Music Kolumne | verfasst 30.09.2014
Keine halben Sätze
Proband: Slowy
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unser Interviewpartner ergänzt diesen dann in seinem Sinne. Diesmaliger Proband: Slowy. Leistung: Realness-Barometer im Deutschrap. Hat Pizza zum Frühstück salonfähig gemacht.
Text Björn Bischoff
Slowy

Wenn ich mich der Welt nochmal vorstellen müsste, dann zusammen mit 12Vince oder einer Hand voll Schallplatten unter dem Arm.

Den besten Beat hatte ich hoffentlich bisher noch nicht.

Ein typischer Tag sieht bei mir meist sehr viel anders aus als der vorherige.

Deutschrap finde ich aktuell eher so ganz geil. Wenn ich sage, Deutschrap ist wack, dann geschieht das eher aus einer abgefuckten Situation heraus, als Statement gegen den ganzen Müll, der medial heute auf einen einprasselt, wenn man sich nicht schützt, nicht selektiert. Und gegen die ganzen Idioten, die dafür sorgen. Aber ich bin zu viel herumgekommen, war auf zu vielen Jams, hatte zu viel gute Auftritte in geilen Locations, wo sich die Locals und Veranstalter wahnsinnig bemüht haben, habe zu viel talentierte Leute überall kennengelernt und zu viele Freunde gewonnen, deren Zeug ich mag, als dass ich dir ernsthaft sagen könnte, dass Deutschrap und sein Umfeld heute allgemein wack ist. Im Gegenteil, es gibt heute fast in jedem Kaff Leute, wo es mich wundert, von denen noch nie etwas mitbekommen zu haben, während fast die ganze mediale Oberfläche mit Scheiße geflutet wird. Aber es gab doch die letzten Jahre da auch wieder eine angenehme Entwicklung. Man konnte im deutschsprachigen Bereich wieder einige gute Sachen auf Vinyl kaufen, gute Jams, Partys und die Leute, die sie machen, gibt es nach wie vor und auch größere Veranstaltungen, wie beispielsweise das Tapefabrik-Festival schließen doch auch wieder Lücken, die entstanden sind, weil andere sich zu sehr auf den Poptrend eingelassen und ihn mit geprägt haben. Klar, meckern ist immer leichter, aber es gibt doch gerade echt wieder gute Sachen, die Spaß machen. Alleine, was in der Beatszene hierzulande abgeht, ist doch eine geile Entwicklung.

Wenn Rap wie ein Comic ist, dann bin ich manchmal der Nerd mit Bleistift und Radierer, der sich bemüht, ein besseres Bild zu zeichnen, und dann wieder der Schmierfink, der belustigt Penisse in die Gesichter der Superhelden zeichnet. Als Figur vielleicht eine Kreuzung aus Garfield und Glenn Quagmire.

Bestes Spielzeug in der Juniortüte kann ich mich nicht dran erinnern. Meine Eltern haben mir so etwas auch nicht gekauft. Von dem Preis einer Juniortüte hat meine Mutter für unsere ganze Familie ein gutes Essen gekocht. Ich war als Kind mal bei so einem dicken Jungen aus meiner Klasse zum Geburtstag eingeladen, da waren wir alle in einem roten Bus auf dem Parkplatz vor McDonald‘s und dann kam da ein Clown herein und hat uns Juniortüten gebracht. Und der Kuchen hat beinahe geleuchtet. Das fand ich scary. Das Spielzeug war mir wohl unwichtig genug, sodass ich kein Bild mehr davon im Kopf habe. Das beste Spielzeug in so einer braunen Papptüte ist immer noch eine frische Kombi.

Ich wusste, ich werde Rapper, als ich nicht mehr drum herum kam, mich als solcher bezeichnen zu lassen? Ich habe nie gesagt: »So, jetzt werde ich Rapper!« Ich finde Titel immer schwierig, vor allem, wenn sie klingen, als ob sie ein Beruf wären, und Leute denken, dass du damit Geld verdienst.

»Mein letztes Album steht noch nicht im Regal jedes zweiten Haushalts, weil es da glaube ich Lieferschwierigkeiten gab. Blöder Fehler, sollte bald behoben sein.« (Slowy) Wenn das mit dem Rap nicht geklappt hätte, dann hätte es nicht geklappt – hat es das? Zum Glück haben wir uns nie auf Terrain begeben, wo jemand zu uns irgendwann sagt, dass etwas jetzt geklappt hat oder nicht und das deshalb irgendwas nicht weitergehen kann.

Bevor ich mir eine Pandamaske beim Rappen überziehe… ach, das Thema ist doch durch.

Hipsterrap ist die logische Konsequenz der marktorientierten Hip Hop-Industrie, sich an Mode und Zeitgeist kommerziell anzupassen.

Das letzte Mal Pizza zum Frühstück hatte ich mit Vince letzt morgens auf dem Kiez. Die kam frisch aus dem Steinofen und war sehr gut und auf den ersten Blick auch preiswert, aber viel zu klein, dadurch mussten wir jeder zwei Pizzen essen und dadurch war die Pizza doch nicht mehr so preiswert, aber wahrscheinlich immer noch eine gute Alternative zu dem vielen Müll dort. Eine Tiefkühlpizza hatte ich schon länger nicht mehr, da ich derzeit auch nicht im Besitz eines Kühlschranks mit Tiefkühlfach oder gar eines Gefrierschrankes bin und sich meine Kochkünste seit dem Schreiben des besagten Titels doch zum Glück ein wenig verbessert haben.

Das beste Konzert meines Lebens war als Zuschauer sicher eines, an das die Erinnerung gerade schon etwas verblasst ist. Auf der Bühne hatten Vince und ich bisher die besten Gigs bei der Tapefabrik in Wiesbaden und beim Hip Hop Kemp in Tschechien.

Mein letztes Album steht noch nicht im Regal jedes zweiten Haushalts, weil es da glaube ich Lieferschwierigkeiten gab. Blöder Fehler, sollte bald behoben sein.

Wenn ich die Welt ein Stück besser machen könnte, würde ich… Wieso Konjunktiv? Ich bin davon überzeugt, dass es keines besonders großen Aufwandes oder außergewöhnlicher Fähigkeiten bedarf, die Welt ein Stück besser machen zu können. Das fängt bei kleinen Dingen an. Schenk morgens in der Bahn jemandem ein Lächeln und vielleicht wird der Effekt vom Größeneinheitskomitee der Weltverbesserer ja schon als »ein Stück« gewertet. Das klingt jetzt sehr hippiemäßig, vielleicht würde man »die Welt« auch ein gewaltiges Stück besser machen, wenn man die Menschheit einfach auslöschen würde.

Ich weiß, dass eine Zeile gut ist, wenn sie mich zum Lachen bringt.

Autotune finde ich siehe Pandamaske.

Es geht in Deutschraptexten ständig über Deutschrap, weil es Spaß macht. Mir zumindest.

Das Feature, auf das ich am meisten Lust hätte für einen Song, ist AzudemSK. Gerne auch für mehr als einen Song oder ein ganzes Projekt. Einfach, weil ich ihn auch als Person sehr schätze. Vielleicht kommt da ja irgendwann noch was. Ansonsten gibt es viele Leute, deren Musik ich sehr mag, aber ich kann deren Musik auch gut weiter zu Hause hören, ohne mit denen gemeinsam Musik zu machen. So etwas kann einem auch eine gewisse Illusion und Magie rauben. Zusammen Musik machen, muss sich einfach ergeben, ich bin niemand, der deswegen Mails oder Nachrichten verschickt.

Mein unproduktivster Tag in letzter Zeit… ach… ich sehe das nicht mehr so eng. Kein Tag an sich ist unproduktiv. Selbst wenn man ’nen Tag mal nichts macht, entsteht daraus vielleicht etwas, eine Idee, oder eine Erkenntnis, irgendetwas, woraus sich wieder etwas entwickelt. Oder man erholt sich einfach und hat am nächsten Tag dadurch mehr Energie. Ich mach mir da keinen Stress.


Slowy ist zusammen mit 12Vince am 25.10. live bei der großen »12 YRS hhv.de«-Sause in Hamburg zu erleben. Die Tickets für 12 YRS hhv.de im Mojo Club in Hamburg erhältst du bei uns im Shop. Wer neben Slowy & 12 Vince noch zugegen sein wird und alle weiteren Informationen diesbezüglich erfahrt ihr in unserem Eventkalender und in diesem Facebook-Event.

Die Musik von Slowy findest du bei hhv.de.
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