Music Porträt | verfasst 26.05.2016
Max Graef
Smooth Operator
»Ist einfach nicht so meine Welt, arbeiten mit geregelten Zeiten«, erklärt uns Max Graef den Fakt, dass er nicht mehr einmal die Woche im Plattenladen aushilft. Lockerer Typ. Sein Album mit Glenn Astro erscheint morgen – und hat Drive.
Text Philipp Kunze , Fotos Maximilian Virgili / © Ninja Tune
Maxgraef_glennastro_3_credit_maximilianvirgili-max-zentrum

Der Veranstalter hatte sich das so vorgestellt: Er und Max würde die ganze Nacht abhängen, Koks ziehen, und Platten auflegen. Da hat er Max Graef falsch eingeschätzt. Der DJ und Produzent aus Berlin ist nicht dein durchschnittlicher Fist-Bump-mit-Jedem-Hedonist. Trotzdem strebt er mit seinem gemeinsam mit Glenn Astro entstandenem neuen Album »The Yard Work Simulator« in die Clubs. Nur halt auf seine Art und Weise.

Die Geschichte mit dem Veranstalter stammt aus der Zeit, in der Max Graefs Karriere langsam Fahrt aufnahm. Damals wie heute kommentiert er das Interesse an seiner Person mit unaufgesetzter Verwunderung: »Ich dachte nie, ›boah, ich bin heftig‹. Es war immer so: ›Das sind halt so ein paar Freaks, die Bock haben dich einzuladen‹«.

Dass er DJ sei, sei sowieso eigentlich ein bisschen absurd, sagt Max Graef. Andererseits genieße er es, auf der anderen Seite der Decks zu stehen, denn»da muss ich ja nicht so viel Party machen, um eine Party zu machen«. Freunde sagen ihm, er sehe beim Auflegen so aus, als sei seine Mutter gestorben. Das erzählt er und lacht dabei.

Man sucht in Max Graefs Gesicht ständig nach dem Nutellafleck auf der Wange, einfach weil der so gut in das freundliche Lausbuben-Gesicht passen würde. Nicht nur deshalb ist es eine Freude, ihm gegenüber zu sitzen.

Er ist ein warmherziger, gelassener Gesprächspartner. Wir sitzen auf der Empore eines Cafés im 60er/70er-Jahre Stil hinter einer großen Glasfront. »Jazz infused House oder so ein Dreck, so komische Genre-Scheisse immer. Würde ich Filmmusik machen, würde niemand nach dem Genre fragen.« ( Max Graef) Draußen ein gleichgültiger Himmel, es ist weder klar noch bewölkt, das Licht eines anspruchslosen Sonntag gähnt hinein. Die Gäste sind müde, die Kellnerin ist müde, Max Graef ist müde. Vier Stunden Schlaf, Hoodie, Jogginghose. Die Nacht zuvor: Auflegen im Roxy, Köln. Das späte Frühstück hilft ein wenig. Es gibt Pfannkuchen mit Speck, Obstsalat und Sirup. Zu wenig Sirup. Eindeutig zu wenig Sirup, trotz zwischenzeitlichen Katerkrampfes im Wadenbereich steht Max auf, läuft die Treppen runter und ordert mehr davon.

Max Graef wächst in Berlin auf. Lange ist der Prenzlauer Berg sein zu Hause. Schon vor der Einschulung bekommt er Schlagzeugunterricht, sein Lehrer ist der damalige Schlagzeuger von Rosenstolz. Später übt er sich zwei Jahre in Jazz-Drums. »Irgendwie hat mir nie jemand gesagt, dass ich kein Talent habe. Musste ich dann selber herausfinden. Nebenbei dann immer mehr für Gitarre interessiert.« Inzwischen kann er so ziemlich jedes Instrument mehr oder weniger live einspielen.

Über den Vater halten Jimi Hendrix und der Blues Einzug in Max Leben, dazu zählt er Oscar Peterson und Herbie Hancock zu seinen wichtigsten Einflüssen; er habe »immer schwarze Musik vergöttert«. Zu den Ausnahmen gehören Led Zeppelin und die Red Hot Chili Peppers, »Blood Sugar Sex Magik« habe sein Leben verändert.

Darüber hinaus hört man der Musik von Max Graef seinen London-Aufenthalt an. Aber auf ganz andere Weise als man jetzt denken könnte. Er zieht nach London, um dort seinen Abschluss zu machen. Zwei Jahre geht er dort zur Schule. »Ich hatte kein Bock auf Abitur hier, war mir alles zu nervig und anstrengend.« Sein Kindheits-Freund Fiete war sowieso in England, dessen Mutter arbeitete dort. Film, Musik und englische Literatur waren Fächer, die er als Prüfungsfächer wählte und »Deutsch als Extrafach, damit ich sicher ’ne gute Note hatte.«

Die Stadt habe er damals nicht genießen können, er sei dafür einfach zu jung gewesen. Und so sind es nicht etwa erste Berührungen mit der Londoner Musikszene damals, die sich auch heute noch in seiner Musik widerspiegeln, sondern die Freizeitgestaltung mit seinem Kumpel Fiete. Der hatte eine große Leidenschaft für Film und beide wenig von der Leidenschaft für den Schulunterricht. So verbrachten sie etliche Nachmittage damit, irgendwelche Szenen aufzunehmen. Wenn nicht, zog sich Max zurück und tüftelte an ersten eigenen Songs.

Bloß keine kackenden Hunde
2014 erschien sein Debütalbum »The Rivers Of The Red Planet«. Neben den Referenzen in den Tracktitel hört man der Musik selbst die Liebe ihres Machers fürs Kino an; griffig, staubig, atmosphärisch sind die Tracks. Er habe beim Musikmachen immer ein Bild im Kopf, »es sei denn, man macht einen Techno-Track: da muss man jetzt nicht groß was assoziieren«. Seine Songs kann man irgendwo zwischen Beatmaking, House, Jazz, Funk und Blaxpoitation einordnen. Ginge es nach Max, würde man sie gar nicht einordnen. Auch deshalb würde er eines Tages gerne tatsächlich einen Soundtrack aufnehmen: »Filmmusik kann halt alles sein: von komischen Geräuschen bis zur Disco-Nummer. Jazz infused House oder so ein Dreck, so komische Genre-Scheiße immer… würde ich Filmmusik machen, würde niemand nach dem Genre fragen.«

So fluchen hört man Max selten. Er ist ruhig, bedacht und reflektiert. Wenn er doch mal kurz lospoltert, zügelt er sich im nächsten Moment wieder selbst. In diesem Fall: Klar, man müsse ja auch als Journalist ein Genre finden, und klar, zu sagen, er mache Musik ohne Genre klänge ja auch ausgelutscht.

Max scheut die starken Thesen, vermeidet sich selbst oder seine Musik als irgendwie bedeutsam darzustellen. Den typischen Producer-/DJ-Sprech seiner Kollegen findet man auf seiner Facebook-Seite nicht. Kein »off to Paris now, so stoked to play at … tonight«. Nichts dergleichen.

Am liebsten würde er gar nicht über seine Musik reden, sagt er. Gleichzeitig würde er gerne ein bisschen politisch sein mit seiner Musik, er weiß nur nicht wie. »Am Ende ist das einfach eine Party, auf der man säuft« ( Max Graef) Aus zweierlei Gründen fällt es ihm schwer, diesbezüglich nach vorne zu preschen. Erstens, weil er sich selbst »leider« zu wenig für Politik interessiere und kein Halbwissen verbreiten will, zweitens, weil er in den Empfängern nicht die Bereitschaft sieht, derart Messages aufzunehmen. »Sobald man etwas Ernsthaftes postet, interessiert es kein Schwein. Wenn du aber einen kackenden Hund postet, kriegste irgendwie 500 Likes dafür.«

Auf seinem Album mit Glenn Astro (die beiden haben sich über Soundcloud kennengelernt und betreiben inzwischen u.a gemeinsam das Label Money $ex Records) hat er wenigstens ein bisschen Kritik verpackt. Der Albumtitel ist eine Simpsons-Referenz. In einer Folge beordert Marge Bart und Lisa dazu, Gartenarbeit zu erledigen. Die beiden weigern sich, sie wollen lieber auf eine Game-Convention. Das erste, was sie dort spielen: den Gartenarbeitssimulator.

Ein bisschen Gesellschaftskritik darf man da schon hineinlesen. Max Graef nervt die ganze »Handy- und App-Scheisse«, er empfindet es als kein schönes Miteinander, habe das Gefühl, dass sich selbst die Menschen im Hausflur nicht mehr »Hallo« sagen würden.

Adventure Time
Er kippt etwas mehr Sirup über seine Pfannkuchen und relativiert: »Joah, das ist jetzt schon ein bisschen ein oberflächlicher Gedanke gewesen. Und sooo gesellschaftskritisch war auch der Albumtitel nicht gemeint.«

Vor allem schielen die beiden mit »The Yard Work Simulator« auf die Tanzfläche. Und die Musik schielt tatsächlich. Kein großpupilliger 4-to-the-Floor, sondern verschwurbelte Grooves und analoge Bassläufe, wirre Blicke, die Augen überall. Teilweise klingt das wie bei Thundercat. Überhaupt das Brainfeeder-Umfeld, überhaupt Los Angeles: Hier findet man das aktuell treffendste Vergleichsmaß für den Sound von Max Graef und Glenn Astro.

Glenn Astro sagt über das Album, es sei der Versuch gewesen, Tanzmusik ohne die üblichen Zutaten zu machen. Die beiden haben sich hingesetzt und eine Liste gemacht. So sollte ein Track zum Beispiel auf jeden Fall dem Detroit-Techno huldigen, aber mit für das Genre unorthodoxen Mitteln wie aufgenommenen Drum-Sounds. Man wolle zwar schon den Begriff Clubmusik dehnen, nicht aber das Publikum im Club erziehen und ihm beibringen: Hey, checkt das mal aus, das ist auch Club-Musik. »›Erziehen‹ finde ich [im DJ-Kontext] immer ein schwieriges Wort. Am Ende ist das einfach eine Party, auf der man säuft«, sagt er und lacht.

Eine Frage noch: Zu welchem Film, welcher Serie könnte denn »The Yard Work Simulator« am ehesten den Sound-Track abgeben?

Max Graef: »Am ehesten sowas wie ›Adventure Time‹ das ist so total detailverliebt, lustige Charakter. Und eigentlich viel zu crazy, dafür, dass es auf einem Kindersender läuft.«

In zwei Stunden geht sein Zug zurück nach Berlin. Nach Wedding, wo er inzwischen mit seiner Freundin, die das Cover zum Album gestaltet hat, wohnt. Wochenenden auf der Couch sind rar geworden. »Gerade wenn man so einen gemütlichen Samstag zu Hause auf der Couch hat und dann noch um 18 Uhr zum Tegel-Flughafen herausfahren muss, nervt das schon.«

Wenn ihm jemand einen Karibik-Urlaub vorschlägt, denkt sich Max Graef schon mal: »Och nö, lass’ mal in Berlin bleiben.« »Wenn man dann in der Karibik ist, ist’s ja auch geil«, sagt er und schmunzelt wieder.

Das eben ist Max Graef, die Art Typ, mit dem es sich gut und gerne vier Tage aushalten ließe. Nur solltest du davor lieber genug Sirup statt Koks besorgen.

Das Album »The Yard Work Simluator« von Max Graef und Glenn Astro findest du bei hhv.de auf 2LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 27.05.2016
Max Graef & Glenn Astro
The Yard Work Simulator
Freiheit in der Verwirrung: Max Graef und Glenn Astro geben mit »The Yard Work Simulator« ihren gemeinsamen Einstand auf Albumlänge.
Music Review | verfasst 25.04.2014
Max Graef
Rivers Of The Red Planet
Sein Debütalbum »Rivers Of The Red Planet« zeigt Max Graef als lässigen Hans Dampf in allen Genres.
Music Liste | verfasst 02.11.2018
Max Graef
Picks 10 latest Vinyl Records
Max Graef spricht deine Sprache nicht, dafür aber jede andere. Anlässlich der Veröffentlichung seines Albums »Lo Siento Mucho Pero No Hablo Tu Idioma« hat der Berliner 10 empfehlenswerte Schallplatten aus unserem Shop ausgewählt.
Music Review | verfasst 25.03.2014
Glenn Astro
Chemistry 12"
Stringent zieht sich die Linie durch »Chemistry«, eine 12inch, bei der alles stimmt: Experimentierfreude, Humor, Leichtigkeit und Deepness.
Music Review | verfasst 25.05.2015
Glenn Astro
Throwback
Boom-Bap macht’s mit House, Beatmaking mit Disco-Soul: Nichts Außerordentliches also, aber außerordentlich galant umgesetzt.
Music Liste | verfasst 04.03.2014
Glenn Astro
10 Favourites
Zwei herzen schlagen in seiner Brust: Hip Hop und House. Diese beiden Welten auf souveräne Art zu verbinden, ist die Leidenschaft des aus Essen stammenden Producers Glenn Astro. Uns verriet er heuer seine 10 Favourites.
Music Review | verfasst 12.01.2017
Torben Unit
Torben Unit
Irgendwann jammten ein paar Berliner House-Producer auf ihren Instrumenten und gründeten eine Band. Jetzt wird aus dem Spaß-Projekt Ernst.
Music Interview | verfasst 19.10.2015
Hulk Hodn / Hodini
Gekränkte Hip-Hop-Heads
Manch einer dürfte sich gewundert haben, als er in den HHV.de Top 100 den Namen Hulk Hodn, bzw. sein Alter-Ego Hodini, sowohl in der HipHop- als auch der House-Kategorie wiederfand. Wir haben mit ihm über sein neues Faible gesprochen.
Music Review | verfasst 23.03.2015
Glenn Astro
Hologram
Glenn Astro präsentiert mit »Hologram« ein handfestes Versprechen für sein kommendes Debütalbum.
Music Review | verfasst 19.02.2018
Glenn Astro
The Taurus EP
Mit den ungehörten stilistischen Exeprimenten der »The Taurus EP« wirkt Glenn Astro potenziellen Abnutzungserscheinungen entgegen.
Music Review | verfasst 24.07.2015
Seven Davis Jr
Universes
Man hatte Seven Davis Jr. für sein Debüt nichts weniger als einen Klassiker zugetraut. »Universes« enttäuscht nicht.
Music Review | verfasst 19.08.2019
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Interview | verfasst 05.06.2018
Leon Vynehall
Für Oma, Forever Ago
Leon Vynehall geht mit »Nothing Is Still« auf ganz persönliche Spurensuche in seiner Familiengeschichte. Auf dem Debütalbum für Ninja Tune erzählt er, wie seine Großeltern in den 60er-Jahren von Großbritannien nach New York einwanderten.
Music Interview | verfasst 14.10.2019
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Review | verfasst 15.03.2011
Brandt Brauer Frick
Corky EP
Brandt Brauer Fricks Corky ist die schönste Unbeständigkeit auf zwei Tracks seit langem.
Music Review | verfasst 08.07.2011
James Braun
Massacre EP
Der House des Dänen James Braun ist simpel und groovend. Der Schlenker ins Unerwartete fehlt dennoch nicht.
Music Review | verfasst 09.02.2012
Mikkel Metal
Cassini/Mazurski 12"
Der eifrige Däne Mikkel Metal hat eine neue 12inch auf Tartelet veröffentlicht und beweist hier sein Gefühl für traumwandlerischen Techno.
Music Review | verfasst 05.09.2012
Various Artists
Tartelet - Contemporary
Das dänische Label Tartelet hat in den vergangenen 5 Jahren der House-Musi einen neuen Spin gegeben.
Music Review | verfasst 12.10.2016
Uffe
No!
Uffe ist schon länger Teil der neuen europäischen House-Szene, doch auf seinem zweiten Album »No!« wird’s persönlich.
Music Review | verfasst 08.11.2016
Henry Wu & Tito Wun
27 Karat Years
Auf »27 Karat Years« liefern Henry Wu & Tito Wun eine ehrliche Hommage an den Jazz der Siebziger. Was kann dabei noch schief gehen?
Music Review | verfasst 22.08.2016
C.A. Ramirez & Tito Wun
Money $ex 7" 02
Eine wiederentdeckte Minidisc aus prä-Y2K-Panik-Zeiten? Wer’s glaubt… C.A. Ramirez und Tito Wun aber stehen auf Kauzigkeiten.
Music Review | verfasst 01.05.2018
Christopher Rau
F.M.E. Hustle
Mit seinem dritten Album liefert Christopher Rau viel auf einmal ab, bringt das aber in eine kohärente Form.
Music Liste | verfasst 15.12.2014
2014
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Dieses Jahr war es schwer wie selten, sich auf 50 Alben zu reduzieren. Viele Newcomer und viele Comebacker haben das Jahr bestimmt. Und immer wieder und in allen Genres wurde am Sound der Zukunft geschraubt. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Liste | verfasst 10.12.2015
Jahresrückblick 2015
Die 50 Alben des Jahres
Wir haben ein-, um- und aussortiert. Am Ende stehen die für uns besten/wichtigsten Alben des Jahres. Bei unsere Auswahl haben wir gemerkt: Sie sagen auch etwas darüber aus, wie das Jahr 2015 für uns war.
Music Review | verfasst 01.09.2010
Andreya Triana
Lost Were I Belong
Ein harter Weg war es, der bis zu diesem Album führte. Andreya Triana hat es zu einem guten Ende geführt.
Music Review | verfasst 15.10.2010
Eskmo
Eskmo
Eskmos neues Husarenstück wird sich in der Welt der Beats festbeißen und seine Fanbase rasant vergrößern.
Music Review | verfasst 17.09.2010
Various Artists
Ninja Tune XX
Ninja Tune ist ein kleines Wunder geglückt: Durch Herzblut und Innovation in 20 Jahren brandaktuell und gleichermaßen legendär zu sein. Glückwunsch!
Music Review | verfasst 28.02.2011
Stateless
Matilda
Das neue Album von Stateless hat sich die Prädikate »episch« oder »cineastisch« hingegen durchaus verdient.
Music Review | verfasst 17.03.2011
Spokes
Everyone I Ever Met
Das Debüt der Band aus Manchester strotzt vor Energie, doch hat leider auch nicht mehr zu bieten.
Music Interview
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Art Bericht
No Photos on the Dance Floor!
Nichts für Voyeure
Noch bis zum 30.November kann die Clubkultur in Berlin nach dem Mauerfall in Fotos von Wolfgang Tilmans, Ben de Biel oder Sven Marquardt nachvollzogen werden. »No Photos on the Dance Floor!« verzichtet dabei auf einen voyeuristischen Blick.
Music Kolumne
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Porträt
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Essay
Quentin Tarantino
Musik als filmisches Mittel
Die Filme von Quentin Tarantino sind gespickt mit Zitaten und Anspielungen auf die Popkultur. In erster Linie natürlich auf den Film. Aber auch die Musik spielt wie in seinem neuesten Film »Once Upon A Time in Hollywood« immer eine Rolle.
Music Kolumne
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Kolumne
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Music Kolumne
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
Music Porträt
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2019
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Liste
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Essay
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Music Kolumne
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Essay
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Porträt
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview
DJ soFa
Die Einmaligkeit von Sounds
Mit den von ihm kuratierten »Elsewhere«-Compilations richtete der Belgier DJ soFa in jüngster Zeit den Scheinwerfer auf zu Unrecht übersehene, aktuelle Musik. Daneben ist er passionierter Schallplattensammler. Ein Gespräch.
Music Porträt
Jeff Mills & Axis Records
Tiefere Botschaften
Vor fast 30 Jahren gründete Jeff Mills das Label Axis Records, dessen Entwicklung einer verschlungenen Dialektik folgt: Der Mensch und das All. Er gelangte dabei zu seiner eigenen metaphysischen Erzählung unseres kosmischen Schicksals.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Kolumne
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch das widersprüchliste. Einfach, weil es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf.
Music Porträt
Music From Memory
Eine Herzensangelegenheit
Als sich der Brite Jamie Tiller und der Niederländer Tako Reyenga kennenlernen, wissen sie noch nicht, dass sie eines der besten Reissue-Label gründen werden. Damals stehen vor allem die Wiederentdeckung von Schallplatten im Vordergrund.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
No Order In Destiny (Compilation)
Zum ersten Mal besprechen unsere Musiktherapeuten vom Dienst eine Compilation. »No Order In Destiny« heißt die bei Kashual Plastik, die Stahl und zeitgenössische Ornamentalik verbindet, und nebenbei auch noch auf Gender Equality achtet.
Music Kolumne
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Liste
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt: Aphex Twin schraubt an Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den breitesten elektronischen Sound aus den Boxen. Doch mit »Selected Ambient Works II« brennt er seinen Sound ins kollektive Gedächtnis der Popkultur.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2019
Insider munkeln: unser Kolumnist musste sich im Karneval mindestens einmal als Erdbeere tarnen. Trotzdem hat er uns pünktlich seine Inventur im Postfach gelassen, das ist natürlich spooky AF, Bratan!
Music Interview
Little Simz
»Es ist ein bisschen wie Wachstumsschmerzen«
Sie ist in kurzer Zeit zu einer Art Gallionsfigur des indierap geworden. Größen wie Jay-Z oder Kendrick Lamar haben sie längst auf dem Zettel. Mit ihrem dritten Album »Grey Area« legt sie nochmals eine Schippe drauf. Zeit für ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Essay
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.
Music Kolumne
Records Revisited
The Roots – Things Fall Apart (1999)
Mit »Things Fall Apart« sollte sich für The Roots entscheiden, ob sie einfach Kritikerlieblinge blieben oder auch den großen kommerziellen Erfolg erreichen könnten. Es wurde ihr Durchbruch.
Music Interview
Efdemin
Beim Verlassen des Raums
Philipp Sollmann an einem puristischen Techno-Sound festzumachen, ist nicht möglich. Auch mit seinem neuen Album als Efdemin, »New Atlantis«, nicht. Es käme einem langsamen Verlassen des Raums gleich, sagt er im Interview.
Music Porträt
Multi Culti Records
The Music Is The Massage
Multi Culti ist eines der Labels der Stunde. Entschleunigung ist nicht zu erwarten. Ihr Faible für tribale Rhythmen, hippie-eske Attitüde und wahre Freundschaft trifft nicht nur den Zeitgeist, es macht sie auch wenig anfällig für Trends.
Music Interview
Yasuaki Shimizu
»Ich liebe Musik«
Lange Zeit blieb japanische Musik der Welt verschlossen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Schallplatten, die vor 30, 40 Jahren entstanden sind, können nun auch hierzulande gehört werden. So auch die Werke von Yasuaki Shimizu.
Music Interview
Yassin
»Rap kann dich weiterbringen«
Seit mehr als zehn Jahren ist Yassin nun im Geschäft, und nun ist mit »Ypsilon« sein erstes Soloalbum erschienen. Dass ihm Rapmusik eine Herzensangelegenheit ist, war schon vorher klar. Im Gespräch wurde es noch einmal klarer.