Music Interview | verfasst 25.06.2015
Knxwledge
Das Gefühl konservieren
Kendrick Lamar will sie, Action Bronson will sie, Roc Marciano will sie auch: Knxwledge’ Beats sind gefragt. Knxwledge selbst scheint sich indes zu fragen, warum das überhaupt so ist. Wir haben mit dem bescheidenen Produzenten gesprochen.
Text Georg Rackow , Fotos Theo Jemison
Knxwledge

Jeder andere Producer würde es wohl auf einem großen Schild vor sich her tragen: »Kendrick Lamar hat für ›To Pimp A Butterfly‹ einen Beat von mir gepickt.« Für Knxwledge jedoch war das reiner Zufall.

Und dass immer mehr Rapper daran interessiert sind, auf seine Beats zu rappen, läuft ihm auch noch nicht so ganz rein. Prodigy will Songs auf seine Beats aufnehmen, Action Bronson kocht für ihn, während er im Gegenzug an Beats für ihn schraubt und für seinen Lieblings-MC Roc Marciano entstehen auch immer mal wieder neue Dinger. Aber am liebsten hätte Knxwledge es eigentlich, wenn seine Beats weiterhin für sich alleine stünden. Sein Traum wäre es, für immer einfach Songs auf Bandcamp zu veröffentlichen und irgendwann davon leben zu können. Mehrere Dutzend Releases zwischen EP und LP in sechs Jahren sprechen zumindest für eine herausragende Arbeitsmoral.

Die Sterne stehen also äußerst günstig für den 26-jährigen aus Philadelphia, der mittlerweile in Los Angeles heimisch geworden ist, der Alchemist beim Diggen im Record Store um die Ecke trifft, der während des Interviews eine E-Mail von Oh No bekommt für die gemeinsame Arbeit an einem Computerspiel-Soundtrack, der in der Low End Theory Szene für Wirbel sorgt. Und der mit »Hud Dreems«, das über Stones Throw erscheint, nun den nächsten Schritt macht.

In deiner Kindheit hast du in der Kirche deines Vaters bereits auf vielen Instrumenten gespielt. Was war damals dein Lieblingsinstrument? Und welches ist es heute?
»Also mittlerweile digge ich schon auch bis zu meinem Geburtsjahr, also bis 1988, aber zu deiner Frage: Vor ’81 klang die Musik einfach echter und ernsthafter.« ( Knxwledge) Knxwledge: Ich würde sagen, damals war es die Orgel. Ich habe keine präzise Erklärung dafür. Es geht eher darum, wie ich Musik umfassend empfinde. Und die Orgel hatte wirklich einen großen Einfluss auf meine Empfindung. Alleine was diese Maschine alles kann. Man kann verschiedene Akkorden in verschiedenen Oktaven spielen. Das hat mich schon früh schwer beeindruckt. Das war noch weit vor meiner Zeit von Bass und Schlagzeug. Und jetzt, puh, da ist es schwer eins auszuwählen, weil ich immer noch alles spiele, was ich in die Finger kriege. Aber wenn ich mich wirklich entscheiden müsste, würde ich wohl den Bass nehmen.

Noch vor den Drums?
Knxwledge: Puh, ja, ich würde schon sagen. Ich spiele Bass einfach ein bisschen öfter. Ich meine, ich habe schon immer Drums gespielt, aber Drums sind irgendwie auch Standard. Für mich als Jamaikaner fühlt es sich irgendwie näher und natürlicher an, Bass zu spielen. Es ist auch immer der ausschlaggebendste Moment eines Songs, wenn man die Bassline kreiert.

Das verwundert doch ein wenig, wenn man sich »Hud Dreems« anhört, das gerade bei den Drums sehr verspielt mit Breaks, Synkopen und Pausen arbeitet.
Knxwledge: Ja, das stimmt, das ist aber eher nebenbei passiert. Auf dem Album befinden sich viele Songs, an denen ich schon etwas länger arbeitete. Von anfänglich etwa 100 Beats habe ich dann die ausgewählt, die ästhetisch und stilistisch zueinander passten. Und die Aufgabe war ja auch, ein Album für Stones Throw zusammenzustellen, dass eine angemessene Laufzeit hat, also habe ich die Beats noch etwas ausgefeilt und das kam dann einfach dabei raus. (lacht)

Was ist aus deiner Regel geworden für Samples nur Platten bis 1981 zu diggen? Gibt es die noch? Und was hat sich 1982 verändert?
Knxwledge: Also mittlerweile digge ich schon auch bis zu meinem Geburtsjahr, also bis 1988… aber zu deiner Frage: Vor 1981 klang die Musik einfach echter und ernsthafter, obwohl es natürlich auch schon Synthesizer gab. Die Achtziger klangen eher vorlaut und frech. (lacht) Ich kann es nicht so richtig beschreiben. Vorher hatte die Musik mehr Seele, mehr Bedeutung, würde ich sagen.

Du hast die Menge deines Bandcamp-Outputs mal als »super bootleg style of making music“« bezeichnet. Was ist dein Qualitätskriterium bevor du etwas veröffentlichst?
Knxwledge: Um ehrlich zu sein, es geht nur um das Gefühl, dass der Beat mir gegeben hat. Das Qualitätskriterium ist letztendlich mein Geschmack. Wenn das Gefühl konserviert wurde und ich über das Gefühl und den Beat hinweg bin und der Beat sich fertig anfühlt, dann veröffentliche ich ihn. Es ist ja auch nicht so, dass ich mir viele Zweifel erlauben kann. Ich bin ja darauf angewiesen, dass Menschen meine Musik hören wollen und kaufen. Dazu muss ich Musik veröffentlichen. Also kein Platz für Zweifel. (lacht)

Dein Vater ist Jamaikaner und du betonst immer, wie musikalisch deine Familie ist, aber ein jamaikanischer Einfluss in deiner Musik lässt sich nicht erkennen. Woher kommt das?
Knxwledge: Ja, das ist schon irgendwie komisch. Also wenn überhaupt etwas Jamaikanisches bei mir zu finden ist, dann sind es wahrscheinlich Congas oder andere Drumsounds. Auf dem Beat für Kendrick Lamar sind zum Beispiel welche zu hören. Aber grundsätzlich wurde ich einfach sehr früh von HipHop sozialisiert und auch von der Musik, die in der Kirche gespielt wurde.

Siehst du dich in der Zukunft eher als Beatmaker, der Instrumentalmusik veröffentlicht, oder als Produzent, der auch für andere Künstler Sounds kreiert?
Knxwledge: Oh, ich weiß nicht, ob ich das beantworten kann. Das ist schwer. Also, was ich sagen kann ist, dass ich auch in Zukunft gerne mein eigenes Ding machen will, die Projekte, auf die ich Lust habe und nicht exklusiv gesignt zu sein bei einem Label für nur eine Aufgabe.

Mit deiner Arbeit stellst du dich auch ein wenig in die Reihe der großen Beatmaker und ihrer Instrumentalalben. Als Vorzeigebeispiel ist da natürlich Dilla mit »Donuts« zu nennen. Wie würdest du die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu deinem Werk beschreiben.
Knxwledge: Also mir fällt es schwer mich da in die gleiche Reihe zu stellen, aber ja, ich denke, dass das schon passt. Egal ob »Petestrumentals« oder »Donuts« oder sonst irgendein ein Beattape, wir machen alle nur Beats und es geht ums Feeling. Mein Ansatz ist, zusätzlich zum Sound, noch mehr Dinge aus der Außenwelt zu integrieren. Durch verschiedene Vocalsamples mit Zitaten und Redewendungen versuche ich eine Bildhaftigkeit entstehen zu lassen, aus der man, wenn man das möchte, auch eine Message herauslesen kann.

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