Music Kolumne | verfasst 23.11.2011
Aigners Inventur
Oktober / November 2011
Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden wir von einer wahren Flut neuer Alben überschwemmt. Unser Kolumnist Florian Aigner hat sich wie üblich für euch durchgehört und trennt die Spreu vom Weizen.
Text Florian Aigner

A$AP Rocky - LifeLoveA$AP Beginnen wir mit einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte. In Zeiten, in denen die meisten Rapper die Millionen nicht mehr auf dem Konto, sondern auf ihrem Youtube-Channel zählen, ist A$AP Rocky eine Ausnahme. Drei Millionen in Vorschusslorbeeren soll Sony dem gerne südstaatlich flowenden Jungspund aus Harlem für ein richtiges Album zur Verfügung gestellt haben, wohlgemerkt noch bevor dieser überhaupt ein Mixtape veröffentlicht hatte. Letzteres wurde nun nachgeholt, LiveLoveAsap klingt weitestgehend als hätte der Goodiemob jahrelang die falschen Drogen genommen. Auch dank einer Vielzahl dieser typischen, irgendwie immer verwaschen klingenden Clams-Casino-Beats ist A$AP Rocky so etwas wie diesjährige Kodein-Alternative zur Hyperaktivität des OFWGKTA-Clans im letzten Jahr.
 

Drake - Take CareFind it at hhv.de: CD | 2LP Ob A$AP Rocky jemals so durch die Decke gehen wird wie Drake, darf dennoch bezweifelt werden. Letzterer hat es in kürzester Zeit geschafft, eine erstaunlich massenkompatible Nische für sich zu monopolisieren. Drake bedient sich bei Kanyes nie abgelegten Backpackerismen, verzichtet aber auf dessen offensiv präsentierte, pathologische Bipolariät und macht es sich stattdessen als verletzlicher Loverboy mit Engelsstimmchen in der Chefetage gemütlich, mit Duftkerzen, Patron und 5-Sterne-Koch. Durchaus eine mutige Entscheidung in einem Spiel, das immer noch von Hypermaskulinität und Muckertum bestimmt wird. Kein Wunder also, dass Drakes zweiter Streich Take Care bisher primär von Rap-fernen Publikationen gefeiert wird. Wer mit seiner Sexualität im Reinen ist, darf sich deren Urteil aber gerne anschließen.
 

Pusha T - Fear Of God II: Let Us PrayFind it at hhv.de: CD Derweil bestätigt Pusha Ts Quasi-Debüt als Solokünstler Fear Of God 2: Let Us Pray das, was der erste Teil und das letzte Clipse-Album bereits andeuteten: ohne die Neptunes macht das weniger Spaß mit den Thorntons. Nicht dass Pusha seinen arroganten Flow, die cleveren Vergleiche und General Awesomeness verloren hätte, die künstlerische Vision, die Lord Willin und vor allem Hell Hath No Fury zu solch paranoiden und vor allem kohärenten Gesamtkunstwerken gemacht hat, fehlt jedoch auch hier. Was nicht heißen soll, dass man von den 12 angebotenen Stücken nicht mindestens die Hälfte als mittel- bis langfristige Playlist-Neuzugänge begrüßen darf.
 

Black Milk & Danny Brown - Black & Brown!Find it at hhv.de: CD | LP Schlüssig konzipiert ist das 30-minütige Intermezzo des Detroiter Nachwuchses, das mit Black And Brown auch gleich einen pragmatischen Titel bekommen hat. Black Milk emanzipiert sich auch hier immer weiter von seinem ursprünglichen Ruf, primär Dilla-Nachlassverwalter zu sein, und schießt everybody’s favorite Undercut-Hipster Danny Brown psychedelische Beats zu, die sich sehr stark von dessen vorangegangenem Free Album XXX unterscheiden und Brown immer wieder dazu verleiten, etwas ruhigere Töne anzuschlagen, ohne die Punchline-Dichte signifikant zu verringern. Sehr kurzweilig und unterhaltsam. Ich bleibe dabei: Danny Brown ist der Thirstin Howl III der 10er Jahre.
 

M.E.D. - Classic CoverFind it at hhv.de: CD | 3LP Mit wesentlich weniger Charisma wurde M.E.D. gesegnet, der diesen Umstand dank der richtigen Freunde jedoch oft genug erfolgreich kaschieren konnte. Auch Classic lebt wieder sehr stark von den hochwertigen Produktionen seines Busenfreundes Madlib, der ganz große Wurf Marke Can’t Hold On fehlt hier jedoch. Dennoch schafft es Madlib beinahe erneut vergessen zu machen, dass M.E.D. eher ein Feature- denn ein Album-Rapper ist.
 

Jedi Mind Tricks - Violence Begets ViolenceFind it at hhv.de: CD | 2LP Ein neues Jedi Mind Tricks Album. Och nö. Schon erstaunlich wie rapide die Jungs seit Violent By Design zu einer Selbstparodie verkommen sind. Vinnie Paz, die olle Presswurst, röchelt auch ohne Stoupe die gleichen Todesdrohungen auf die ewig gleichen theatralischen Instrumentals und Jus Allah findet wieder kaum statt. Besonders lustig wird das dann aber, wenn er diese Lobotomy/Sodomy/Autopsy/Monopoly/Philosophy-Stafetten über einen beschwingten Reggae-Beat schickt. Allein dafür sollte man Violence Begets Violence doch kurz anskippen; die Spinal Tapisierung ist in vollem Gange.
 

Kool Savas - AuraFind it at hhv.de: CD | 2LP In Würde altern ist auch im deutschen Rap-Spiel die Königsdisziplin. Kool Savas versucht es auf Aura nicht mit Hova’schem Übermenschentum und Allmachtsfantasien, sondern mit ein bißchen von allem. Lyrische Schwanzvergleichstracks, Trap-Anleihen, ein The Message-Cover für die Festivals, Bombast mit Xavier und Kinderchor, die Erkenntnis, dass es immer noch Mostly Tha Voice ist, die eine Karriere bestimmt und Pattern-Wahnsinn mit Banjo – Savas will alles auf einmal, sorgt für Unterhaltung, aber auch für ein unschlüssiges Album, das jene Königsdisziplin nur mit Teilnahmebescheinigung, aber ohne Ehrenurkunde, absolviert.
 

sido bushido invFind it at hhv.de: CD (Deluxe) | CD Vergleicht man das jedoch mit 23, muss man mit Aura zufrieden sein. Das deutsche Watch The Throne sollte es werden, aber Peter Maffay ist nicht Beyoncé und J Luv nicht Frank Ocean. Bei Sido und Bushido ging es ja nun nie um technische Glanzleistungen, das Problem aber ist, dass deren Schäfchen-im-Trockenen-Charaktere mittlerweile so spannend sind wie Mariella Ahrens.
 

DJ Shadow - The Less You Know The BetterFind it at hhv.de: CD | 2LP Seine Schäfchen im Trockenen hat seit Endtroducing auch DJ Shadow. Sorgen um ihn müsste man sich also keine machen. Und dennoch ist es so unendlich frustrierend einem Ausnahmekönner dabei zuzusehen, wie er seit über zehn Jahren an den eigenen Erwartungen scheitert. The Less You Know, The Better changiert unentschlossen zwischen Anleihen an die Mo’Wax-Ära, verzerrten Gitarren, Mädchen-Pop mit Little Dragon, sterbenslangweiligem Folk und Retro-Bap mit Kweli und Posdnous. Bitter: selbst das konfuse The Outsider war retrospektiv ein besseres, weil riskanteres Album.
 

Onra - Chinoiseries Pt. 2Find it at hhv.de: CD | 2LP Nachdem Onra letztes Jahr mit Electro-Funk und 80s R&B geflirtet hatte, kehrt er mit Chinoiseries Part 2 vorübergehend zurück zu seinen Wurzeln und schustert knisternde Obskuritäten aus Fernost zu einem Beattape zusammen, das sich (nicht) gewaschen hat. In dieser Sparte mit das Beste seit Madlibs Ausflug nach Indien.
 

hulk daviz invFind it at hhv.de: 2LP Gewohnt jazzy und dem 90er-Wertekanon verpflichtet, samplen sich unterdessen Hulk Hodn und Hubert Daviz durch ihr gemeinsames Beat-Projekt Kaseta. Im Regal direkt zwischen Petestrumentals und K-Defs Beats From The 90s einordnen. Persönliches Highlight: das wunderbar slicke und sehr transparent zitierende Maze.
 

Fulgeance - To All Of You (Cover)Find it at hhv.de: CD | 2LP Währenddessen arbeitet Melting Pot Music weiter an seinen Kanten und konnte hierfür den Synth-Enthusiasten Fulgeance für ein Album gewinnen. Vor drei Jahren hätte man To All Of You einfach »wonky« genannt, heute braucht man als Beschreibung wieder etwas prätentiöseres: Am britischen Bass geschulter Post-Dilla-Synth-Funk, der sich nicht entscheiden kann, ob nun der Subbass oder Jaylib die einschneidendere Erfahrung für ihn war. Mir fehlt da aber manchmal dieses Gespür für Melodie und Dynamik, das beispielsweise den artverwandten Rustie so auszeichnet…
 

Joker - The VisionFind it at hhv.de: CD | 2LP …oder eine dieser purpurnen Synth-Lines, die Joker vor drei Jahren scheinbar im Schlaf programmiert hat. Seit dieser jedoch auf den Fratstep-Parties im mittleren Westen angekommen ist, Flugmeilen sammelt statt schwarz zu fahren und ein Label hinter sich weiß, das notfalls vermutlich sogar Rihanna auf seine Platte kriegen würde, sieht es in Sachen Kreativität relativ düster aus bei dem stets HipHop-affinsten Protegé der zweiten Dubstep-Welle. Mit The Vision verspielt Joker, grausamen Kollaborationen und Bunga Bunga-Populismus sei Dank, nun alle Vorschusslorbeeren.
 

Pinch & Shackleton - Pinch & ShackletonFind it at hhv.de: CD | 2LP Mit Populismus hatten Pinch und Shackleton noch nie etwas zu tun. Selbst als es vor vier Jahren auch unter zurechnungsfähigen Wobblern darum ging, wer die mächtigste Bassline programmieren konnte, verweigerten sich beide den damaligen Obszönitäten. Während Pinch immer mal wieder mit technoiden Strukturen flirtete, zog sich Shackleton noch weiter in seine eigene Welt zurück, in der meditative afrikanische Drumstrukturen die oft alptraumhaften Soundgebilde strukturieren. Das erste gemeinsame Album hört praktischerweise auch auf den Namen Pinch & Shackleton, erscheint passenderweise über Honest Jon’s und ist ein undurchdringliches Geflecht, das die unterschiedlichen musikalischen Herangehensweisen der beiden Protagonisten kaleidoskopartig vereint und wie so oft – gerade bei Shackleton – erst nach einigen intensiven Durchgängen Sinn macht.
 

anstam invFind it at hhv.de: 2LP Dass die beiden auch einen enormen Einfluss auf die Produktionsweise des Modeselektor-Schützlings Anstam gehabt haben, lässt sich nach der zweiten Hälfte von Dispel Dances nur schwer von der Hand weisen. Komplexe Rhythmiken begraben latent spürbare Rave-Signale, ordnende Kicks oder Claps findet man selten, alles flirrt und surrt und dennoch entsteht hier nicht die selbe Magie.
 

Sepalcure LPFind it at hhv.de: 2LP Sehr hohe Erwartungen hatte ich an das erste Album von Sepalcure, Erwartungen, die nur bedingt erfüllt werden, besonders wenn man bedenkt, was für ein monströses Album Machinedrum unlängst vorgelegt hat. Während auf jenem Album Juke als Hauptreferenzpunkt diente, folgen Machinedrum und Braille auf Sepalcure dem immer noch anhaltenden Trend der Houseifizierung britischer Bassmusik. Im Gegensatz zu Joy Orbison, Martyn oder auch Braille selbst, tun die beiden dies hier aber des Öfteren auf unnötig verschnörkelte Art und Weise. Dies macht einige Tracks komplexer und unzugänglicher als sie dank ihres feisten Rhythmuskorsetts sein müssten. Dennoch ein hörenswertes Album.
 

floating points invFind it at hhv.de: 2LP Zugegebenermaßen mehr Single als Album, aber qua Format (2×12inch) und Qualität unumgänglich: die neue Floating Points auf Eglo. 5 Tracks, technoider als zuvor, aber immer noch mit diesem unfassbaren Gespür für Sexiness. Arp3 ist dabei der offensichtlichte Hit in der Tradition von Vacuum Boogie, aber auch die vier anderen auf Shadows enthaltenen Tracks bestätigen, was wir schon seit Jahren wissen: Sam is on fire und zwar 24/7.
 

Kuedo - Severant LPFind it at hhv.de: CD | LP Während die Sexiness bei Floating Points Groove-gesteuert ist, entsteht sie bei Kuedo eher über Abstinenz und Kälte. Ganz im Gegensatz zu der manchmal erschlagenden Arbeit an den Vex’D-Projekten, hat Kuedo auf Severant eine neue Subtilität für sich entdeckt, die sich aus den wavigen Synthexperimenten der späten Siebziger und frühen Achtziger speist. Irgendjemand hat über dieses Album geschrieben, es wäre Musik für Androiden, die weinen könnten. Das ist platt, aber durchaus zutreffend.
 

rolyp porterFind it at hhv.de: LP Komplett von der Bassdrum emanzipiert hat sich auch Kuedos ehemaliger Produktionspartner Roly Porter, der auf Aftertime eine erdrückende, endzeitliche Soundcollage baut, der man mit dem Attribut »Ambiente« nur schwer gerecht wird. Das klingt in etwa so, als würden Amon Tobin, Ben Frost und Tim Hecker gemeinschaftlich beschließen ihr Leben mit Schlaftabletten zu beenden. Verstörend, verstörend, aber wie immer bei solch traurigen Geschichten: auch seltsam anziehend.
 

Oneohtrix Point Never - ReplicaFind it at hhv.de: LP Immer noch very high brow, aber zugänglicher als zuvor geriert sich Oneohtrix Point Never auf Replica. Der Kritikerliebling, der mit seinen schwurbeligen Synthesizer-Drones letztes Jahr so gut in den Low-Fi-Olde-English-Spelling-Bee-Not-Not-Fun-Zeitgeist passte, ist wesentlich loopiger geworden als zuvor, manchmal fühlt man sich sogar an seine minimalistischen Edits als Sunset Corp erinnert, beispielsweise, wenn er auf Replica/Remember oder Child Soldier mit repetitiven Vocalssamples arbeitet. Nassau und __Up: sind dann sogar genau jener Schlag narkotisierter House für den Hype Williams in den letzten Jahren so gehypt wurden. So avantgardekonsensig und prätentiös das auf dem Papier nun klingen mag: durchaus ein sehr, sehr schönes Album.
 

james ferraro invFind it at hhv.de: LP Ich bin ja nun nicht als größter Gitarrengönner unter der Sonne bekannt, aber wer mich mit Skype-Samples, leierigen Billigsynthies, Disney-Club-Harmonien, 80s Drum Machines, semi-ironischen Yachtrock-Gitarrensoli und fiesestem Fahrstuhl-Jazz verwirrt, ist mir prinzipiell sympathischer als all diese Dadrock-Kapellen. Der letztes Jahr endlich von der Blogosphäre adoptierte James Ferraro hat dies auf Far Side Virtual getan, die Superhipster von Hippos In Tanks haben es veröffentlicht und ihr wundert euch nicht, das in vielen bemühten Jahres-Top-Tens zu sehen.
 

Björk - BiophiliaFind it at hhv.de: 2LP Seit Jahrzehnten ein Abonnement auf hochgezogene Augenbrauen hat bekanntlich Björk, doch wie zuvor scheitert die Isländerin an den eigenen Ansprüchen. Biophillia ist als multimediales App-Konzept gedacht, mit Hilfe derer jeder Song vom Hörer aktiv reprogrammiert und verändert wird. Nüchtern auf die vorhandene Musik geschaut, muss man jedoch feststellen, dass Björk als Songwriterin mittlerweile nicht mehr auf dem selben Level ist wie noch vor zehn Jahren. Das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis, aber eine, die durchaus verärgert, weil man merkt wieviel kreative Energie noch in ihr steckt. Vielleicht sollte sie diese wieder vermehrt in ihre Musik und weniger in die diese umgebenden hochtrabenden Konzepte stecken. Oh, jetzt sehe ich gerade, dass ich mir darin mit Pitchfork einig bin. Pfui.
 

elektro guzzi - ParquetFind it at hhv.de: 2LP Man kann diesen ganzen Instrumente-Techno-Schmu als Gimmick abtun, oder sich von Elektro Guzzis Parquet bekehren lassen. War das letztjährige Debüt noch relativ zahm, wird hier ordentlich vorgeprescht. Die Kickdrum kommt auch live am Schlagzeug eingeprügelt sehr fett und nie muckermäßig, die häufig fragilen, ja minimalen Patterns wurden durch deutlich mutigere Arrangements ersetzt. Und hier gilt auch endlich nicht mehr das Totschlagargument, dass man die drei Österreicher erst live gesehen haben muss, um das beurteilen zu können.
 

planetary assault invFind it at hhv.de: 2LP Mit seiner eigenen Vergangenheit kokettiert Luke Slater auf der neuen Planetary Assault Systems, insbesondere in der knochentrockenen zweiten Albumhälfte von The Messenger. Bleepiger, hochtouriger Spätneunziger-Techno, humorfrei, zielgerichtet und in dieser Kompromisslosigkeit auch heute noch eine wirkliche Rarität. Die ersten fünf Tracks sind zumindest partiell heimtauglich, aber auch irgendwie belangloser.
 

rush hour allstars invFind it at hhv.de: 2LP Dass Amsterdam auch jenseits von Rotlichmilieuklischees und Kifferromantik viel zu bieten hat, dürfte bekannt sein. Gerade um die Qualitätsschmiede Rush Hour hat sich in den vergangenen Jahren eine wahre Armada an einheimischen House-Produzenten geschart, die nun auf Amsterdam All-Stars für das Flagschiff Schau laufen dürfen. Dass hierbei mit Newworldaquarium ein eher älteres Semster den ganzen Tom Tragos und Young Marcos die Schau stiehlt, ist nicht weiter tragisch. Auch dass der andere herausragende Beitrag von den beiden zugezogenen Israelis Juju & Jordash stammt, macht nichts. It’s A Family Thing und so.
 

moomin invFind it at hhv.de: 2LP Wohl gefühlt auf der D-Seite jener Compilation hätte sich bestimmt auch Moomin, der mit The Story About You ein archetypisches Smalville Album veröffentlicht. Deep und sample-lastig entwickeln sich die 10 Tracks, stets auf geschmackssicheren Retro-Drums basierend in melodieverliebte Herbst-Elegien. Schon sehr schön, aber irgendwie wie John Roberts mit Muskelfaserriss. Hätte der letztes Jahr mit Glass Eights nicht schon die definitive Version dieses Albums aufgenommen, ich würde Story About You an dieser Stelle wesentlich lautstärker loben.
 

Rebolledo - Super VatoFind it at hhv.de: 2LP Vom saisonalen Schwermut Moomins zur Aguyaos ADHS-Posse. Rebolledo ist einer dieser Techno-Not-Techno-Derwische für die Comeme in den letzten Jahren so viel Beachtung geschenkt wurde, ich habe deren Penetranz aber langsam satt. Kaum hat man sich auf Super Vato beispielsweise von dem bedächtigen Italo-Electro-Arpeggio von Steady Gear Rod Machine hypnotisieren lassen, folgen wieder diese lauen Balearic-Favela-Nummern mit dadaistisch-wavigen Vocals und Dolce-Vita-Habitus. Focus, echt mal.
 

Mr Oizo - Stade2Find it at hhv.de: 2LP Oder eben das volle Programm in Sachen Schizophrenie, Marke Mr. Oizo. Der benutzt immer noch als einziges ordnendes Element in seinen scheinbar vollkommen spontan entstehenden Beats diese weibliche Computerstimme, die vor gut drei Jahren jede dritte Promo-CD ruinierte. Das ist an sich schon subversiv, wenn die Dame aber in dem wild um sich schlagenden Douche Beat verkündet, dass das ein Beat für all die Douches sei und im Intro klarstellt, dass auch Oizo selbst keine Ahnung hat, was er da denn so aufgenommen hat, bestätigt sich mal wieder, dass Quentin Dupieux, trotz Ed Banger Support, der französische Knöpfchen-Kinski bleibt und Stade 2 genau der Befreiungsschlag ist, den Busy P seit langem brauchte.
 

Justice - Audio Video DiscoFind it at hhv.de: CD | 2LP Auch wenn man dafür heute Prügel bezieht: Ich mochte Justices Debüt, für einige Monate sogar sehr. Natürlich muss man im Nachhinein zugeben, dass die Hair Metalisierung der späten Daft Punk in etwa die Halbwertszeit von Hyphy und UK Funky hatte, aber zwischen Bratz-Manie und Rockstartum fanden Xavier und Gaspard eben auch Zeit tatsächlich gute Songs zu schreiben, die dafür sorgten, dass elektronische Musik, vor allem in den Staaten aus ihrem Nischendasein wieder zurück in den Mainstream fand. Das mag man als elitärer Connaisseur verdammen, eine Leistung ist es aber dennoch. Und genau hier liegt das Problem. Justice sind nicht mehr der heiße Scheiß, sie sind angekommen in der Welt von Nike, Dior und Madison Square Garden. Nun für sich den Anspruch zu haben, dieser Stadiongarantie auch mit Stadionklischees gerecht werden zu wollen, ist nicht verwerflich, subtil konnten die beiden ohnehin nie. Dass Audio, Video, Disco aber so grausam ideenlos ist, tut wirklich weh. Das ist der vertonte Burnout zweier Künstler, für die der Erfolg zu schnell kam, mitten in der Sturm und Drang Phase.
 

florence invFind it at hhv.de: LP Auch nicht ganz einfach dürfte es für Florence & The Machine gewesen sein einen Nachfolger für das überaus erfolgreiche zweite Album zu produzieren. Wie üblich könnte man an dieser Stelle dann den Aufstand proben oder aber auf Bewährtes setzen. Ceremonials geht den einfachen Weg, räumt der charismatischen Frontfrau viel Raum ein, baut darum ein opulentes Gerüst aus Klavier, Harve, Chören, Gitarren und Multitracking auf und am Ende sind wahrscheinlich alle glücklicher als mit einem 4-Spur-Freejazz-Album, mit dem man sich vorgaukelt, ach so unabhängig geblieben zu sein. Solide Lebensbejahung für verzagte Kunst- und Medienstudentinnen.
 

Mayer Hawthorne - How Do You Do?Find it at hhv.de: CD | 2LP Tierisch auf die Eier geht mir mittlerweile Mayer Hawthornes Hausfrauen-Soul. Dieser goofy Whiteboy-Charme war zu Beginn seiner Karriere irgendwie noch charmant, mittlerweile bei Universal angekommen, driftet mir das aber alles zu arg in die Soccer Mom Ecke ab. Da lobt man sich einen Aloe Blacc, der bei noch wesentlich größerem Erfolg nie etwas derart belangloses wie Finally Falling veröffentlicht hat. How Do You Do wird dennoch oder gerade deswegen viele Menschen glücklich machen.
 

Dein Kommentar
1 Kommentare
01.12.2011 08:08
Tobfunka:
wo ist conversation b?
― antworten
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Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.
Music Kolumne
Records Revisited
The Roots – Things Fall Apart (1999)
Mit »Things Fall Apart« sollte sich für The Roots entscheiden, ob sie einfach Kritikerlieblinge blieben oder auch den großen kommerziellen Erfolg erreichen könnten. Es wurde ihr Durchbruch.
Music Interview
Efdemin
Beim Verlassen des Raums
Philipp Sollmann an einem puristischen Techno-Sound festzumachen, ist nicht möglich. Auch mit seinem neuen Album als Efdemin, »New Atlantis«, nicht. Es käme einem langsamen Verlassen des Raums gleich, sagt er im Interview.
Music Porträt
Multi Culti Records
The Music Is The Massage
Multi Culti ist eines der Labels der Stunde. Entschleunigung ist nicht zu erwarten. Ihr Faible für tribale Rhythmen, hippie-eske Attitüde und wahre Freundschaft trifft nicht nur den Zeitgeist, es macht sie auch wenig anfällig für Trends.
Music Interview
Yasuaki Shimizu
»Ich liebe Musik«
Lange Zeit blieb japanische Musik der Welt verschlossen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Schallplatten, die vor 30, 40 Jahren entstanden sind, können nun auch hierzulande gehört werden. So auch die Werke von Yasuaki Shimizu.
Music Interview
Yassin
»Rap kann dich weiterbringen«
Seit mehr als zehn Jahren ist Yassin nun im Geschäft, und nun ist mit »Ypsilon« sein erstes Soloalbum erschienen. Dass ihm Rapmusik eine Herzensangelegenheit ist, war schon vorher klar. Im Gespräch wurde es noch einmal klarer.