Music Bericht | verfasst 18.10.2011
Planningtorock
Live am 13.10. im Berghain in Berlin
Ein großartiges Konzert, bei dem sich Janine Rostron als Grande-Dame des Dark-Pop und als Künstlerin präsentierte, für die eine Weiterentwicklung kein Fremdword, sondern ein Konzept ist.
Text Patrick Cavaleiro , Fotos Juliette Pagacz
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Bei der Premiere von »Certain People«, einer neuen Veranstaltungsreihe im Berghain, gaben sich am Donnerstagabend neben Love Inks, auch die in ihrer Heimat gefeierte Britin Elizabeth Walling aka Gazelle Twin, das Duo Creep, und – als Headlinerin – Janine Rostron aka Planningtorock die Ehre. Während diese mit ihrem Album W im Frühling für Begeisterungsstürme sorgte, wollten die Texaner von Love Inks, die den Abend eröffneten, mit ihrem naiven und lebensbejahenden Minimal-Indie bei den sonst etwas düster angehauchten Acts nicht ganz ins Bild passen. Nachdem sie von der Bühne gingen, betrat Gazelle Twin die Bühne, und man durfte gespannt sein, was es mit dem Hype in Großbritannien und einer 5 von 5-Punkten-Wertung im Guardian auf sich hatte. Nach einem guten Start, bei dem sie vor allem mit ihrer glasklaren Stimme punktete, wurde es bedauerlicherweise immer schwieriger, ihren Songs zu folgen, da es an der Live-Umsetzung stellenweise deutlich haperte – die Performance war jedoch schon sehr ausgefeilt und sehenswert. Anschließend kamen Creep samt Cellist und Live-Drummerin auf die Bühne, die aber leider statt durch ihre Musik eher durch die Tatsache verstörten, dass die Stimmen bei jedem ihrer Songs vom Band kamen. Klar, dass man nicht eben Nina Sky oder Romy Madley-Croft von The xx einfliegen konnte, aber eine andere Sängerin hätte es genauso getan, anstatt den Gesang aus dem Off kommen zu lassen. Zudem waren Lauren Dillard und Lauren Flax an den Maschinen auch rhythmisch nicht besonders gut aufeinander abgestimmt.

Die beste Show lieferte tatsächlich die seit 2002 in Berlin lebende Planningtorock, dessen Auftritt scheinbar auch die meisten Zuschauer gelockt hatte. Mit drei Saxophonistinnen und einer Frau an der Elektronik ließ sich die Künstlerin auf einem Chefsessel auf die Bühne rollen und wurde vom Publikum wärmstens empfangen. Es folgte eine einstündige Demonstration ihrer großartigen gesanglichen Fähigkeiten, ausschließlich mit Songs ihres im Mai erschienenen Albums W. Verglichen mit ihren Auftritten aus der Vergangenheit, bei denen sie über die Bühne tobte und ins Mic spittete, inszenierte sich Planningtorock im Berghain als Grand-Dame des Dark-Pop. Kontrolliert und erhaben bewegte sie sich über die Bühne und trug ihre Lieder vor, was aber das Publikum vor der Bühne dennoch nicht davon abhielt, vollkommen auszurasten. Bei der Zugabe, der Dance-Nummer Living It Out, war das vorhersehbar, aber auch bei ruhigen Songs, wie dem Arthur Russell-Cover Janine oder der Single The Breaks, schrien sich einige vor Freude die Seele aus dem Leib. Ein großer Aufritt einer großen Künstlerin, für die Weiterentwicklung kein Fremdwort, sondern Konzept ist.

Das Album W von Planningtorock findest du bei hhv.de auf LP. Andere Releases von Planningtorock findest du hier.
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