Music Kolumne | verfasst 13.10.2014
Zwölf Zehner
September 2014
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

01-lexFind it at hhv.de: 12inch Toronto ist das neue Rimini. Vielleicht hat aber auch Jex Opolis die eine oder andere Flasche Ramazotti oder Limoncello von einer seiner DJ-Reisen mitgebracht. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man im kühlen kanadischen Norden dermaßen viel Italofunk aus der Hüfte schießt. Dieses Pianosolo, va bene!
Keine Erklärung parat, da hilft sicher Google. Nach einer kleinen Kurzrecherche bin ich schlauer und sicher, dass dieser Kanadier vielleicht nicht ganz so funky, zumindest aber ein schlauer Fuchs ist. Was soll er selbst nach Italien, da lässt er lieber einen echten Südländer einfliegen, der hat dann auch die passende Flasche Feuerwasser im Gepäck und das filigrane Händchen angeboren. Steve Galante heißt der und sorgte bereits für die Feel-Good-Momente auf dem Italo-Disco-Klassiker »Don’t Stop« von Asso. Rimini-approved seit 1983 – til infinity und neuem Schwung im Herbst 2014.

Jex Opolis’ »DZE« auf Youtube anhören

02-aphexFind it at hhv.de: 3LP Es ist schon interessant wenn man Menschen, die in den späten Neunzigern keine Ephiphanien zu »Selected Ambient Works« hatten, kontextfrei etwas vom neuen Aphex Twin Album vorspielt. jüngstes Beispiel: Zebra Katz und Darq E Freaker, die »Xmas Evton« wunderbar unbeholfen als androide Fahrstuhlmusik in geil beschrieben und sich dennoch einig waren, dass das klingt wie sonst nichts anderes. Das etwas adaptiertere Gehör mag darüber schmunzeln, aber anstatt jetzt mit Reader-Response-Wettwichserei und Adorno anzufangen, ist eine solche Pointe das viel aufrichtigere Kompliment für zehn unglaublich toll widerborstige Minuten Musik.

Aphex Twins »Xmas Evet 10« auf hhv.de anhören

03-flyloFind it at hhv.de: 2LP Jawohl, juhu, jajaja – Fly Lo hat endlich Greenery Pt.2 gebaut, statt Just Ice- eben mit überdrehten Tetris-Referenzen und Snoop Dogg statt Sun Ras Alien-Teddie. Das ist so wahnwitzig wie immer bei Lotus, das Prog-Break fehlt natürlich im Anschluss auch nicht und am Ende von You’re Dead landen wir wieder eher bei Coltrane und Schwarztee als mit Frank n Dank im Stripclub, aber wir mögen das schon sehr gerne, wenn sich Uns Steven minutenweise auf die simplen Sachen konzentriert.

Flying Lotus’ »Dead Man’s Tetris« auf Soundcloud anhören
 

04-mp Wir sind sklavische Marcellus Pittman-Jünger seit Tag 1, ehrfürchtig erhaben zu jeder neuen Detroit-Maxi, die immer tief und tiefer im Zwischenraum der Bassdrum forscht und eben auch seit Tag 1 seinen eigenen Entwurf von House Music propagiert. Bisweilen düster, immer deep, aber selten (oder ab 2006 immer weniger) funky im originären Sinn von funky, eher funky in a Detroit way. Nun gut. Dass der Mann tief in der Tradition der Disco-Schule steht, davon haben wir uns dann bei einem seiner DJ-Auftritte überzeugen können. Hin und wieder schaffte es sogar ein kurzer MPC-Cut auf die B-Seite einer Veröffentlichung, der die sphärischen Sounds beiseite ließ und fachmännisch dem Boogie pries. »1044 Coplin« hingegen – passend mit dem Subtext »Give you whatcha lookin 4« ist dann tatsächlich das, wonach wir uns gesehnt haben: 80er Drummachine, die Claps schön laut, die Bassline verzwirbelt und hundsfunky, die Synths steigern sich vornehm rein, der Boogie ist omnipräsent. What a tune! Veröffentlicht wird so etwas natürlich passend im PPU-erprobten 7icnh-Format, wäre ja sonst schade um die Gesamtwirkung.

Marcellus Pittmans »1044 Coplin« auf Soundcloud anhören

 

05-spooky Nach Yung Lean direkt die nächste Kinderzimmer-Erfolgsstory. Spooky Black ist immer noch unglaubliche 16 Jahre alt und spukt sich auf seiner neuen EP über minimalistische Post-was-auch-immer-Beats durch existentialistische Sorgen, die den Eindruck vermitteln, er wäre schon mindestens viermal vor dem Altar stehen gelassen worden und kämpfe aktuell um das Sorgerecht für seine 14 Töchter. Gäbe es da nicht diese naiven Videos und Dj Khaled-Referenzen, ich würde denken er wäre seit 5 Jahren Ghostwriter bei James Blake.

Spooky Blacks »Idle« auf Youtube anhören
 

06-yeark Tevo Howard Platten waren vor ein paar Jahren strikte Blindkäufe. Irgendwie geriet der Mann aus Chicago dann plötzlich aus den Augen und damit sprichwörtlich aus dem Sinn. Kürzlich dann wieder eine alte 12inch aus dem Regal geholt. Dass das aber zufällig der Grund dafür gewesen sein soll, warum der Facebook-Algorithmus mir ein Posting Howards zu einem seiner neuen Remixe für das japanische Projekt Yeark in die Timeline hob, das kann ich nicht belegen. Anyway, Howard ist bei mir jetzt wieder an der Oberfläche. »Mazar (Tevo Howard Remix 3)« funktioniert nach den üblichen Howard’schen Mustern, in denen die 707 stringend den Rhytmus vorgibt. Darüber aber eine gewaltige, rauchige Synth, die sich im Fortgang nur um Nuancen verschiebt, aber nachdrücklich Echo aufnimmt und in Hypnose steigert.

Yearks »Mazar (Tevo Howard Remix 3)« auf Soundcloud anhören
 

07-robertcrashFind it at hhv.de: 12inch Mit der Inflation von Acid Platten ist es wie mit den aus dem Boden spriessenden Burgerläden. Vieles topsolide, aber nur ganz selten ist so ein wahres Schmankerl dabei. Robert Crash beweist auf »Listen You« hier den feinen Gaumen und legt einen schwelenden 303-Groove über die (natürlich) analoge Instrumentalisierung, die hemmungslos übersteuert aus allen Synapsen rattert. Hauptsache die Rimshots sind schon laut, dazu ein paar kurze, unbeherrscht getriggerte Stimmsamples ( Do you understand!?), damit auch der letzte mitkriegt, worum es hier geht. Ich vermute, Larry Heard auf Crack hätte anno 1986 genauso geklungen. Und Larry Heard ist sowieso der Allergrößte.

Robert Crashs »Listen You« auf hhv.de anhören
 

08-lukid Kollege Hinz verglich Lukids «Nine« mit einem magengrummelnden Vögelchen, für mich klang das stellenweise eher wie eine sich häutende Anakonda, die eigentlich Bock hätte dir die Luft abzudrücken, aber gerade so mit sich selbst beschäftigt ist, dass außer fiesem Zischen und gequältem Winden im Sand nicht mehr drin ist. Lukid strapaziert wie gewohnt die Hörgewohnheiten seiner Hörer, die völlig unverantwortlich gemasterte Hauptmelodie ist in etwa so angenehm wie Schiefertafelnkratzen, aber wie so häufig auf Werkdiscs findet man hier in Hässlichkeit viel Schönheit, wenn man denn – letzte Tiermetapher für heute – ein dickes Fell hat.

Lukids »Nine« auf Youtube anhören

09-marquis Man kann Berlin noch so engagiert als Mecca verklären, so wie wir unseren House gerne haben, wird er selten in der Haupstadt gemacht, schon gar nicht von Menschen, die dort schon länger als fünf Jahre wohnen. Schön also dass sich dieser Marquis Hawkes nicht nur seine Sporen auf Creme und Clone mit purististischem Roland-Geratter verdient hat, sondern mit »Can’t Find A Reason« nun auch einen Sample-lastigen Stampfer veröffentlicht, der dem ersten Vorsitzenden des DJ Sneak Fanclubs aka Kollege Okraj zumindest ein semi-anerkennendes Nicken entlockt. Klar, wer was auf sich hält hat diesen Track bereits 35x zwischen 1995 und 1997 gekauft, aber das ist ein Argument mit dem man sich Musik, vor allem funktionaler, nicht immer nähern sollte.

Marquis Hawkes’ »Can’t Find A Reason« auf Soundcloud anhören
 

10-yung Internet, we have a Problem: Yung Lean ist kein Treppenwitz mehr, nicht mehr das Symbol infantil-eskapistischer Pasteoids, die den inneren Lil Durk in sich entdecken wollen und doch nur an der eigenen Conor Oberstigkeit andocken können. »Ghosttown« will von der Worldstar-hip-Hop-Welt ernstgenommen werden, und schafft das auch, nicht nur weil dieser kleine Schwede mal wieder ein gutes Ohr für Beats beweist und irgendwie den Mann der Stunde, Travi$ Scott überzeugen konnte seine bisher schiefste Hook zu singen, sondern auch weil Lean hier nur noch stellenweise klingt wie Moneyboy in der Vorschule. If you can dream it, you can do it, Kinders!

Yung Leans »Ghosttown (feat. Travis Scott)« auf Youtube anhören

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Liste | verfasst 15.12.2014
2014
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Dieses Jahr war es schwer wie selten, sich auf 50 Alben zu reduzieren. Viele Newcomer und viele Comebacker haben das Jahr bestimmt. Und immer wieder und in allen Genres wurde am Sound der Zukunft geschraubt. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Kolumne | verfasst 08.08.2012
Zwölf Zehner
Juli 2012
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 27.06.2014
Caustic Window
Caustic Window LP
Die »Caustic Window LP« zeigt: Richard D. James alias Aphex Twin kann auch 2014 noch für Wirbel sorgen.
Music Review | verfasst 19.09.2014
Aphex Twin
Syro
Aphex Twin ist zurück und zeigt uns mit »Syro« zeigt, dass jeglicher Enthusiasmus für diese Veröffentlichung absolut gerechtfertigt ist.
Music Review | verfasst 26.01.2015
Aphex Twin
Computer Controlled Acoustic Instruments Pt.2 EP
Auf »Computer Controlled Acoustic Instruments Pt.2 EP« lässt Aphex Twin nicht nur Instrumente sprechen.
Music Review | verfasst 21.08.2015
AFX
Orphaned Deejay Selek 2006-2008
Richard D. James belebt sein AFX-Alias. Orphaned Deejay Selek 2006-2008« ist stringent, aber kein überzeugendes Comeback.
Music Review | verfasst 07.07.2016
Aphex Twin
Cheetah EP
Der Aufmerksamkeit kann sich Aphex Twin stets sicher sein, wenn der einstige Überflieger der elektronischen Musik neues Material ankündigt.
Music Review | verfasst 31.08.2016
Mike & Rich
Expert Knob Twiddlers
Ein kindisches Vergnügen:1994 kamen die Knöpfchendreher Mike Paradinas und Richard D. James zusammen und nahmen »Expert Knob Twiddlers« auf.
Music Review | verfasst 14.09.2018
Aphex Twin
Collapse EP
Folge der Kinderstimme, und du wirst ankommen: Für einen »Collapse« macht Aphex Twin einem auf seiner neuen EP erstaunlich gute Laune.
Music Essay | verfasst 03.09.2014
Records Revisited
Aphex Twin's Selected Ambient Works II, 1994
Vor 20 Jahren erschien Aphex Twins »Selected Ambient Works II«. Das Album war nicht nur eine Umkehrung der gerade aktuellen Ambient Music. Es war auch ein weiterer Erfolg der kontinuierlichen Totalverweigerung eines Sturkopfes.
Music Kolumne | verfasst 26.09.2014
Vinyl-Sprechstunde
Aphex Twin's »Syro«
In unserer Kolumne diskutieren zwei Personen eine aktuelle Schallplatte. Florian Aigner hofft, dass Philipp Kunze mal was schlechtes über Aphex Twin sagt, weil sich der (Kunze) bislang kaum mit dem (Aphex Twin) beschäftigt hat.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2019
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Review | verfasst 18.09.2010
Flying Lotus
Pattern + Grid World EP
Flying Lotus kann machen was er will und doch liegt ihm die Welt zu Füßen. Das ist auf der Pattern+Grid World EP auch nicht anders.
Music Review | verfasst 29.10.2007
Flying Lotus
Reset EP
Flying Lotus bietet auf der Reset EP eine annähernd perfekte Sammlung von Tracks, die leider nicht auf Albumlänge läuft.
Music Review | verfasst 29.11.2011
King Midas Sound
Without You
King Midas Sound veröffentlichen Remise ihres Debüts u.a. von Flying Lotus, Kuedo, Kode9 and the Spaceape und Mala.
Music Review | verfasst 06.05.2008
Flying Lotus
Los Angeles
Ach herrje, es geht wieder durch mit mir. Nachdem ich letztes Jahr Flying Lotus’ kurzen EP-Appetizer bereits gefeiert habe…
Music Review | verfasst 06.03.2010
Flying Lotus
Cosmogramma
Flying Lotus entführt uns also in die Weite musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten und ruht zugleich zenmeisterlich in sich selbst.
Music Review | verfasst 26.09.2012
Flying Lotus
Until The Quiet Comes
Flying Lotus hat seine Pole-Position im digitalen Digging nun weiter ausgebaut. Das einfache wie effiziente Konzept: Ideenreichtum.
Music Review | verfasst 06.10.2014
Flying Lotus
You're Dead!
Gelassen und traumartig. »You’re Dead!«, dem fünften Flying Lotus-Album, hört man die Jazz-Wurzeln deutlich an.
Music Review | verfasst 03.06.2019
Flying Lotus
Flamagra
Auf »Flamagra« gehen die steten Transformationen von Flying Lotus so gut Hand in Hand wie seit »Cosmogramma« nicht mehr.
Music Interview | verfasst 14.05.2009
Flying Lotus
Lachen und Denken
Steven Ellison gilt als Heilsbringer der weltweiten Beat-Community und hat sich mit seinen innovativen Instrumentalproduktionen zwischen Abstract Hip-Hop und Electro seine eigene kleine Nische geschaffen.
Music Interview | verfasst 06.09.2011
Flying Lotus
Rastlose Lichtgestalt
Flying Lotus ist ohne Zweifel einer der derzeit einflussreichsten Künstler in den avancierten Bereichen populärer Musik. Zeit für ein Gespräch mit ihm über Brainfeeder, die Zusammenarbeit mit Erykah Badu und das neue Album von Thundercat.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.