Music Review | verfasst 01.05.2018
Christopher Rau
F.M.E. Hustle
Money $ex, 2018
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.1
Redaktion
Cover Christopher Rau - F.M.E. Hustle

Als Produzent stand Christopher Rau schon immer mit einem Bein in Chicago und mit dem anderen in Detroit. Von rechts werden Ärsche zum Tanzen getreten, mit dem linken wird Stellung bezogen, soll heißen Haltung angenommen. Doch innerhalb der beachtlichen Diskografie des Wahlberliners geht noch mehr als jackendes Understatement: slicker Minimal House mit Kölsch im Blut, an den Hip Hop-Wurzeln gegriffener Electro, Dialsche Waterkantmelancholie oder verkiffte Hardware-Jams für Space Invaders finden sich darin zuhauf. So auch auf »F.M.E. Hustle«, Raus erstem Album seit »Two« für das Hamburger Plattenlabel Smallville, deren Just von Ahlefeld auf dem Eröffnungstrack zu hören ist. Zwischen plinkernden Synthiekaskaden und einer butterweichen Bassline erdröhnt nur kurz ein verzerrtes Vocal, das war’s. Rätselhaft, roh und schön. Der Rest fällt wortlos und umso aussagekräftiger aus: »Utoplateau« setzt einen bockigen Deep House-Groove gegen wirbelnde Ambient-Loops, »Draulic Drone« macht mit einer tänzerischen Melodie auf einem rummsenden Rhythmus den Weg für die Boom Bap-Referenzen im Mittelteil frei, bevor Rau auf der zweiten 12" des Doppelpacks wieder den House-Floor ansteuert: »Uebelst Bekorbt (House Mix)« bringt die richtige Mischung aus Schnickschnacklosigkeit und irrlichternden Soundspielereien, »Lodjec« scheint mit seinen vermurmelten Feldaufnahmen eine kleine Hommage an Office Recordings-Chef Baaz zu sein und »Drama – Chamber« ist genau der richtige Track für die Sommersonntage, wenn der Kopf schon nicht mehr kann und der Körper noch durch die Afterhour durchmuss. Das ist viel auf einmal, wird von Rau aber in konsequente Form gebracht und endet ebenso enigmatisch, wie es begonnen hat: mit einer verhallten Soundskizze, die mehr Fragen und noch mehr Lust auf überhaupt viel mehr zurücklässt.

Das Album »F.M.E. Hustle« von Christopher Rau findest du bei hhv.de: 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.08.2016
C.A. Ramirez & Tito Wun
Money $ex 7" 02
Eine wiederentdeckte Minidisc aus prä-Y2K-Panik-Zeiten? Wer’s glaubt… C.A. Ramirez und Tito Wun aber stehen auf Kauzigkeiten.
Music Porträt | verfasst 26.05.2016
Max Graef
Smooth Operator
»Ist einfach nicht so meine Welt, arbeiten mit geregelten Zeiten«, erklärt uns Max Graef den Fakt, dass er nicht mehr einmal die Woche im Plattenladen aushilft. Lockerer Typ. Sein Album mit Glenn Astro erscheint morgen – und hat Drive.
Music Review | verfasst 09.09.2016
Gerry Franke
Freak's Brew
Beim Vater von Max Graef ist der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen. Auf »Freak’s Brew« erlebt Gerry Franke eine Renaissance.
Music Review | verfasst 08.12.2016
Knowsum
Play God And Shit Happens
Knowsums Gastspiel bei Money $ex Records ist von ungezügelter Spielfreude, ein assoziativer Bewusstseinsstrom, geradlinig obwohl abwegig.
Music Review | verfasst 12.01.2017
Torben Unit
Torben Unit
Irgendwann jammten ein paar Berliner House-Producer auf ihren Instrumenten und gründeten eine Band. Jetzt wird aus dem Spaß-Projekt Ernst.
Music Review | verfasst 01.10.2010
Urban Tribe
Urban Tribe
Niemand geringeres als Sherard Ingram, Carl Craig, Anthony »Shake« Shakir und Kenny Dixon Jr stehen Pate für dieses unter dem Namen Urban Tribe fungierendes Release.
Music Review | verfasst 29.09.2010
Tom Clark
Pressure Points
Mit seinem neuen Album hat sich Tom Clark vorgenommen, auf den aktuellen, typischen Club-Sound, der ihn im E-Werk, Tresor und Watergate zum Resident-DJ machte, zu verzichten.
Music Review
Various Artists
Mogul 4
Langsam muss man sich fragen, was denn im Rheinwasser steckt: Zur Compilation »Mogul 4« auf Themes For Great Cities.
Music Review
Jess Sah Bi & Peter One
Our Garden Needs Its Flowers
In einer noch zu schreibenden Geschichte der Country-Musik in Afrika müsste »A Garden Needs Its Flowers« ein ganzes Kapitel bekommen.
Music Review
Gyedu-Blay Ambolley
Gyedu-Blay Ambolley
Lange schwer erhältliche Musik von Gyedu-Blay Ambolley, dem »Godfather des Hiplife«, wurde jetzt von Analog Africa wieder verfügbar gemacht.
Music Review
Orquesta De Las Nubes
The Order Of Change
Music From Memory veröffentlicht mit »The Order Of Change« minimalistische Musik der 1980er Jahre von Suso Saiz’ Orquesta De Las Nubes.
Music Review
Curren$y & Harry Fraud
The Marina EP
Viel denken darf man auf »The Marina EP« nicht. Die Beats von Harry Fraud trösten jedenfalls über manche Plattitüde von Curren$y hinweg.
Music Review
Emilio Santiago
Emilio Santiago
Die Música Popular Brasileira passt eigentlich immer. Und mit einem Sänger wie Emilio Santiago kann man sich fast den Urlaub sparen.
Music Review
Andy Compton / Shamrock
Bunny Cow
Andy Compton, nimmermüder Musikproduzent aus Bristol trifft auf »Bunny Cow« auf die südafrikanischen Msiker Shamrock und Bongani.
Music Review
Danny Russell & Dirty Channels / Frazelle
Watchin Out/Today Is the Day (Linkwood Chop)
Athens Of The North wagen sich mit dieser Vinyl 12" erstmals an House. Zumindest auf der A-Seite.
Music Review
Ingus Baušķenieks
Spoki
Stroom holt den nächsten Letten aus der Schublade: Die Soundästhetik von Ingus Baušķenieks auf »Spoki« wirkt fremd und ist deshalb so gut.
Music Review
Various Artists
Serge Gamesbourg presents Boston Goes Disco!
Was haben Disco und das für seine hochkarätigen Jazzabsolventen bekannte Berklee College miteinander zu tun? »Boston Goes Disco!« verrät es.
Music Review
Tunde Mabadu
Viva Disco
Mr Bongo veröffentlichen mit »Viva Disco« von Tunde Mabadu etwas weniger bekannten Afrobeat aus Nigeria.
Music Review
Cecil Mc Bee
Mutima
Everland Jazz legt »Mutima«, das Debüt des Jazzpianisten Cecil McBee aus dem Jahre 1974 wieder auf.
Music Review
Ground
Sunizm
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Auf ESP Institute erscheint »Sunizm«, das kurzweilige Debüt des Japaners Ground.
Music Review
Giant Swan
High Waisted
Giant Swan flexen mit »High Waisted« die Muskeln und beweisen viel Muckertum, gut geht das aber nur auf zwei der vier Tracks.
Music Review
Sichtexot Gäng
SXT Rawtakes III
»SXT Rawtakes III«, das sind garantiert unberechenbare lyrische Bonmots zwischen Booms Baps jener Sorte, bei denen es schön staubt.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride Vol.2
Ein weiterer Beitrag für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Rastafarianismus und Clement »Sir Coxson« Dodds Studio One.
Music Review
Nigeria Fuji Machine
Nigeria Fuji Machine
Mit diesem Album schließen Soul Jazz Records an die vor kurzem erschienene Compilation »Yoruba!« mit geistlicher Musik aus Nigeria an.
Music Review
Grandmilly & Shozae
Adventureland
Nun endlich ist das Debüt von Grandmilly & Shozae, »Adventureland« erschienen – und zwar auf Peanut Butter Wolf’s Stones Throw Records.
Music Review
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.
Music Review
John Coltrane
Both Directions At Once: The Lost Album
Durch das wiederentdeckte »Both Directions At Once: The Lost Album« ist das Schaffen von John Coltrane um ein großes Album reicher geworden.
Music Review
Princess Nokia
A Girl Cried Red – EP
Auf »A Girl Cried Red« der neuen EP der New Yorker Musikerin Princess Nokia gibt es tiefe Einblicke in eine verletzte Außenseiterseele.
Music Review
Donald Byrd
Love Has Come Around – 12"
Groovin hat die beiden Nummern »Love Has Come Around« und »I Feel Like Loving You Today« von Donald Byrd wiederveröffentlicht.
Music Review
Florence & The Machine
High As Hope
Mit »High As Hope« begreift die Welt nun endlich, warum sie Florence & The Machine schon seit gut zehn Jahren an den Lippen hängt.
Music Review
Equip
I Dreamed Of A Palace In The Sky
Auf »I Dreamed Of A Palace In The Sky« erweckt Equip mit Sounds aus Videospielen, New Age, Filmmusik der Achtziger nostalgische Gefühle.
Music Review
Daniel Bacalov
1984/5: Il Ladro Di Anime / Diario Segreto Contraffatto
Zwischen akademischer Strenge und instrumentalem Pop: Die ersten beiden Alben von Daniel Bacalo wurden wiedderveröffentlicht.
Music Review
A-Team
Trouble
Für ihre wohl einzige Nummer vertraute sich das A-Team Mad Professor an. Das Ergebnis, »Trouble«, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Project Pablo
Come To Canada You Will Like It
Mit »Come to Canada You Will Like It« hat Project Pablo eine Schallplatte mit frühen Aufnahmen veröffentlicht.
Music Review
Artis
Caecilia
»Caecilia« ist die phantasievolle und spielfreudige Debüt-EP eines geheimnisvollen Producers namens Artis.
Music Review
Jenny Hval
The Long Sleep EP
Mit »The Long Sleep EP« entfernt sich Jenny Hval vom hauntologisch aufgeladenen Sound von »Blood Bitch«.
Music Review
Various Artists
Check Your Reality
Das Düsseldorfer Label candomblé legt eine Nachpressung der tollen Compilation »Check Your Reality« vor.
Music Review
Mndsgn
Snax
Mndsgn sendet mit »Snax« ein 15 Tracks starkes Lebenszeichen. Im Gegensatz zu »Body Wash« arbeitet der Producer hier mehr mit Raps.
Music Review
Liza Ngwa
Sunshine
Nubiphone veröffentlicht das zuerst 1980 erschienene, zweite Album der kamerunischen Sängerin Liza Ngwa erneut.
Music Review
Black Savage
Black Savage
Black Savage aus Kenia haben in den 1970er Jahren nur eine Hand voll Songs veröffentlicht. Jetzt werden sie wiederveröffentlicht.
Music Review
MC Paul Barman
(((Echo Chamber)))
MC Paul barman hat den »Anarchist Book Store« verlassen und bringt nach neun Jahren Alben-Abstinenz die LP »(((Echo Chamber)))« heraus.
Music Review
Kate NV
для FOR
Ihr zweites Soloalbum hat die Russin Kate NV bei Rvng Intl veröffentlicht. »для FOR« setzt auf verspielten Minimalismus.
Music Review
Malör
Bali
Das Lied zur Lage kommt aus dem Jahr 1985. Er stammt von Malör, deren Song »Bali« neu aufgelegt wurde.
Music Review
Driftmachine
Shunter
Driftmachine saugen auf ihrem vierten Album dem Dub das Blut aus und legen mit »Shunter« ein Album hin, das dramaturgisch ausgefeilt ist.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Transllusion
A Moment Of Insanity
Gewohnt unberechenbar in der Wirkung, kommen jetzt »Moments Of Insanity« von James Stinson als Transllusion zum Vorschein.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.