Music Liste | verfasst 07.07.2017
Ausklang | 2017KW27
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Text Philipp Kunze, Kristoffer Cornils

Lowshore - Steda Webshop ► Buy 12inch Da geht die Liebe direkt durch die Hose ins Oberstübchen und bleibt dort kleben wie ein durchgekautes Streifenkaugummi an der Unterseite eines Schultischs: hartnäckig, süßlich, undurchdringlich bis absolut schlonzig, saftig, schmackig und schön – je nachdem, worauf du stehst, was dich antörnt und überhaupt. Ein schiebender, shuffelnder Traum von Trip durch die erdigen Untergründe des House-Universums – kratzig, aber nicht aufgekratzt. Don’t call it Lo-Fi House, sondern stell dir Lowshore einfach als eine Allianz aus DJ Sprinkles, Larry Heard und den verblichenen Frank & Tony beim Dumpster Diving im Gerätepark vor. KC
 

AJL Band - Take Me Dancing Webshop ► Buy 2LP À propos Liebe von untenrum: Omar S hat ja ein Herz, das nicht nur cholesterolbedingt so viel wie die halbe Welt wiegt. Jetzt also Disco-Soul aus Singapur auf FXHE, ja, mei, why not? Stilistisch ist das hier aber Philly mit Rüschenhemden und Dauerschweiß auf der Oberlippe, der einsamste Karoke-Hit einer Hinterhofbar im nördlichsten, das heißt dem Industrieviertel der Stadt. Die AJL Band liefert dir den Klammerblues ohne Gegenpart und darüber kannst du nun entweder traurig sein oder du bestellst dir noch einen Screwball mit viel Eis. KC
 

Khidja Webshop ► Buy 12inch Tolouse Low Trax lässt eine deutsche Vernichtungskrieg-via-Teleprompter-Stimme über dem Voodoo-Topf schmoren, top Kombi um in einem Thawb abwesende Wellenbewegungen mit dem Arm auf der Tanzfläche zu machen. Moderne deutsche Clubmusik bleibt langsam und hat das Holz an der richtigen Stelle. In Zeiten von Slow Food darf das eben auch der Boner sein, slow. PK
 

DJ Bert - I Am Your Master Webshop ► Buy 12inch Jaja, ganz ruhig: Die Neuauflage von DJ Bert hat nun doch ein Preorderdatum, wäre damit eiiigentlich für den Ausklang disqualifiziert. Wir drücken aber ein Auge zu, weil: heute offizieller Release dieses absurd guten Stückes. B-Movie-Horror-Shit aus Westflandern, ursprünglich von 1980, unfassbar gut wie da ein komischer Creep auf sein Insel-Paradies lädt und man absolut ahnen sollte, dass ein Nachkommen dieses Befehls eher die Hölle bedeutet. Und hell is hot, sexsüchtige Strubbelmonsterzombies und tödliche Amazonen. PK
 

Falco - Out Of The Dark (Into The Light).jpg Webshop ► Buy Vinyl LP Pop zu leben heißt Popstars sterben zu sehen. Falcos Tod markiert das Datum meiner Geburt als Pop-Fan, seitdem waren die Klassik For Kids-CDs mit Justus Frantz nur noch zweite Wahl, sorry not sorry. Irgendwann kam ich über meinen Bruder an Offspring und die Smashing Pumpkins, die beiden besten der insgesamt sieben Platten, die er sich in seinem Leben je gekauft hat. Jedenfalls aber: So unwürdig der Abgang von Falco an sich war, so bescheuert bleibt leider auch das verhetzt nachgeschobene Abtrittsalbum »Out Of The Dark (Into The Light)«, dessen Titeltrack aber immer noch etwas irre Prophetisches innewohnt. Der letzte große Popstar-Moment eines definitiven Popstars. Musste er denn aber sterben, damit ich leben konnte? Ohje. KC
 

Om Alec Khaoli - Say You Love Me.jpg Webshop ► Buy Vinyl LP Alec »Om« Khaoli drückt dir zuerst ein Bier in die Hand, denn er will, dass es dir gut geht. Er will, dass du es angewinkelt mit bebendem Adamsapfel trinkst, damit die durch Palmenkronen brechenden Sonnenstrahlen sich im perligen Kondenswasser auf der Unterseite des Flaschenbodens brechen. Dieses Bier ist ein gutes Bier und dieser Tag soll ein guter Tag werden und dir, das lässt sich eben nicht oft genug betonen, soll es hier gut gehen. Und du lässt dich drauf ein und du grinst und du lachst und dann trinkst du fünf oder mehr davon, wer weiß das schon genau, aber siehst darüber nicht die Schatten, die durch seine Augen huschen. KC
 

Mark Barrot & Pete Gooding - La Torre Ibiza Volumen Dos Webshop ► Buy Vinyl LP Gehen wir von einer nondeskripten Inseleinsamkeit rüber zur ibizenkischen Flauschigkeit und lassen uns in irgendeinem seelenlosen Design-Hotel nieder, wo wir uns von Mark Barrott und Kollege Pete Gooding hinter dem All-Incluse-Buffet mit international bereinigten Wellness-Vibes wegcocken lassen. Highlight von »La Torre Ibiza Volumen Dos« ist natürlich Oumou Sangaré, aber was zu »Otis« bereits gesagt wurde, ist dringend wiederholungsbedürfitg: »Vini Riley by the way is way overdue for a revival. You might think about a Greatest Hits.« »That’s a good idea.« »It’s good music to chill out to.« Tony fucking Wilson, the absolute legend. Wer das nicht feiert, kann kein guter Mensch sein. KC
 

Mr. Saturday Night: Then and Now Webshop ► Buy Vinyl LP Und weil ich gerade eh schon in voller Dad-Pop-Rock-Montur bin, klappe ich ein letztes Mal das Visier herunter und werfe mich mit Menelik Wossenachews »Tezeta« noch tiefer in den Abgrund des Handgemachten, Alten. Zum Abschluss gibt es also äthiopischen Emo-Soul mit staubtrockenem Rachen und weit geöffnetem Herzen, gar nicht mal so unklug am Anfang einer in alle Hipster-Dance-Sparten abdriften Mr. Saturday Night-Compilation mit Selector-Anspruch platziert. Passt gut, fast noch besser als bei Barrott und Gooding, und würde sich wohl von »Otis« und »Say You Love Me« gesandwicht allerbestens geben. Aber jetzt: Was macht die Gegenwart, Kollegen? KC
 

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Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
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The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich mit vermeintlicher Pastiche die Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschem Ausmaß in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ.
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Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
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Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist eines der fesselndsten Debüts aller Zeiten.
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Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
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Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
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Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal mit u.a. Freddie Gibbs & Madlib, Denzel Curry, Skepta und Moodyman.
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Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
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