Music Review | verfasst 14.05.2018
Joy O & Ben Vince
Transition 2/Systems Align – 12"
Hessle Audio, 2018
Text Felix Hüther
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.4
Redaktion
Cover Joy O & Ben Vince - Transition 2/Systems Align – 12"

Es gibt kaum ein Instrument, das so sehr mit dem Terminus Kitsch behaftet ist wie das Saxophon. Auch innerhalb der elektronischen Musik ließen sich etliche Exempel dafür anführen, wie sehr dessen Verwendung mit Vorsicht zu genießen ist. Umso erstaunlicher mag daher auf den ersten Blick die Zusammenarbeit von Joy Orbison und dem Saxophonisten Ben Vince auf Hessle Audio sein, war das Saxophon sonst doch vornehmlich Garage-House sowie Deep-House Schmusehymnen vorbehalten. Die beiden vorliegenden Tracks sind das Ergebnis gemeinsamer Studiosessions in denen Ben Vince, ansonsten im Avantgarde-Jazz verortet, seinem musikalischen Ansatz einen danceflooraffinen Rahmen überstülpt. Joy Orbison griff diese Aufnahmen sowie bereits existierende Recordings von Vince auf und zurrte sie über zwei klassischen UK-Bass Hybriden zurecht. Auf der vergleichsweise housigen A-Seite gelingt der Spagat zwischen den für UK-Bass typischen Tribal-Elementen und den zurechtgestutzten Free-Jazz Einlagen. Anstatt eines funktionalen Tools entwickelt sich hier ein Jam-Charakter, der an den Vibe der DJ-Sets von Floating Points erinnert. Das Stück der breakigen und technoideren B-Seite wird in drei Akten erzählt. Zunächst wäre da der ähnlich wie auf der A-Seite umgesetzte Free Jazz, der ab dem Mittelpart hinter einem Techno-Synthloop zurücksteckt. Im letzten Part wird der Loop um einige mit Bedacht gewählte Saxophon-Schnipsel ergänzt, die sich stimmig ins Klangbild einfügen. »Systems Align« ist auch wegen des Saxophons ziemlich trippy. Gleichzeitig kann Ben Vince hier nicht die gleichen Impulse setzen wie auf der A-Seite, da das Grundgerüst von Joy Orbison sich bereits wie ein fertiger Track anfühlt.


Ben Vince hat übrigens 10 aktuelle Lieblings-Schallplatten aus unserem Sortiment gewählt. Kannst du bei uns im Webshop ansehen.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 23.03.2011
Joy O
Wade In / Jels
Ein weiterer Dubstepper setzt auf das Piano: Joy Orbinson meldet sich mit einer neuen Single zurück.
Music Porträt | verfasst 04.03.2010
Joy Orbison
Messing With Your Emotion
Mit Joy Orbison ist ein weiterer britischer Jungspund, der die Welt der elektronischen Musik aufrüttelt, entdeckt.
Music Kolumne | verfasst 03.04.2011
Zwölf Zehner
März 2011
Der März ist um, es lebe der März. Florian Aigner und Paul Okraj lassen den Monat März Revue passieren und destillieren in der neuen Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Liste | verfasst 16.11.2011
Voltron
DJ Charts
Für unsere DJ-Charts haben sich die Belgier Voltron trotz eines gut gefüllten Terminkalenders die Zeit gefunden, in mühevoller Kleinarbeit 10 Tracks herauszusuchen, die sie derzeit am meisten beschäftigen. Oder waren es elf?
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 15.04.2010
Ramadanman / Midland
Your Words Matter / More Than You Know
Die beiden Briten Ramadanman und Midland haben auf Aus Music eine gemeinsame Split-Single veröffentlicht, die aufhorchen lässt.
Music Review | verfasst 18.03.2011
Pangaea
Inna Daze / Won't Hurt
Hölzerne Drums, dumpfe Kicks, unheilvolle Synthies: Pangaea lädt in seine Parallelwelt ein.
Music Review
Hia / Biosphere
Polar Sequences
Das 1996 veröffentlichte Album »Polar Sequences« von Hia und Biosphere ist keine Ambient-LP: Statt abschalten heißt es hier eintauchen.
Music Review
Vladimir Tarasov
Atto IV
1990 noch in der ehemaligen Sowjetunion eingespielte Aufnahmen von Vladimir Tarasov wurden jetzt als »Atto IV« wiederveröffentlicht.
Music Review
Asnakech Worku
Asnakech
Aus der Vielzahl der inzwischen gehobenen Schätze äthiopischer Musik sticht dieses 1975 von Asnakech Worku aufgenommene Album heraus.
Music Review
Machinefabriek
With Voices
Auf über hundert Releases hat Machinefabriek bisher kaum mit Stimmen gearbeitet. Auf »With Voices« mit kaum etwas anderem.
Music Review
C.A. Quintet
Live Trips 1971
Fans und Sammlern von 60s Psychedelic Rock kommen an C.A. Quintet und auch nicht an ihren Konzertmitschnitten auf »Live Trips 1971« vorbei.
Music Review
Toro y Moi
Outer Peace
Extrem poliert: Mit »Outer Peace« gibt Toro y Moi seinen Metakommentar zur heutigen Aufmerksamkeitsökonomie ab.
Music Review
Commodo
Rikers – 12"
Commodo ist einer der Protagonisten einer Szene, die dem Genre Dubstep wieder auf die Sprünge helfen wollen. »Rikers« zeigt wie.
Music Review
Pom Pom
Untitled II
Wer steckt hinter Pom Pom? Keine Ahnung. Doch eines wissen wir: »Untitled II«, soeben auf A-Ton erschienen, ist sensationell gut.
Music Review
Ry-Co Jazz
Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz
Radio Martiko legt mit »Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz« zwischen 1961 und 1966 entstandene Musik der Kongolesen Ry-Co Jazz neu auf.
Music Review
Purple Image
Purple Image LP
1968 war von afroamerikanischen Bands gespielter psychedlischer Rock eher die Ausnahme. Purple Image waren so eine Ausnahmeerscheinung.
Music Review
Hedvig Mollestad Trio
Smells Funny
Wer die Bands von Nels Cline oder Ava Mendoza schätzt, kommt an »Smells Funny«, dem sechsten Album des Hedvig Mollestad Trios kaum vorbei.
Music Review
Submersion & mon0
Unison // Einklang
»Unison // Einklang« von Submersion & mon0 ist ein überzeugendes Plädoyer dafür, dass man mit Weglassen sehr viel erreichen kann.
Music Review
Kali Bahlu
Cosmic Remembrance
Kali Bahlus »Cosmic Remembrance« aus dem Jahre 1967 ist eine kluge, verschlüsselte Parabel ihrer Zeit, die man nur im Rausch rafft.
Music Review
Foodman
Moriyama
Die Tracks auf Foodman’s »Moriyama« existieren in einem Reich, in dem weder Clubregeln noch Ambient-Ruheraum-Gepflogenheiten herrschen.
Music Review
Heinrich Dressel
Lost In The Woodland
Mit »Lost In The Wood« ist Heinrich Dressel ein dichtes Geflecht aus us Arpeggien, Akkorden, Melodien und Naturgeräuschen gelungen.
Music Review
As Longitude
That's When The Animals Turned Into Humans
As Longitude heißt das Projekt von Eva Geist und Laura ODL. Ihre Vinyl 12" »That’s When The Animals Turned Into Humans« ist nun erschienen.
Music Review
Mark Barrott
Nature Sounds Of The Balearics
Es darf wieder geschwooft werden: Zum neuen Album »Nature Sounds Of The Balearics« von Mark Barrott.
Music Review
Earl Sweatshirt
Some Rap Songs
Unkonventionell und abenteuerlich ist »Some Rap Songs«, das neue Album von Earl Sweatshirt, geworden.
Music Review
Positive Centre
Forever Optimum
Hypnotische Rhythmusstudien, die einen langsam aber unaufhaltsam verschlingen: zum neuen Album »Forever Optimum« von Positive Centre.
Music Review
Mytron & Ofofo
Ceremony
Tanzen und Träumen: ei nJahr nach ihrem Debüt veröffentlichen Mytron & Ofofo mit »Ceremony« ein weiteres Release auf Multi Culti.
Music Review
Dennis Young
Quest
In südkoreanischen Kellern schlummern Kassetten mit Ambient-Musik von Liquid Liquid’s Dennis Young. Mit »Quest« wird nun die erste publik.
Music Review
Filmico
In The Senses
»In the Senses«, das Debüt von Filmico, ist ein Soundtrack im Gedenken an die 1980er Jahre, mit Heroen wie John Carpenter als Vorbild.
Music Review
Roger Doyle
Oizzo No
Humor und »ernste« Musik schließt sich ja von vornherein aus. Roger Doyle hat schon 1975 mit »Oizzo No« bewiesen, dass das Quatsch ist.
Music Review
Process Blue
Process Blue
Process Blue kamen aus Dayton, Ohio, orientierten sich aber an dem Sound, der 1981 aus Großbritannien und Deutschland kam.
Music Review
Calender
It's A Monster
»It’s A Monster«, das einzige, vor 32 Jahren zum ersten Mal veröffentlichte Album von Calender, hätte leicht übersehen werden können.
Music Review
Pearls Before Swine
Balaklava
Unbequemer Klassiker von abgründiger Schlichtheit: Drag City legt »Balaklava«, das zweite Album von Pearls Before Swine, wieder auf.
Music Review
Risque
Starlight
Disco aus den Niederlanden. Von 1982. Süß wie Honig, kitschig wie Sternschnuppen. »Starlight« von Risque ist unverzichtbar.
Music Review
Céline Gillain
Bad Woman
Nicht vom Cover abschrecken lassen: »Bad Woman«, das Debüt der belgischen Musikerin Céline Gillain ist eine umwerfend gute Platte.
Music Review
Jorge Ben
Bem-Vinda Amizade
Es gab für Jorge Ben ein Leben nach »Mas Que Nada«. Und was für eins: sein Album »Bem-Vinda Amizade« darf jetzt wiederentdeckt werden.
Music Review
Philip Sanderson
On One Of These Bends
Digitale Träumereien, tribalistische Stimmungsmalerei: »On One Of These Bends« zeigt Musik von Philip Sanderson.
Music Review
Brötzmann / Leigh
Sparrow Nights
Im Widerspiel von Harmonie und Kakofonie wird auf »Sparrow Nights« von Peter Brötzmann und Heather Leigh ein Lied unserer Gegenwart gesungen
Music Review
Best Available Technology
Enginetics & Plasmalterations
Schicht auf Schicht moduliert Best Available Technology auf »Enginetics & Plasmalterations« seine Stücke und ist dabei besser denn je.
Music Review
Takehisa Kosugi
Catch-Wave
Wenn nur die Idee zählt, der Mut, dann gehört »Catch-Wave« von Takehisa Kosugi zu den besten musikalischen Werken der Avantgarde.
Music Review
Hieroglyphic Being & The Truth Theory Trio
Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light
»Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light« ist der achte (!) Release von Hieroglyphic Being im Jahr 2018 – und sein bester.
Music Review
Nels Jenstad
Ships/Moondog
Auf Fri Form sind mit »Ships/Moondog« jetzt zwei Stücke des Musikers Nels Jenstad veröffentlicht worden.
Music Review
Veronica Vasicka
In Silhouette
Seit 13 Jahren veröffentlicht Veronica Vasicka die Musik anderer. Nun ist erstmals eines ihrer eigenen Stücke veröffentlicht worden.
Music Review
Os Catedraticos
Ataque
Das erstmals 1965 veröffentlichte Album »Ataque« von Eumir Deodatos’ Os Catedraticos wurde bei Far Out wiederveröffentlicht.
Books Review
Brüno & Hervé Bourhis
Black & Proud
Das Buch »Black & Proud« spürt den Weg vom Blues zum Rap nach. Die deutschsprachige Ausgabe erschien vor kurzem im Berliner Avant-Verlag.
Music Review
Love Songs
Inselbegabung
Jeder der drei Tracks auf der neuen EP »Inselbegabung« von Love Songs schreit direkt: Kunst!
Music Review
Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma
Limpid As The Solitudes
Félicia Atkinson und Jefre Cantu-Ledesma tun sich wieder zusammen. »Limpid As The Solitudes« versammelt Musik über bessere Zeiten.
Music Review
Pearson Sound
Rubble
Auf der Vinyl 12" »Rubble« sind gleich drei neue Tracks von Pearson Sound vertreten. Ein weiterer Vorgeschmack auf ein zweites Album?