Music Kolumne | verfasst 23.11.2011
Aigners Inventur
Oktober / November 2011
Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden wir von einer wahren Flut neuer Alben überschwemmt. Unser Kolumnist Florian Aigner hat sich wie üblich für euch durchgehört und trennt die Spreu vom Weizen.
Text Florian Aigner

A$AP Rocky - LifeLoveA$AP Beginnen wir mit einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte. In Zeiten, in denen die meisten Rapper die Millionen nicht mehr auf dem Konto, sondern auf ihrem Youtube-Channel zählen, ist A$AP Rocky eine Ausnahme. Drei Millionen in Vorschusslorbeeren soll Sony dem gerne südstaatlich flowenden Jungspund aus Harlem für ein richtiges Album zur Verfügung gestellt haben, wohlgemerkt noch bevor dieser überhaupt ein Mixtape veröffentlicht hatte. Letzteres wurde nun nachgeholt, LiveLoveAsap klingt weitestgehend als hätte der Goodiemob jahrelang die falschen Drogen genommen. Auch dank einer Vielzahl dieser typischen, irgendwie immer verwaschen klingenden Clams-Casino-Beats ist A$AP Rocky so etwas wie diesjährige Kodein-Alternative zur Hyperaktivität des OFWGKTA-Clans im letzten Jahr.
 

Drake - Take CareFind it at hhv.de: CD | 2LP Ob A$AP Rocky jemals so durch die Decke gehen wird wie Drake, darf dennoch bezweifelt werden. Letzterer hat es in kürzester Zeit geschafft, eine erstaunlich massenkompatible Nische für sich zu monopolisieren. Drake bedient sich bei Kanyes nie abgelegten Backpackerismen, verzichtet aber auf dessen offensiv präsentierte, pathologische Bipolariät und macht es sich stattdessen als verletzlicher Loverboy mit Engelsstimmchen in der Chefetage gemütlich, mit Duftkerzen, Patron und 5-Sterne-Koch. Durchaus eine mutige Entscheidung in einem Spiel, das immer noch von Hypermaskulinität und Muckertum bestimmt wird. Kein Wunder also, dass Drakes zweiter Streich Take Care bisher primär von Rap-fernen Publikationen gefeiert wird. Wer mit seiner Sexualität im Reinen ist, darf sich deren Urteil aber gerne anschließen.
 

Pusha T - Fear Of God II: Let Us PrayFind it at hhv.de: CD Derweil bestätigt Pusha Ts Quasi-Debüt als Solokünstler Fear Of God 2: Let Us Pray das, was der erste Teil und das letzte Clipse-Album bereits andeuteten: ohne die Neptunes macht das weniger Spaß mit den Thorntons. Nicht dass Pusha seinen arroganten Flow, die cleveren Vergleiche und General Awesomeness verloren hätte, die künstlerische Vision, die Lord Willin und vor allem Hell Hath No Fury zu solch paranoiden und vor allem kohärenten Gesamtkunstwerken gemacht hat, fehlt jedoch auch hier. Was nicht heißen soll, dass man von den 12 angebotenen Stücken nicht mindestens die Hälfte als mittel- bis langfristige Playlist-Neuzugänge begrüßen darf.
 

Black Milk & Danny Brown - Black & Brown!Find it at hhv.de: CD | LP Schlüssig konzipiert ist das 30-minütige Intermezzo des Detroiter Nachwuchses, das mit Black And Brown auch gleich einen pragmatischen Titel bekommen hat. Black Milk emanzipiert sich auch hier immer weiter von seinem ursprünglichen Ruf, primär Dilla-Nachlassverwalter zu sein, und schießt everybody’s favorite Undercut-Hipster Danny Brown psychedelische Beats zu, die sich sehr stark von dessen vorangegangenem Free Album XXX unterscheiden und Brown immer wieder dazu verleiten, etwas ruhigere Töne anzuschlagen, ohne die Punchline-Dichte signifikant zu verringern. Sehr kurzweilig und unterhaltsam. Ich bleibe dabei: Danny Brown ist der Thirstin Howl III der 10er Jahre.
 

M.E.D. - Classic CoverFind it at hhv.de: CD | 3LP Mit wesentlich weniger Charisma wurde M.E.D. gesegnet, der diesen Umstand dank der richtigen Freunde jedoch oft genug erfolgreich kaschieren konnte. Auch Classic lebt wieder sehr stark von den hochwertigen Produktionen seines Busenfreundes Madlib, der ganz große Wurf Marke Can’t Hold On fehlt hier jedoch. Dennoch schafft es Madlib beinahe erneut vergessen zu machen, dass M.E.D. eher ein Feature- denn ein Album-Rapper ist.
 

Jedi Mind Tricks - Violence Begets ViolenceFind it at hhv.de: CD | 2LP Ein neues Jedi Mind Tricks Album. Och nö. Schon erstaunlich wie rapide die Jungs seit Violent By Design zu einer Selbstparodie verkommen sind. Vinnie Paz, die olle Presswurst, röchelt auch ohne Stoupe die gleichen Todesdrohungen auf die ewig gleichen theatralischen Instrumentals und Jus Allah findet wieder kaum statt. Besonders lustig wird das dann aber, wenn er diese Lobotomy/Sodomy/Autopsy/Monopoly/Philosophy-Stafetten über einen beschwingten Reggae-Beat schickt. Allein dafür sollte man Violence Begets Violence doch kurz anskippen; die Spinal Tapisierung ist in vollem Gange.
 

Kool Savas - AuraFind it at hhv.de: CD | 2LP In Würde altern ist auch im deutschen Rap-Spiel die Königsdisziplin. Kool Savas versucht es auf Aura nicht mit Hova’schem Übermenschentum und Allmachtsfantasien, sondern mit ein bißchen von allem. Lyrische Schwanzvergleichstracks, Trap-Anleihen, ein The Message-Cover für die Festivals, Bombast mit Xavier und Kinderchor, die Erkenntnis, dass es immer noch Mostly Tha Voice ist, die eine Karriere bestimmt und Pattern-Wahnsinn mit Banjo – Savas will alles auf einmal, sorgt für Unterhaltung, aber auch für ein unschlüssiges Album, das jene Königsdisziplin nur mit Teilnahmebescheinigung, aber ohne Ehrenurkunde, absolviert.
 

sido bushido invFind it at hhv.de: CD (Deluxe) | CD Vergleicht man das jedoch mit 23, muss man mit Aura zufrieden sein. Das deutsche Watch The Throne sollte es werden, aber Peter Maffay ist nicht Beyoncé und J Luv nicht Frank Ocean. Bei Sido und Bushido ging es ja nun nie um technische Glanzleistungen, das Problem aber ist, dass deren Schäfchen-im-Trockenen-Charaktere mittlerweile so spannend sind wie Mariella Ahrens.
 

DJ Shadow - The Less You Know The BetterFind it at hhv.de: CD | 2LP Seine Schäfchen im Trockenen hat seit Endtroducing auch DJ Shadow. Sorgen um ihn müsste man sich also keine machen. Und dennoch ist es so unendlich frustrierend einem Ausnahmekönner dabei zuzusehen, wie er seit über zehn Jahren an den eigenen Erwartungen scheitert. The Less You Know, The Better changiert unentschlossen zwischen Anleihen an die Mo’Wax-Ära, verzerrten Gitarren, Mädchen-Pop mit Little Dragon, sterbenslangweiligem Folk und Retro-Bap mit Kweli und Posdnous. Bitter: selbst das konfuse The Outsider war retrospektiv ein besseres, weil riskanteres Album.
 

Onra - Chinoiseries Pt. 2Find it at hhv.de: CD | 2LP Nachdem Onra letztes Jahr mit Electro-Funk und 80s R&B geflirtet hatte, kehrt er mit Chinoiseries Part 2 vorübergehend zurück zu seinen Wurzeln und schustert knisternde Obskuritäten aus Fernost zu einem Beattape zusammen, das sich (nicht) gewaschen hat. In dieser Sparte mit das Beste seit Madlibs Ausflug nach Indien.
 

hulk daviz invFind it at hhv.de: 2LP Gewohnt jazzy und dem 90er-Wertekanon verpflichtet, samplen sich unterdessen Hulk Hodn und Hubert Daviz durch ihr gemeinsames Beat-Projekt Kaseta. Im Regal direkt zwischen Petestrumentals und K-Defs Beats From The 90s einordnen. Persönliches Highlight: das wunderbar slicke und sehr transparent zitierende Maze.
 

Fulgeance - To All Of You (Cover)Find it at hhv.de: CD | 2LP Währenddessen arbeitet Melting Pot Music weiter an seinen Kanten und konnte hierfür den Synth-Enthusiasten Fulgeance für ein Album gewinnen. Vor drei Jahren hätte man To All Of You einfach »wonky« genannt, heute braucht man als Beschreibung wieder etwas prätentiöseres: Am britischen Bass geschulter Post-Dilla-Synth-Funk, der sich nicht entscheiden kann, ob nun der Subbass oder Jaylib die einschneidendere Erfahrung für ihn war. Mir fehlt da aber manchmal dieses Gespür für Melodie und Dynamik, das beispielsweise den artverwandten Rustie so auszeichnet…
 

Joker - The VisionFind it at hhv.de: CD | 2LP …oder eine dieser purpurnen Synth-Lines, die Joker vor drei Jahren scheinbar im Schlaf programmiert hat. Seit dieser jedoch auf den Fratstep-Parties im mittleren Westen angekommen ist, Flugmeilen sammelt statt schwarz zu fahren und ein Label hinter sich weiß, das notfalls vermutlich sogar Rihanna auf seine Platte kriegen würde, sieht es in Sachen Kreativität relativ düster aus bei dem stets HipHop-affinsten Protegé der zweiten Dubstep-Welle. Mit The Vision verspielt Joker, grausamen Kollaborationen und Bunga Bunga-Populismus sei Dank, nun alle Vorschusslorbeeren.
 

Pinch & Shackleton - Pinch & ShackletonFind it at hhv.de: CD | 2LP Mit Populismus hatten Pinch und Shackleton noch nie etwas zu tun. Selbst als es vor vier Jahren auch unter zurechnungsfähigen Wobblern darum ging, wer die mächtigste Bassline programmieren konnte, verweigerten sich beide den damaligen Obszönitäten. Während Pinch immer mal wieder mit technoiden Strukturen flirtete, zog sich Shackleton noch weiter in seine eigene Welt zurück, in der meditative afrikanische Drumstrukturen die oft alptraumhaften Soundgebilde strukturieren. Das erste gemeinsame Album hört praktischerweise auch auf den Namen Pinch & Shackleton, erscheint passenderweise über Honest Jon’s und ist ein undurchdringliches Geflecht, das die unterschiedlichen musikalischen Herangehensweisen der beiden Protagonisten kaleidoskopartig vereint und wie so oft – gerade bei Shackleton – erst nach einigen intensiven Durchgängen Sinn macht.
 

anstam invFind it at hhv.de: 2LP Dass die beiden auch einen enormen Einfluss auf die Produktionsweise des Modeselektor-Schützlings Anstam gehabt haben, lässt sich nach der zweiten Hälfte von Dispel Dances nur schwer von der Hand weisen. Komplexe Rhythmiken begraben latent spürbare Rave-Signale, ordnende Kicks oder Claps findet man selten, alles flirrt und surrt und dennoch entsteht hier nicht die selbe Magie.
 

Sepalcure LPFind it at hhv.de: 2LP Sehr hohe Erwartungen hatte ich an das erste Album von Sepalcure, Erwartungen, die nur bedingt erfüllt werden, besonders wenn man bedenkt, was für ein monströses Album Machinedrum unlängst vorgelegt hat. Während auf jenem Album Juke als Hauptreferenzpunkt diente, folgen Machinedrum und Braille auf Sepalcure dem immer noch anhaltenden Trend der Houseifizierung britischer Bassmusik. Im Gegensatz zu Joy Orbison, Martyn oder auch Braille selbst, tun die beiden dies hier aber des Öfteren auf unnötig verschnörkelte Art und Weise. Dies macht einige Tracks komplexer und unzugänglicher als sie dank ihres feisten Rhythmuskorsetts sein müssten. Dennoch ein hörenswertes Album.
 

floating points invFind it at hhv.de: 2LP Zugegebenermaßen mehr Single als Album, aber qua Format (2×12inch) und Qualität unumgänglich: die neue Floating Points auf Eglo. 5 Tracks, technoider als zuvor, aber immer noch mit diesem unfassbaren Gespür für Sexiness. Arp3 ist dabei der offensichtlichte Hit in der Tradition von Vacuum Boogie, aber auch die vier anderen auf Shadows enthaltenen Tracks bestätigen, was wir schon seit Jahren wissen: Sam is on fire und zwar 24/7.
 

Kuedo - Severant LPFind it at hhv.de: CD | LP Während die Sexiness bei Floating Points Groove-gesteuert ist, entsteht sie bei Kuedo eher über Abstinenz und Kälte. Ganz im Gegensatz zu der manchmal erschlagenden Arbeit an den Vex’D-Projekten, hat Kuedo auf Severant eine neue Subtilität für sich entdeckt, die sich aus den wavigen Synthexperimenten der späten Siebziger und frühen Achtziger speist. Irgendjemand hat über dieses Album geschrieben, es wäre Musik für Androiden, die weinen könnten. Das ist platt, aber durchaus zutreffend.
 

rolyp porterFind it at hhv.de: LP Komplett von der Bassdrum emanzipiert hat sich auch Kuedos ehemaliger Produktionspartner Roly Porter, der auf Aftertime eine erdrückende, endzeitliche Soundcollage baut, der man mit dem Attribut »Ambiente« nur schwer gerecht wird. Das klingt in etwa so, als würden Amon Tobin, Ben Frost und Tim Hecker gemeinschaftlich beschließen ihr Leben mit Schlaftabletten zu beenden. Verstörend, verstörend, aber wie immer bei solch traurigen Geschichten: auch seltsam anziehend.
 

Oneohtrix Point Never - ReplicaFind it at hhv.de: LP Immer noch very high brow, aber zugänglicher als zuvor geriert sich Oneohtrix Point Never auf Replica. Der Kritikerliebling, der mit seinen schwurbeligen Synthesizer-Drones letztes Jahr so gut in den Low-Fi-Olde-English-Spelling-Bee-Not-Not-Fun-Zeitgeist passte, ist wesentlich loopiger geworden als zuvor, manchmal fühlt man sich sogar an seine minimalistischen Edits als Sunset Corp erinnert, beispielsweise, wenn er auf Replica/Remember oder Child Soldier mit repetitiven Vocalssamples arbeitet. Nassau und __Up: sind dann sogar genau jener Schlag narkotisierter House für den Hype Williams in den letzten Jahren so gehypt wurden. So avantgardekonsensig und prätentiös das auf dem Papier nun klingen mag: durchaus ein sehr, sehr schönes Album.
 

james ferraro invFind it at hhv.de: LP Ich bin ja nun nicht als größter Gitarrengönner unter der Sonne bekannt, aber wer mich mit Skype-Samples, leierigen Billigsynthies, Disney-Club-Harmonien, 80s Drum Machines, semi-ironischen Yachtrock-Gitarrensoli und fiesestem Fahrstuhl-Jazz verwirrt, ist mir prinzipiell sympathischer als all diese Dadrock-Kapellen. Der letztes Jahr endlich von der Blogosphäre adoptierte James Ferraro hat dies auf Far Side Virtual getan, die Superhipster von Hippos In Tanks haben es veröffentlicht und ihr wundert euch nicht, das in vielen bemühten Jahres-Top-Tens zu sehen.
 

Björk - BiophiliaFind it at hhv.de: 2LP Seit Jahrzehnten ein Abonnement auf hochgezogene Augenbrauen hat bekanntlich Björk, doch wie zuvor scheitert die Isländerin an den eigenen Ansprüchen. Biophillia ist als multimediales App-Konzept gedacht, mit Hilfe derer jeder Song vom Hörer aktiv reprogrammiert und verändert wird. Nüchtern auf die vorhandene Musik geschaut, muss man jedoch feststellen, dass Björk als Songwriterin mittlerweile nicht mehr auf dem selben Level ist wie noch vor zehn Jahren. Das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis, aber eine, die durchaus verärgert, weil man merkt wieviel kreative Energie noch in ihr steckt. Vielleicht sollte sie diese wieder vermehrt in ihre Musik und weniger in die diese umgebenden hochtrabenden Konzepte stecken. Oh, jetzt sehe ich gerade, dass ich mir darin mit Pitchfork einig bin. Pfui.
 

elektro guzzi invFind it at hhv.de: 2LP Man kann diesen ganzen Instrumente-Techno-Schmu als Gimmick abtun, oder sich von Elektro Guzzis Parquet bekehren lassen. War das letztjährige Debüt noch relativ zahm, wird hier ordentlich vorgeprescht. Die Kickdrum kommt auch live am Schlagzeug eingeprügelt sehr fett und nie muckermäßig, die häufig fragilen, ja minimalen Patterns wurden durch deutlich mutigere Arrangements ersetzt. Und hier gilt auch endlich nicht mehr das Totschlagargument, dass man die drei Österreicher erst live gesehen haben muss, um das beurteilen zu können.
 

planetary assault invFind it at hhv.de: 2LP Mit seiner eigenen Vergangenheit kokettiert Luke Slater auf der neuen Planetary Assault Systems, insbesondere in der knochentrockenen zweiten Albumhälfte von The Messenger. Bleepiger, hochtouriger Spätneunziger-Techno, humorfrei, zielgerichtet und in dieser Kompromisslosigkeit auch heute noch eine wirkliche Rarität. Die ersten fünf Tracks sind zumindest partiell heimtauglich, aber auch irgendwie belangloser.
 

rush hour allstars invFind it at hhv.de: 2LP Dass Amsterdam auch jenseits von Rotlichmilieuklischees und Kifferromantik viel zu bieten hat, dürfte bekannt sein. Gerade um die Qualitätsschmiede Rush Hour hat sich in den vergangenen Jahren eine wahre Armada an einheimischen House-Produzenten geschart, die nun auf Amsterdam All-Stars für das Flagschiff Schau laufen dürfen. Dass hierbei mit Newworldaquarium ein eher älteres Semster den ganzen Tom Tragos und Young Marcos die Schau stiehlt, ist nicht weiter tragisch. Auch dass der andere herausragende Beitrag von den beiden zugezogenen Israelis Juju & Jordash stammt, macht nichts. It’s A Family Thing und so.
 

moomin invFind it at hhv.de: 2LP Wohl gefühlt auf der D-Seite jener Compilation hätte sich bestimmt auch Moomin, der mit The Story About You ein archetypisches Smalville Album veröffentlicht. Deep und sample-lastig entwickeln sich die 10 Tracks, stets auf geschmackssicheren Retro-Drums basierend in melodieverliebte Herbst-Elegien. Schon sehr schön, aber irgendwie wie John Roberts mit Muskelfaserriss. Hätte der letztes Jahr mit Glass Eights nicht schon die definitive Version dieses Albums aufgenommen, ich würde Story About You an dieser Stelle wesentlich lautstärker loben.
 

Rebolledo - Super VatoFind it at hhv.de: 2LP Vom saisonalen Schwermut Moomins zur Aguyaos ADHS-Posse. Rebolledo ist einer dieser Techno-Not-Techno-Derwische für die Comeme in den letzten Jahren so viel Beachtung geschenkt wurde, ich habe deren Penetranz aber langsam satt. Kaum hat man sich auf Super Vato beispielsweise von dem bedächtigen Italo-Electro-Arpeggio von Steady Gear Rod Machine hypnotisieren lassen, folgen wieder diese lauen Balearic-Favela-Nummern mit dadaistisch-wavigen Vocals und Dolce-Vita-Habitus. Focus, echt mal.
 

Mr Oizo - Stade2Find it at hhv.de: 2LP Oder eben das volle Programm in Sachen Schizophrenie, Marke Mr. Oizo. Der benutzt immer noch als einziges ordnendes Element in seinen scheinbar vollkommen spontan entstehenden Beats diese weibliche Computerstimme, die vor gut drei Jahren jede dritte Promo-CD ruinierte. Das ist an sich schon subversiv, wenn die Dame aber in dem wild um sich schlagenden Douche Beat verkündet, dass das ein Beat für all die Douches sei und im Intro klarstellt, dass auch Oizo selbst keine Ahnung hat, was er da denn so aufgenommen hat, bestätigt sich mal wieder, dass Quentin Dupieux, trotz Ed Banger Support, der französische Knöpfchen-Kinski bleibt und Stade 2 genau der Befreiungsschlag ist, den Busy P seit langem brauchte.
 

Justice - Audio Video DiscoFind it at hhv.de: CD | 2LP Auch wenn man dafür heute Prügel bezieht: Ich mochte Justices Debüt, für einige Monate sogar sehr. Natürlich muss man im Nachhinein zugeben, dass die Hair Metalisierung der späten Daft Punk in etwa die Halbwertszeit von Hyphy und UK Funky hatte, aber zwischen Bratz-Manie und Rockstartum fanden Xavier und Gaspard eben auch Zeit tatsächlich gute Songs zu schreiben, die dafür sorgten, dass elektronische Musik, vor allem in den Staaten aus ihrem Nischendasein wieder zurück in den Mainstream fand. Das mag man als elitärer Connaisseur verdammen, eine Leistung ist es aber dennoch. Und genau hier liegt das Problem. Justice sind nicht mehr der heiße Scheiß, sie sind angekommen in der Welt von Nike, Dior und Madison Square Garden. Nun für sich den Anspruch zu haben, dieser Stadiongarantie auch mit Stadionklischees gerecht werden zu wollen, ist nicht verwerflich, subtil konnten die beiden ohnehin nie. Dass Audio, Video, Disco aber so grausam ideenlos ist, tut wirklich weh. Das ist der vertonte Burnout zweier Künstler, für die der Erfolg zu schnell kam, mitten in der Sturm und Drang Phase.
 

florence invFind it at hhv.de: LP Auch nicht ganz einfach dürfte es für Florence & The Machine gewesen sein einen Nachfolger für das überaus erfolgreiche zweite Album zu produzieren. Wie üblich könnte man an dieser Stelle dann den Aufstand proben oder aber auf Bewährtes setzen. Ceremonials geht den einfachen Weg, räumt der charismatischen Frontfrau viel Raum ein, baut darum ein opulentes Gerüst aus Klavier, Harve, Chören, Gitarren und Multitracking auf und am Ende sind wahrscheinlich alle glücklicher als mit einem 4-Spur-Freejazz-Album, mit dem man sich vorgaukelt, ach so unabhängig geblieben zu sein. Solide Lebensbejahung für verzagte Kunst- und Medienstudentinnen.
 

Mayer Hawthorne - How Do You Do?Find it at hhv.de: CD | 2LP Tierisch auf die Eier geht mir mittlerweile Mayer Hawthornes Hausfrauen-Soul. Dieser goofy Whiteboy-Charme war zu Beginn seiner Karriere irgendwie noch charmant, mittlerweile bei Universal angekommen, driftet mir das aber alles zu arg in die Soccer Mom Ecke ab. Da lobt man sich einen Aloe Blacc, der bei noch wesentlich größerem Erfolg nie etwas derart belangloses wie Finally Falling veröffentlicht hat. How Do You Do wird dennoch oder gerade deswegen viele Menschen glücklich machen.
 

Verlosung
Backpacker Tribute mit Hulk Hodn - 3x2 Freikarten für Party in Mannheiim
Wir verlosen 3×2 Freikarten fürHulk Hodn am 8.6. zu Gast bei »Backpackers Tribute« im Mannheimer Club Genesis. Du musst nichts weiter tun als dich einzuloggen, an der Verlosung teilnehmen und bestenfalls noch Hulk Hodn & Hubert Daviz – Kaseta nach bestem Wissen und Gewissen zu bewerten. Die Gewinner werden ausgelost.

Die Verlosung läuft bis zum 04.06.2012.
Du musst eingeloggt sein um an einer Verlosung teilzunehmen. ― Login
Verlosung
Onra & Ifan Dafydd - 3x2 Freikarten für Show in Berlin
Wir verlosen 3×2 Freikarten für Onra und Ifan Dafydd am 16.6. im Berliner Club Gretchen. Du musst nichts weiter tun als dich einzuloggen, an der Verlosung teilnehmen und bestenfalls noch Onra – Chinoiseries Pt. 2 oder Onra & Quetzal – Tribute nach bestem Wissen und Gewissen zu bewerten. Die Gewinner werden ausgelost.

Die Verlosung läuft bis zum 11.06.2012.
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1 Kommentare
01.12.2011 09:08
Tobfunka:
wo ist conversation b?
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Valentin Stip
Nichts muss, alles kann
Nichts muss, alles kann. Valentin Stip lässt leichtfüßung ein musikalisches Gemisch aus klassischen- und elektronischen Elementen enstehen – Nicolas Jaar ohne die poppigen Elemente, um hier mal den Einstieg zu erleichtern.
Music Interview
Freddie Gibbs
»Ich sage Sachen, die gesagt werden müssen.«
Freddie Gibbs gilt unter seinen und unseren Kollegen als der »realste« aller Gangsta-Rapper. Wir sprachen mit ihm über seine Heimat, Drogen, Ängste und eine Hand voll anstehender Kollaborationen.
Music Kolumne
Entweder oder
Entscheider: Saschienne
Sascha Funke und seine Ehefrau machen jetzt auch musikalisch gemeinsame Sache. Das Projekt heisst Saschienne und ihr Debüt ist soeben bei Kompakt erschienen. Hier beantworten sie uns ein paar Entscheidungsfragen.
Music Kolumne
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Bericht
Star Slinger
»Dumbin' ain't part of his strategy«
Darren Williams aka Star Slinger war vor nicht allzu langer Zeit noch ein durchschnittlicher Mitt-20er, der in Manchester Tontechnik studierte. 2010 stellte er mit dem Beat Tape Vol. 1 sein erstes musikalisches Lebenszeichen online.
Music Porträt
John Talabot
Kein Mann fürs Blitzlichtgewitter
John Talabot legte Anfang des Jahres ein Konsensalbum vor, das Fans und Kritiker gleichermaßen begeisterte. Nun, da der Hype einem nachhaltigen Enthusiasmus gewichen ist, wird es Zeit, sich den Mann hinter der Musik genauer anzuschauen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
April 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Actress, OFWGKTA, Aphroe und Dream 2 Science.
Books Interview
Waxpoetics
10 Jahre, 50 Ausgaben
Zehn Jahre und 50 Ausgaben hat die Waxpoetics nun schon auf dem Buckel. Dabei hat sie sich in dieser Zeit zu einer Institution im Schreiben über Hip Hop, Jazz, Funk und Soul entwickelt. Wir sprachen mit Chefredakteur Andre Torres.
Music Liste
Fid Mella
DJ Charts (+ Exklusivtrack)
Vom geschätzten Kollegen Aigner mal als der Just Blaze Wiens bezeichnet, haben wir mit Fid Mella heute einen spannenden Ausnahmekünstler, der uns Einblick in seine Faves gibt. Zusätzlich präsentiert er uns exklusiv seinen neuesten Track.
Music Porträt
Scuba & Jimmy Edgar
Elektronische Musik fernab vom Hype
Der Labelchef von Hotflush Recordings Paul Rose und der Detroiter Musiker Jimmy Edgar berichten in unserem Porträt über die Einflüsse der Stadt Berlin auf ihre aktuellen Veröffentlichungen.
Music Porträt
Alice Russell
Das Gesicht zur Stimme
Eine Stimme, die im letzten Jahrzehnt im Grenzgebiet zwischen klassischem Soul, Nu Jazz und Jazztronica herausstach, war die von Alice Russell. Nun hat sie sich mit Quantic für ein gemeinsames Album zusammengetan.
Music Interview
Geoff Barrow
»Man muss sich ständig weiter pushen«
Geoff Barrow ist ein nimmermüder Tausendsassa. Im Augenblick sieht sich der DJ und Produzent von Portishead der Herausforderung entgegengestellt, 3 Alben in 3 Monaten zu veröffentlichen. Den Anfang macht sein Projekt Quakers.
Music Porträt
Homeboy Sandman
Raus aus der Komfortzone
Er nennt sich selbst einen Vokalisten auf der Suche nach immer neuen Rhythmen, Wortspielen und Stimmungen. Stones Throw findet, dass ihm das ganz gut gelingt und hat ihn gesignt. Wir stellen euch den New Yorker vor.
Music Porträt
Aphroe
Dem Kolorit der Neunziger nachspüren
Inspiriert von Elzhis Husarenstreich »Elmatic« im letzten Jahr, ließ Aphroe die Arbeit an seinem ersten Soloalbum ruhen und ging der Idee nach, seine liebsten Tracks aus dem »Goldenen Zeitalter« des Hip Hop neu zu interpretieren.
Music Liste
El_Txef_A
DJ Charts
Seit fünf Jahren veröffentlicht der Baske Aitor Etxebarria House über verschiedene Labels, jetzt erscheint bei Fiakun sein Debut-Album. Dass er privat kaum House hört, spiegelt seine persönliche Top Ten-Liste wider.
Music Interview
Lee Fields
Singen mit echtem Gefühl
Seit einem halben Jahrhundert ist Lee Fields Musiker. Doch erst seit seinem Engagement beim New Yorker Label Truth & Soul und dem gleichzeitigen Widererstarken des Interesses an Soul und Funk ist auch ihm ein größeres Interesse beschieden.
Music Kolumne
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne
High 5
Aphroes Rap-Alben der 00er Jahre
Mit seinem aktuellen Release »90« hat uns Aphroe soeben seine Ami-Rap Sternstunden aus den 1990er Jahren aufgetischt. Dass für ihn die Rap-Zeitrechnung 1999 jedoch nicht endete, beweist die Auswahl seiner Top-5-Rap-Alben der 2000er Jahre.
Music Interview
First Serve
Wer bin ich und wenn ja wie viele?
Wer hinter First Serve steckt, war eigentlich immer klar. Und dennoch: Deen Whiter und Jacob »Pop Life« Barrow ziehen die Maskerade durch. Ähnlichkeiten mit De La Soul sind rein zufällig.
Music Interview
Demograffics
»I kann eh net guat deutsch, waßt?«
Die Demograffics aus Regensburg veröffentlichen in diesen Tagen ihr zweites Album. Ein Gespräch mit Maniac und DJ Rufflow über Butter, Käse und den Gebrauch der englischen Sprache.
Music Bericht
Mayer Hawthorne
Live am 20.3 im Gloria in Köln
Am vergangenen Dienstag soll also ein Hauch von Motown-Soul die Kölner Innenstadt beseelen. Mayer Hawthorne macht auf der Welt-Tour anlässlich seines zweiten Albums »How Do You Do?« Halt in der Domstadt und alle strömen sie ins Gloria.
Music Bericht
Marsimoto
Live am 22.3. in der Live Music Hall in Köln
Nach dem überraschenden Riesenerfolg mit Marteria kehrt Marten Lanciny mit seinem anderen Alter Ego Marsimoto zurück zu den Wurzeln und trifft wieder auf ein ganz anderes Publikum. Und das ist gut so.
Music Porträt
Shlohmo
Er weiß noch, was »Bromance« ist
Mit seinem Album »Bad Vibes« gelang ihm letztes Jahr der Durchbruch. Bei Shlohmo scheint das noch nicht angekommen zu sein: Er ist der Homeboy mit dem du Kette rauchen und Lyrics von Drake rezitieren willst.
Music Liste
Daniel Mehlhart
DJ Charts
Vom harten Techno über den Neapelsound der 00er Jahre entwickelte Daniel Mehlhart seinen gegenwärtigen eigenen Sound. Uns hat er einen Einblick in seine derzeitigen Favourites gewährt.
Music Bericht
Samiyam und Teebs
Live am 1.3. im Gretchen in Berlin
Das Brainfeeder Label ist momentan eines der spannendsten Talentschmieden an der Schnittstelle zwischen elektronischer Musik und Hip-Hop. Mit Teebs und Samiyam begaben sich Anfang März zwei Hochkaräter des Camps ins Gretchen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Motrip, Lee Fields, Grimes, Ital und DJ Cam.
Music Bericht
Aeroplane und Prins Thomas
Live am 16.3. im Gretchen in Berlin
Mit Vorschusslorbeeren bedacht, machte sich der als DJ gefragte und beliebte Aeroplane am Freitag in Berlin ans Werk. Mit Prins Thomas hatte der Belgier einen weiteren Könner seines Fachs dabei. Die Publikumsreaktion blieb jedoch verhalten.
Music Porträt
Eglo Records
Fingerübung in Sachen Qualität
Vor genau drei Jahren taten sich Sam Shepherd (Floating Points) und Radio-DJ Alexander Nut zusammen und gründeten das Label Eglo Records. Wir stellen euch das Londoner Label genauer vor.
Music Bericht
Talib Kweli
Live am 7.3. im E-Werk in Erlangen
In Erlangen gab Talib Kweli eines seiner Konzerte, bei denen man den New Yorker MC derzeit hierzulande erleben kann. Auf das Überraschende wartet man allerdings vergebens. Unser Rezensent kann seine Enttäuschung darüber nicht verbergen.
Music Kolumne
Zwölf Zehner
Februar 2012
Willkommen im März. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Interview
People Under The Stairs
Die Weltenbummler des Hip Hop
Sie gelten als die meist herumgekommene Rapband der Welt. Wir sprachen mit Thes One über die schönsten Anekdoten und Erinnerungen an ihre missionarische Reisen im Auftrag des Hip Hop.
Music Kolumne
Entweder Oder
Entscheider: Dilated Peoples
Soeben haben die Dilated Peoples eine kleine Clubtour durch hiesige Gefilde beendet. So waren Evidence, Rakaa Iriscience und DJ Babu mal wieder gemeinsam auf einer Bühne zu bewundern. Wir haben ihnen ein paar Entscheidungsfragen gestellt.
Music Porträt
Speech Debelle
Halb Popstar, halb Rowdy
Sie hatte mit ihrem Debüt vor drei Jahren den Mercury Prize gewonnen. Nun ist Speech Debelle mit einer neuen, musikalisch und textlich reiferen Platte zurückgekehrt, die sie als ernsthafte, innerlich bewegte Künstlerin zeigt.