Music Kolumne | verfasst 27.12.2011
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2011 (Teil 2)
Unser Kolumnen-Duo Aigner und Okraj schließt das Jahr mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab, wie üblich streitbar aber scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip Hop und Post-Everything.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

25 Egal wie viele Hits er für die R&B-Elite weiterhin locker aus dem Ärmel schüttet (So geht unter anderm Rihannas Umbrella auf sein Konto), Kollege Aigner und ich, wir wollen den puren The-Dream / Terius Nash. Produktionstechnisch hat er Timberland schon längst in die Tasche gesteckt und lyrisch, so darf ich den Kollegen Aigner zitieren, vermag er ohnehin »mit den simpelsten lyrischen Mitteln mehr Emotionen zu transportieren als Conor Oberst und Daniel Johnston zusammen«. Eine handvoll Songs hätten wir hier in die Liste packen können und einigten uns am Ende doch auf Ghetto, weil es in gewisser Hinsicht Einblick gewährt in das Erfolgsgeheimnis unseres fanboyhaft-verehrten R&B-Avantgardisten. Das da wäre: Eine dezente Portion Selbstbewusstsein. Eine kleine Kostprobe: »I created this sound, yes sir I shut it down. There’s only one number 1, these other niggas are my sons. And you can never be be like me, you can never do it do it like me.« Keine Fragen offen, wir fressen dir auch weiterhin aus den Händen.

24 Ungeachtet dessen, dass sich Big Strick im Interview und nachfolgendem E-Mail- und Facebook-Verkehr als unheimlich angenehmer und dankbarer Zeitgenosse präsentierte, nein, dieser Mann ist zudem auch für das beste House-Album des Jahres verantwortlich. Yllabian Dog Fight nennt sich einer dieser darauf versammelten atmosphärischen, analogen Stampfern, unheimlich dicht im Sound, stets pendelnd an den Schnittstellen von Deep House und funktionalem Techno. Kaum in Worte zu fassen, so dass man gewillt ist, diese Erklärung mit einer stumpfen aber wahren Plattitüde zu beenden: This is what you get from Detroit. Detroit only.

23 Wie beginnt man eine Einordnung zu Tyler’s Yonkers, ohne auf die omnipräsente These Nasir Jones’ zu verweisen, Hip-Hop sei tot? Zugegeben: Am besten gar nicht. Nichtdestotrotz braucht das Genre alle Jahre wieder eine Auffrischung, die 2011 in Gestalt eines zwanzigjährigen Skatergoblins aus Los Angeles daherkam, der über furztrockene Beats seine klaustrophobischen Reime zum Besten gibt und zur Generalabrechnung mit Blogs, Medien und Sonstigem ausholt (»I’m stabbin’ any bloggin’ faggot hipster with a Pitchfork«). Ein unerklärliches Phänomen diese Wolf Gang, die ihr radikales System mit aller Wucht gegen alle anderen vorantreibt und am Ende doch Persönliches offenbart. So mündet auch auf Yonkers die Kompromisslosigkeit Tyler’s Lyrics in der shizophrenisch bekämpften Sehnsucht, seinen Vater kennenzulernen. Wir sahen es kommen und wunderten uns doch, dass gegen Ende des Jahres diese Dialektik dann noch nicht in einer Volkswagen-Werbung zu Ende gedacht worden ist. Wolf Gang – Golf Wang!

22 Ach, ist das schön. Aaron Coyes und Indra Dunis kommen aus Wisconsin, mögen Dub und Spaghetti Western, schreiben wunderbar verpeilte Popnummern und sind in all dem noch erfrischend unprätentiös. All The Sun That Shines lässt den Sequencer annähernd ohne Aussetzer durchrattern, die Bässe haben sich TÜV bei Lee Perry geholt, das Hauptarrrangement klingt nach Air zu besten Zeiten und die mantra-artigen Vocals machen es sich direkt im Langzeitgedächntis bequem. Gänsehaut in der Sonne.

21 Es vergeht kaum ein Tag, an dem das besagte Kolumnisten-Tag-Team Aigner/Okraj sich gegenseitig Tracks via Facebook empfiehlt und diese mit kurzen Schlagworten Marke »GOAT!«, »ADONISGOAT«, »GAMECHANGER« oder »EPIC« anreichert. So (auch) geschehen an einem Montag im Februar, da macht gerade ein neuer Resident-Advisor-Podcast die Runde, der von Mädchenschwarm Caribou bestritten wird und nach wenigen Minuten direkt zu eben beschriebenen Verhalten veranlasst. Ein Track nämlich besticht dabei mit Drums so cross wie Wasa, die Synth hingegen mächtig, ehe sich aus dem Nichts unerwartet das liebreizende Soul-Sample gesellt. Theo Parrish? Könnte man meinen. Stammt aber aus Dan Snaith’s eigener Feder, der unter seinem Daphni-Moniker seit kurzem auch eigene Edits produziert. Mit Yes, I Know verzichtet er auf den üblichen etwas überladenen Afro Beat, dreht die Shaker zum Anschlag und drückt das unwiderstehliche Sample in der Vordergrund. »Massive«, wie man in England so schön zu sagen pflegt.

20 So weit ist es also schon gekommen im Thank You, Based Swag-Zeitalter. Harlem klaut Komparsen aus Rebecca Black Videos, bedient sich bei Cam’rons ehemaliger Lieblingsfarbe, zitiert mehr oder minder offensichtlich Swishahouse-Superhits und hat auch nichts gegen solch herrlich dämliche Künstlernamen wie ASAP Rocky. Purzle Swag verbindet dabei so gekonnt wie wenige Tracks zuvor den Houston’schen Gangsta-Lean mit Lil B’scher Weirdness und darf sich genau deswegen auch nach wie vor einer der abgenudelsten Vokabeln der letzten Jahre bedienen ohne dabei purpur anzulaufen. Swag!

19 Die eingespielte Kritik an Hovas und Yeezys Mammutprojekt Watch The Throne wird auf Lift Off ad absurdum geführt. Opulente, verschwenderrische Produktion, deren aufgeblähter Bombast gleich sechs verschiedene Produzenten auf der Gehaltsliste stehen hat? Aber sicher! Uninspirierte, banale Reimkunst, bei der sich beide Protagonisten gegenseitig nur wenige Bars gönnen, begleitet von einer übertriebenen Hookline Beyoncés? Go for it! Zuletzt: Autotune? Hatte Jay-Z nicht dessen Tod propagiert? Doch was interessiert diese Big Player das Geschwätz von gestern? Sollen die anderen doch in irdischen Dimensionen denken, wir nicht. Warum auch? Wenn sich zwei Künstler zusammentun, die die Forbes-Hip-Hop-Liste auf #1 und #3 gleich unter sich aufteilen, darf Genussfreude – Haters gonna hate und hehaupten Prasserei – betrieben werden. Nach uns die Sintflut, sie sind nicht mehr von dieser Welt: »We gon’ take it to the moon, take it to the stars – How many people you know can take it this far? – I’m supercharged – I’m ’bout to take this whole thing to Mars.« Und die Hater? Die twittern dennoch weiter.

18 Paul Woolford? Ich gebe zu auf dem Papier war Stolen eine der unbemerkenswertesten Hotflush-Platten seit langem, was eventuell auch damit zu tun haben könnte, dass ich den Zusatz And Psycatron – warum auch immer – völlig überlesen hatte. Nicht, dass jenes Duo in letzter Zeit die zwingendsten Platten gemacht hätte, man hätte dann aber bereits auf dem Schirm haben können, dass Stolen eine Menge Druck haben würde. Wenn ich dann Woolfords wohldokumentierte Big Room-Affinität nicht als No-Go abgetan, sondern als entscheidenden Twist wahrgenommen hätte, hätte ich dieses ganz und gar garstige, dabei aber sehr soulful bleibende Acid Techno-Epos antizipieren können? Vermutlich nicht. Denn die Art und Weise, wie sich Stolen immer weiter hochschraubt, stets geleitet von der altehrwürdigen 909 um schließlich nach sechs Minuten im von der Dramaturgie absolut zwingenden, aber dennoch überraschenden 303-Inferno zu kulminieren, hat so viel Verve, so viel Eier, ja so viel Swag, wie derzeit kaum eine andere Veröffentlichung mit vergleichbarer Zielgruppe.

17 Was Itals Culture Clubs so speziell macht, sind nicht die Zutaten. Vintage Drum Machines und Rimshot-Salven, eine verpeilt schlingernde Synth-Melodie aus Larry Heards Juno-Baukasten, darüber noch Schwülstiges aus dem Cosmic- und Italo-Kontext – das machen gerade viele. Wie es Ital aber schafft , all dies so nonchalant für neun Minuten zu mäandern lassen, uns immer in der Ungewissheit lassend, ob sich eine der torkelnden Melodien nicht gleich frontal auf die Fresse legt, ist atemberaubend und irgendwo auch die konsequenteste Fortsetzung dessen, was Virgo 4 vor 25 Jahren schon gemacht haben.

16 Auf I’ll take care of You versetzt Hipsterikone Jamie XX den leidenden Blues des in diesem Jahr traurigerweise von uns geschiedenen Gil Scott-Heron ins New York der frühen 90er Jahre. Anmutig tanzt der schüchterne Klavierakkord auf dem fragilen Beat und verleiht der Kernthese des Heron’schen Sermons durch das vorsichtige Hinzufühen weiterer Elemente peu à peu immer mehr Nachdruck. Nebenher sorgt Jamie XX für den vielleicht einflussreichsten Song des Jahres, der sich auf einer zaghaften Adaption schließlich auch auf dem Album Drakes wiederfindet und mit einer kongenialen Coverversion von Florence & The Machine (unterstützt vom BBC-Orchester) zum Jahresende noch einmal die Runde macht. Mirakulös!

15 Puristen mögen sie als typischen Tumblr-Gimmick abtun, mit schuldigem Blick ihre Erektion verschweigen und stattdessen doch lieber Age Ain’t Nothin’ But A Number aus dem Regalfach Guilty Pleasures ziehen. Nicht so Aigner und Okraj, wir würden Aaliyah ein Denkmal bauen und sind umso glücklicher darüber, dass mit Phlo Finister endlich deren 2.0 Version gefunden ist – inklusive Hilfiger-Gear, sieben Zentimeter an freigelegter Bauchdecke und den unvermeidlichen Shades. Die lässt unsere neue Heldin auch beim G.V. an, weil sie cool damit ist und ungefähr so viel Swag hat wie A$Ap Rocky, Lil B, Riff Raff und Soulja Boy zusammen. We need a resolution und zwar eine, die diesem Juwel schnellstmöglich den Plattenvertrag bringt, den es verdient hat. Ach ja, und dann wäre da ja noch diese Shook Ones-Geschichte.

14 Oldschoolige 808s gekoppelt an diese seltsam schwerelosen, sehr britischen Synthflächen, Sizzurp erprobte Yayo-Huldigugen, die durch ihre DJ Screw-ifizierung und mächtigem Pitchshifting in der Bridge in einen hedonistischen Hilfeschrei mutieren (»I’m so addicted. Cocaine Powder. I’m the Information. Too much.«) und Bass for days: Viel mehr brauchte es nicht um aus Sicko Cell den meist diskutierten Track von der Insel seit Footcrab zu machen. Joy Orbison soll diesen Hysterieentfacher produziert haben und wenn dem wirklich so ist, kann und muss man an dieser Stelle Altbekanntes zu Protokoll geben: Unverschämt on fire, dieser Rotzlöffel mit dem 90210-Haarschnitt.

13 Machen wir uns nichts vor: spätestens in einem halben Jahr wird Lana Del Rey von genau jenen Facebook-Freunden kolonisiert sein, die man schon seit Jahren löschen wollte, sich aber nie traute, weil man damals im Bio-Grundkurs zwei ganze Nummern bei ihnen abgeschrieben hat. Nun ist das aber zum einen nicht die Schuld des schlauchbootlippigen Hipster-Pinups selbst und zum anderen ändert das nichts an der Tatsache, dass Video Games ein Song epischen Ausmaßes ist, an dem sich Miss Rey ihre ganze Karriere wird messen lassen müssen, ohne ihn je zu übertreffen.

12 Hinter mokkabraun getönten Fenstern sitzt der Boss im fetten Beamer, cruist durch die Streets und vercheckt gestrecktes Pep an Ghetto Dealer. Und da der Kofferraum gleich sechshundertsiebzig Hektoliter umfasst, bleibt Platz für jede Menge Hoes, Fitnessgeräte und Coka-Packets, die der multitaskfähige Pimp natürlich gleichzeitig bedienen kann. Was soll er denn auch machen, er ist nun mal der Beste und revolutioniert und definiert Battlerap mal wieder neu und hievt es auf eine neue Stufe. Nicht mehr, nicht weniger. Fertig aus, Micky Mouse, Nikolaus. Mit angespannten Sixpack ziert er die Men†˜s Health Titelseite, Kritik beantwortet er mit intensiven Pimpslaps (oder ballert gleich täglich rum wie Alkoholiker) und zwinkert nebenbei deiner Mutter zu, lädt sie in den Hummer zu Doktorspielen ein wie ein gewisser Guttenberg. Er kann nicht anders, schließlich war ihr Minirock knapper als Trinkwasser in Kinshasa.
An alle Realkeeper, die sich am bombastischen Beat stören und dem deutsch-kanadischen Cobrakopf fehlenden Flow konstatieren: Beim Battlerap geht es keinesfalls nur um Flows, sondern vielmehr um die drückendsten Punchlines. Diese reiht Kollegah auf Bossaura auf insgesamt 112 Bars Reihe an Reihe, überragt mit intelligenten Wortspielen/-bildern zuhauf und bedient zugleich einen stringenten Storytelling-Aufbau. Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau, mit minimalem Aufwand, wie Disney-Zeichner.

11 Achtung, es folgt eine verklärte Anekdote. Mitte Juli besuchte euer Kolumnisten-Duo Aigner/Okraj mal wieder ein DJ-Set dieser beiden Typen aus Washington, D.C. Die Beautiful Swimmers spielten eines ihrer bisher härtesten Sets, beständig über 120 BPM und ganz im Zeichen systematisch durchnummerierter, in den frühen Achtzigern gebauter Drumcomputer. So weit, so geil. Was aber passierte als sich dieses gequälte Vocalsample über die mit einer wissenden Lücken programmierte Bassdrum legte, um dann nach zwei Minuten in einer der unfassbarsten Synth-Spuren der letzten Jahre zu explodieren, würde jedem Summer Of Love-Klischee gerecht werden. Um euch an dieser Stelle weitere Bromance-Details zu ersparen, sei nur noch erwähnt, dass sich Aigner und Okraj – ganz Profis – direkt nach diesen viereinhalb Minuten geschworen hatten, jenen zu diesem Zeitpunkt noch unbetitelten Track eines Tages auf die Eins zu packen. Das ging, der Future Times Compilation Vibe 2 sei Dank, nun schneller als befürchtet. Und wir dachten, Legowelts Comeback Dust Remix wäre schon gut gewesen…

10 Wirklich beeindruckend mit welcher Virtuosität The Abstract Eye (2011 noch eher unter seinem hauptsächlich verwendeten Synonym Gifted & Blessed oder einfach GB bekannt) seinen Rolandfunk anno 2011 durch die Melodienschleife treibt. Während sein Busenkumpel Funkinven gerne mal zur diabolischen Hetzjagd ausholt oder den Kompressor bis zum Anschlag ausreizt, kontert GB mit anmutigem Analogfunk aus seinem opulenten Maschinenpark, der es in vortefflicher Manier versteht, die Essenz verschiedener Einflüsse zwischen Larry Heard, Cybotron oder Dâm-Funk zu tranchieren. Derlei Begabung mündete Mitte des Jahres im sagenhaften The Unseen, das die Fährte eines weiteren Idols aus der Motor City aufnimmt, das sich später auch noch in dieser Rangliste wiederfindet. Doch dazu mehr auf der Eins.

9 Bereits auf der 17 mussten wir eine Ode an Ital anzustimmen und werden es später noch einmal tun. Das Rampenlicht aber gehört 2011 gehörte aber ebenfalls seinem Mi Ami Bandkollegen Damon Palermo, der als Magic Touch ungeniert den frühen Neunzigern frönt und mit Clubhouse nun einen Tune programmiert hat, für den Lady Miss Kier damals getötet hätte. Ein super offensichtliches, aber gänzlich unironisches House-Piano, in bester MK-Tradition tranchierte Vocals von Honey Owens, naive Rave-Stabs, eine wundervolle Breakbeat-Exkursion, ein unprolliger Hands-In-The-Air-Breakdown, eine Synth-Melodie, die im Morgengrauen verpeilt aus der Hacienda gestolpert ist und ein völlig unerwartetes Postlude – hier passiert in sieben Minuten mehr als auf vielen Dancemusik-Alben. Und wem es immer noch nicht aufgefallen ist: 100% Silk avancierte spätestens mit dieser Veröffentlichung zum Blindkauf-Label.

8 Ein schlechtes Gewissen haben wir schon. Egal, was Floating Points veröffentlicht, das Apologeten-Team Okraj/Aigner steht brav bei Fuß, betont sofort, wie brillant dieser Typ all seine Einflüsse unter einen Hut bringt und dabei so unverwechselbar und eigenständig klingt. Für gewöhnlich wird dann hervorgehoben dass die Synth-Melodien so klingen, wie sich das vor 25 Jahren Larry Heard für das Jahr 2011 gewünscht hätte und dass es momentan keiner versteht, gleichzeitig so subtil und groovy zu sein wie Sam Shepherd. All das träfe auch wieder auf Arp 3, den Geniestreich seiner neuesten EP zu. Der auf 125 BPM beschleunigte, technoide Bruder des Semiklassikers Vacuum Boogie, der dessen Schwerelosigkeit ein Synth-Arpeggio hinzufügt, das sogar in der o2-Arena noch mächtig klingen würde, sich nach dem Klimax aber sehr schnell wieder in die Zwischenräume verabschiedet, um diesem unwiderstehlichen 4×4 Drumpattern nicht zu lange die Schau zu stehlen. Oder, wie Kollege Okraj neulich meinte: unfassbar, der Typ ist so ein Vollblutmusiker und produziert momentan über den Dingen.

7 Kollege(h) Aigner und ich, wir stehen einfach auf R&B. Sei es die Schmonzette aus den frühen Neunzigern (ja, auch die ohne obligatorischem Biggie-Feauture), aktuellem pathetischen Übermut des Herren Terius »Dream« Nash oder eben Robbie M’s unwiderstehlichen Schmuser I wanna be with you tonight, den Andrew Morgan, schätzenswerter Mann hinter dem mächtigen ReIssuelabel Peoples Potential Unlimited, 2011 auf 7inch unter die Leute brachte. Und siehe da: Hierbei handelt sich noch nicht einmal um eine Wiederveröffentlichung, sondern um aktuelles Material des Mitfünfzigers, dessen Erstlingswerk ebenfalls bereits in der Pipeline wartet. The music†˜s nice, the mood is right, I just wanna be with you tonight. Let the DJ play and the bodies sway, I just wanna be with you tonight. Erstaunlich, aber es sind doch zumeist die einfachen Dinge, die ausgesprochen werden müssen, auf die man reinfällt. Musik für Herz und Seele. Kein Wunder, dass dieser seelenruhige, rotgekleidete Pimp mit abgeklärter Gelassenheit gleich zwei Frauen gleicher Blutlinie bezirzt.

6 Dass die basslastigen Engländer in letzter Zeit auch wieder vermehrt auf Vintage Drum Machines und den Acid-Squelch der TB 303 zurückgreifen, dürfte den wenigsten entgangen sein. Ob Joy Orbison, Blawan oder Dave Kennedy – der Post-Stepper von heute macht House-Jams mit Hilfe der Roland’schen Produktpalette aus den frühen Achtzigern. Von Anfang an einen Schritt weiter ging das Eglo-Signing FunkinEven, der Acid nicht nur zitiert, sondern umarmt, drygehumpt und ganggebangt hat. Und so gut seine bisherigen Maxis waren, diese hier schießt den Vogel ab. Ein unfassbar energetischer Throwback-Track, der dennoch absolut zwingend 2011 ist. Kaum sechs Takte gibt er uns Zeit, bevor er aus den alten und schweineteuren Fetischobjekten eine entfernt an das Mario Bros.-Theme angelehnte Melodie gegen offbeatige Rimshots und Claps kämpfen lässt, zur Mitte die Euphorie gekonnt in einem kurzen Break verschleppt, um dann derwischig zu schließen. So viele versuchen mit den gleichen MItteln die Unschuld der Pionierjahre zu beschwören, Funkineven hingegen bedient seine Geräte mit der gleichen Naivität wie die einstigen Fahnenträger und macht damit, ohne es zu wollen, all die anderen Kopierkatzen obsolet.

5 Natürlich ist das, was Jacques Greene tut, keine Atomphysik. Man nehme ein infektiöses Vocalsample, diese elegischen, aber immer sehr nach Rechner klingenden englischen Synth-Lines, packe einen trockenen Vintage-House-Groove drunter und fertig ist der Hit. Das war 2011 die Formel der meisten Late Teens, die vor Burial primär Timbaland und die Neptuns gepumpt haben. Was Another Girl aber von gefühlten 3000 anderen Tracks, die diesem Schema folgten unterscheidet, ist wie brillant Greene hier mit Melancholie und Euphorie jongliert. Ciaras auf ganz andere Art und Weise geniales Deuces wird hier zu einem gebrochenen Lamento, das sich mehr und mehr in den aufbrandenden Melodien aufzulösen droht und dennoch immer präsent bleibt. Wer einen Track so wissend aufbaut, ist gekommen um zu bleiben.

4 Nach dem ersten Hören von Ultra Thizz fällt es einem wie Schuppen von den Augen, warum die heutige Jugend alles weder knorke, noch geil sondern schlichtweg laser findet. Diese fluoreszierende Synth, die hier euphorisch Beifall klatschend angekündigt wird, ist nämlich dermaßen von Halluzinogenen durchleuchtet, dass sie keine Gefangenen macht und auf der Tanzfläche Jung und Alt gleichermaßen – Vorsicht, Lieblingswort – zerberstet. Und um gleich den soziokulturellen Link zur aktuell omnipräsenten Retromania-Debatte herzustellen: Natürlich bedient sich Rustie hier den aufgeladenen Gefühlen des Glam-Metals der Achtziger und schlägt gleich mehrere Haken zu Van Halen und co. Manche mögen das Future Vintage nennen. Oder wie es gleich der knackigste Soundcloud-Kommentar des Monats auf den Punkt bringt: »Next level vintage future made from some crystaline substance from space, designed to be listened to at full bass in a Cadillac Escalade with 5 15" speakers. Dubstep is dead. This is next level vintage future. Thanks Rustie.«

3 Vorsicht, jetzt wird’s unfair: Während sich The Weeknd mit seinem dystopischen Designer-R&B binnen eines Jahres zum Hipster-Go-To-Guy mauserte, krebst eine gewisse Jhene Aiko ohne Plattenvertrag rum und darf an einem guten Tag vielleicht Kanyes Marmorkacheln schrubben. Dabei ist Stranger besser als alles, was The Weeknd je veröffentlicht hat. Weniger Koks-Koketterie, dafür aber schrilles Liebesleid über einen minimalistischen Beat, der klingt, als hätte sich Pharrell vor fünf Jahren der Swishahouse-Posse angeschlossen. Welche Spaßbremse hat eigentlich behauptet R&B wäre nicht ruff, ragged and raw?

2 Mit Candi Statons Acapella You got the love liegt man ohnehin auf der sicheren Seite, dafür gibt es in der Popgeschichte Beispiele zu Genüge.
Doch nicht nur dieses unverkennbare Stück Vocalgeschichte alleine macht Itals Saviour’s Love Megamix seiner Single Only For Tonight zu diesem dekorativen und hymnischen Farbspektakel. Es ist die Synthese des bedeutungsschwangeren Vocals mit den vielen oszllierenden analogen Synthesizern, die melodisch das Seelenleben des Gesangs destillieren, der Sinne beraubt nach Liebe dürsten und benommen den Heiland heraufbeschwören.

1 Diese Synths! Auf mehrere Ebenen geschichtet entwickelt sich die eine gerade in Richtung Klimax, da nimmt schon die andere Anlauf. Von der dritten ganz zu schweigen. Zusammen ergeben sie diese Melodie, diesen lupenreinen Trance, der – selbst zur falschen Zeit gespielt – für spontane ekstatische Hormonausschüttungen zu sorgen imstande ist. Dazu die ausgefeilte Drumprogrammierung, die in ihrer Komplexität stets an Masters At Work erinnert. Die kapriziösen Hi-Hats peitschen im Verbund mit Omar-S’ neu entdeckter Leidenschaft für Congas den Track kompromisslos nach vorne. Weiter, immer weiter! Und da ist schon wieder die Synth. Ein Teufelskreis. Ein wahrlich diabolischer.

*Und hier geht’s zum *

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 03.04.2011
Zwölf Zehner
März 2011
Der März ist um, es lebe der März. Florian Aigner und Paul Okraj lassen den Monat März Revue passieren und destillieren in der neuen Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 02.05.2011
Zwölf Zehner
April 2011
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 01.06.2011
Zwölf Zehner
Mai 2011
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 01.07.2011
Zwölf Zehner
Juni 2011
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 01.08.2011
Zwölf Zehner
Juli 2011
Willkommen im August. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.10.2011
Zwölf Zehner
September 2011
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 03.11.2011
Zwölf Zehner
Oktober 2011
Willkommen im November. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 27.12.2011
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2011 (Teil 1)
Unser Kolumnen-Duo Aigner und Okraj schließt das Jahr mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab, wie üblich streitbar aber scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip Hop und Post-Everything.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2012
Zwölf Zehner
Februar 2012
Willkommen im März. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.04.2012
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 03.05.2012
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.06.2012
Zwölf Zehner
Mai 2012
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.08.2012
Zwölf Zehner
Juli 2012
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.09.2012
Zwölf Zehner
August 2012
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.10.2012
Zwölf Zehner
September 2012
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.11.2012
Zwölf Zehner
Oktober 2012
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 28.11.2012
Zwölf Zehner
November 2012
Willkommen (fast) im Dezember. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 02.01.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2012 (Teil 2)
Spät, streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2012 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 02.01.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2012 (Teil 1)
Spät, streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2012 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 06.02.2013
Zwölf Zehner
Januar 2013
Willkommen im Februar. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Januar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.03.2013
Zwölf Zehner
Februar 2013
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.06.2013
Zwölf Zehner
Mai 2013
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.07.2013
Zwölf Zehner
Juni 2013
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 14.08.2013
Zwölf Zehner
Juli 2013
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.09.2013
Zwölf Zehner
August 2013
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 03.10.2013
Zwölf Zehner
September 2013
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 03.02.2012
Zwölf Zehner
Januar 2012
Willkommen im Februar. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Januar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 02.09.2011
Zwölf Zehner
August 2011
Willkommen im September. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Porträt
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Music Interview
Kinderzimmer Productions
»Wer kennt noch Jenny Elvers?«
Kinderzimmer Productions beackerten im Deutschrap schon immer die Ränder. Ihre Samples waren ausgefuchster, ihre Anspielungen cleverer, ihr Anspruch war es, originell zu sein. Nach 13 Jahren Pause sind die Ulmer nun zurück Ein Interview.
Music Interview
Jan Schulte
Mein Name sei Bufiman
Jan Schulte ist der Mann mit den vielen Namen. Jetzt veröffentlicht er auf dem niederländischen Label Dekmantel sein Debüt »Albumsi« als Bufiman. Wir trafen ihn im Wolf Müller Flanger Studio und sprachen mit ihm darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Rolling Stones – Let It Bleed (1969)
Vom Western-Saloon in den Vietnamkrieg, Stress mit den Cops und Heroin in Arschbacken – der Weg zu »Let It Bleed« verläuft auf einem Pfad zwischen Morbidität und Leichtsinn. Am Ende waren die Drogen gelutscht und die Utopien der Hippies tot
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 12inches
Dance Music dominiert bei den Vinyl 12"s des Jahres 2019. Aber das ist doch nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Denn diese Auswahl zeigt: alles ist erlaubt auf dem Dancefloor und muss es ogar sein.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Reissues
Auch 2019 haben uns fleißige Plattenlabels Musik von gestern für ein besseres Morgen zur Verfügung gestellt. Wir haben 50 Schallplatten herausgesucht, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 Compilations
Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig ganz unterschiedliche Tracks zusammenkommen, ist das Ergebnis nur in 1% der Fälle überzeugend. Wir haben trotzdem 20 rausgesucht.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.