Music Porträt | verfasst 02.10.2015
Blood Spencore
Kettenrauchend durch die Katerstimmung
Blood Spencore hat mit seinem zweiten Album fünf Jahre auf sich warten lassen. Dann hat er sich in sein Auto gesetzt und geraucht. Und in sein Keller gesetzt – und geraucht. Wir stellen euch den Rapper aus Mönchengladbach vor.
Text Falko Luniak
Blood

»Nenn mich nicht noch mal Action Bronson«. Die Blood Spencore-Zeile aus dem Track »1,2, 16« bleibt hängen. Vielleicht, weil da wirklich eine leichte, wenn auch oberflächliche Ähnlichkeit verortbar ist zwischen dem Mönchengladbacher Rapper und dem New Yorker Rapper/Küchenchef.

Und dennoch wird man Blood Spencore nicht gerecht, würde man ihn als plumpe Amirap-Kopie ausgeben. Zu lang ist er schon dabei in diesem Hip Hop-Zirkus, zu eigenständig ist sein Style. »Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich nicht mehr genau. Denk es war eine Mischung aus Amirap, Graffiti, Ventil und Langeweile. ›Brooklyn Zoo‹ von Ol’ Dirty Bastard hat mich auf jeden Fall zur Rapmusik gebracht«, antwortet er auf die Frage nach seinen Anfängen.

Die Cratedigger unter Euch werden ihn sicher schon kennen, tauchte er bereits 2006 auf dem Album der Westberlin-Legende Rhymin Simon auf (»Bitchmoves«), legte im »Team Rummelboxer« zusammen mit Unmensh und Olson (damals noch Olson Rough) einen beeindruckenden Auftritt bei »Feuer über Deutschland 3« hin und veröffentlichte 2010 »Kauf, Konsumier und Stirb!« ein beachtetes Debütalbum. »Ich fahr allein durch die Stadt, rauch viele Kippen und pump den Beat oder sitz im Keller vor’m Computer… und rauch viele Kippen.« ( Blood Spencore)
Fünf Jahre später wird das nächste Solo-Release nach- und qualitativ eine Schippe draufgelegt. Geschichten über die dunklen Seiten der Stadt, Graffiti, Rastlosigkeit, Exzesse, innere Dämonen und das Nachtleben stehen im Vordergrund seiner Texte. »Es ist ein immerwährender Kreislauf, aus dem ich irgendwie nicht rauskomme. Ein Battle mit sich selbst praktisch …und den Kreaturen der Nacht (lacht).« Das wirkt dabei wie ein Kurzfilm, quasi ein Wochenendtrip, auf den uns Blood Spencore mitnimmt, Katerstimmung inklusive. »Meine Streifzüge führen dabei wohl nicht nur über Straßen und Schienen, passieren also nicht nur die Oberfläche, sondern lassen auch das Wesen, der an ihm vorbeiziehenden Dinge, hinterfragen. Das find ich trifft’s ganz gut.«

Musikalisch orientiert sich »Party Is’ Vorbei« dank hochkarätiger Produzenten (Shuko, DJ Adlib, Sid Roams) am Sound der Golden Era, ohne dabei angestaubt zu wirken. »Das Album greift ein bisschen das Konzept von »Only Built 4 Cuban Linx« auf. Nämlich mit einem Protagonist und relativ vielen Features und unterschiedlichen Beats ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen und meine Geschichte zu erzählen.“
Diese verpackt Blood Spencore in bildreiche Metaphern und braucht sich auch in Sachen Reimtechnik nicht hinter den zahlreichen Featuregästen zu verstecken. Denn neben Audio88 geben sich auf dem Album Morlockk Dilemma, Mortis, Olson, Hiob, Jason, Abroo und Roc Marciano die Ehre.

»Ich fahr allein durch die Stadt im Auto bei Nacht, rauch viele Kippen und pump den Beat oder sitz im Keller vor’m Computer… und rauch viele Kippen (lacht). Lass dann den fertigen Text ein paar Tage liegen und nehme dann erst bei einem meiner Leute auf. Schreibe also relativ nüchtern und recorde fast immer erst nach zwei bis drei Kurzen.« Sicher ist, dass es wohl keine weiteren fünf Jahre dauern wird, bis es wieder neues vom Mönchengladbacher Rapper zu hören gibt. Momentan sitzt er an einer Kollaboplatte mit dem Berliner Chefkoch von der Kaosloge-Crew….Und den Action Bronson-Gag sparen wir uns an dieser Stelle.

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