Music Review | verfasst 30.03.2018
Various Artists
Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991
Music From Memory, 2018
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
8.6
Redaktion
Cover Various Artists - Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991

Nightfall in Camp? Violet Eves? Nonobstant? Bekannte Namen, anyone? Für den Verfasser dieses Texts waren sie das nicht, bis das Amsterdamer Label Music From Memory mit der Compilation »Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991« vorbeikam und für einen Ehrfurchtsschock sorgte. Pop aus den 1980er Jahren – und kaum ein vertrauter Name! Was allerdings auch ein bisschen die Absicht hinter dieser gemeinsamen Auswahlarbeit des französischen Vinyl-Archivars Raphaël Top-Secret und des Labelmitbetreibers Jamie Tiller war. Gezeigt werden soll abenteuerlustiger Pop wie der von Steve Beresford, aber eben auch Projekte aus Europa, die über ein oder zwei Alben selten hinausgingen, manchmal findet man von den Künstlern, etwa bei Nonobstant mit ihrem diskret-reduzierten Groove, gerade mal exakt den einen Titel von dieser Zusammenstellung. Das mit dem Pop sollte man dabei ernst nehmen. Meistens fließen die Stücke ruhig vor sich hin, harmonisch, nicht zwingend besonders elektronisch, dafür mit leichtem Swing, lateinamerikanischen Einflüssen. Das Beiläufige, Vorbeischlendernde ist für diesen Abweichler-Pop, vorwiegend von der musikalischen Peripherie, wichtiger als die Ohrwurm-Hirnsäge. Manches hat den Charme des Dilettantischen wie das mit unbekümmert verwackelten Rhythmen aufwartende »Nach Dienst« des musikalisch ansonsten wohl nicht weiter in Erscheinung getretenen Trios Wolfgang Klingler, Thomas Heimes und Hans Christian Mittag. Mehr Präzision dafür bei den von Disco und Funk beeinflussten Nummern auf Drumcomputerbasis. Beeindruckende Schau einer, hm, alternativen Geschichte des europäischen Pop. Wenn man dieses Jahr eine Entdeckung machen möchte, hier ist die Gelegenheit.

Die Compilation »Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991« findest du bei hhv.de: Vinyl 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.03.2018
Prins Emanuel
Arbete / Fritid
»Arbete / Fritid« von Prins Emanuel, erstmals 2016 erschienen, ist ein über allen Maßen rundes Statement.
Music Review | verfasst 15.05.2018
Michal Turtle
Return To Jeka
Music From Memory entstaubt zum dritten Mal Teile des Michal Turtle-Archivs. Musste vielleicht gar nicht mal sein.
Music Liste | verfasst 10.07.2017
Halbjahresrückblick 2017
Best Organic Grooves so far
Das Jahr ist noch halb leer, aber schon vollgepackt mit super Releases. Wir haben grob in vier Genres aufgeteilt, je 20 Platten. Hier unsere Lieblinge aus dem Bereich Organic Grooves.
Music News | verfasst 08.05.2018
Kuniyuki Takahashi
Zweiter Teil: »Early Tape Works 1986-1993«
Mit »Early Tape Works 1986-1993 Vol.2« setzt das Label Music From Memory die Aufarbeitung früher Arbeiten des elektronische Musik produzierenden Japaners Kuniyuki Takahashi fort.
Music Review | verfasst 14.09.2011
Zwanie Jonson
I'm A Sunshine
Gelbes Glück in Zeiten der Leuchtstofflampe! Zwanie Jonson übt sich in Melodienseligkeit und feilt an seinem lässigen Hochglanz-Pop.
Music Review | verfasst 12.10.2011
Lana del Rey
Video Games/Blue Jeans
Bevor es richtig losgeht und im Februar das Debütalbum erscheint, gibt’s jetzt die erste Doppelsingle von Lana del Rey.
Music Review | verfasst 11.11.2011
Dillon
This Silence Kills
Das überraschendste BPitch Control-Release des Jahres. Statt Electronica präsentiert Dillon beste Popmusik á la Feist.
Music Review
Malör
Bali
Das Lied zur Lage kommt aus dem Jahr 1985. Er stammt von Malör, deren Song »Bali« neu aufgelegt wurde.
Music Review
Driftmachine
Shunter
Driftmachine saugen auf ihrem vierten Album dem Dub das Blut aus und legen mit »Shunter« ein Album hin, das dramaturgisch ausgefeilt ist.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Transllusion
A Moment Of Insanity
Gewohnt unberechenbar in der Wirkung, kommen jetzt »Moments Of Insanity« von James Stinson als Transllusion zum Vorschein.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.
Music Review
Onyx
Complete Works 1981–1983
Flanger-heavy Shit aus den 80igern, cooler als alles sonst! Post-Punk, New Wave, Digi Dub, nur gut.
Music Review
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Auf seinem zweiten Album regelt DJ Richard die Farbwerte noch weiter runter und tut vor allem eins: Haltung bewahren.
Music Review
Melody's Echo Chamber
Bon Voyage
Auch mit »Bon Voyage« spinnt Melody’s Echo Chamber an den Fäden der Musikgeschichte weiter, die Broadcast und Stereolab haben liegen lassen.
Music Review
CEM3340
Perfect Stranger
CEM3340 orientiert sich auf »Perfect Stranger« am Detroiter Electro der 1980er Jahre und setzt diesen in einen zeitgenössischen Kontext.
Music Review
Various Artists
Boombox 3
Am frühen Rap kann man sich so schlecht satthören: »Boombox 3« beweist das wieder einmal eindrucksvoll.
Music Review
Richard Wahnfried
Time Actor
Der Synthesizerkönig der Berliner Schule Klaus Schulze trat mit »Time Actor« 1979 erstmalig als Richard Wahnfried in Erscheinung.
Music Review
Colin Potter
The Where House?
Ein bisschen Cabaret Voltaire-Kaputtheit schwingt mit: Zur Reissue des zuerst 1981 veröffentlichten »The Wehre House?« von Colin Potter.
Music Review
RSF
RSF
RSF macht seine Sache so gut, dass man ihm praktisch alles abkaufen würde: Flirren, Sprudeln, Strahlen, Italo-Disco oder Synthie-Pop.
Music Review
Delroy Edwards
Aftershock
Roh, perkussiv, loopy: »Aftershock« bedient zumindest das für Delroy Edwards typische Understatement und ist ein prima DJ-Tool.
Music Review
Royce Da 5'9
Book Of Ryan
»Book Of Ryan« von Royce Da 5’9 lebt von episch auserzählten Erinnerungen und strotzt vor Reife und Selbstreflektion.
Music Review
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Kendrick Lamars Zerrissenheit passt nicht zu den Heldenphantasien von »Black Panther«.
Music Review
Route 8
Come Home – 12"
Mit »Come Home« darf der ungarische House-Producer Route 8 die 50. Katalognummer des Labels Lobster Theremin bespielen.
Music Review
Lena Platonos
Lepidoptera
Lena Platonos ist eine Entdeckung. Jetzt hat Dark Entries mit »Lepidoptera« aus dem Jahre 1986 eine weitere Platte der Griechin aufgelegt.
Music Review
Oneohtrix Point Never
Age Of
Auf seinem neuen Album als Oneohtrix Point Never, »Age Of«, macht Daniel Lopatin jetzt Pop. Jetzt können wir alle einpacken.
Music Review
Sebb Bash
Imports
Auf çImports«, dem überhaupt ersten Streich des Beatmakers Sebb Bash, findet zusammen, was irgendwann über Breaks zusammenfinden muss.
Music Review
Nexda
Words & Numbers
Beste Reissue meines Lebens. Lass’ es auch dein Leben sein. Choose Nexda, choose life! P.S: Tod dem Bundesliga-Dino!
Music Review
Abul Mogard
Works
»Works«** ist eine Sammlung von Stücken des serbischen Komponisten Abul Mogard, die bislang nur auf Kassetten erschienen sind.
Music Review
Shy Layers
Midnight Marker
Mit »Midnight Marker« beweist Shy Layers, dass es Tiefe auch bei so etwas wie polierten Oberflächen geben kann.
Music Review
Westside Gunn x Mr. Green
FLYGOD Is Good… All The Time
Auf »FLYGOD Is Good… All The Time« hat sich Westside Gunn mit Mr. Green zusammengetan. Das Prinzip heißt hier: weniger ist mehr.
Music Review
Eleventeen Eston
At The Water
Growing Bin veröffentlicht »At The Water« von Eleventeen Eston und macht sich weiter einen Namen für plätschernde, schöne, freie Musik.
Music Review
The Nels Cline 4
Currents, Constellations
Nels Cline wird seinen Ruf als »gefährlichster Gitarrist der Welt« auf »Currents, Constellations« endlich wieder gerecht.
Music Review
Luis Pérez
Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna
Was Mr. Bongo hier neuaufgelegt hat, ist das Zeug, das einen zu einem besseren Mensch macht.
Music Review
Courtney Barnett
Tell Me How You Really Feel
Courtney Barnett stellt auch auf ihrem zweiten Album »Tell Me Who You Really Are« die richtigen Fragen zu den wichtigen Themen.
Music Review
Gas
Rausch
Mit »Rausch« bewegt sich Wolfgang Voigt mehr denn je auf der Kippe. Dabei herausgekommen ist das wohl beste Gas-Album überhaupt.
Music Review
The Sea And Cake
Any Day
Was ist schon daran auszusetzen, wenn eine Band einen Stil entwickelt und diesen perfektioniert? Zum neuen Album von The Sea And Cake.
Music Review
Bebo Baldan
Vapor Frames 86/91
»Vapor Frames 86/91«, das 1991 veröffentlichte Debüt von Bebo Baldan, ist eine Form von global entspanntem Ambient.
Music Review
A.A.L. (Against All Logic)
2012-2017
Unter dem Alias A.A.L. (Against All Logic) lässt Nicolas Jaar die Ambitionen mal sausen. »2012-2017« möchte gerne gefallen.
Music Review
Michal Turtle
Return To Jeka
Music From Memory entstaubt zum dritten Mal Teile des Michal Turtle-Archivs. Musste vielleicht gar nicht mal sein.
Music Review
Donato Dozzy
Mindless Fulness – 12"
Schweben war selten schöner als mit der zwei Track starken Vinyl 12" »Mindless Fulness« von Donato Dozzy.
Music Review
Arctic Monkeys
Tranquility Base Hotel & Casino
Mit den Arctic Monkeys von 2006 hat »Tranquility Base Hotel & Casino« nicht mehr viel gemein. Das macht aber rein gar nichts.
Music Review
Joy O & Ben Vince
Transition 2/Systems Align – 12"
Für die Vinyl 12" »Transition 2/Systems Align« auf Hessle Audio hat sich Joy Orbison mit dem Saxophonisten Ben Vince zusammengetan.
Music Review
Various Artists
Yoruba!
Auf »Yoruba!« stellt schon der Titel klar, dass Gotteslob nicht nur spirituellen Gesang, sondern auch den Griff zur Trommel verlangt.
Music Review
Various Artists
Heads Records - South African Disco Dub Edits
Mit »Heads Records – South African Disco Dub Edits« wirft Soundway einen weiteren Blick auf die südafrikanische Musik der 1980er Jahre.
Music Review
Evo
Din Don
DJ Harvey hat das Club-Juwel »Din Don« von Evo aus dem Jahre 1983 für Best Record Italy wiederentdeckt.
Music Review
Various Artists
Ed Motta presents Too Slow To Disco Brasil
Als Käpt’n der jüngsten Ausgabe von »Too Slow to Disco« zeigt Ed Motta, wie die zurückgelehnten Funk-Momente seiner Heimat funktionieren.