Philophon-kopie
Berlin
Philophon Records (Plattenlabel)
Philophon Records ist ein 2012 von Max Weißenfeldt gegründetes Plattenlabel aus Berlin, »wobei der Name Philophon und die Lust auf das Label sicher schon 10 Jahre davor existierten«_, erinnert sich Weissenfeldt. Schon damals, als das Label nicht mehr als eine Idee war, war der Schlagzeuger und Vibraphonist eine bekannte Figur in der Organic Groove Szene, sowohl in Deutschland als auch international. Weissenfeldt wurde in den Neunzigern gemeinsam mit seinem Bruder Jan als Teil des legendären Retro-Funk Projekts Poets Of Rhythm, den Whitefield Brothers bekannt. Seitdem trommelte er bei verschiedenen Projekten, unter Anderem den Heliocentrics oder Embryo. Das von Dan Auerbach (The Black Keys) produzierte Album »Locked Down« von Bluesfunk-Größe Dr. John, zu dem Weissenfeldt Schlagzeug und Percussion beisteuerte, erhielt 2013 einen Grammy. Mit dieser Auszeichnung in der Tasche suchte Weissenfeldt den Kontakt zum Budde Musikverlag, die ihn dort »mit Handkuss« eine Edition für Philophon einrichten ließen. 2010 versprach sich der Schlagzeuger Weissenfeldt von einer Reise nach Ghana, etwas über Polyrhythmik zu lernen. Dort begleitete er ein erfolgreiches Trommelprojekt, welches den Berufsmusiker für bürokratisches Projektmanagement begeistern konnte. »Das hat mir riesig Spaß gemacht. Da ich mir mein Hobby Schlagzeuspielen schon zum Beruf gemacht hatte, dachte ich mir: Hey, mach dir doch einen Beruf (Unternehmer) zum Hobby und Zack stand Philophon auf dem Plan«. Bis heute ist der Sound seines Labels verlässlich von West- und Zentralafrika beeinflusst. Auf Philophon haben Legenden wie Idris Ackamoor & The Pyramids oder Hailu Mergia veröffentlicht, aber auch aufstrebende Künstler wie Roy X, Sohn von Highlife-Guru Ebo Taylor oder Weissenfeldts eigene Polyversal Souls. Und auch der finnische Afrobeat-Konvertit Jimi Tenor passt perfekt zum Berlliner Label nicht fehlen. Das Format der Wahl hat einen Durchmesser von 7inches. Bis auf ein Album waren bis dato alle Philophon Releases Singles, auch wen weitere LPs geplant sind. Der Vorteil: »Jede Single hat in der Regel einen anderen Interpreten und kann dadurch einen anderen Stil abdecken, obwohl es im Grunde immer die selben Leute sind.« Dass »die selben Leute« immer wieder aufeinandertreffen, um miteinander spektakuläre 7inches mit Afrobeat-Anleihen einzuspielen, liegt auch an den Philophon Studios in Kreuzberg, die Weissenfeldt gemeinsam mit Freund und Geschäftspartner Benjamin »Stibbo« Spitzmüller gründete. Autonomie scheint Weissenfeldt unverhandelbar. Gerne erinnert er sich zurück an die alten Zeiten, als er mit seinem Bruder im Keller seiner Mutter Songs aufnahm und ein eigenes, DIY-Label betrieben. Heute gehen die beiden Weissenfeldt Brüder getrennte Wege. Ihrem Stempel wird die Musikwelt allzu bald nicht entkommen.
Philophon Records in Features
Music Porträt | verfasst 01.11.2017
New Record Labels #34
Argot, Discrepant, Gqom Oh!, Philophon
Jeden Monat stellen wir euch Labels vor, die neu bei uns im Shop vertreten sind oder deren Entdeckung sich lohnt. Die Auserwählten diesmal: Argot, Discrepant, Gqom Oh!, Philophon. Genauer einem Chicagoer Label, dass das Erzählerische im Techno sucht, einem gegen den Strich denkende Musik veröffentlichendem und ein, die kleinen Makel in der elektronischen Musik heraushebendem Label aus London, sowie ein von einem Urgestein organischer Grooves betreutes aus Berlin.
Philophon Records in Reviews
Music Review | verfasst 25.01.2017
Idris Ackamoor & The Pyramids
Tinoge Ya Ta'a Ba - 7"
»Tinoge Ya Ta’a Ba« ist ein weiterer, unfassbar guter Jam von Idris Ackamoor & The Pyramids, der jetzt auf Philophon veröffentlicht wurde.
Music Review | verfasst 03.07.2015
The Polyversal Souls
Invisible Joy
Globetrotter und Tausendsassa Max Weissenfeldt hat ein neues Baby: The Polyversal Souls überzeugen mit »Invisible Joy« auf der ganzen Linie.
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Music Review | verfasst 14.06.2019
Biosphere
The Senja Recordings
Mit »The Senja Recordings« legt Biosphere eine Art klangliches Tagebuch ab, das drei Jahre auf der norwegischen Insel dokumentiert.
Music Review | verfasst 12.06.2019
E.M.U.
Electro Music Union, Sinoesin & Xonox Works 1993-1994
Damiano van Erckert bringt Musik von J.M. Adkins an die Oberfläche, die er 1993-94 als Electro Music Union, Sinoesin und Xonox produzierte.
Music News | verfasst 28.05.2019
Jordan Rakei
Exklusive Edition: »Origin«
Die Melodien hell, die Texte düster: Jordan Rakei veröffentlicht am 14.6.2019 sein neues Album »Origin« auf Ninja Tune. Exklusiv bei HHV in einer limitierten und signierten Clear Vinyl Edition erhältlich.
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Music Kolumne | verfasst 14.06.2019
Records Revisited
Joy Division – Unknown Pleasures (1979)
Mit ihrem Debütalbum »Unknown Pleasures« verhalfen Joy Division der introvertierten Aggression des Post-Punk zum großen Durchbruch und galten fortan als traurigste Band der Welt. Sind sie auch 40 Jahre später noch so düster?
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Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.