Music Kolumne | verfasst 23.11.2011
Aigners Inventur
Oktober / November 2011
Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden wir von einer wahren Flut neuer Alben überschwemmt. Unser Kolumnist Florian Aigner hat sich wie üblich für euch durchgehört und trennt die Spreu vom Weizen.
Text Florian Aigner

A$AP Rocky - LifeLoveA$AP Beginnen wir mit einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte. In Zeiten, in denen die meisten Rapper die Millionen nicht mehr auf dem Konto, sondern auf ihrem Youtube-Channel zählen, ist A$AP Rocky eine Ausnahme. Drei Millionen in Vorschusslorbeeren soll Sony dem gerne südstaatlich flowenden Jungspund aus Harlem für ein richtiges Album zur Verfügung gestellt haben, wohlgemerkt noch bevor dieser überhaupt ein Mixtape veröffentlicht hatte. Letzteres wurde nun nachgeholt, LiveLoveAsap klingt weitestgehend als hätte der Goodiemob jahrelang die falschen Drogen genommen. Auch dank einer Vielzahl dieser typischen, irgendwie immer verwaschen klingenden Clams-Casino-Beats ist A$AP Rocky so etwas wie diesjährige Kodein-Alternative zur Hyperaktivität des OFWGKTA-Clans im letzten Jahr.
 

Drake - Take CareFind it at hhv.de: CD | 2LP Ob A$AP Rocky jemals so durch die Decke gehen wird wie Drake, darf dennoch bezweifelt werden. Letzterer hat es in kürzester Zeit geschafft, eine erstaunlich massenkompatible Nische für sich zu monopolisieren. Drake bedient sich bei Kanyes nie abgelegten Backpackerismen, verzichtet aber auf dessen offensiv präsentierte, pathologische Bipolariät und macht es sich stattdessen als verletzlicher Loverboy mit Engelsstimmchen in der Chefetage gemütlich, mit Duftkerzen, Patron und 5-Sterne-Koch. Durchaus eine mutige Entscheidung in einem Spiel, das immer noch von Hypermaskulinität und Muckertum bestimmt wird. Kein Wunder also, dass Drakes zweiter Streich Take Care bisher primär von Rap-fernen Publikationen gefeiert wird. Wer mit seiner Sexualität im Reinen ist, darf sich deren Urteil aber gerne anschließen.
 

Pusha T - Fear Of God II: Let Us PrayFind it at hhv.de: CD Derweil bestätigt Pusha Ts Quasi-Debüt als Solokünstler Fear Of God 2: Let Us Pray das, was der erste Teil und das letzte Clipse-Album bereits andeuteten: ohne die Neptunes macht das weniger Spaß mit den Thorntons. Nicht dass Pusha seinen arroganten Flow, die cleveren Vergleiche und General Awesomeness verloren hätte, die künstlerische Vision, die Lord Willin und vor allem Hell Hath No Fury zu solch paranoiden und vor allem kohärenten Gesamtkunstwerken gemacht hat, fehlt jedoch auch hier. Was nicht heißen soll, dass man von den 12 angebotenen Stücken nicht mindestens die Hälfte als mittel- bis langfristige Playlist-Neuzugänge begrüßen darf.
 

Black Milk & Danny Brown - Black & Brown!Find it at hhv.de: CD | LP Schlüssig konzipiert ist das 30-minütige Intermezzo des Detroiter Nachwuchses, das mit Black And Brown auch gleich einen pragmatischen Titel bekommen hat. Black Milk emanzipiert sich auch hier immer weiter von seinem ursprünglichen Ruf, primär Dilla-Nachlassverwalter zu sein, und schießt everybody’s favorite Undercut-Hipster Danny Brown psychedelische Beats zu, die sich sehr stark von dessen vorangegangenem Free Album XXX unterscheiden und Brown immer wieder dazu verleiten, etwas ruhigere Töne anzuschlagen, ohne die Punchline-Dichte signifikant zu verringern. Sehr kurzweilig und unterhaltsam. Ich bleibe dabei: Danny Brown ist der Thirstin Howl III der 10er Jahre.
 

M.E.D. - Classic CoverFind it at hhv.de: CD | 3LP Mit wesentlich weniger Charisma wurde M.E.D. gesegnet, der diesen Umstand dank der richtigen Freunde jedoch oft genug erfolgreich kaschieren konnte. Auch Classic lebt wieder sehr stark von den hochwertigen Produktionen seines Busenfreundes Madlib, der ganz große Wurf Marke Can’t Hold On fehlt hier jedoch. Dennoch schafft es Madlib beinahe erneut vergessen zu machen, dass M.E.D. eher ein Feature- denn ein Album-Rapper ist.
 

Jedi Mind Tricks - Violence Begets ViolenceFind it at hhv.de: CD | 2LP Ein neues Jedi Mind Tricks Album. Och nö. Schon erstaunlich wie rapide die Jungs seit Violent By Design zu einer Selbstparodie verkommen sind. Vinnie Paz, die olle Presswurst, röchelt auch ohne Stoupe die gleichen Todesdrohungen auf die ewig gleichen theatralischen Instrumentals und Jus Allah findet wieder kaum statt. Besonders lustig wird das dann aber, wenn er diese Lobotomy/Sodomy/Autopsy/Monopoly/Philosophy-Stafetten über einen beschwingten Reggae-Beat schickt. Allein dafür sollte man Violence Begets Violence doch kurz anskippen; die Spinal Tapisierung ist in vollem Gange.
 

Kool Savas - AuraFind it at hhv.de: CD | 2LP In Würde altern ist auch im deutschen Rap-Spiel die Königsdisziplin. Kool Savas versucht es auf Aura nicht mit Hova’schem Übermenschentum und Allmachtsfantasien, sondern mit ein bißchen von allem. Lyrische Schwanzvergleichstracks, Trap-Anleihen, ein The Message-Cover für die Festivals, Bombast mit Xavier und Kinderchor, die Erkenntnis, dass es immer noch Mostly Tha Voice ist, die eine Karriere bestimmt und Pattern-Wahnsinn mit Banjo – Savas will alles auf einmal, sorgt für Unterhaltung, aber auch für ein unschlüssiges Album, das jene Königsdisziplin nur mit Teilnahmebescheinigung, aber ohne Ehrenurkunde, absolviert.
 

sido bushido invFind it at hhv.de: CD (Deluxe) | CD Vergleicht man das jedoch mit 23, muss man mit Aura zufrieden sein. Das deutsche Watch The Throne sollte es werden, aber Peter Maffay ist nicht Beyoncé und J Luv nicht Frank Ocean. Bei Sido und Bushido ging es ja nun nie um technische Glanzleistungen, das Problem aber ist, dass deren Schäfchen-im-Trockenen-Charaktere mittlerweile so spannend sind wie Mariella Ahrens.
 

DJ Shadow - The Less You Know The BetterFind it at hhv.de: CD | 2LP Seine Schäfchen im Trockenen hat seit Endtroducing auch DJ Shadow. Sorgen um ihn müsste man sich also keine machen. Und dennoch ist es so unendlich frustrierend einem Ausnahmekönner dabei zuzusehen, wie er seit über zehn Jahren an den eigenen Erwartungen scheitert. The Less You Know, The Better changiert unentschlossen zwischen Anleihen an die Mo’Wax-Ära, verzerrten Gitarren, Mädchen-Pop mit Little Dragon, sterbenslangweiligem Folk und Retro-Bap mit Kweli und Posdnous. Bitter: selbst das konfuse The Outsider war retrospektiv ein besseres, weil riskanteres Album.
 

Onra - Chinoiseries Pt. 2Find it at hhv.de: CD | 2LP Nachdem Onra letztes Jahr mit Electro-Funk und 80s R&B geflirtet hatte, kehrt er mit Chinoiseries Part 2 vorübergehend zurück zu seinen Wurzeln und schustert knisternde Obskuritäten aus Fernost zu einem Beattape zusammen, das sich (nicht) gewaschen hat. In dieser Sparte mit das Beste seit Madlibs Ausflug nach Indien.
 

hulk daviz invFind it at hhv.de: 2LP Gewohnt jazzy und dem 90er-Wertekanon verpflichtet, samplen sich unterdessen Hulk Hodn und Hubert Daviz durch ihr gemeinsames Beat-Projekt Kaseta. Im Regal direkt zwischen Petestrumentals und K-Defs Beats From The 90s einordnen. Persönliches Highlight: das wunderbar slicke und sehr transparent zitierende Maze.
 

Fulgeance - To All Of You (Cover)Find it at hhv.de: CD | 2LP Währenddessen arbeitet Melting Pot Music weiter an seinen Kanten und konnte hierfür den Synth-Enthusiasten Fulgeance für ein Album gewinnen. Vor drei Jahren hätte man To All Of You einfach »wonky« genannt, heute braucht man als Beschreibung wieder etwas prätentiöseres: Am britischen Bass geschulter Post-Dilla-Synth-Funk, der sich nicht entscheiden kann, ob nun der Subbass oder Jaylib die einschneidendere Erfahrung für ihn war. Mir fehlt da aber manchmal dieses Gespür für Melodie und Dynamik, das beispielsweise den artverwandten Rustie so auszeichnet…
 

Joker - The VisionFind it at hhv.de: CD | 2LP …oder eine dieser purpurnen Synth-Lines, die Joker vor drei Jahren scheinbar im Schlaf programmiert hat. Seit dieser jedoch auf den Fratstep-Parties im mittleren Westen angekommen ist, Flugmeilen sammelt statt schwarz zu fahren und ein Label hinter sich weiß, das notfalls vermutlich sogar Rihanna auf seine Platte kriegen würde, sieht es in Sachen Kreativität relativ düster aus bei dem stets HipHop-affinsten Protegé der zweiten Dubstep-Welle. Mit The Vision verspielt Joker, grausamen Kollaborationen und Bunga Bunga-Populismus sei Dank, nun alle Vorschusslorbeeren.
 

Pinch & Shackleton - Pinch & ShackletonFind it at hhv.de: CD | 2LP Mit Populismus hatten Pinch und Shackleton noch nie etwas zu tun. Selbst als es vor vier Jahren auch unter zurechnungsfähigen Wobblern darum ging, wer die mächtigste Bassline programmieren konnte, verweigerten sich beide den damaligen Obszönitäten. Während Pinch immer mal wieder mit technoiden Strukturen flirtete, zog sich Shackleton noch weiter in seine eigene Welt zurück, in der meditative afrikanische Drumstrukturen die oft alptraumhaften Soundgebilde strukturieren. Das erste gemeinsame Album hört praktischerweise auch auf den Namen Pinch & Shackleton, erscheint passenderweise über Honest Jon’s und ist ein undurchdringliches Geflecht, das die unterschiedlichen musikalischen Herangehensweisen der beiden Protagonisten kaleidoskopartig vereint und wie so oft – gerade bei Shackleton – erst nach einigen intensiven Durchgängen Sinn macht.
 

anstam invFind it at hhv.de: 2LP Dass die beiden auch einen enormen Einfluss auf die Produktionsweise des Modeselektor-Schützlings Anstam gehabt haben, lässt sich nach der zweiten Hälfte von Dispel Dances nur schwer von der Hand weisen. Komplexe Rhythmiken begraben latent spürbare Rave-Signale, ordnende Kicks oder Claps findet man selten, alles flirrt und surrt und dennoch entsteht hier nicht die selbe Magie.
 

Sepalcure LPFind it at hhv.de: 2LP Sehr hohe Erwartungen hatte ich an das erste Album von Sepalcure, Erwartungen, die nur bedingt erfüllt werden, besonders wenn man bedenkt, was für ein monströses Album Machinedrum unlängst vorgelegt hat. Während auf jenem Album Juke als Hauptreferenzpunkt diente, folgen Machinedrum und Braille auf Sepalcure dem immer noch anhaltenden Trend der Houseifizierung britischer Bassmusik. Im Gegensatz zu Joy Orbison, Martyn oder auch Braille selbst, tun die beiden dies hier aber des Öfteren auf unnötig verschnörkelte Art und Weise. Dies macht einige Tracks komplexer und unzugänglicher als sie dank ihres feisten Rhythmuskorsetts sein müssten. Dennoch ein hörenswertes Album.
 

floating points invFind it at hhv.de: 2LP Zugegebenermaßen mehr Single als Album, aber qua Format (2×12inch) und Qualität unumgänglich: die neue Floating Points auf Eglo. 5 Tracks, technoider als zuvor, aber immer noch mit diesem unfassbaren Gespür für Sexiness. Arp3 ist dabei der offensichtlichte Hit in der Tradition von Vacuum Boogie, aber auch die vier anderen auf Shadows enthaltenen Tracks bestätigen, was wir schon seit Jahren wissen: Sam is on fire und zwar 24/7.
 

Kuedo - Severant LPFind it at hhv.de: CD | LP Während die Sexiness bei Floating Points Groove-gesteuert ist, entsteht sie bei Kuedo eher über Abstinenz und Kälte. Ganz im Gegensatz zu der manchmal erschlagenden Arbeit an den Vex’D-Projekten, hat Kuedo auf Severant eine neue Subtilität für sich entdeckt, die sich aus den wavigen Synthexperimenten der späten Siebziger und frühen Achtziger speist. Irgendjemand hat über dieses Album geschrieben, es wäre Musik für Androiden, die weinen könnten. Das ist platt, aber durchaus zutreffend.
 

rolyp porterFind it at hhv.de: LP Komplett von der Bassdrum emanzipiert hat sich auch Kuedos ehemaliger Produktionspartner Roly Porter, der auf Aftertime eine erdrückende, endzeitliche Soundcollage baut, der man mit dem Attribut »Ambiente« nur schwer gerecht wird. Das klingt in etwa so, als würden Amon Tobin, Ben Frost und Tim Hecker gemeinschaftlich beschließen ihr Leben mit Schlaftabletten zu beenden. Verstörend, verstörend, aber wie immer bei solch traurigen Geschichten: auch seltsam anziehend.
 

Oneohtrix Point Never - ReplicaFind it at hhv.de: LP Immer noch very high brow, aber zugänglicher als zuvor geriert sich Oneohtrix Point Never auf Replica. Der Kritikerliebling, der mit seinen schwurbeligen Synthesizer-Drones letztes Jahr so gut in den Low-Fi-Olde-English-Spelling-Bee-Not-Not-Fun-Zeitgeist passte, ist wesentlich loopiger geworden als zuvor, manchmal fühlt man sich sogar an seine minimalistischen Edits als Sunset Corp erinnert, beispielsweise, wenn er auf Replica/Remember oder Child Soldier mit repetitiven Vocalssamples arbeitet. Nassau und __Up: sind dann sogar genau jener Schlag narkotisierter House für den Hype Williams in den letzten Jahren so gehypt wurden. So avantgardekonsensig und prätentiös das auf dem Papier nun klingen mag: durchaus ein sehr, sehr schönes Album.
 

james ferraro invFind it at hhv.de: LP Ich bin ja nun nicht als größter Gitarrengönner unter der Sonne bekannt, aber wer mich mit Skype-Samples, leierigen Billigsynthies, Disney-Club-Harmonien, 80s Drum Machines, semi-ironischen Yachtrock-Gitarrensoli und fiesestem Fahrstuhl-Jazz verwirrt, ist mir prinzipiell sympathischer als all diese Dadrock-Kapellen. Der letztes Jahr endlich von der Blogosphäre adoptierte James Ferraro hat dies auf Far Side Virtual getan, die Superhipster von Hippos In Tanks haben es veröffentlicht und ihr wundert euch nicht, das in vielen bemühten Jahres-Top-Tens zu sehen.
 

Björk - BiophiliaFind it at hhv.de: 2LP Seit Jahrzehnten ein Abonnement auf hochgezogene Augenbrauen hat bekanntlich Björk, doch wie zuvor scheitert die Isländerin an den eigenen Ansprüchen. Biophillia ist als multimediales App-Konzept gedacht, mit Hilfe derer jeder Song vom Hörer aktiv reprogrammiert und verändert wird. Nüchtern auf die vorhandene Musik geschaut, muss man jedoch feststellen, dass Björk als Songwriterin mittlerweile nicht mehr auf dem selben Level ist wie noch vor zehn Jahren. Das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis, aber eine, die durchaus verärgert, weil man merkt wieviel kreative Energie noch in ihr steckt. Vielleicht sollte sie diese wieder vermehrt in ihre Musik und weniger in die diese umgebenden hochtrabenden Konzepte stecken. Oh, jetzt sehe ich gerade, dass ich mir darin mit Pitchfork einig bin. Pfui.
 

elektro guzzi - ParquetFind it at hhv.de: 2LP Man kann diesen ganzen Instrumente-Techno-Schmu als Gimmick abtun, oder sich von Elektro Guzzis Parquet bekehren lassen. War das letztjährige Debüt noch relativ zahm, wird hier ordentlich vorgeprescht. Die Kickdrum kommt auch live am Schlagzeug eingeprügelt sehr fett und nie muckermäßig, die häufig fragilen, ja minimalen Patterns wurden durch deutlich mutigere Arrangements ersetzt. Und hier gilt auch endlich nicht mehr das Totschlagargument, dass man die drei Österreicher erst live gesehen haben muss, um das beurteilen zu können.
 

planetary assault invFind it at hhv.de: 2LP Mit seiner eigenen Vergangenheit kokettiert Luke Slater auf der neuen Planetary Assault Systems, insbesondere in der knochentrockenen zweiten Albumhälfte von The Messenger. Bleepiger, hochtouriger Spätneunziger-Techno, humorfrei, zielgerichtet und in dieser Kompromisslosigkeit auch heute noch eine wirkliche Rarität. Die ersten fünf Tracks sind zumindest partiell heimtauglich, aber auch irgendwie belangloser.
 

rush hour allstars invFind it at hhv.de: 2LP Dass Amsterdam auch jenseits von Rotlichmilieuklischees und Kifferromantik viel zu bieten hat, dürfte bekannt sein. Gerade um die Qualitätsschmiede Rush Hour hat sich in den vergangenen Jahren eine wahre Armada an einheimischen House-Produzenten geschart, die nun auf Amsterdam All-Stars für das Flagschiff Schau laufen dürfen. Dass hierbei mit Newworldaquarium ein eher älteres Semster den ganzen Tom Tragos und Young Marcos die Schau stiehlt, ist nicht weiter tragisch. Auch dass der andere herausragende Beitrag von den beiden zugezogenen Israelis Juju & Jordash stammt, macht nichts. It’s A Family Thing und so.
 

moomin invFind it at hhv.de: 2LP Wohl gefühlt auf der D-Seite jener Compilation hätte sich bestimmt auch Moomin, der mit The Story About You ein archetypisches Smalville Album veröffentlicht. Deep und sample-lastig entwickeln sich die 10 Tracks, stets auf geschmackssicheren Retro-Drums basierend in melodieverliebte Herbst-Elegien. Schon sehr schön, aber irgendwie wie John Roberts mit Muskelfaserriss. Hätte der letztes Jahr mit Glass Eights nicht schon die definitive Version dieses Albums aufgenommen, ich würde Story About You an dieser Stelle wesentlich lautstärker loben.
 

Rebolledo - Super VatoFind it at hhv.de: 2LP Vom saisonalen Schwermut Moomins zur Aguyaos ADHS-Posse. Rebolledo ist einer dieser Techno-Not-Techno-Derwische für die Comeme in den letzten Jahren so viel Beachtung geschenkt wurde, ich habe deren Penetranz aber langsam satt. Kaum hat man sich auf Super Vato beispielsweise von dem bedächtigen Italo-Electro-Arpeggio von Steady Gear Rod Machine hypnotisieren lassen, folgen wieder diese lauen Balearic-Favela-Nummern mit dadaistisch-wavigen Vocals und Dolce-Vita-Habitus. Focus, echt mal.
 

Mr Oizo - Stade2Find it at hhv.de: 2LP Oder eben das volle Programm in Sachen Schizophrenie, Marke Mr. Oizo. Der benutzt immer noch als einziges ordnendes Element in seinen scheinbar vollkommen spontan entstehenden Beats diese weibliche Computerstimme, die vor gut drei Jahren jede dritte Promo-CD ruinierte. Das ist an sich schon subversiv, wenn die Dame aber in dem wild um sich schlagenden Douche Beat verkündet, dass das ein Beat für all die Douches sei und im Intro klarstellt, dass auch Oizo selbst keine Ahnung hat, was er da denn so aufgenommen hat, bestätigt sich mal wieder, dass Quentin Dupieux, trotz Ed Banger Support, der französische Knöpfchen-Kinski bleibt und Stade 2 genau der Befreiungsschlag ist, den Busy P seit langem brauchte.
 

Justice - Audio Video DiscoFind it at hhv.de: CD | 2LP Auch wenn man dafür heute Prügel bezieht: Ich mochte Justices Debüt, für einige Monate sogar sehr. Natürlich muss man im Nachhinein zugeben, dass die Hair Metalisierung der späten Daft Punk in etwa die Halbwertszeit von Hyphy und UK Funky hatte, aber zwischen Bratz-Manie und Rockstartum fanden Xavier und Gaspard eben auch Zeit tatsächlich gute Songs zu schreiben, die dafür sorgten, dass elektronische Musik, vor allem in den Staaten aus ihrem Nischendasein wieder zurück in den Mainstream fand. Das mag man als elitärer Connaisseur verdammen, eine Leistung ist es aber dennoch. Und genau hier liegt das Problem. Justice sind nicht mehr der heiße Scheiß, sie sind angekommen in der Welt von Nike, Dior und Madison Square Garden. Nun für sich den Anspruch zu haben, dieser Stadiongarantie auch mit Stadionklischees gerecht werden zu wollen, ist nicht verwerflich, subtil konnten die beiden ohnehin nie. Dass Audio, Video, Disco aber so grausam ideenlos ist, tut wirklich weh. Das ist der vertonte Burnout zweier Künstler, für die der Erfolg zu schnell kam, mitten in der Sturm und Drang Phase.
 

florence invFind it at hhv.de: LP Auch nicht ganz einfach dürfte es für Florence & The Machine gewesen sein einen Nachfolger für das überaus erfolgreiche zweite Album zu produzieren. Wie üblich könnte man an dieser Stelle dann den Aufstand proben oder aber auf Bewährtes setzen. Ceremonials geht den einfachen Weg, räumt der charismatischen Frontfrau viel Raum ein, baut darum ein opulentes Gerüst aus Klavier, Harve, Chören, Gitarren und Multitracking auf und am Ende sind wahrscheinlich alle glücklicher als mit einem 4-Spur-Freejazz-Album, mit dem man sich vorgaukelt, ach so unabhängig geblieben zu sein. Solide Lebensbejahung für verzagte Kunst- und Medienstudentinnen.
 

Mayer Hawthorne - How Do You Do?Find it at hhv.de: CD | 2LP Tierisch auf die Eier geht mir mittlerweile Mayer Hawthornes Hausfrauen-Soul. Dieser goofy Whiteboy-Charme war zu Beginn seiner Karriere irgendwie noch charmant, mittlerweile bei Universal angekommen, driftet mir das aber alles zu arg in die Soccer Mom Ecke ab. Da lobt man sich einen Aloe Blacc, der bei noch wesentlich größerem Erfolg nie etwas derart belangloses wie Finally Falling veröffentlicht hat. How Do You Do wird dennoch oder gerade deswegen viele Menschen glücklich machen.
 

Dein Kommentar
1 Kommentare
01.12.2011 08:08
Tobfunka:
wo ist conversation b?
― antworten
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Time Capsule Records
Kosmisch versiegelt
Vom Sushi-Restaurant zum eigenen Label: Mit Time Capsule will Kay Suzuki die Hörerschaft erleuchten. Gut ausgesuchte und bestens aufbereitete Musik dient ihm dabei als Schlüssel.
Music Liste
Thalia Zedek
Picks 10 latest Vinyl Records
Thalia Zedek ist eine Legende. Eine zu Unrecht vergessen Legende. Es ist Zeit sie wiederzuentdecken. Für uns hat sie 10 Schallplatten aus unserem Shop gewählt, für die sich ihrer Meinung nach derzeit das Kämpfen lohnt.
Music Kolumne
Records Revisited
Talk Talk – Spirit Of Eden (1988)
»Spirit of Eden« erzählt vom Erschöpfungszustand eines Jahrzehnts, von einer Schöpfungslust ohne revolutionäre Inhalte oder Genie dahinter. Vor 30 Jahren erschienen, gilt das Album als Meilenstein der Popmusik. Wieso eigentlich?
Music Kolumne
Aigners Inventur
September 2018
Nebenkostennachzahlungen bei Eminem, Instagram-Tutorials von Travis Scott, Tapetenanalyse mit YG: mal wieder keine Ahnung was der Aigner hier macht, aber dank Djrum hört die Inventur dann doch irgendwann auf ihre niedrigen Instinkte.
Music Kolumne
Records Revisited
Why? – Alopecia (2008)
10 Jahre alt ist »Alopecia« dieses Jahr geworden. Sein Namen bezeichnet einen kreisrunden Haarausfall. Über ein Album, das über das Nebeneinander von Sentimentalität und Gleichgültigkeit den Zeitgeist einfing wie kein zweites.
Music Liste
Kutmah
Picks 10 latest Vinyl Records
Die Beatszene ist wohl kaum ohne die von Kutmah mit-initiierten Sketchbook Sessions denkbar. Teile daraus werden in Kürze als »Kutmah presents Sketchbook Radio Archives Vol.1« veröffentlicht. Diese Schallplatten gefallen ihm selbst gerade.
Music Liste
Matt Werth
Picks 10 latest Vinyl Records
Vor 15 Jahren hat Matt Werth das Label RVNG Intl gegründet. Es ist heute eines der taktgebenden Labels des Planeten. Wiederentdeckungen und Neuentdeckungen gehen hier Hand in Hand. Wie auch bei Matt Werths 10 Vinyl Picks.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Blood Orange – Negro Swan
Das neue Blood Orange-Album ist ne handvoll. Zwei unserer Kolumnisten sagen: too much. Der dritte sagt: Ja. Ja, es ist too much, aber genau das soll es auch sein: zu viel und nicht etwa gemaßregelt.
Music Liste
Dorian Concept
Picks 10 latest Vinyl Records
Dorian Concept gehört zu den spannendsten Musikern, die sich außerhalb jeglicher Genres bewegen, die eine eigene Idee bis zum Ende verfolgen. Sein neues Album »The Nature Of Imitation« wird in diesen Tagen bei Brainfeeder veröffentlicht.
Music Kolumne
Records Revisited
J Dilla – The Shining (2006)
»The Shining« war das erste posthum veröffentlichte Album von J Dilla. Man kriegt Soul, Funk, rohen Rap, auch das vertrackte Zeug. Kurz: Man bekommt die unendlichen Ausdrucksformen, die J Dilla beherrschte. Es ist ein wahrer Klassiker.
Music Liste
Roosevelt
Picks 10 latest Vinyl Records
Roosevelt könnte der internationale Popstar werden, den Deutschland nie hatte. Im September kommt jedenfalls sein neues Album »Young Romance«. Heuer hat sich der Kölner 10 Schallplatten aus unserem Shop gepickz, die ihn derzeit gefallen.
Music Kolumne
Records Revisited
John Beltran – Ten Days Of Blue (1996)
Während andere seiner Generation das große Unbekannte und die Zukunft anvisierten, war Beltran müde. Und blieb, wo er war. Das mag reaktionär scheinen, und doch brachte es Neues hervor – eine Zukunft, ganz für sich alleine.
Music Liste
Steve Hauschildt
Picks 10 latest Vinyl Records
Wir haben Steve Hauschildt gebeten, durch unseren Webshop zu stöbern und sich 10 Schallplatten auszusuchen, die ihn derzeit am besten gefallen. Darunter heimliche Klassiker der elektronischen Musik und Highlights auch aus diesem Jahr.
Music Kolumne
Aigners Inventur
August 2018
Als wäre der Sommer nicht schon heiß genug, kommt auch noch Aigners Inventur. Unser Kolumnist wird direkt aus dem Urlaub abgeholt und im Opiumzelt in Manila abgesetzt. Ihr lest hier, was er VOR dem Fieber schrieb: fast nur Empfehlungen!
Music Liste
Alexander Tucker
Picks 10 latest Vinyl Records
Wir haben Alexander Tucker gebeten durch unseren Webshop zu stöbern und uns 10 Schallplatten zu nennen, die ihn derzeit inspirieren. Darunter mit Grouper, Chris Carter oder Henry Flynt durchweg Musiker, die kompromisslos ihren Weg gehen.
Music Porträt
Malka Tuti
Wohzimmer-Platten mit strangen Namen
Wo auf Industrial eine hebräische Nummer folgen kann: das Label Malka Tuti hat sich etabliert. Hier finden Kenner Musik, die wierd genug ist für die Off Locations und gut genug fürs Wohnzimmer.
Music Interview
Helena Hauff
Bock auf Bunker
Ein Synthesizer und ein Drumcomputer, die Tage erscheint Helena Hauffs neues Album. Viel hat sich nicht geändert bei der Hamburgerin, nur auf dem Bankkonto sieht es endlich besser aus. Gesprächsstoff gab es (trotzdem) genug.
Music Interview
Lena Willikens
Amsterdam State of Mind
Die Auflegerei ist in den vergangenen Jahren intellektualisiert worden, der DJ wird als Kurator wahrgenommen. Lena Willikens gehört zu den Protagonistinnen dieser Entwicklung. Die ihr selbst nicht nur angenehm ist.
Music Liste
L'Orange of Marlowe
Picks 10 latest Vinyl Records
L’Orange hat zusammen mit Solemn Brigham ein neues Projekt. Es heißt Marlowe. Ihr gemeinsames Debüt ist bei Mello Music Group erschienen. Aus diesem Anlass hat er 10 Schallplatten, die ihn derzeit besonders fesseln, gepickt.
Music Liste
Nicola Cruz
Picks 10 latest Vinyl Records
Nicola Cruz ist Franzose. Seine Eltern sind aus Ecuador. Seine Musik pendelt dazwischen und weit darüber hinaus. Seine Einflüsse kannst du ein Stück weit anhand seiner 10 Schallplatten nachvollziehen.
Music Interview
Deutsch Amerikanische Freundschaft
Eine Neutralität, die immer brennt
D.A.F waren revolutionär, weil sie eine Maxime hatten: nichts machen, was es schon mal gab. D.A.F sind immer noch aktuell, weil ihre Texte provozieren, ohne eine Meinung zu diktieren.
Music Liste
Ross From Friends
10 Favorites
Nenn es nicht einfach Lo Fi-House! Ross From Friends hat zwar auch einen dieser…Witz-Namen. Seine Musik ist allerdings kein Gimmick, nicht umsonst ist er auf FlyLos Brainfeeder gelandet! Der Mann hat Einflüsse von jenseits der 120 BpM.
Music Liste
X.Y.R.
Picks 10 latest Vinyl Records
Aufgewachsen in einer Provinzstadt im Nordwesten Russlands, atmet die Musik von X.Y.R. die russische Seele. Seine Auswahl an 10 Schallplatten zeigt hingegen, dass sein musikalischer Geschmack nicht an den Grenzen seiner Heimat Halt macht.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Debut (1993)
Björks »Debut« zog vor allem einen Schlussstrich. Dazu ist der Titel des Album eine dreiste Lüge. Eine größere Wahrheit hätte Björk damit allerdings ebensowenig aussprechen können.
Music Kolumne
Halbjahresrückblick 2018
50 best Vinyl Records so far
Techno ohne Kick und Snare, kunstvolles Gurgeln, Musik, zu der Buckelwale ihre Babys beisetzen: alles drin unter den 50 Schallplatten, die uns die erste Jahreshälfte 2018 bislang besonders versüßt haben.
Music Liste
WEN
Picks 10 latest Vinyl Records
Soeben ist auf Big Dada »Ephem:era«, das zweite Album des als »Wunderkind des Post-Grime« hofierten Producers WEN erschienen. Der Musiker hat für uns nun 10 Schallplatten ausgesucht, die ihn in diesen Tagen besonders begeistern.
Music Kolumne
Records Revisited
Dynamite Deluxe – Deluxe Soundsystem (2000)
Deutsch-Rap in seiner ersten Blüte, das Ende der Neunziger, der Anfang eines neuen Jahrtausends. Kein Album wurde mehr erwartet als das vorliegende. Und »Deluxe Soundsystem« schlug dann auch ein wie eine Bombe.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Kanye West – ye
Slavery was a choice, Make America Great Again, man kennt die Storys. »ye« einfach nur als Tonträger zu besprechen, ist unmöglich. Drei Wochen nach Release versuchen wir, den ganzen Wahnsinn irgendwie einzuordnen.
Music Porträt
Spasibo Records
From Russia With Funk
Eines Tages würden sie gerne mit Daptone und Jazzman in einem Atemzug genannt werden: Das St. Petersburger Label Spasibo verlegt die Grooves der Landsmänner neu. Tips dazu gab es auch von Jan Weissenfeldt.
Music Liste
Mo Kolours
Picks 10 latest Vinyl Records
»Inner Symbols« heißt das in diesen Tage erscheinende, dritte Album von Mo Kolours. Der Musiker hat für uns nun 10 Schallplatten ausgesucht, die ihn in diesen Tagen besonders begleiten. Darunter Jazz, Hip-Hop, Freunde, Bekannte, Kollegen.
Music Porträt
Macadam Mambo
Lyon zurück auf der Karte
In den letzten Jahren sind Exotika-Labels aus dem Boden geschossen wie Gemüse in Urban Gardening-Flächen. Seit 2012 ist das Lyoner Label Macadam Mambo nicht nur eines der interessantesten unter allen, sondern auch eines der bestgemachten.
Music Liste
Guts
Picks 10 latest Vinyl Records
Guts ist eine Institution im französischen, ach, im europäischen Rap. Mindestens. Soeben wurde seine Platte »Paradise For All« wieder aufgelegt. Die Gelegenheit ihn darum zu bitten, 10 Schallplatten zu picken, die ihn aktuell mitreißen.
Music Liste
16 Records from Russia
Selected by Michail Stangl
FIFA WM startet in Russland, das Passwort für ВКонтакте vergessen: es wären beinahe triste Wochen geworden. Aber nur beinahe. Hilfe kommt aus dem Boiler Room. Und plötzlich hat alles doch noch einen Sinn.
Music Liste
Legowelt
12 Essentials
Danny Wolfers aka Legowelt zu begreifen – schier unmöglich. Eine Liste mit 12 seiner essentiellen Stücken zu erstellen – ebenfalls, unzählige Releases unter unzähligen Pseudonymen. Wir mussten es dennoch mal versuchen.
Music Liste
Martyn
Picks 10 latest Vinyl Records
Mit »Voids« präsentiert Martyn in diesen Tagen sein fünftes Album. Sein erstes für Ostgut Ton. Aus diesem Anlass ist er durch unseren Webshop gegangen und hat 10 Schallplatten ausgewählt, die ihn derzeit besonders beschäftigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juni 2018
New Kanye, new Pusha, new Rocky, Gzuz auch noch! Ziemliche Aufstellung das. Unser Kolumnist ballert trotzdem 51. Und da er den ganzen Spaß hier alleine macht, hat er den Spielstand stets im Kopf: hellwach, never stoned af, unser Aigner.
Music Interview
Leon Vynehall
Für Oma, Forever Ago
Leon Vynehall geht mit »Nothing Is Still« auf ganz persönliche Spurensuche in seiner Familiengeschichte. Auf dem Debütalbum für Ninja Tune erzählt er, wie seine Großeltern in den 60er-Jahren von Großbritannien nach New York einwanderten.