Music Bericht | verfasst 15.11.2011
Kode9
Live am 11.11. im Icon in Berlin
Der DJ, Produzent, Label-Chef und Philosoph Kode9 lud zu einer aktuellen Bestandsaufnahme des Genres der Bassmusik ein und zeichnete dabei auch deren Usprünge und die verschiedenen musikalischen Entwicklungen der letzten Jahre nach.
Text Henning Koch
3221-kode9live2-www.hhv-mag.com

Die Veranstaltungsreihe Hobbyhorse im Icon in Berlin hat sich mittlerweile zu einer festen Größe für Shows der aktuellen elektronischen Musikszene zwischen Beatbastlern und Bassmusik entwickelt und wartete am Freitag, den 11.11. mit dem seit den frühen Tagen des Dubstep fest etablierten DJ und Produzenten Kode9 auf. Dieser absolvierte seinen Auftritt vollkommen konzentriert, fokussiert und unprätentiös und begann mit vergleichsweise leichten UK Funky-Tracks, die sich in ihrer stilistischen Richtung an den Afrobeat annäherten. Ähnlich wie bereits auf seinem Beitrag zur DJ-Kicks Compilation oder bei seinem BBC Radio 1 Essential Mix merkte man dem Glasgower die eigene Entwicklung, weg von dem schweren Sound seines Debüts Memories Of The Future hin zu den leichteren und vielseitigeren Klängen seiner aktuellen Platte Black Sun, deutlich an, jedoch beschränkte er sein Showcase nicht bloß auf eigene Stücke oder die seiner Label-Kollegen, sondern bot ein umfassendes, zweistündiges DJ-Set. Der Hyperdub-Chef führte sein Publikum vom leichten Einstieg aus weiter zu den düsteren Basswellen des Dubstep, die aber entgegen der aktuellen Entwicklungen des Genres noch dem klassischen Dub zugewandt waren und brachte damit die Mauern des kleinen Kellerclubs zum beben. Die aufgeladene, aggressive Energie der tiefen Frequenzen entlud sich schließlich in den Staccato-artigen Rhythmen des Grime und manifestierte sich zum Abschluss auch in einigen Jungle-inspirierten Tracks. Seinen PhD und die akademische Laufbahn konnte man Steve Goodman tatsächlich anmerken, präsentierte er doch geradezu eine musikalische Lesung an den Plattentellern zum aktuellen Zustand der britischen Bassmusik und ihrer Geschichte, die aber nicht zu trocken und kopflastig daherkam, sondern auf abwechslungsreiche und gut tanzbare Weise gestaltet war. Die zum Teil parallel ablaufende, musikgeschichtliche Entwicklung von Jungle und UK Garage hin zu Grime, Dubstep und UK Funky wurde quasi in umgekehrter Reihenfolge wiedergegeben, wobei stets aktuelle und ältere Tracks miteinander vermischt wurden, wie sich mit Africa Hitechs Old School-inspiriertem Out In The Streets (VIP) relativ am Ende zeigte. Eine gelungene Bestandaufnahme eines Genres, in dem sich wohl nur wenige Menschen so gut orientieren können und die aktuellen Entwicklungen so aufmerksam verfolgen wie der Philosoph, DJ, Produzent und Label-Chef Kode9.

Die Veröffentlichungen von Kode9 findest du bei hhv.de
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