Music Interview | verfasst 17.11.2011
Joker
Die Vision im Kopf
Mit seinem »Purple Sound« schlägt Joker wie kein zweiter die Brücke zwischen Dubstep und Hip Hop. Nun ist sein ersehntes Debütalbum The Vision erschienen. wir trafen ihn zum Gespräch über Dubstep, Rap, Videospiele und geklaute Fernseher.
Text Benjamin Mächler , Fotos Mads Perch
3208-joker20111-www.hhv-mag.com

Die Erwartungshaltung gegenüber Liam McLean ist gewaltig. Seit 2007 brachte der als Joker bekannte Dubstep-Producer ein gutes Duzend Singles an den Start, die Fans und Presse regelmäßig in Wallung brachten. Mit seinem vielzitierten »Purple Sound« schlug er wie kein zweiter die Brücke von Dubstep hin zu Hip Hop und R&B, worauf sich Straßenjungs als auch Club-Chics gleichsam einigen konnten. Sehnlichst wurde daher das Debütalbum verlangt, das dieser Tage nicht wie angenommen über Hyperdub oder sein eigenes Label Kapsize, sondern die Indierock-Adresse 4AD erscheint. Doch keine Bange, das Londoner Label hat bereits mit dem Zomby-Signing einen guten Riecher bewiesen und auch der Bristolian bleibt seiner Hitmaxime treu! Wir luden zum Gespräch.

Du hast das Album mit The Vision betitelt. Was war deine konkrete Vision bei der Herangehensweise an das Album?
Joker: Ich versuchte die Vision zu produzieren, die ich im Kopf hörte bzw. sah. Doch nach gut der Hälfte, verlor ich die Vision etwas, so dass es am Ende anders wurde, als ich es mir vorstellte. Aber es ist noch immer ein Teil der Vision. [lacht] Um ehrlich zu sein, bin ich momentan selbst etwas von meiner Arbeitsweise irritiert. Ich habe auch keine Ahnung, was zur Zeit mit mir los ist, aber ich bin etwas abwegig. Früher habe ich einen Track sprichwörtlich sehen können, bevor ich ihn im Logic produzierte. Aber nun bin ich wie in einer dunstigen Rauchwolke verloren.

Viele erwarteten dein Debütalbum über Hyperdub. Wie bist du letztlich auf 4AD gelandet?
Joker: Hyperdub wäre ganz sicher eine hervorragende Adresse gewesen, aber ich denke es ist nicht der Ort, wo dieses Album rauskommen sollte. Ich benötigte ganz einfach ein größeres Label, um das Album zu pushen und Leute, die sich damit auskennen. Gemeinsam mit meinem Manager sprach ich mit einigen Labels, aber 4AD waren die ersten, die wirklich cool waren und mich einfach nur machen ließen.

Kannst du nachvollziehen, dass der harte Kern der Dubstep Fans die Entwicklung in Richtung Mainstream verteufelt?
Joker: Ja natürlich. Die Leute wollen die Musik im Underground behalten, aber es gibt noch immer genügend, die Dubstep im Underground betreiben. Und um es ein für alle mal klar zu stellen, ich schreibe Songs für Sänger und MCs seit Tag eins. Also kann mir keiner etwas erzählen.

»Ich denke die Leute in den Staaten folgen letztendlich dem Hype. Wäre dort drüben damals Grime richtig groß geworden, würden heute auch alle auf Grime machen.« (Joker) Besonders auf Hip Hop-Kids übt Dubstep einen großen Reiz aus. Was macht das Genre momentan attraktiver als Rap?
Joker: Ganz einfach, das es zu einer Riesensache wurde. Ich denke die Leute in den Staaten folgen letztendlich dem Hype. Deshalb macht dort drüben gerade jeder Dubstep. Wäre dort drüben damals Grime richtig groß geworden, würden heute auch alle auf Grime machen. Aber es kam anders…

Nicht wenige beschreiben deinen Sound als modernen G-Funk und hoffen insgeheim, dass Rap-Größen wie Snoop Dogg oder Jay-Z bald Beats bei dir shoppen. Wie realistisch wäre eine Kollaboration?
Joker: Dass ich einmal mit Snoop Dogg zusammenarbeite ist gar nicht so abwegig. Ich weiß, dass er momentan sehr auf Produzenten aus dem UK steht und ich spreche häufig mit seinem Manager. Snoop scheint ein sehr cooler Typ zu sein.

Ich las, dass du ein Album mit dem Halfstep-Producer Silkie in Planung hast, das ihr in Berlin und Kopenhagen aufnehmen wollt. Warum in diesen Städten?
Joker: Wir mögen diese Städte. Leider haben wir beide noch nicht ausreichend Zeit für das Projekt aufbringen können. Ich schätze wir gehen das in naher Zukunft an. Und noch etwas: Ich würde Silkie nicht Halfstep-Producer nennen. [lacht]

Du bist als leidenschaftlicher Zocker bekannt. Findest du überhaupt noch Zeit für Videospiele und was war das letzte Spiel, das du bis zum Ende gespielt hast?
Joker: Das letzte Spiel, das ich bis zum Ende spielte war wahrscheinlich Metal Gear Solid 4. Ansonsten spiele ich viel Call Of Duty, doch das hält mich zu sehr vom Musik machen ab, was nicht gut ist!

Was ist dein Lieblingsalbum 2011 und auf welche Platte freust du dich besonders?
Joker: Der Titel »Album des Jahres« dürfte wahrscheinlich an Lil’ Wayne gehen. Die Beats auf Ski Beatz’ Album sind auch wirkliche Bretter. Und das Album auf das ich mich am meisten freue…[überlegt]…Benga!

Wie bewertest du die kürzlichen Krawalle und Unruhen in deinem Land? Denkst du, dass die Ereignisse einen politischen oder sozialen Wechsel bringen?
Joker: Dieser Scheiß interessiert mich rein gar nicht. Aber falls ihr einen Fernsehen erbeutet habt, kaufe ich euch den ab!

Das Album The Vision von Joker findest du bei hhv.de als ###HHV: 256656:CD### und LP.
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