Music Bericht | verfasst 25.07.2013
Count Bass D, Dexter, Retrogott u.a.
Live beim Sommerfest von Radio Love Love
Twit One tanzt nicht alle Tage mit Säbel über die Bühne. Weder der Retrogott noch Count Bass D sorgten für den Auftritt des Abends. Ein eher unbekannter DJ samt hüfteschwingender Begleitung sorgte für das Überraschungs-Highlight.
Text Philipp Kunze , Fotos Joschka Bauer
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Einmal Liebe reicht nicht. Eine Kölner Radiostadion hat Liebe für mehr als eine Sache übrig: Hip Hop, Salsa, Funk, Afro-Beats, Klezmer – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Also haben Hulk Hodn, Memyselfandi und Twit One wenigstens zwei Mal »Liebe« in den Namen ihres Radiosenders gesetzt: Radio Love Love heißt der. Vergangenes Wochenende feierten die Macher ein Sommerfest im Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln. Warum nur einmal Beats und Barbecue gemeinsam genießen, wo doch so viele Beats und Barbecue mögen? Eben: Einmal Beats und Barbecue reicht nicht. Diese Kombination ein weiteres Mal in Köln zu zelebrieren, steht in seiner Vernünftigkeit auf einer Stufe damit, sich die Zähne zu putzen, bevor man morgens das Haus verlässt. Diese Meinung teilten einige. Dexter kam aus Heidelberg, Suff Daddy aus Berlin, Skor Rokswell reiste aus Erfurt an. Den weitesten Weg legte allerdings Count Bass D zurück. Der Musiker flog aus dem Süden der USA ein, und belebte die Party mit seinem unverbrauchten Charme. Immerhin brachte er gut 20 Jahre Musikgeschichte mit in seinen Live-Auftritt. Die Wertschätzung für den Mann war zu spüren, der Saal war voll. Aber so richtig einheizen, das konnte Count Bass D nicht. Und das weiß er auch. »Ich bin immer überrascht, wenn mir jemand sagt, dass ihm meine Musik gefällt. Denn ich mache meine Musik ja nur für mich«, erzählte mir Dwight Farrell aka Count Bass D im Interview. Daran lag es sicher auch. Vor allem aber lag es daran, dass er nach dem heimlichen Star des Abends spielte. Denn wenn Twit One mit Säbel und Schleier über die Bühne tanzt, dann muss etwas Unerwartetes gelaufen sein. Und es lief etwas Unerwartetes. Burakete lief. Beziehungsweise Burakete schoss. Der Kölner DJ brachte das Publikum mit seinem anatolischen Cyber-Funk zu einem unerwarteten Höhepunkt im Vorspiel. Aber die Burakete flog auch nicht allein: Die Bauchtänzerin Saya schaffte es völlig ohne peinlich zu berühren, das Publikum zu animieren und sogar zum Mittanzen auf die Bühne zu holen. Was dann auch zu Twit Ones Soulja-Boy-Gone-Ali-Baba-Tanz führte. Das nächste Highlight war so zu erwarten: Der Retrogott und Hulk Hodn traten auf. Das Publikum kennt die Punchlines, liebt das ungenierte Boom-Bap-Revival und lässt sich immer gerne von Retrogott und seinem Schalk im Nacken bezirzen. So blieb es auch diesbezüglich nicht bei Einmaligkeit: Das Publikum kochte ein zweites Mal auf, die Atmosphäre wurde ein zweites Mal feurig. So feurig, dass sich meine Zigarette irgendwie von selbst entzündete. Zwei Mal. Worauf ich gehen musste. Denn der nette Terrier von der Security hatte ja Recht: Einmal verwarnen reicht.

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