Music Interview | verfasst 12.08.2014
Adrian Younge
My Latest Epiphany
Im letzten Jahr sorgte seine Kollabo mit Ghostface Killah für Aufsehen. In diesem Jahr verpasst er Souls Of Mischief einen frischen Sound. Wir sprachen mit Adrian Younge im hhv.de Store Berlin über inspirierende, musikalische Begegnungen.
Text Wenzel Burmeier , Fotos Wenzel Burmeier / © hhv.de mag
Adrian-younge-hhv-mag

»My Latest Epiphany« fragt Monat für Monat nach einer Begegnung der besonderen Art, sei sie persönlich, ästhetisch, konstruktiv oder chaotisch – und Künstler antworten. Diesmal haben wir dem kalifornischen Produzenten Adrian Younge zugehört:

Für die Produktion des neuen Albums von Souls Of Mischief habe ich mich stark an »The Low End Theory« von A Tribe Called Quest orientiert. Die Platte ist von 1991. Damals hat man natürlich schon Jazz gesampelt, aber Tribe haben noch einmal in einer ganz neuen Ecke gegraben. Sie haben sich an einem Jazzfunk bedient, der Anfang der Siebziger auf Avantgarde-Jazz und Bebop folgte. Auf »The Low End Theory« wurde dieser Stil zum ersten Mal mit Breaks von klassischem Rock und Soul vermengt.

Ich wollte nun mit »There Is Only Now« zurück in diese Blütezeit der Golden Era. Also habe ich für die Produktion die ganzen Quellen des Native-Tongue-Sounds studiert und mich durch etliche Jazzfunk-Platten gehört: »Anything Goes« von Ron Carter zum Beispiel, der auf »The Low End Theory« in dem Track »Verses From The Abstract« mitspielt [immitiert Q- Ich orientiere mich also an Musik in einer Art als würde ich sie samplen, aber spiele die Instrumente dann selbst ein.« (Adrian Younge) Tip: »Ron Carter on the bass«]. Außerdem 24 Carat Blacks’ »Ghetto: Misfortune’s Wealth« und »Power Of Soul« von Idris Muhammad – einer meiner Jazz-Favourites, von einem großartigen Drummer, der leider gerade verstorben ist. Apropos Drums: George Bensons Harlem Underground Band hat die krankesten Drumbreaks auf ihrem selbstbetilten Album. Hör dir ihr Cover von »Ain’t No Sunshine« an. Die Drums kennst du bestimmt aus etlichen Hip Hop-Beats. Generell waren Drums in der Golden Era des Hip Hop essentiell. Damals haben viele Produzenten zurückgeblickt auf Gruppen wie The Meters, deren Drumsound bis heute unübertroffen ist: offene Hi Hats, knallende Snares und eine Kick-Drum die zwar präsent ist, aber nicht den ganzen Track einnimmt, so dass der Bass noch ordentlich stampft. Dieser rohe Funksound war auch ein Vorbild für das neue Souls-Of-Mischief-Album.

Grundsätzlich gehe ich aus einer Samplingperspektive an die Produktionen. Wenn ich an einem neuen Song arbeite, überlege ich zum Beispiel, ob die Drums so klingen sollen wie bei The Meters oder eher so als hätte Isaac Hayes sie in Memphis für eine Platte des Labels Stax aufgenommen? Genauso, wenn ich ein Vibraphon aufnehme: Soll der Song eher an einen europäischen Soundtrack erinnern, in dem das Vibraphon ein Orchester begleitet oder soll es so klingen, als hätten wir einen Jazzmusiker wie Roy Ayers engagiert, der weit vorne auf dem Track zu hören ist? Ich orientiere mich also an Musik in einer Art als würde ich sie samplen, aber spiele die Instrumente dann selbst ein. Dementsprechend verwende ich auch bestimmte Mikrofone und Aufnahmetechniken, um an den jeweiligen Sound heranzukommen. Ich habe diese ganzen alten Platten dafür bis zum Erbrechen studiert.

Der Kreis zu A Tribe Called Quest schließt sich letztlich dadurch, dass Ali Shaheed Muhammad, der DJ und einer der Produzenten von Tribe, auch auf dem Souls-Of-Mischief-Album vertreten ist. Außerdem arbeite ich gerade an einem gemeinsamen Album mit ihm. Es wird so klingen, als wäre es eine seltene Jazzfunk-Platte von 1971.


Weiterlesen: Unser Autor Wenzel Burmeier hatte zuletzt für uns mit Jungle gesprochen und uns die aufstrebenden Briten vorgestellt.

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