Music Interview | verfasst 30.03.2012
First Serve
Wer bin ich und wenn ja wie viele?
Wer hinter First Serve steckt, war eigentlich immer klar. Und dennoch: Deen Whiter und Jacob »Pop Life« Barrow ziehen die Maskerade durch. Ähnlichkeiten mit De La Soul sind rein zufällig.
Text Carlos Steurer , Fotos Michael Binh Theel
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Das Märchen von First Serve liest sich so: Deen Whiter und Jacob »Pop Life« Barrow kennen die Hochs und Tiefs des Musikgeschäfts. Seit die zwei völlig unterschiedlichen Typen in der vierten Klasse, beim Hausaufgaben abschreiben Bekanntschaft schlossen, eint sie ein brüderliches Verhältnis. Gerade die charakterlichen Differenzen sind es, die die besondere Chemie zwischen den beiden Rappern ausmacht. Auf der einen Seite Jacob, der Frauenheld und potentiell-angehende Millionär, mit dem richtigen Gespür fürs Geschäft. Andererseits Deen, ein etwas blauäugiger Tagträumer, der nur aus reiner Liebe zur Musik das Rappen begann. Während Deen’s Mutter ihren Sohn lieber im Anzug als Büroangestellten sehen würde, träumen die beiden in seinem Kinderzimmer in Queens von einem Leben im Rampenlicht.

3 Feet High and Rising in Paris
Ausgerechnet in Europa, als Vorband für De La Soul, soll sich für Jacob & Deen aka Plug 1 und Plug 2 die einmalige Chance zum Durchbruch ergeben. Während einer spontanen Freestyle-Cypher, am Rande einer belebten Pariser Touristenmeile, ziehen die beiden die Aufmerksamkeit der einheimischen Hit-Produzenten Chokolate und Khalid, die die Szenerie von einem Straßencafé aus interessiert beobachten, auf sich. Als die MCs wieder gen USA abreisen, steht die Idee, einen gemeinsamen HipHop-Klassiker mit Funk- und Disco-Einflüssen produzieren zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die beiden Plugs jedoch noch nichts von den Querelen des gnadenlosen Geschäfts, die ihre Freundschaft später auf eine harte Probe stellen sollen. »»Wenn wir von De La Soul beeinflusst wurden, dann nur, weil sie so viele New-School-Bands dazu brachten, sich selbst treu zu bleiben.« (Deen Whiter) Getreu dem Motto »First come, first serve, get what you deserve« formieren sie sich zur internationalen Supercrew First Serve und nehmen, wieder zurück in Paris, ihr selbstbetiteltes Debüt auf. Dieses soll sich »auf der Höhe seiner Zeit bewegen, ignoriert dabei aber die aktuellen Trends und sucht die goldene Mitte zwischen Samples und echten Musikern«, so Khalid über die klangliche Ausrichtung. Die Zeitlosigkeit, auf die sich das Quartett beruft, soll auch das, im Vorfeld veröffentlichte »Goon Time Mixtape« wiederspiegeln. »Momentan klingt doch alles gleich, was im Hip Hop passiert«, bringt Deen seinen Unmut über die aktuelle Musiklandschaft zum Ausdruck. Um ihre Andersartigkeit zu verdeutlichen, legen die First Serve-Jungs deshalb auch besonders viel Wert auf die visuelle Umsetzung des Projekts. Im Comic-Stil präsentieren sie ihre hyper-animierte Fantasy-Welt, deren bunte Fröhlichkeit die Musik zusätzlich illustrieren soll: _»Es geht bei uns nicht ums Geld«, erläutert Jacob den bandinternen Anspruch, »sondern darum aufzufallen, um den künstlerischen Ausdruck an sich«.

Friendship vs. Businesspartnership
Dass diese Ansicht von allen Bandmitgliedern nur bedingt geteilt wird, zeigt sich, als nach der Vertragsunterschrift mit Goon Time Music der Aufstieg ins Blitzlichtgewitter folgt und Jacob bereit ist für den kommerziellen Erfolg jegliche Kompromisse einzugehen. Doch Deen will sich nicht verbiegen lassen und stellt höhere Ansprüche an seine Kunst. Es kommt zum Zerwürfnis, auf dessen Höhepunkt sich die Plugs zufällig in der Telefonleitung einer französischen Lady, die mit beiden falsches Spiel spielt, wiederfinden. Nicht ganz ohne humoristische Schuldzuweisungen, besinnen sie sich noch am Hörer auf ihre alten Freundschaftsschwüre. »Ich denke Freundschaft ist das wichtigste und diese Kombination macht die Musik zu etwas Speziellem«, begründet Deen später die Wiedervereinigung. »Wenn man eine Freundschaft aufrecht erhalten will, gilt es die Höhen und Tiefen zu akzeptieren, wenn man das vergisst, geht die Magie verloren.« Momentan steht also erstmal wieder der Spaß an der Musik im Vordergrund, der von allen vier Bandmitgliedern als Mash-Up der kulturellen Eigenheiten von Paris und New York beschrieben wird. Gerüchte, dass sich hinter Plug 1 und Plug 2 Dave Jude Jolicœur und Kelvin Mercer von De La Soul verbergen sollen, weisen alle Beteiligten übrigens vehement zurück. Auch jedwede optische oder akustische Ähnlichkeit zu De La Soul sei rein zufällig. »Wenn wir von De La Soul beeinflusst wurden, dann nur, weil sie so viele New-School-Bands dazu brachten, sich selbst treu zu bleiben.« Zumindest ihre eigene freundschaftliche Treue haben die beiden Plugs, in ihrer turbulenten Band-Historie, ja bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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