Records_revisited
Welt
Records Revisited (Kolumnen)
Records Revisited ist eine Kolumne über die Wiederbegegnung mit längst veröffentlichten Schallplatten und über die Frage nach ihrem Wert. Dieser kann künstlerisch, geschichtlich oder auch persönlich sein. Das Resultat sind Texte über Schallplatten und Menschen.
Records Revisited in Features
Music Kolumne | verfasst 07.11.2019
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Es ist das erste Album mit David Gilmour als Gitarristen. Es ist das erste Konzeptalbum der Band, ganz im Sinne Roger Waters’. Es ist überhaupt eines der ersten Doppelalben der Musikhistorie. Und es besitzt eines der ikonischsten Cover-Artworks überhaupt. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob »Ummagumma« die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Kolumne | verfasst 12.10.2019
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debütalbum tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Mos Def zielt auf den Kopf – mit Texten, die nach 20 Jahren immer noch Sinn machen, immer noch aktuell sind. Warum man »Black On Both Sides« 20 Jahre später wieder hören muss.
Music Kolumne | verfasst 10.10.2019
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte die Band King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein. In dieser frühen Stunde des Prog-Rock bestand die Leistung von King Crimson darin, das zu tun, was gute Musik immer tut: Dinge kombinieren, die sich bei anderen Kollegen bewährten, und daraus etwas noch Unerprobtes machen.
Music Kolumne | verfasst 14.09.2019
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. »Mingus war vielleicht verrückt«, sagte Miles Davis, »aber er war seiner Zeit voraus«. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Schallplatte, die dem Bass zur Artikulation verhalf – und Mingus eine Stimme gab.
Music Kolumne | verfasst 07.09.2019
Records Revisited
The Magnetic Field – 69 Love Songs (1999)
Über die Liebe im Pop ist alles gesagt – spätestens seit Stephin Merritt sich 1999 an ihr in einem Rausch abarbeitete, mit vermeintlicher Pastiche die gesamte Musikgeschichte aufwischte und seine »69 Love Songs« in Wagnerschen Ausmaßen in der Repetition der Warhol-Factory aufgehen ließ. The Magnetic Fields aus Boston ist so vor 20 Jahren eines der unwahrscheinlichsten Hitalben der indiepopgeschichte gelungen.
Music Kolumne | verfasst 22.08.2019
Records Revisited
Portishead – Dummy (1994)
»Dummy«, das Debüt von Portishead aus dem Jahr 1994, musste schon dem Namen nach als Blaupause für den Sound herhalten, womit Bristol eine ganze Weile lang assoziiert werden sollte. Es ist vielleicht eines der fesselndsten und rundesten Debüts aller Zeiten und ist aus der Musikgeschichte nicht wegzudenken. 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung haben wir uns diesem Album ein weiteres Mal versucht zu nähern.
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er im Laufe seiner Karriere die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. Und bis heute kann sich die Menschheit darauf einigen: In diese Reihe der Veränderungen gehört definitiv »Kind Of Blue« aus dem Jahr 1959, das meistverkaufte und mutmaßlich meistgehörte Jazzalbum aller Zeiten. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und ihrer Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne | verfasst 29.06.2019
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Es ist aber auch die erste große Ansage des noch weitgehend unbekannten Produzenten Madlib und birgt auch den ersten Auftritt seines Alter Egos Quasimoto. Wieviel mehr Relevanz kann einem einzigen Album denn noch zugeschrieben werden? Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Kolumne | verfasst 14.06.2019
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Sie gelten als Mutter aller Gruftigkeit. Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Ist dieses Urteil gerechtfertigt? Sind sie auch 40 Jahre danach noch so düster?
Music Kolumne | verfasst 02.05.2019
Records Revisited
The Cure – Disintegration (1989)
»Disintegration« sollte nicht nur das erfolgreichste Album von The Cure werden, sondern auch eines der besten. Was in erster Linie an seiner Widersprüchlichkeit gelegen haben dürfte, daran, dass es in der zwischen innerer Einkehr und Exaltiertheit hingerissenen Welt von 1989 den genau richtigen Ton traf. Die offensichtlichen Qualitäten der Musik liegen in ihren scharfen Kontrasten begraben.
Music Kolumne | verfasst 20.04.2019
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit der Veröffentlichung von »Operation: Doomsday« vor 20 Jahren lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an. Mit dieser Platte karikierte er das Genre und nahm es doch so ernst wie kaum sonst jemand. Über ein Album zwischen Maske und Mythos, das Verwirrung wie Begeisterung hervorruft.
Music Kolumne | verfasst 19.04.2019
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Nicht nur Kendrick Lamar, Busta Rhymes, Kool Savas, Alicia Keys und Erykah Badu geraten da ins Schwärmen, oder zollen wie Elzhi, Fashawn und andere mit Interpretationen dem Album Tribut. Nein, »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde damit zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2019
Records Revisited
Aphex Twin – Selected Ambient Works II (1994)
Der Mythos beginnt. Die Legende lautet bis hierhin: Aphex Twin schraubt an eigenen Synthesizern, lebt in Cornwall und ballert den schnellsten und breitesten elektronischen Sound aus den Boxen, der zu dieser Zeit möglich ist. Doch erst mit der Veröffentlichung von »Selected Ambient Works II« entsteigt Richard David James den Clubs und brennt seinen Sound endgültig ins kollektive Gedächtnis der Popkultur ein.
Music Kolumne | verfasst 01.03.2019
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur gewaltgestählten Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum »3 Feet High And Rising« ist bis heute ein Klassiker, der in seiner Samplewut so großartig wie vorausschauend klingt. Und in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht. Genau genommen hat ihre Botschaft nämlich immer noch Aktualität, als Fanal gegen Verbitterung, Zynismus oder Fatalismus.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2019
Records Revisited
The Roots – Things Fall Apart (1999)
Mit »Things Fall Apart« sollte sich für The Roots entscheiden, ob sie einfach Kritikerlieblinge blieben oder auch den großen kommerziellen Erfolg erreichen könnten. 20 Jahre später wissen wir: Es wurde ihr Durchbruch. Das war alles andere als Vorhersehbar und hatte wie so oft auch viel mit Zufällen zu tun – und mit Erykah Badu, Mos Def, J Dilla und einer Band aus Philadelphia auf der Höhe ihres Schaffens.
Music Kolumne | verfasst 14.12.2018
Records Revisited
Elecktroids – Elektroworld (1995)
Wer sind sie und wenn ja wie viele? Diese Frage haben sich seit der Erstveröffentlichung von »Elektroworld«, dem 1995 erschienenem, einzigen Album der Elecktroids, so einige gefragt. Ganz genaue Antworten können noch immer nicht gegeben werden, auch wenn die Hinweise auf einen Urheber sich verdichten. Jedenfalls wird jetzt eine Reissue erscheinen und die Beschäftigung mit dieser schönen Schallplatte wird befeuert.
Music Kolumne | verfasst 18.10.2018
Records Revisited
Sonic Youth – Daydream Nation (1988)
Dieses Album war bereits am Erscheinungstag ein Kunstwerk: Mit ihrem fünften Studioalbum »Daydream Nation« schufen Sonic Youth einen Meilenstein, dessen Sound bis heute nachhallt. Auf über siebzig Minuten kulminieren Noise, Rock und Indie. Eine Platte wie ein Monolith. Schall und Wahn im Amerika von US-Präsident Ronald Reagan. Und all das trotz ausgefallener Klimaanlage mitten im August 1988 im Studio in Soho.
Music Kolumne | verfasst 13.09.2018
Records Revisited
Talk Talk – Spirit Of Eden (1988)
»Spirit of Eden« der britischen Band Talk Talk erzählt vom Erschöpfungszustand eines Jahrzehnts, von einer unglaublichen Schöpfungslust ohne revolutionäre Inhalte oder Genie dahinter. Es ist Musik, die lieber schichtet und Zwischentöne zum Klingen bringt als willentlich Bilder zu bestürmen. Vor 30 Jahren erschienen und finanziell ein Reinfall, gilt das Album nicht wenigen als Meilenstein der Popmusik. Wieso eigentlich?
Music Kolumne | verfasst 10.09.2018
Records Revisited
Why? – Alopecia (2008)
Alle gingen nach Berlin. »I saw two men fuck in the dark corner of a basketball court, just the slight jingle of pocket change pulsing«. Die Häuser der Freunde waren weg, die Gerüche waren weg, alle hatten andere Tage und alle hatten andere Nächte. 2008, »Faking suicide for applause«. Über ein Album, dass über das Nebeneinander von Sentimentalität und Gleichgültigkeit den Zeitgeist einfing wie kein zweites. Why?s »Alopecia« ist dieses Jahr 10 Jahre alte geworden.
Music Kolumne | verfasst 22.08.2018
Records Revisited
J Dilla – The Shining (2006)
»The Shining« war das erste posthum veröffentlichte Album von J Dilla. Es wurde am 22.8.2006 bei BBE Records veröffentlicht. J Dilla wähnte es zu 75% fertig. Andere sagen, es hätte nur noch das Mastering gefehlt. Karriem Riggins hat es schließlich fertiggestellt. Man kriegt Soul, man kriegt Funk, rohen Rap, auch das vertrackte Zeug. Kurz: Man bekommt die unendlichen Ausdrucksformen, die J Dilla beherrschte. Es ist ein wahrer Klassiker.
Music Kolumne | verfasst 16.08.2018
Records Revisited
John Beltran – Ten Days Of Blue (1996)
»Ich war der Clubs und der lauten Soundsysteme müde«, erinnerte sich Beltran in einem Interview. »Ten Days of Blue« ist die farbenprächtige, erhabene Hoffnung, welche aus genau dieser Müdigkeit destilliert wurde. New Age-Musik für die Techno City – lindernder Balsam für alle, die dem stampfenden Rhythmus nicht mehr standhalten können. Das mag reaktionär scheinen, und doch brachte es Neues hervor – eine Zukunft, ganz für sich alleine.
Music Kolumne | verfasst 05.07.2018
Records Revisited
Björk – Debut (1993)
Die UK-Rave-Kultur rast mit dem Tempo von zwei Mitsubishis auf die Couch zu. Es ist 1993. Es scheint die nächste Sackgasse erreicht, eine Lücke muss gefüllt werden. Das wird sie auch. Das beste britische Dance-Album des Jahres ist eine Pop-Platte und wurde von einer Isländerin geschrieben. Björks »Debut« zog vor allem einen Schlussstrich. Dazu ist der Titel des Album eine Lüge. Eine größere Wahrheit hätte Björk damit allerdings auch nicht aussprechen können.
Music Kolumne | verfasst 28.06.2018
Records Revisited
Dynamite Deluxe – Deluxe Soundsystem (2000)
Ende der 90er / Anfang der 00er Jahre wurde kaum ein Album mehr erwartet als das Debüt der Formation um den großmäuligen MC Samy Deluxe. »Deluxe Soundsystem« schlug dann auch ein wie eine Bombe, ebnete den Weg für Samy’s Solokarriere und bedeutete doch, nach der dazugehörigen Tour, das vorläufige Ende des Projekts für beinahe ein Jahrzehnt. Ein Rückblick auf die Kindheit eines jetzt volljährigen Klassikers.
Music Kolumne | verfasst 30.05.2018
Records Revisited
Boards Of Canada – Music Has the Right to Children (1998)
Schicht um Schicht steckt das Album voller Anspielungen an Dinge, die besonders in den siebziger Jahren eine wichtige Rolle gespielt haben. Für Menschen, die mit »Switched-On Bach«, Kraftwerk und Sesamstraße großgeworden sind, war »Music Has the Right to Children« wie eine einzige subliminale Botschaft. Aber die Nostalgie von Boards of Canada, die in der Folge gern und regelmäßig kopiert wurden, hatte Zukunft. Was bis heute gilt.
Music Kolumne | verfasst 17.05.2018
Records Revisited
Guru – Jazzmatazz Vol.1 (1993)
Das Genre-Crossover war die große Verbeugung des Gang Starr MC vor den Jazzwurzeln der Rap-Musik. Es war jedoch auch eine verpasste Chance und ein Anachronismus in einer sich rasant wandelnden Hip-Hop-Welt. Wenn Guru in irgendeiner Form mit seinem großen Kollaborationsprojekt gescheitert ist, dann an dem Anspruch des Experiments. »Jazzmatazz« ist nicht nur in seiner Entstehungsform absolut unexperimentell.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2018
Records Revisited
The Streets’ Original Pirate Material, 2002
Mike Skinner wollte mit seinem Debüt die festgefahrene UK Garage-Szene vorantreiben und ein echtes englisches Hip-Hop-Album machen, das auf US-Klischees verzichtet. Herausgekommen ist ein äußerst präzises Porträt des Lebens(gefühls) britischer Millennials. Immer am Kämpfen. Immer am Trinken. Immer am Verlieren. Über »The Streets The Streets’ Original Pirate Material«, das dieser Tag neuaufgelegt wurde.
Music Kolumne | verfasst 02.03.2018
Records Revisited
Digable Planets – Reachin’ (A New Refutation of Time and Space) (1993)
Wie keine andere Musikform hat Rap stets ein Abbild der gesellschaftlichen und inneren sozialen Zustände geliefert. Kein Geschichtsbuch erzählt die fortwährenden, alltäglichen Kämpfe der schwarzen Community in den USA besser, als die Rapalben der letzten knapp 40 Jahre aneinandergereiht. Auch Digable Planets Debütalbum ist da keine Ausnahme. Obwohl es erstmal ganz anders klingt. Zum 25 Jubiläum eines immer noch aktuellen Albums.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2018
Records Revisited
Sun Kil Moon – Ghosts Of The Great Highway (2003)
Mark Kozelek ist der Onkel, der auf Familienfeiern früher noch wie ein widerspenstiger Held wirkte. Heute ruft seine Anwesenheit bei dir lediglich eine Mischung aus Betroffenheit und Abscheu hervor. Die Tage erschien die Reissue seines »Ghosts Of The Great Highway« ist eines der besten Gitarrenalben des 21. Jahrhunderts, obwohl oder vielleicht gerade weil es die maßlose Selbstübersteigerung Kozeleks erstmals in voller Blüte zeigt.
Music Bericht | verfasst 29.11.2017
Records Revisited
A Certain Ratio – To Each, 1981
Waren das etwa Joy Division als Funkband? Die Nähe zu ihren berühmten Kollegen aus Manchester lässt sich bei A Certain Ratio kaum leugnen. Auf »To Each …« gaben sie jedoch zu erkennen, dass sie mit ihrer Post-Punk-Funk-Mischung eine sehr eigene Handschrift haben. Die bis heute tanzen macht. Doch ist das Album nicht etwas wegen seines Fun-Factors so wichtig.Sondern, weil es spürbar ein Übergangsalbum war.
Music Kolumne | verfasst 09.11.2017
Records Revisited
Throbbing Gristle – 20 Jazz Funk Greats (1979)
Heute mag »20 Jazz Funk Greats« alles längst nicht mehr so irritierend erscheinen. Pop ist ja auch nicht mehr, was er vor 40 Jahren noch war. Zu verstören ist inzwischen ja durchaus verkaufsfördernd. Hat die Band, nachdem sie ihren historischen »Auftrag« erfüllt hat, den Pop mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, sich nicht selbst erledigt? Ein Rückblick auf ein Album, das nicht mehr ganz so akut weh tut. Aber deshalb eben nicht minder lange nachwirkt.
Music Kolumne | verfasst 03.11.2017
Records Revisited
Metro Area - Metro Area, 2002
2002, eigentlich war gerade alles egal. Die Musikwelt spaltete sich auf. Die einen reagierten mit ironischer Distanz, die anderen wendeten sich der formalistischen Retromanie zu. Nicht Metro Area. Und lieferten genau deshalb eines der wichtigsten Alben der frühen Nuller Jahre. Indem die beiden Produzenten auf auf »Metro Area« noch einmal komplett unironisch ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte in den vielleicht besten Basslines der Welt bündelten.
Music Kolumne | verfasst 24.08.2017
Records Revisited
B12 – Electro-Soma, 1993
Ihr wenig einprägsamer Name war vermutlich einer der Gründe, warum B12 nie im gleichen Maße zum Synonym für das Label Warp wurden wie ihre Kollegen LFO, Autechre oder Aphex Twin. Vor heute genau 24 Jahren erschien deren Album
»Electro-Soma« auf dem britischen Kultlabel. Der darauf vorherrschende, diskret fließenden Techno-Entwurf erwies sich bis heute als stilprägend. Ein Rückblick auf ein Album, das trotzdem relativ unter dem Radar geblieben ist.
Music Essay | verfasst 17.07.2017
Records Revisited
Freundeskreis - Quadratur des Kreises (1997)
Der Startschussfür Deutschraps Goldene Ära fiel mit dem Release der »Quadratur des Kreises«-LP vom Freundeskreis. Genau genommen war das Videoclip gewordene Echo dieses Schusses die Initiation der Goldgräberstimmung: Im Sommer ’97 ging die zweite Single-Auskopplung »A-N-N-A« auf Heavy Rotation. Und so avancierte der Schmuse-Rap-Track zum Sommerhit, erlangte den sechsten Platz der deutschen Charts. Seinerzeit war das eine größere Sensation.
Music Essay | verfasst 19.05.2017
Records Revisited
Amon Tobin – Bricolage, 1997
»Bricolage« zeigt bereits als Frühwerk, dass Amon Tobin einer der hartnäckigsten, visionärsten und versiertesten Soundtüftler unserer Zeit ist. Und das nicht nur in den mittlerweile entschlafenden Genres des D&B und NuJazz, sondern auch in der elektronischen Musik, wie seine späteren Alben zeigen sollten. Sein erstes Album bezeichnet das Ende von überholten Genre-Konventionen – und ist die Geburtsstunde eines wahren Sounddesigners.
Music Kolumne | verfasst 05.05.2017
Records Revisited
Talking Heads – Remain In Light (1980)
Auf ihrem vierten Studioalbum schufen die Talking Heads und ihr Produzent Brian Eno eine neue Fusion aus Afrobeat, Funk und Rock. »Remain in Light« wurde zum frühen Überklassiker der 1980er Jahre, dessen Vorbildfunktion für viele heutige Bands im Rückblick umso deutlicher wird. Und David Byrnes kryptische Texten scheinen als Kommentare zur gesellschaftlichen Lage immer noch genauso gut zu passen wie damals.
Music Kolumne | verfasst 17.04.2017
Records Revisited #23
Squarepusher – Hard Normal Daddy (1997)
Squarepushers zweites Album war ein Schlag ins Musikverständnis der Hörer. Zugleich ist es eine Antithese zur neuen Loungigkeit der elektronischen Musik. Denn hier ist Jazz mehr als nur schmückender Hochkulturverweis. Seine Fans wissen das Album erst sehr viel später wertzuschätzen. Und das kann man in diesem Falle gut verstehen, denn: was zuerst den Kopf fickt, braucht nun mal seine Zeit, um im Gefühl anzukommen.
Music Kolumne | verfasst 24.03.2017
Records Revisited
The Notorious B.I.G. – Life After Death (1997)
Ein ganz normaler Tag im Leben von Migos oder Rae Sremmurd geht so: trappen den ganzen Tag, feiern die ganze Nacht. »Realer Streetshit« und glamouröses Clubleben schließen sich längst nicht mehr aus. Anno 2017 haben beide längst den selben Soundtrack. Das war lange anders. Dann kam The Notorious B.I.G. Heute wird sein Album »Life After Death« zwanzig Jahre alt. Ein bahnbrechendes Album. Vor allem weil es mit einer dem HipHop inhärenten fixen Idee brach.
Music Kolumne | verfasst 14.02.2017
Records Revisited
The Other People Place – Lifestyles Of The Laptop Café (2001)
Diese Tage erschien die Reissue des vielleicht zugänglichsten Albums aus dem Drexciya-Umfeld. Aber es beschrieb damals auch soziale Prozesse, die unserem Verlangen nach Identität im Wege standen. Und stehen. Die Zeile »Let me be what I want to be« ist Ausdruck eines Verlangens, das traditionell einen Kern von House Music ausmachte: das nach einer eigenen, frei gewählten Identität. Aber ein Verlangen bleibt eben nur deshalb Verlangen, weil es nicht erfüllt wird.
Music Kolumne | verfasst 16.11.2016
Records Revisited
Autechre – Tri Repetae, 1995
Mit »Tri Repetae« hatte vor 21 Jahre das Aufbohren des Klangs in seine mikroskopischen Strukturen bei Sean Booth und Rob Brown begonnen: Das 1995 bei Warp erschienene, dritte Album von Autechre ist ein Werk in mehreren Dimensionen. Es ist Befreiungsschlag, Meilenstein und Neudefinition eines ganzen Genres. Nicht zuletzt hat es eine ganze Generation nachfolgender elektronischer Musiker geprägt.
Music Kolumne | verfasst 22.06.2016
Records Revisited
John Coltrane - Giant Steps (1960)
Auf dem Weg vom Bebop zum Free Jazz. Das 1959 aufgenommene »Giant Steps« füllt eine Lücke in der Geschichte des Jazz und ist gleichzeitig ein Riesenschritt in der künstlerischen Entwicklung des Ausnahmemusikers John Coltrane. Noch immer verblüffte er mit einem komprimierten Spiel und hunderten von Noten in einer Minute. Doch die Themen begannen eins mit den Soli zu werden. Ein damals im Jazz noch radikaler Ansatz.
Music Essay | verfasst 11.11.2015
Records Revisited
IAM's »Ombre Est Lumiere«, 1993
IAM sind weit mehr als Frankreichs dienstälteste und erfolgreichste Rap-Formation. Sie sind die großen Poeten des französischen Rap, die historische Verbindung Europas zur arabischen Kultur und das erinnernde Gewissen an Europas Kolonialismus. Sie stellten soziopolitische Missstände an den Pranger – und gingen dabei Umwege über Mystifiziertes. Notwendigerweise.
Music Kolumne | verfasst 12.05.2015
Records Revisited
Run-DMC - Run-DMC, 1984
Es gibt wenige Alben, die echte Game Changer gewesen sind. Run-DMCs selbstbetiteltes Debütalbum war so eines. Es brach mit Traditionen und brachte Rap zurück zu sich selbst. Als 1984 »Run-DMC« erschien, war Rap dominiert vom Electrosound, konkterkariert mit weichgespülten Disco und netten Synth-Melodien. Produzent Russell Simmons setzte dagegen auf den kalten, brutalen Groove der Drummaschine – und erschuf so den Soundtrack der Straße.
Music Kolumne | verfasst 15.04.2015
Records Revisited
Sigur Rós – Ágætis byrjun (1999)
Dem Titel nach versprach die isländische Band Sigur Rós mit ihrem zweiten Studioalbum »Ágætis Byrjun« der Weltöffentlichkeit »einen guten Anfang«. Daraus wurde ein klares Highlight in der Diskografie der Band, die Ehrfurcht vor der Schönheit des Fremden weckt. Es ist eben die Andersartigkeit ihrer Musik, die deren Reiz ausmacht. Auch wenn Sigur Rós letztendlich unsere Hörgewohnheiten nicht umgepolt haben.
Music Kolumne | verfasst 04.03.2015
Records Revisited
Moondog's Moondog, 1969
Moondog ist nicht nur einer der wichtigsten und zugleich unbekanntesten Begründer der Minimal Music. Er zeigte auch, dass Avantgarde von der Straße kommt und nicht von der Universität. Dreißig Jahre verbrachte er als Straßenmusiker und Poett. Er traf Igor Strawinski, Charlie Parker und Leonard Bernstein, spielte mit Charles Mingus und las mit Allen Ginsberg. Seine Ecke an der 6th Avenue/54th Street verließ er trotzdem nicht.
Music Kolumne | verfasst 11.02.2015
Records Revisited
Beastie Boys‘ Paul’s Boutique, 1989
Das zweite Album der Beastie Boys gilt als eines der innovativsten Hip Hop Alben und ist doch vor allem ein Produkt des Chaos. Zugleich ist es der unschlagbare Beweis dafür, dass die Musikindustrie niemals Recht hat. Die Entstehungsgeschichte des Albums ist eine, die vom Zufall eingeleitet und vom Wahnsinn geprägt wurde. Wir schauen zurück auf ein Werk, dem 500.000 Schallplatten und eine Menge anderer Substanzen zu Grunde liegen.
Music Kolumne | verfasst 07.01.2015
Records Revisited
Fennesz' Venice, 2004
Vor zehn Jahren veröffentlichte Christian Fennesz auf Touch Music sein bis dato viertes Album »Venice«. Darauf gab der Wiener Gitarrist seine eigentümliche Synthese von Noise und Pop eine neue Wendung. »Venice« spielt mit den offenbaren Klischees und spült sie gleichsam mit harschen Akkorden die Seufzerbrücke hinweg. Hier schmettern keine Gondoliere ihre schmusigen Schnulzen. Eine Verneigung anlässlich des Rereleases der Schallplatte zum zehnten Jahrestag.
Music Kolumne | verfasst 01.10.2014
Record Revisited
Devo's Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!
De-Evolution statt Evolution. Der Ansatz steckt schon im Namen. Die amerikanische New Wave-Band Devo hat 1978 mit ihrem Debüt »Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!« ein Fortschritt und Zivilisation skeptisch gegenüber stehendes Werk vorgelegt, dass bis heute auf merkwürdige Weise nichts an Relevanz und Frische verloren hat. Hinter dem de-evolutionärem Sound steht ein prägendes Erlebnis der Kunststudenten aus dem Jahre 1970.
Music Essay | verfasst 03.09.2014
Records Revisited
Aphex Twin's Selected Ambient Works II, 1994
Vor 20 Jahren erschien Aphex Twins »Selected Ambient Works II«. Das Album war nicht nur eine Umkehrung der gerade aktuellen Ambient Music. Es war auch ein weiterer Erfolg der kontinuierlichen Totalverweigerung eines Sturkopfes. Und gerade das machte Richard D. James zu einem der wohl wichtigsten Produzenten elektronischer Musik unserer Zeit und »Selected Ambient Works II« zu einem beklemmenden, zeitlosen Meisterwerk.
Music Kolumne | verfasst 20.08.2014
Records Revisited
Absolute Beginner's Flashnizm (Stylopath), 1996
Als die Beginner noch Absolute Beginner hießen, haben sie den Grundstock dafür gelegt, dass die Hamburger heute eine der erfolgreichsten und auch wegweisendsten Deutschrapformationen sind. Heute völlig zu Unrecht im Schatten ihrer zweiten, den Durchbruch besiegelnden LP »Bambule« stehend, kann »Flashnizm« als eines der an Experimentierfreude und Ausdrucksvielfalt reichsten Deutschrapalben überhaupt gedeutet werden. Was wir hiermit auch tun.
Music Kolumne | verfasst 13.08.2014
Records Revisited
Brian Eno's Ambient 1: Music For Airports, 1978
Mit »Ambient 1: Music For Airports« hat Brian Eno einem Genre seinen Namen gegeben. Wenn wir heute von »Ambient« reden, verwenden wir den Begriff aber nicht mehr in seinem ursprünglich gedachten Sinne. Denn für Brian Eno hatte Ambient weniger mit Esoterik und gepflegtem Abschalten zu tun, sondern vielmehr mit Architektur. Eine gute Gelegenheit also eines der meist referenzierten Werke der Popmusikgeschichte aus dem Schallplattenregal zu ziehen.
Music Kolumne | verfasst 24.04.2014
Records Revisited
Manfred Krug's Ein Hauch von Frühling, 1972
Eigentlich hätte es diese Platte gar nicht geben dürfen. Mit seiner Mischung aus Humor, Wortdreherei und Nonchalance hat Manfred Krug es 1972 mit »Ein Hauch von Frühling« geschafft, ausgerechnet in der DDR die beste deutsche Soul-Platte aller Zeiten aufzunehmen. Der Clou war, die verpönte »Musik des Yeah, yeah, yeah« als auch von offizieller Seite gern gehörte Schlagermusik zu tarnen. Der Plan ging auf und ist auch heute noch hörbar.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2014
Records Revisited
Dr. Dre's The Chronic, 1992
Dr. Dre’s erstes Soloalbum nach seinem Zerwürfnis mit N.W.A. zeigt den späteren Starproduzenten in allen Disziplinen, die ihn von da an ausmachen werden: Dr. Dre, der Manager, Dr. Dre, der Produzent, Dr. Dre der MC – vor allem aber die beiden ersteren Rollen. »The Chronic« gilt als Meilenstein, als »Game Changer«. In Records Revisited blicken wir auf eine Platte zurück, die zurecht als Meisterwerk gilt, aber auch Fragen aufwirft.
Music Kolumne | verfasst 12.03.2014
Records Revisited
Paul Simon's Graceland, 1986
Mit »Graceland« veröffentlichte Paul Simon 1986 das erfolgreichste Album seiner Karriere und eines der umstrittensten Werke der Musikgeschichte. Dem Hype um die Platte folgte eine politische und moralische Debatte die bis heute den musikalischen Wert von Graceland zu überschatten droht. Es wird vielfach übersehen, dass er mit dem Album nicht nur seine eigene Karriere rettete, sondern auf brilliante Art die gute alte Kunst des Songwriting vor dem Aussterben bewahrte.
Music Kolumne | verfasst 22.01.2014
Records Revisited
Ice-T's Rhyme Pays, 1987
Es ist das Debütalbum von Ice-T. Als es 1987 erschien, entstand damit ein komplett neuer Ton im Rap. Das darauf enthaltene »6 ‘N The Mornin’« ist der Blueprint des Gangster Rap. In ihm vereinen sich all die Elemente, die nachfolgend durch NWA über 2 Pac bis zu all den Mittelklasse-Wannabe-Gangstern von Berlin bis Tokio auf die Spitze getrieben wurde. Es legt indirekt aber auch offen, wie Rap funktioniert. »It’s all game. I’m just working these niggas.«
Music Kolumne | verfasst 16.10.2013
Records Revisited
Bob Dylan's Blonde On Blonde, 1966
»Blonde On Blonde« ist das erste Doppelalbum der Rockmusikhistorie. Es ist am 16.5.1966 bei Columbia Records erschienen. Das war ein Montag und Janet Jackson erblickte das Licht der Welt. In unserer neuen Kolumne »Records Revisited« streben wir eine Wiederbegegnung mit Schallplatten an und fragen nach ihrem Wert. Dieser kann künstlerisch, geschichtlich oder auch persönlich sein. Das Resultat sind Texte über Schallplatten und Menschen.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker. In unserer neuen Kolumne »Records Revisited« streben wir eine Wiederbegegnung mit Schallplatten an und fragen nach ihrem Wert. Dieser kann künstlerisch, geschichtlich oder auch persönlich sein. Das Resultat sind Texte über Schallplatten und Menschen.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt. In unserer neuen Kolumne »Records Revisited« streben wir eine Wiederbegegnung mit Schallplatten an und fragen nach ihrem Wert. Dieser kann künstlerisch, geschichtlich oder auch persönlich sein. Das Resultat sind Texte über Schallplatten und Menschen.
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Music Review | verfasst 11.11.2019
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music News | verfasst 08.10.2019
OG Keemo
Exclusive Edition: »Geist«
OG Keemo kam aus dem Nichts – und kann in Rap-Deutschland schon nach den wenigen Releases, die er seit 2017 via Chimperator herausbringt, unmöglich übersehen und überhört werden. Am 22.11. erscheint sein neues Album »Geist«
Music Kolumne | verfasst 07.11.2019
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Music Kolumne | verfasst 12.10.2019
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Music Review | verfasst 11.11.2019
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.