Ausklang | New Music Friday – Neue Musik von Kowton, Lil Wayne, Bok Bok u.v.m

Woche für Woche picken wir Tracks, die uns in den vorausgegangenen 7 Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollten, deren Release auf den heutigen Tag fällt oder einem anderen Pseudogrund unterliegen. It’s new music, Elaiza!
»Believe Me« by Lil Wayne feat. Drake
taken from »The Carter V«, out soon on Young Money
Bezeichnend: Lil Wayne will sein vielleicht letztes Album ankündigen und braucht dazu nicht nur ein Feature von Drake, nein genau genommen ist das ein Drake-Song mit Lil Wayne-Feature. »I’m the only one to get the job done« sind dann auch Drakes erste Worte auf dem Song und irgendwie bekommt man das Gefühl nicht los, dass ihm bald darauf Lil Wayne einen Einkaufszettel in die Hand gibt und Drake losschickt, Äpfel, Milch und Brot zu kaufen. Wenn Drake dann vollgepackt zurückkehrt, küsst ihn Wayne auf die Stirn, sagt ihm, er solle mal die Hand aufhalten, knüllt ihm ein 5-Dollar-Schein in die Handfläche und drückt dann zärtlich Drakes Hand wieder zu zu. Und Drake rennt los und kauft seiner Freundin endlich etwas zum anziehenPK
»Habitat« by Austra
taken from the »Habitat EP«, out June 17th on Domino Recordings
Ich nutze die Veröffentlichung von »Habitat« – seit mehreren Jahren regelmäßiger Bestandteil ihrer Liveauftritte, ab Juni erstmals auf physischem Tonträger erhältlich – um mutig zu verlautbaren: ich mag Austra Mir fällt es einfach schwer, mich diesem zwischen Osteuropa und Nordamerika, Club und Festival, Trash und Kunst hin und her schwingenden Sound des Trios um Katie Stelmanis zu entziehen. Auch diesmal. Das muss auch nicht jeder verstehen. Und außerdem: Austra und Ausklang – da gehört doch schon phonetisch was zusammen. SH
»Smitten« by Copeland
taken from her debutalbum »Because I’m Worth It«, which will be self-released in May
Copeland, das ist Inga Copeland, die Dame, die mit Dean Blunt Musik gemacht hat, die völlig verkopft und gleichzeitig doch voller Seele war. Jetzt fehlen ihr also Inga und Dean, und trotzdem macht Copeland weiter fantastische Songs. »Smitten« drückt mit ziemlich lautem, kantigem Drumgerüst, das in Copelands Stimme seinen Gegenpart findet. Inga Copelands Solodebüt mit dem Beauty-Produkt-Titel »Because I’m Worth It« soll noch im Mai erscheinen. »Smitten« allerdings wird darauf nicht zu finden sein. PK
»Erotic Discourse (Kowton Remix)« by Paul Woolford
Find something similar at hhv.de: 12inch »Erotic Discourse« von Paul Woolford war 2006 einer der Dancefloorfüller schlechthin. Hotflush Recordings hat heuer eine 12inch mit 2 Remixen veröffentlicht, die den Track in die 2010er Jahre transportieren sollen. Nimmt man die A-Seite von Dense+Pika mal beiseite, gelingt das auch! Ha! Kowton lässt die Bassdrum einfach einmal außen vor, ordnet und rhythmisiert die Sounds. Das Ergebnis ist wirklich das beste, was aus dem Track 2014 hätte werden können. SH
»Trap Back« by 2 Chainz
2 Chainz will die Trap zurück. Will Fußballer Leon Goretzka, nachdem er von Bundes-Jogi in den WM-Kader berufen wurden, zurück zum VfL Bochum und 2. Liga spielen? Will Putin von der Politik zurücktreten, weil er einfach nur mit Dennis und Wjatscheslaw ein paar Kurze stürzen und Risiko spielen will? Wohl kaum. Und warum 2 Chainz die Bruchbude zurückhaben will, werden wir auch nicht herausfinden. Stattdessen empfehle ich das Hirn auszuschalten und zu diesem Beat Gartenarbeit zu verrichten. Vor allem mit der Harke Unkraut zu jäten, empfiehlt sich zu »Trap Back«. Hat der Kollege halt doch richtig antizipiert… PK

»Reduction« by Cloudface
taken from the 12inch »BOP002«, out in June on Black Opal
Bleiben (oder werden) wir feinsinnig. (Das liegt jetzt ganz an Philipp Kunze und seiner Auswahl. Ich vermute doch eher ein »werden«.) Ein schönes Stilmittel im Techno ist, wenn die Bassdrum zu hören ist, obwohl sie nicht zu hören ist. Das eröffnet der Beachtung von Nuancen so so viel Raum. »Reduction«, ein Track des kanadischen Producers Cloudface nutzt diese, shiftet Sounds zu Melodien und Melodien zu einem Groove. SH
»Howard« by Bok Bok
taken from his upcoming album »Your Charismatic Self«, out May 26th on Night Slugs
find it at hhv.de on Doppel-LP
Der Ausklang fühlt sich für mich seit Wochen falsch an. Weil ich an einem Freitag einen Song vergessen habe, der nicht nur in dieser Woche einer meiner Lieblingssongs war, sondern es immer noch ist. Die Rede ist von »Melba’s Call« Das ist Klongkrieger-Funk von Bok Bok künstlich befruchtet und doch ungeheuer lebendig, und das Ganze besungen mit Kelela’s R&B. Ich nutze jetzt die Chance, Frieden zu schließen, indem ich »Howard« hier reinhole. Der kommt zwar nicht mit Kelela, sondern mit Vocal-Sample, glänzt aber ansonsten mit dem gleichen Soundbild wie schon »Melba’s Call«, dem dieser Eintrag eigentlich gewidmet ist. PK
»Whole Lotta Love (Keith Fullerton Whitman Reproduction)« by Led Zeppelin
Keith Fullerton Whitman ist ein Getriebener. Seine Discographie zählt 50 Releases oder mehr. Da sind die Veröffentlichungen, die er unter seinen 15 Pseudonymen tätigte, noch gar nicht mitgezählt. In seiner »Freizeit« legt Keith Fullerton Whitman in letzter Zeit Hand an ausgewählte Werke der Musikgeschichte. Michael Jackson, Cyndi Lauper, Snap, C+C Music Factory, Barry White oder Stevie Wonder wurden so bereits in ihre musikalischen Einzelelemente zerlegt und anhand kompliziert errechneter Algorithmen wieder zusammengesetzt. Diese Woche war neben James Blake auch Led Zeppelin dran. Einfach mal anhören. SH
»Whistling (MNLF)«
taken from the Compilation »Music From The Mountain Provinces«, out July 15th on Numero Group
Wie war das noch gleich bei Monty Python: »Cheer up, Brian. You know what they say: Some things in life are bad. They can really make you mad. Other things just make you swear and curse. When you’re chewing on life’s gristle, don’t grumble; give a whistle, and this’ll help things turn out for the best.« Na dann: Schönes Wochenende. SH