Binsenweisheit: Muss man in der Stimmung für sein. Wer Geduld mitbringt und nicht irgendwo irgendwann zwischen Bassdrum, RTL 2 und Wolfenstein völlig abgestumpft ist, sollte sich aber auf Tim Hecker einlassen.
 

Radiohead - the King Of LimbsFind it at hhv.de: CD | LP Argh, Radiohead. Most undankbarer Review-Job in ze world. Wobei, dieses Mal ist es einfacher. Selbst die größten Apologeten scheinen sich einig zu sein, dass King Of Limbs (ausnahmsweise) mal keine neue Zeitrechnung in der Musikgeschichte initiiert. Ich mag vor allem die gar nicht so zaghaften Annäherungen an Yorkes Brainfeeder-Fantum, die rockigeren Sachen hatten wir alle schon und die obligatorische Ballade ist schön, aber halt auch ein bißchen narzisstisch. Klingt das jetzt alles so, als würde ich Radiohead nicht mögen? Blödsinn! Bleibt halt doch der undankbarste Review-Job in ze world…
 

PJ Harvey - Let England ShakeFind it at hhv.de: LP Auch mögen tut jeder (inklusive mir) PJ Harvey. Weil ich eine Schwäche für desillusionierten Post-Viktorianismus habe, sind die gewohnt weirden, sich dieses Mal in gewohnt kryptischer Weise mit den Wirren des ersten Weltkriegs beschäftigenden Texte auf Let England Shake wieder ein Spaß für uns Akademiker-Dünnbrettbohrer. Und die Stimme ist und bleibt halt toll. Right on, Polly Jean, right on!
 

Charles Bradley - No Time For DreamingFind it at hhv.de: CD | LP So, genug Folk-Genöle jetzt, steige aus dem Bett, dreh den Soul auf. Auf die vermutlich dämlichsten Worte, die je eine Charles-Bradley-Review einleiten werden, folgt noch die bahnbrechende Erkenntnis, dass Bradley nicht nur die Stimme eines Stax-Gottes hat, sondern mit der Menahan Street Band auch Mitstreiter, die dieses Retro-Soul-Ding so im Sack haben wie sonst vielleicht nur die El Michels Affair und die Daptones. Überdeepe Gänsehautinstrumentierung und eine sensationelle gesangliche Leistung – muss ich weiterreden? Ach doch, Albumtitel fehlt ja noch: No Time For Dreaming.
 

The Natural Yogurt Band - Tuck In With... Find it at hhv.de: CD | 10inch Nicht nur, dass die Natural Yogurt Band so ungefähr den besten Namen aller Zeiten trägt, auch fällt mir ad hoc keiner ein, der den klaustrophobischen Psych-Soundtracks eines David Axelrod oder Alain Goraguer so effizient mit dynamischen Funkbreaks und WahWah-Wahnsinn zusammenbringt, wie das nun wohl fest auf Now Again beheimatete Kollektiv. Das neue Album heißt Tuck In With… und ist genauso super wie der Vorgänger.
 

Austin Peralta - Endless PlanetsFind it at hhv.de: CD Zum Schluss noch waschechten Jazz. Auf Brainfeeder. Das ist gar nicht so verwunderlich, wenn man um Fly Los-Familienbande und musikalischen Vorlieben weiß. Statt futuristischen Beatkollagen gibt es uns Austin Peralta ganz klassisch. Mir gefallen die reduzierten, schwerelosen Stücke besser als die wilden Bebop-Jazzer, weil ich dazu irgendwie ständig Bilder von Travis Bickle im Kopf habe, aber mit Jazz ist das ja wie mit Rotwein: sollte man sich als Halbwissender nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
 

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 19.10.2011
Aigners Inventur
September/Oktober 2011
Wie üblich macht unser Kolumnist vom Dienst auch in dieser Ausgabe vor großen Namen nicht Halt. So dürfen sich Phonte, Emika, James Blake, Radiohead und Apparat Watschen abholen. Warum es trotzdem ein guter Monat war, lest ihr hier.
Music Review | verfasst 14.03.2011
Charles Bradley & the Menahan Street Band
No Time For Dreaming
Mit 60 Jahren veröffentlicht Charles Bradley sein Debütalbum.
Music Review | verfasst 04.04.2013
Charles Bradley
Victim of Love
Er ist der verspätete Weltstar des Soul und setzt mit seinem zweiten Album dort an, wo »No Time For Dreaming« aufgehört hat.
Music Review | verfasst 31.03.2016
Charles Bradley
Changes
Ungezähmt, ja ekstatisch: Charles Bradley, der »Screaming Eagle Of Soul«, meldet sich mit »Changes« eindrucksvoll zurück.
Music Review | verfasst 08.11.2018
Charles Bradley
Black Velvet
Vor genau einem Jahr starb Charles Bradley. Nun veröffentlicht Dunham mit »Black Velvet« eine Sammlung von Raritäten, Singles, Bonus Tracks.
Music Bericht | verfasst 08.11.2011
Charles Bradley
Live am 6.11. im Lido in Berlin
Charles Bradley, der 63-jährige Shootingstar der Soulszene machte bei seiner kleinen Rundreise durch Europa auch in Berlin halt. So wurde das Lido zum Schauplatz eines der emotionalsten und bedrückendsten Konzertereignisse dieses Jahres.
Music Bericht | verfasst 15.08.2012
Charles Bradley
Live am 8.8. im Astra Kulturhaus in Berlin
Nach einem halben Jahrhundert durchwachsen von Pech und Schicksalsschlägen erhebt sich der »Screaming Eagle Of Soul« aus der Asche seiner Vergangenheit und rührt dabei sein Publikum zu Tränen.
Music Interview | verfasst 06.05.2013
Charles Bradley
Looking For The Truth
Es gibt die Dinge, die liegen lange verborgen, sind vergessen und entfalten erst spät eine plötzliche Dringlichkeit. Die Musik von Charles Bradley, dem »Screaming Eagle of Soul«, gehört zu diesen Dingen.
Music Review | verfasst 01.05.2011
Radiohead
The King Of Limbs
Thom Yorkes Gesang kommentiert lakonisch eine kompositorisch arme Platte, die sich mit einem interessanten Konzept zu entschuldigen weiß.
Music Review | verfasst 24.06.2017
Radiohead
OK Computer OKNOTOK 1997-2017
Vor zwanzig Jahren ist »OK Computer« von Radiohead erschienen, also erscheint zum Jubiläum eine erweitere Neuauflage.
Music Essay | verfasst 24.03.2011
Radiohead
Das Prinzip Radiohead
Während sich derzeit die Journaille über die ästhetische Größe des neuen Radiohead-Werkes The King Of Limbs die Köpfe zerbricht, fragt sich unser Autor Daniel von der Vring, wieso man diese Band nicht so richtig doof finden kann.
Music Liste | verfasst 05.05.2011
Young Montana?
DJ Charts
Mary Anne Hobbs, die beliebte Auskennerin von BBC Radio 1, hat Young Montana? im letzten Jahr zum »Favourite Unsigned Artist of 2010« erklärt. Für uns hat der 20-jährige zehn seiner derzeit liebsten Platten herausgesucht und kommentiert.
Music Kolumne | verfasst 15.06.2016
Vinyl-Sprechstunde
Radiohead: »A Moon Shaped Pool«
Radiohead bringen in zwei Tagen ein neues Album raus. Die Welt hält den Atem an. Unsere Autoren haben das Album schon gehört – und auch ihnen schlägt das ›Event‹ auf die Atemwege.
Music Kolumne | verfasst 07.12.2016
Jahresrückblick 2016
Hat das Album ausgedient?
Groß angekündigt, gar nicht angekündigt: viele Alben sorgten dieses Jahr für besonders Aufsehen. Was hieß eigentlich im Jahr 2016 noch Album? Wir werfen ein Blick auf den Krieg der Formate und müssen dabei auch über eins reden: Geld.
Music Review | verfasst 30.11.2010
Kanye West
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Kanye West besinnt sich auf seine alte Stärken, besinnt sich auf große Popmomente und geht damit wieder ein, zwei Schritte nach vorne.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli/August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.
Music Kolumne
Records Revisited
The Roots – Things Fall Apart (1999)
Mit »Things Fall Apart« sollte sich für The Roots entscheiden, ob sie einfach Kritikerlieblinge blieben oder auch den großen kommerziellen Erfolg erreichen könnten. Es wurde ihr Durchbruch.
Music Interview
Efdemin
Beim Verlassen des Raums
Philipp Sollmann an einem puristischen Techno-Sound festzumachen, ist nicht möglich. Auch mit seinem neuen Album als Efdemin, »New Atlantis«, nicht. Es käme einem langsamen Verlassen des Raums gleich, sagt er im Interview.
Music Porträt
Multi Culti Records
The Music Is The Massage
Multi Culti ist eines der Labels der Stunde. Entschleunigung ist nicht zu erwarten. Ihr Faible für tribale Rhythmen, hippie-eske Attitüde und wahre Freundschaft trifft nicht nur den Zeitgeist, es macht sie auch wenig anfällig für Trends.
Music Interview
Yasuaki Shimizu
»Ich liebe Musik«
Lange Zeit blieb japanische Musik der Welt verschlossen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Schallplatten, die vor 30, 40 Jahren entstanden sind, können nun auch hierzulande gehört werden. So auch die Werke von Yasuaki Shimizu.
Music Interview
Yassin
»Rap kann dich weiterbringen«
Seit mehr als zehn Jahren ist Yassin nun im Geschäft, und nun ist mit »Ypsilon« sein erstes Soloalbum erschienen. Dass ihm Rapmusik eine Herzensangelegenheit ist, war schon vorher klar. Im Gespräch wurde es noch einmal klarer.
Music Liste
Selling
Picks 10 latest Vinyl Records
Der als Gold Panda bekannte Derwin Dicker hat sich mit Jas Shwa von Simian Mobile Disco zusammengetan und als Selling ein gemeinsames Album, »On Reflection«, veröffentlicht. Was sonst noch auf irhen Plattenspieler kommt, verraten sie hier.
Music Liste
Chris Liebing
Picks 10 latest Vinyl Records
Chris Liebing ist vor kurzem 50 Jahre alt geworden. Und doch ist es, als wäre es gestern gewesen, als er als Augenzeuge, mehr noch, als Wegbereiter dem Techno hin zur Massenkultur den Weg bereitet. Hier und heute pickt er 10 Schallplatten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Januar & Februar 2019
Es ist 2019. Real-Player-Audioqualität auch kein Fickfinger mehr, sondern nur noch Pein im Popo. Aigners Inventur wieder da. Der einzige Anlass auf der Welt also, um mal kurz aus dem Winterschlaf respektive K-Hole aufzuschauen.
Music Liste
deM atlaS
Picks 10 latest Vinyl Records
deM atlaS war mal Frontmann einer Rockband, zeichnet Stück für Stück schon mal sämtliche Covers einer Vinylauflage und debütierte jüngst auf Rhymesayers. Diese Schallplatten gefallen ihm aktuell selbst.
Music Kolumne
Records Revisited
Elecktroids – Elektroworld (1995)
Wer sind sie und wenn ja wie viele? Diese Frage haben sich seit der Erstveröffentlichung von »Elektroworld«, dem 1995 erschienenem, einzigen Album der Elecktroids, so einige gefragt. Die Hinweise auf einen Urheber haben sich verdichtet.
Music Porträt
Retrogott & Hulk Hodn
Gesprächsfetzenkontamination
Seit nun auch schon beinahe 20 Jahren sind Retrogott und Hulk Hodn gemeinsam unterwegs. Lange Zeit als Huss&Hodn, seit 2013 mit neuem Namen. Geändert hat sich ansonsten allerdings nichts. Und diese Konstante, das genau ist ihre Kunst.
Music Porträt
Cannonball Records
Bombenstimmung auf der Tanzfläche
2014 hat der Italiener Alberto Zanini sein Label Cannonball Records gegründet. 30 Releases später kann man sagen, dass er damit einen nicht unerheblichen Beitrag für die Rare Soul-Szene leistet.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2018
Top 50 Albums
Ein Album aufzunehmen ist schon lange keine Geste der Verlegenheit mehr, es kommt immer einem Statement gleich. Das Album ist mittlerweile kein Format mehr, sondern ein Genre, das gemeistert werden will – und das gemeistert wird.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2018
Top 20 12inches
Die Vinyl 12inches sind auch in diesem Jahr wieder weitestgehend Musik für den Club vorbehalten. Eine gute Nachricht! Denn 2018 ging mehr als nur die Snare auf zwei und vier. Was das im Einzelfall bedeutet, müsst ihr schon selbst lesen.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2018
Top 50 Reissues
In immer entlegenere Nischen wurde in diesem Jahr nach Reissues geforscht: bei indigenen Völkern, in mexikanischen Planetarien oder in den 1980er Jahren in Belgien aufgeführten Theaterstücken. Wir haben euch mal die besten herausgesucht.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2018
Top 20 Compilations
Die Compilations haben sich in diesem Jahr zur Königsdisziplin unseres Jahresrückblicks entwickelt. Was? Ja, wir waren auch überrascht. Aber es ist so: der Mehrwert solcher Beiträge ist enorm.