Music Interview | verfasst 23.03.2015
Neben der Spur mit...
Von Spar
Wir begeben uns mit Künstlern neben die Spur. Abseits von Ton- und Filmspuren bekommen sie von uns den Raum, über eine Leidenschaft zu sprechen, die (auf den ersten Blick) nichts mit ihrem eigenen Schaffen zu tun hat.
Text Philipp Kunze , Fotos Christian Faustus / © Italic Recordings
Von-spar
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Sperrstunde. Für Großstadtmenschen in Deutschland ein Fremdwort wie es etwa ›Grummet‹ ist. Aber es hat ihn gegeben und gibt ihn immer noch: den Moment, in dem im Club einfach das Licht angeht, aus weichen Gesichtern im roten Discolicht plötzlich kreidebleiche Nagervisagen werden. Von Spars viertes Album (für uns eines der besten 2014) ist nach diesem Moment benannt. Nun, natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Eigentlich erzählte Sebastian Blume lediglich dem Intro-Magazin, dass er mit dem Titel »Streetlife« den gleichnamigen Song der Crusaders verbindet. Und dass der immer lief, wenn in seiner Jugendzeit in den Discos das Licht anging. Wir haben das trotzdem zum Anlass genommen, Sebastian Blume, Christopher Marquez mit Philipp Janzen und Phillip Tielsch ein paar Fragen mehr zum Thema Licht und seinem Gegenstück zu stellen. Bevor sich also Von Spar ab dem 1.4. auf Tour begibt, begibt sie sich hier mit uns erst einmal neben die Spur.

Wo sollte das Licht ausbleiben, wo sollte es eingeschaltet werden?
Von Spar: Schwierige Frage. Wir vermuten, beide Antworten könnten mit dem Öffnen und Schließen einer Kühlschranktür zusammenhängen.

Macht ihr zum Schlafen den Rolladen runter?
Von Spar: Ein Rolladen kann an einem verkaterten Sommertag oder im Angesicht einer blinkenden Leuchtreklame ein Segen sein. Leider können wir uns derzeit keine Wohnung mit Rolladen leisten.

Welche Art von Beleuchtung findet ihr am unangenehmsten?
Von Spar: Vor einiger Zeit gab es bei einem Konzert von uns ein extrem hartes Dauer- Stroboskop-Licht gepaart mit sehr dichtem Nebel. Das ist für ca. 15 Sekunden ganz cool, aber nach spätestens drei Minuten erkennt man seine eigenen Instrumente nicht mehr und merkt, dass ein Krampfanfall in greifbare Nähe rückt.

Wie sollte die Beleuchtung auf euren Konzerten sein?
Von Spar: Da wir ja gerne schonmal Filme zeigen während unserer Konzerte: eher dunkel. Abgesehen davon können wir mit vielem leben außer eben Dauer-Stroboskop-Licht.

Was findet ihr: darf man im Winter eine Sonnenbrille tragen? Und im Club?
Von Spar: Hier verhält es sich ähnlich wie mit Latzhosen: Nur wenige Leute können sie mit Würde tragen.

Schon mal in einem Dark Room gewesen?
Von Spar: Leider nein. Aber Freunde erzählten uns wiederholt, dort sei die Musik mitunter besser als auf dem Main Floor und man erlebe sie auch in Ermangelung optischer Reize sehr viel intensiver.

»Nach spätestens drei Minuten erkennt man seine eigenen Instrumente nicht mehr und merkt, dass ein Krampfanfall in greifbare Nähe rückt.« Was verbindet ihr mit dem Moment, wenn im Club das Licht angeht?
Von Spar: Dieser Moment ist ja heute quasi abgeschafft und wenn man ihn dennoch erlebt, ist in der Regel nur noch ein sehr ausgedünnter Haufen im Laden verblieben. Wir können uns aber noch ganz gut an jene Zeit erinnern, als es noch eine gesetzliche Sperrstunde gab, die eine Party oftmals auf dem Höhepunkt beendete. Das führte dann anschließend vor der Tür in einer Mischung aus Melancholie und Tatendrang oft zu Allianzen zwischen Leuten, die sich ansonsten vielleicht gar nicht viel zu sagen hätten, aber eben in diesem Moment verbrüdert haben, um noch weiter zu ziehen und dem Schicksal zu trotzen. An guten Abenden entstand eine Art Ursuppe, aus der ungeahnte Entwicklungen hervorgingen. Wir wünschen uns die Sperrstunde dennoch nicht zurück.

Erklärt mir doch die Verbindung dieses Moments mit »Streetlife«?
Von Spar: Wir sind alle in eher dörflichen Regionen aufgewachsen und zumindest dort war »Streetlife« der Crusaders in Diskos ein in dieser Situation sehr häufig gespielter Song. Fairerweise muss man sagen: es gab auch noch andere Gründe, unsere Platte so zu nennen.

Seid ihr lieber tagsüber oder nachts in der Stadt unterwegs?
Von Spar: Da haben wir keine wirkliche Präferenz. Manchmal wünschen wir uns tagsüber durch eine menschenleere Großstadt zu spazieren, während dazu Musik von Godspeed You! Black Emperor läuft, so wie in der Anfangssequenz von »28 Days Later«. Wäre aber auf Dauer wahrscheinlich auch sehr langweilig.

Wohin geht man eigentlich, wenn man stirbt: ins Licht oder ins Dunkel?
Von Spar:´Wir klären das in der nächsten Sitzung mit unserem Yogi und erstatten Bericht (es sei denn, wir verwandeln uns dabei endlich in Lichtwesen).

Entdecke das Album »Streetlife« von Von Spar bei hhv.de und zwar auf LP.
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