Music Bericht | verfasst 11.04.2013
Taktloss, Hiob & Dilemma, Sylabil Spill et al.
Live am 4.4. im Lido in Berlin
Stockfinstere Texte und pechschwarzer Humor auf kraftvollen Beats und staubigen Sampels. Der rohe und ungeschönte Battle-Rap auf Planet Penis war was für Leute, die neben einer Affinität für Sprechgesang auch Spaß verstehen.
Text Sonja Memarzadeh , Fotos Tobias Hoffmann/PhyreWorX
Rubriken_sticker_detail_10 Vergangenen Donnerstagabend wurde im Berliner Lido kalt gespeist. Serviert wurde roher und ungeschönter Battle-Rap. Audio88 & Yassin, Sylabil Spill, Morlockk Dilemma & Hiob und Taktloss bedienten ihr Publikum mit stockfinsteren Texten und pechschwarzem Humor auf kraftvollen Beats und staubigen Sampels. Taktloss, der ungekrönte König dieser Disziplin, ließ den Mehrwert der Veranstaltung für die meisten Mitglieder des Vereins »Deutschrap« noch höher steigen. Der Wack-MC-Mörder Nr. 1, wie er sich auch nennt, wird in Kennerkreisen gefeiert wie ein Heiliger und ist allerseits für seine lustig-aggressiven, theatralischen und leicht schizophrenen Auftritte bekannt. Für manche gilt er sogar als einziger Avantgarde-Künstler auf dem Terrain. Wer ihn kennt, weiß, auf was man sich gefasst machen muss. Diesen Erwartungen ist Taktloss auch an jenem Abend gerecht geworden. Asozialer Sprechgesang untermalt mit Maschinengewehren und Kriegsparolen – alles schön weit unter der Gürtellinie. Wer sich allerdings das volle Programm erhofft hatte, musste sich diesmal vertrösten lassen. Die Show war eher ein dreißigminütiges Vorspiel. Die tatsächliche Orgie kündigte Takti der Blonde erst für das im Sommer anstehende Berlinkonzert an. Aber es waren ja noch andere Jungs da und die sind schließlich auch Sterne-Köche auf ihrem Gebiet. Vor allem Hiob und Morlockk Dilemma lieferten, wie gewohnt, technisch sehr fein geschliffenen Sprechgesang, natürlich bis zum Anschlag vollgepackt mit Gewaltmetaphern, Fekalhumor, sexistischen Zeilen und wahnhaften Potenzvorstellungen aller Art. Ein richtiges Schlachtfest war das. Auch wenn textlich, zumindest auf den hinteren und seitlichen Plätzen wenig ankam, ein Problem des Sounds, drang die offensive, bissige Stimmung bis in die Ecken. Ja, die »Party auf Planet Penis« (Taktloss) war nichts für Weicheier und »Raop«-Fans. Aber mit dem nötigen Augenzwinkern konnte man einen spaßigen Abend verleben.

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