Music Interview | verfasst 11.01.2017
Bohren & The Club Of Gore
»Wenn die Töne viel Zeit und Raum haben«
Für viele sind sie Meister. Für viele sind sie langweilig. Für manche beides. Eines aber steht fest: niemand sonst klingt wie Bohren & The Club Of Gore. Im Spätherbst ’16 und im Winter ’17 sind nun drei Alben der Band neu erschienen.
Text Lars Fleischmann , Fotos Kim von Coels
Bohren+1+hi_2016_kim+von+coels

Draußen regnet es, der Himmel ist müde und schwer, kalt-nasses Schmuddelwetter. Drinnen, in dem Lokal, das sich Mort Gass, Robin Roddenberg und Christoph Clöser ausgesucht haben, ist es hingegen gemütlich. Während die beiden erstgenannten extra aus Mülheim an der Ruhr angefahren kamen, wohnt Clöser ganz um die Ecke – hier in Köln.
Abgesehen von einem skypenden Engländer und sehr vielen Büchern, sitzen wir alleine zu viert bei Kaffee und Tee (Keltische Mischung) am Tisch. Das Licht ist warm, die Heizung auch. Und trotzdem bleibt da dieses Frösteln. Weil man das Gefühl hat, der Winter könnte jederzeit durch die Scheiben brechen, über die Türschwelle kriechen.

Diese Situation und unser Empfinden passt sehr gut zum Sound von Bohren & The Club Of Gore. In ihrer Musik verdichten sich Jazz, Drone und Ambient zu etwas, das einen ganz und gar umhüllt: wie hier und jetzt der Raum und sein Licht, in dem wir sitzen. Gleichzeitig trägt die Langsamkeit ihrer Musik auch immer eine Spannung in sich. Die Spannung vielleicht, dass die Dunkelheit, die da in der Ecke schwelt, bald alles eingenommen haben könnte. Dass die Kälte, die da zwischen den Noten sitzt, bald auch den letzten Ton eingefroren haben könnte.

Es gibt kaum ein Vergleichsmaß für Bohrens Musik. In vielen Momenten ist sie Fahrstuhlmusik, »Langweilige Instrumentalmusik aus dem Revier« schrieb Gass selbst-ironisch einst auf seinen ersten Flyer. Aber es ist Musik für einen Fahrstuhl, der in die Tiefe fährt, viel tiefer als ins Untergeschoss, tiefer und tiefer, bis kein einziger Lichtstreifen mehr die Dunkelheit spaltet.

In den 2000er sind Bohren damit zum Geheimtipp des Bürgertums geworden. Nun, im endlich mal wieder so richtig kalten Winter 2017 erscheint die letzte von insgesamt drei Reissues. »Sunset Mission«, »Black Earth« und »Geisterfaust« sind im Original entweder unbezahlbar – oder nicht auf Vinyl erschienen. Neben den Alben ist auch eine besondere Compilation erschienen.

Vor ein paar Monaten ist eine Compilation mit euren Stücken veröffentlicht worden. Aber es ist keine »Best-Of«, sondern eine »Bohren for Beginner« geworden. Wie kommt’s?
Christoph Clöser: Stefan Strüver von PIAS Germany hat für sich privat, soweit ich weiß, mal eine CD zusammengebastelt und die im Büro laufen lassen. Und die Resonanz war wohl sehr positiv. Wie abwechslungsreich das dann doch ist, was wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten gemacht haben. Dann ist das Label an uns herangetreten und wir fanden die Idee gut. Aber es ist unbedingt als Werkschau, als Einblick, zu betrachten, aber eben nicht als »Best-Of«.

Ich habe es als sehr positiv empfunden, dass die Platten zwar jetzt alle kommen, aber nicht so ein Aufriss gemacht wurde. Die »Bohren for Beginner« und dann die drei Reissues: »Sunset Mission« von 2000, die »Black Earth« von 2002 und die »Geisterfaust« von 2005. Man kann nach und nach seine Plattensammlung vervollständigen. »Bei »Black City Skyline«, da denkt man schon immer noch: Boah.« (Christoph Clöser)
Christoph Clöser: Was denn auch sonst? Sollen wir da einen Event machen?
Mort Gass: Also die »Sunset Mission« und »Geisterfaust« waren halt nie auf Vinyl erschienen, und »Black Earth« ist kaum erschwinglich. Das wollten wir ändern.
Christoph Clöser: Die Reissues lagen uns am Herzen. Das war für uns unbedingt wichtig. Das A und O sozusagen. Das Interesse schien auch auf der Seite des Publikums immer dagewesen zu sein.

Habt ihr euch im Zuge der Wiederveröffentlichung nochmal mit euren alten Werken auseinandergesetzt?
Robin Roddenberg: Christoph hat sich zumindest die Testpressungen ganz genau angehört.
Christoph Clöser: Also wenn man genau hinhört, fallen einem schon Dinge auf. Uns war zum Beispiel nicht annähernd klar, was für irre Nebengeräusche auf »Geisterfaust« sind. Und auf CD waren die auch gar nicht so intensiv zu hören. Und tatsächlich überlegt man ja auch wie man die Stücke logisch auf vier Plattenseiten verteilt.
Mort Gass: Ich kann zum Beispiel sagen, dass ich die immer noch überraschend gut finde.
Christoph Clöser: Das überraschte dich?
Mort Gass: Ja schon. Manchmal ändert man seine Meinung im Laufe der Zeit, aber …
Christoph Clöser: Also wenn überrascht, dann ja wohl total positiv. Bei »Black City Skyline« [auf »Sunset Mission«], da denkt man schon immer noch: Boah.

Auch für uns als Hörer ergibt sich die Chance euch nochmal auf Mark und Bein zu testen. Und sowohl die großen als auch die kleinen subtilen Veränderungen nachzuvollziehen.Und es wird einem auch ganz schnell klar, dass das alte, euch zugeschriebene Bonmot »Other bands …«
Christoph Clöser: »…play, Bohren bore«. Der ist so grauenhaft der Spruch. Und er wird immer wieder zitiert.

Ja, leider auch von mir für die Review der »Sunset Mission«. Sorry dafür.
Mort Gass: Ich soll den ja gesagt haben. Weiß ich gerade auch gar nicht wann.
Christoph Clöser: Da gibt’s noch das andere Zitat, dass wir zum Publikum gesagt haben sollen: »Dass ihr heute zum Konzert gekommen seid, und die Zeit dafür aufbringt…«

Das sind die großen Mythen wahrscheinlich, die irgendwann entstehen.
Mort Gass: Man kann fairerweise sagen, dass wir am Anfang davon ausgegangen waren, dass die meisten Leute unsere Musik als sehr langweilig empfinden könnten. Auf dem ersten Flyer, den ich gebastelt hatte stand »Langweilige Instrumentalmusik aus dem Revier«.
Robin Roddenberg: Die Veranstalter wollten das auch seltsamerweise so nicht stehen lassen.

Aber der Erfolg heutzutage…
Christoph Clöser: Genau. Es gibt da schon erstaunlich viele Leute, die damit was anfangen können. Es gibt natürlich bis heute viel mehr Leute, die damit gar nichts anfangen können. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Ich hätte aber ganz persönlich nie gedacht, dass es so viele Leute wertschätzen werden.

»Wenn die Töne viel Zeit und Raum haben. Immer ein sehr schöner Rahmen.« (Christoph Cläser) Mal was Anderes: Das Jahr 2016 war ja durch große politische Umwälzungen und Krisen weltweit gekennzeichnet. Ist das eigentlich ein Thema für eure Arbeit?
Mort Gass: Für mich eher nicht.
Christoph Clöser: Das sehe ich dann schon anders. Jeder Akt, auch jeder kulturelle Akt, ist ja ein politischer. Das kommt ja auch drauf an, was man unter Politik versteht. Aber wir werden nicht mit Fahnen auf der Bühne erscheinen oder sowas. Das wär auch albern. Ich sehe da erstmal als unsere Aufgabe, dass wir das, was wir machen, so gut wie möglich machen. Und dann entstehen dabei Platten. Und der Rest obliegt dann der Deutung anderer.

Ihr habt da aber keine – wenn auch versteckte Agenda – bei der Idee für eine neue Platte. Wenn dann da eine neue kommt.
Christoph Clöser: Unsere Herangehensweise ist eine andere, genau. Und ja, da kommt auch noch eine neue Platte. Also der Titel steht schon Mal. Den verraten wir aber nicht.
Mort Gass: Wir kommen da tatsächlich allein vom Titel. Der beschreibt aber eher eine Szene.
Robin Roddenberg: Eine Stimmung.
Christoph Clöser: Wie ein Licht. Und dann lassen wir den sacken. Denken nach.

Der Prozess für eine Platte kommt also komplett ohne Jam aus? Hoch konzentriert und konstruiert dann?
Christoph Clöser: Ja genau. Gottseidank. Das könnte man auch gar nicht jammen.

Ihr habt ja vor einiger Zeit für die PIAS-Nite in der Passionskirche gespielt…
Robin Roddenberg:…tatsächlich hat das sehr gut funktioniert. Bei größeren Massen hast du gerade bei so einem musikalischen Ansatz, wie dem unsrigen, häufiger mal so eine gewisse Unruhe. Aber da waren alle sehr diszipliniert – und gleichzeitig sehr enthusiastisch.
Christioh Clöser: Generell war das aber nicht unbedingt etwas Neues in einer Kirche. Das ist ein Ort, der uns schon nahe steht. Wenn die Töne viel Zeit und Raum haben. Immer ein sehr schöner Rahmen.

Schließt sich denn eine Tour an?
Christoph Clöser: Wir spielen standesgemäß nicht so oft. Wir werden aber schon noch Shows spielen, auf die wir uns dann auch freuen. Die laufen aber unverändert ab. Also auf die Frage davor zurückzukommen: Wir spielen ja eh ein Set, das gemischt ist. Das auf live ausgelegt ist und nicht auf einzelne Platten, sondern eher wie die »Bohren Für Beginner«. Sicher kann man irgendwann überlegen, ob man eine der Platten einmal speziell spielt. Wenn da mal jemand nachfragt zum Beispiel.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.11.2016
Bohren & Der Club Of Gore
Sunset Mission
»Sunset Mission«, das Meisterwerk aus dem Jahre 2000 konzentriert alles, wofür Bohren & der Club of Gore steht.
Music Review | verfasst 23.01.2014
Bohren & Der Club Of Gore
Piano Nights
Die Meister der Langsamkeit sind zurück: Bohren & Der Club Of Gore veröffentlichen mit »Piano Nights« ihr siebtes und großartiges Album.
Music Review | verfasst 19.12.2016
Bohren & Der Club Of Gore
Black Earth
»Black Earth« zeigt den musikalischen Ansatz von Bohren & Der Club Of Gore am brutalsten. Dunkelheit wird niemals zu Licht!
Music Review | verfasst 12.01.2017
Bohren & Der Club Of Gore
Geisterfaust
Mit Erlösung ist auch auf dem Rerelease von Bohren & Der Club Of Gores »Geisterfaust«, erstmals 2005 erschienen, nicht zu rechnen.
Music Review | verfasst 06.01.2020
Bohren & Der Club Of Gore
Patchouli Blue
Mehr als fünf Jahre nach »Dolores« veröffentlichen Bohren & Der Club Of Gore mit »Patchouli Blue« ein neues Album.
Music Review | verfasst 01.06.2016
Melanie de Biasio
Blackened Cities EP
»Blackened Cities« ist ein kleines Wunderwerk, das Melanie de Biasio und ihr Quintett an einem Herbstnachmittag in Brüssel entwickelten.
Music Review | verfasst 05.03.2012
Pete Philly
One
Pete Philly wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das von seinen Fun-Rap-Vorgängern ramponierte Image Hollands wieder gründlich aufpolieren.
Music Review | verfasst 14.06.2012
alt-J (∆)
An Awesome Wave
Bei Alt-J kommt das Beste aus Folk, Bässen und Sampling zusammen, ohne das rad neu zu erfinden und doch auf frische, ungehörte Weise.
Music Review | verfasst 17.09.2012
Dinosaur Jr.
I Bet On Sky
Alles wie immer bei Dinosaur Jr.? Vielleicht nicht, denn »I Bet On Sky« taugt bestens in diesem Jahr, auch wenn der Sound bekannt ist.
Music Review | verfasst 17.01.2013
Mogwai
A Wrenched Virile Lore
Mogwais musikalischer Korpus eignet sich hervorragend zu Verfremdungszwecken, doch wird die Bisskraft dadurch nicht unbedingt maximiert.
Music Review | verfasst 08.04.2013
Soap&Skin
Sugarbread
Mit der Single »Sugarbread« beendet Soap&Skin das, wenn auch traurige, aber musikalisch eindrucksvolle Kapitel »Narrow«.
Music Review | verfasst 29.05.2013
Ghostpoet
Some Say I So I Say Light
»Some Say I So I Say Light« ist eine dunkle und in sich versunkene Platte, auf der der Ghostpoet seinen Gedanken freien Lauf lässt.
Music Review | verfasst 06.06.2013
Valerie June
Pushin' Against A Stone
Country genießt heutzutage nicht unbedingt eine hohe Wertschätzung bei hippen Pop-Musik-Connaisseuren. Valerie June könnte das ändern.
Music Review | verfasst 11.03.2014
East India Youth
Total Strife Forever
Das Debütalbum von East India Youth ist wohl für so manche überraschend. Eine Sensation ist es aber nicht.
Music Review | verfasst 30.04.2014
Jamaica
Ventura
Jamaica könnten als Festival-Konsens der Saison funktionieren. Im nächsten Jahr werden sie eben nur von anderen Sommer-Hits abgelöst.
Music Review | verfasst 10.09.2014
Interpol
El Pintor
Ein dunkles, aber kein tiefschwarzes Album ist »El Pintor« von Interpol geworden. Trotzdem knüpft ihre fünfte Platte an ihre Anfänge an.
Music Review | verfasst 27.02.2015
Ghostpoet
Shedding Skin
Der Brightoner Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet präsentiert mit »Shedding Skin« ein warmes und organisches Album.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Black Rebel Motorcycle Club
Live In Paris
Nach 20 Jahren Bestehen liefern Black Rebel Motorcycle Club mit »Live In Paris« ihr erstes Livealbum.
Music Review | verfasst 10.03.2016
Violent Femmes
We Can Do Anything
Nach 16 Jahren veröffentlichen Violent Femmes mit »We Can Do Anything« ein neues Album. Nostalgikern dürfte die Platte gefallen.
Music Review | verfasst 18.03.2016
James
Girl At The End Of The World
Für viel sind James Legenden. Das dürfte sich auch mit »Girl At The End Of The World« nicht ändern. Obwohl es dafür Gründe gäbe…
Music Review | verfasst 31.03.2016
Mogwai
Atomic
Mogwai sind und bleiben eine Liga für sich: Jetzt haben die Schotten den Film »Atomic« vertont.
Music Review | verfasst 03.05.2016
Trümmer
Interzone
Weniger politisch und insgesamt gefälliger präsentieren sich Trümmre auf ihrem zweiten Album »Interzone«.
Music Review | verfasst 08.07.2016
Róisín Murphy
Take Her Up To Monto
»Take Her Up To Monto« ist ein schwer zu durchdringendes, doch erstaunlicherweise sehr gut hörbares fünftes Album von Róisín Murphy.
Music Review | verfasst 26.10.2016
Various Artists
They Will Have Kill Us First O.S.T.
»They Will Have To Kill Us First: Malian Music in Exile« hat es nicht in die deutschen Kinos geschafft. Der Soundtrack ist erhältlich.
Music Review | verfasst 07.11.2018
Dead Can Dance
Dionysus
Mit eindrucksvoller Seriosität streben Dead Can Dance auf »Dionysus« nach dem Transzendenten und bleiben ihren Anhängern nichts schuldig.
Music Porträt | verfasst 11.06.2012
alt-J (∆)
Das magische Dreieck
Die vier Briten heißen wie ein Dreieck, das entsteht, wenn man auf der englischen Ausführung des Macbooks das Kürzel »alt-J« benutzt. Sie spielen mit neumodischen Schnickschnack versehenen Folk und werden als nächstes großes Ding gehandelt.
Music Bericht | verfasst 24.09.2012
Soap&Skin
Live mit Ensemble und Chor am 21.9. im Astra Kulturhaus in Berlin
Die Österreicherin Anja Plaschg hat auf ihrem jüngsten Album als Soap&Skin, »Narrow«, den frühen Tod ihres Vaters verarbeitet. Auch auf der Bühne des Astra Kulturhauses in Berlin war diese Trauerarbeit noch gegenwärtig.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Beatrice Dillon – Workaround
Auf PAN hat Beatrice Dillon ihr neues Album »Workaround« veröffentlicht. Florian Aigner, Philipp Kunze und Kristoffer Cornils unterhalten sich darüber. Und fragen sich: ist da ein Groove? Ist da ein Konzept? Sie werden sich nicht einigen.
Music Porträt
Mad About Records
Sündhaft sommerlich
Der Portugiese Joaquim Paulo kümmert sich mit seinem Label Mad About um die wirklich schwer zu findenden Schallplatten von Jazz bis Bossa Nova. Mit Erfolg. Wir stellen dir das Label ausführlich vor.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Liste
Sepalot
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich Sepalot der Aufgabe an.
Music Kolumne
Records Revisited
D'Angelo – Voodoo (2000)
Die Rückkehr des Unperfekten brauchte mehrere Jahre. Was sich lohnte. Denn »Voodoo« von D’Angelo brachte vor 20 Jahren die Wärme und den Groove des Soul zurück. Eine Geschichte über Mythen, Seele und eines der merkwürdigsten Musikvideos.
Music Porträt
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Music Interview
Kinderzimmer Productions
»Wer kennt noch Jenny Elvers?«
Kinderzimmer Productions beackerten im Deutschrap schon immer die Ränder. Ihre Samples waren ausgefuchster, ihre Anspielungen cleverer, ihr Anspruch war es, originell zu sein. Nach 13 Jahren Pause sind die Ulmer nun zurück Ein Interview.
Music Interview
Jan Schulte
Mein Name sei Bufiman
Jan Schulte ist der Mann mit den vielen Namen. Jetzt veröffentlicht er auf dem niederländischen Label Dekmantel sein Debüt »Albumsi« als Bufiman. Wir trafen ihn im Wolf Müller Flanger Studio und sprachen mit ihm darüber.
Music Kolumne
Records Revisited
Rolling Stones – Let It Bleed (1969)
Vom Western-Saloon in den Vietnamkrieg, Stress mit den Cops und Heroin in Arschbacken – der Weg zu »Let It Bleed« verläuft auf einem Pfad zwischen Morbidität und Leichtsinn. Am Ende waren die Drogen gelutscht und die Utopien der Hippies tot
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 12inches
Dance Music dominiert bei den Vinyl 12"s des Jahres 2019. Aber das ist doch nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Denn diese Auswahl zeigt: alles ist erlaubt auf dem Dancefloor und muss es ogar sein.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 50 Reissues
Auch 2019 haben uns fleißige Plattenlabels Musik von gestern für ein besseres Morgen zur Verfügung gestellt. Wir haben 50 Schallplatten herausgesucht, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Music Kolumne
Jahresrückblick 2019
Top 20 Compilations
Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig ganz unterschiedliche Tracks zusammenkommen, ist das Ergebnis nur in 1% der Fälle überzeugend. Wir haben trotzdem 20 rausgesucht.
Music Kommentar
RSD Black Friday 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Porträt
100% Electronica
Mit Retro-Pop in die Zukunft
Internet-Ikone, Vapordaddy, Zukunftsmusiker – George Clanton kennt viele Namen. Mit 100% Electronica sucht er seit 2015 nach Sounds, die ein Gefühl vermitteln, das er nicht beschreiben kann. Und verhilft Vaporwave zu einer Renaissance.
Music Kolumne
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.