Music Interview | verfasst 18.10.2013
The Collector's Guild
Tricky Tess
Sammeln ist der diametrale Gegensatz zum Nutzen. Was man sammelt und warum hängt in eklatanter Weise mit der Person zusammen, die all die Gegenstände zusammenrafft. Wer sind also die Sammler und was treibt sie an? Wir machen Stippvisiten…
Text John Luas , Fotos Nady el-Tounsy
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Sammeln ist ja bekanntermaßen der diametrale Gegensatz zum Nutzen. Was man sammelt und warum hängt in eklatanter Weise mit der Person zusammen, die all die Gegenstände zusammenrafft. Wer sind also die Sammler und was treibt sie an? Tricky Tess hat mehr als 5.000 Schallplatten in ihrer Wohnung aufgetürmt. Dabei geht es nicht nur um Musik, sondern auch darum, wo die Platten gekauft wurden. Und eine Platte unter diesen persönlichen Andenken bedeutet ihr besonders viel.

Wie hat deine Sammelleidenschaft begonnen?
Tricky Tess: Als ich alt genug war, jobben zu gehen, fing ich an Rap auf Vinyl zu kaufen, das war Ende der 1990er Jahre. Damals dachte ich, dass die geilste Zeit im Rap schon vorbei ist und habe deswegen vorwiegend Rap aus den Achtzigern gekauft. Sammeln wurde es für mich, als ich anfing, alle meine Scheiben aufzuschreiben.

Ist deine Sammlung eine Wertanlage oder spielt das keine Rolle? Wie viel ist deine Sammlung wert?
Ich sehe meine Sammlung nicht als Wertanlage, dafür wäre mir die Wertsteigerung viel zu ungewiss. Die Hauptmotivation Platten zu sammeln, war für mich stets ein Medium zu haben, was mir und anderen schöne Musik beschert und was ich anfassen kann. Dazu kommt, dass es für mich kein schöneres Souvenir gibt als ein Stück Musik von einem fernen Ort. Der finanzielle Wert lässt sich schwer schätzen, da er davon abhängt ob ich die Scheiben einzeln verkaufe oder meine ganze Sammlung an einen Händler. Je nachdem würde es dann ein kleines oder ein grosses Auto werden…

»Insgeheim hoffe ich ja auf rap-affine Kinder und Enkel, dann bleibt all das schwarze Gold in der Familie.« ( Tricky Tess) Wann ist Schluss mit dem Sammeln?
Wenn ich neue Musik nicht mehr schätzen kann oder es an Platz, Geld oder Gesundheit mangelt. Ich sammele nicht permanent, manchmal kaufe ich nur eine Scheibe in zwei Monaten. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, eine Städtereise zu unternehmen ohne diggen zu gehen. Aber das kann sich ja alles ändern.

Kannst du dir vorstellen, dich irgendwann von deiner Sammlung zu trennen und was könnte der Grund dafür sein?
Ja, klar. Wenn ich aufhören würde aufzulegen oder mir Serato/Traktor zulegen würde, könnte ich mich von einem Grossteil meiner 12-inches sofort trennen. Um mich vom Rest zu trennen müssen sich meine Prioritäten ändern. Ich sehe das zwar heute nicht, aber wer weiß schon, was in 30 Jahren ist. Insgeheim hoffe ich ja auf rap-affine Kinder und Enkel, dann bleibt all das schwarze Gold in der Familie.

Ist eine Sammlung auch eine Sammlung von persönlichen Erinnerungen? Welche Erinnerung fällt dir spontan ein, wenn du dir deine Sammlung anguckst?
Ziemlich jede Scheibe erzählt mir eine kleine Geschichte. Aretha Franklin erzählt mir vom mega-ernsten Zollbeamten am amerikanischen Flughafen, der auftaute als er die Scheibe sah und mir Props gab. Barrington Levy erzählt vom uralten Verkäufer in Jamaika, der als ich reinhören wollte, lauthals mitsang. Auch wenn es bei den vielen Scheiben schwer zu sagen ist, mit welcher man am meisten verbindet – es gibt eine, die mir definitiv mehr bedeutet als viele andere: »Tapestry Koto & The Occident Country«. Eine japanische Samplescheibe aus den Siebzigern. Als ich sie in Kopenhagen im Laden zum ersten Mal anhörte, konnte ich kaum erwarten nach Hause zu kommen, um sie in Ruhe genießen zu können. Die Scheibe ist einfach vom ersten bis zum letzten Takt perfekt.

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