Music Review | verfasst 15.05.2018
Michal Turtle
Return To Jeka
Music From Memory, 2018
Text Philipp Kunze
Deine Bewertung:
/
Nutzer
6.5
Redaktion
Cover Michal Turtle - Return To Jeka

Uuuund noch mehr exotische Flora/Fauna-Sounds, die in einem europäischen Schlafzimmer produziert wurden. Könnte man nach dem Intro direkt so abtun. Aber die trockenen Fakten first: Music From Memory hat weiter in den Archiven von Michal Turtle gegraben und veröffentlicht mit »Return To Jeka« zwischen 1983 und 85 entstandenen Home Recordings. Der dritte Turtle-Release auf dem Label. Der ist dann zum Glück doch mehr als allzu geschmackssicherer Käse für die immer hungrigen Digger-Mäuse. Dafür ist Michal Turtles Sound zu fordernd, zu kompliziert, wer sich ein paar mal von vorne bis hinten durch »Phantoms Of Dreamland« gekämpft hat, weiß das. Ein Song bricht mit der Stimmung des anderen, alles kann von totaler Hibbeligkeit in unterzuckrige Drögheit kippen, in ein paar holprigen Herzschlägen. Bla-Bla-Bla-War-Da-Was?-Balearic, seifiger Fourth-World-Kitsch und weirde Gürteltierl-Percussion-Songs. Alles ein bisschen viel auf einmal. Immerhin nicht lame. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: sind nicht manche Dinge deswegen ARCHIVIERT worden, weil für mehr die Qualität einfach nicht gereicht hat? Es mag unfair sein, das gerade hier zu fragen, es wurden schon wesentlich bedeutungslosere Sachen entstaubt. Aber MFM zeichnete sich bislang als nerdiges Liebhaber-Label aus, das geduldig immer neue Schätze zu Tage forderte. Man hat sich selbst die Messelatte sehr hochgelegt, dieser Release fällt deutlich drunter.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.03.2018
Prins Emanuel
Arbete / Fritid
»Arbete / Fritid« von Prins Emanuel, erstmals 2016 erschienen, ist ein über allen Maßen rundes Statement.
Music Review | verfasst 30.03.2018
Various Artists
Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991
Beeindruckende Schau einer, hm, alternativen Geschichte des europäischen Pop: »Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991«.
Music Review | verfasst 10.08.2018
Orquesta De Las Nubes
The Order Of Change
Music From Memory veröffentlicht mit »The Order Of Change« minimalistische Musik der 1980er Jahre von Suso Saiz’ Orquesta De Las Nubes.
Music Review | verfasst 18.09.2018
Richenel
Perfect Stranger
Sieht ein aus wie Prince, klingt auch ein bisschen so. Music From Memory veröffentlicht Material des Musikers Richenel.
Music Review | verfasst 29.10.2018
G.B. Beckers
Walkman
Günther Beckers ist eigentlich bildender Künstler, was in seinem Kunstverständnis Musik mit einschließt.
Music Review | verfasst 05.12.2018
Garrett
Private Life II
Flächiger, verspielter, ein bisschen mehr Jazz liefert Dâm-Funk unter dem Pseudonym Garrett auf seinem Album »Private Life II«.
Music Review | verfasst 15.03.2019
Jonny Nash
Make A Wilderness
Der Titel »Make A Wilderness« ist ziemlich souverän gewählt. Die Musik von Jonny Nash ist ein unendlicher offener Raum.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Review
Grup Doğuş
Grup Doğuş
Grup Doğuş wurde von der Bühne weggesignt, nahmen ein Tape auf und gerieten in Vergessenheit. Der deutschen Rockszene entging damit etwas.
Music Review
Ezra Furman
Twelve Nudes
»The songs are naked with nothing to hide.« Ezra Furman ist auf »Twelve Nudes« so geradeaus wie nur selten zuvor.
Music Review
X.Y.R.
Robinson Crusoe
Soundtrack für den Cocktail-Kater: 2012 nur auf Tape erschienen, erhält »Robinson Crueso« von X.Y.R. nun eine Vinylversion.
Music Review
Saint Petersburg Disco Spin Club
Live Sessions Vol.2
Kito Jempere hat ein neues Darling: Saint Petersburg Disco Spin Club. Die »Live Sessions Vol.2« sind bei Emotional Response erschienen.
Music Review
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Hinter Blanck Mass steckt Fuck Buttons’ Benjamin John Power. Sein »Animated Violence Mild« kann unglaublich nerven oder pervers mitreißen.
Music Review
Gökçen Kaynatan
Cehennem
1973-1975 verarbeitete Gökçen Kaynatan mit einem EMS Synthi AKS sein körperliches Leid. Das dabei entstandene Album erscheint erst jetzt.
Music Review
Alexander Tucker
Guild Of The Asbestos Weaver
»Guild Of The Asbestos Weaver« von Alexander Tucker ist ein absolutes rundes Ding. Große Wellen schlagen wird es trotzdem nicht.
Music Review
Alphonse
Stolen Sunrise
Die Sonne scheint jetzt immer. Auch auf dem Dancefloor. »Stolen Sunrise« von Alphonse ist deshalb eine der Platten der Stunde.
Music Review
Dazion
A Bridge Between Lovers
Sommerliche Töne sind auf »A Bridge Between Lovers«, dem neuen Release von Dazion zu hören, der soeben bei Second Circle erschienen ist.
Music Review
Kosh
Vicious Love
Kosh, der derzeit gehypteste Export aus Marokko seit Nanaminze, Haschisch und Bibelfilmen, fackelt auch auf »Vicious Love« nicht lange rum.
Music Review
Die Höchste Eisenbahn
Ich Glaub Dir Alles
Allerhöchste Eisenbahn! Mit »Ich Glaub Dir Alles« ist das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn endlich erschienen.
Music Review
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Neu gemastert und mit einer zweiten Platte mit neuen Songs bestückt wurde das tolle »Apollo« von Brian Eno aus dem Jahr 1983 neu aufgelegt.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.
Music Review
J.Derwort
Bamboo Music
Jacobus Derwart von The Chi Factory hatte in den späten 1980er Jahren mit Bambusflöten und Zweispurrekorder »Bamboo Music« aufgenommen.
Music Review
Shakti
Verboden Dromen
Aus den Hochzeiten der belgischen Clubkultur der 1980er Jahre kommt »Verboden Dromen« von Shakti, den Stroom wieder verfügbar gemacht hat.
Music Review
Biochip
Synthase
Das kanadische Duo Biochip debütiert mit »Synthase« auf Albumlänge auf Central Processing Unit.
Music Review
Why?
AOKOHIO
Psych Pop zwischen verschroben und hymnisch, mal kryptisch verklausuliert, mal mit der emotionalen Dampfwalze von Befindlichkeitsnudisten.
Music Review
Dots (Atom TM)
Dots
1994 nur auf CD erschienen, wird »Dots« nun via Astral Industries erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Tim Jackiw
Many Moons
Zwischen 1995 und 1998 hat Tim Jackiw in Adelaide auf seinem Amiga 500 Tracks produziert, die jetzt als »Many Moons« veröffentlicht wurden.