Music Review | verfasst 15.06.2018
Father John Misty
God's Favorite Customer
Bella Union, 2018
Text Martin Silbermann
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Father John Misty - God's Favorite Customer

Josh Tillman, der unter dem Namen Father John Misty musizierende »Prediger« und Dandy, legt nach dem letztjährigen Opus »Pure Comedy« erstaunlich schnell nach. Waren auf dem Vorgänger noch epische Songformate und auktoriale Erzähler vorherrschend, wechselt Tillman auf »God’s Favorite Customer« sowohl hin zu kompakten, knackigen Songs als auch seine Perspektive auf die Welt. Aus dem Gott-gleichen zynische Blick von außen auf die Welt und ihre Probleme ist eine Rückkehr zum persönlichen Ich & Du sowie zu seinem Lieblingsthema der romantischen Liebe geworden. Damit knüpft das vierte Album an sein Zweitwerk »I Love You, Honeybear« an – statt Euphorie herrscht nun allerdings Zweifel, Misstrauen und Angst diese Liebe zu verlieren oder ihrer nicht (mehr) würdig zu sein. Der exaltierte Narzisst ist dabei durchaus selbstreflexiv, singt auch mal aus der Perspektive seiner Frau (»The Songwriter«) oder beschreibt die Liebe als teilweise unschöne Naturgewalt, die uns aufbricht »like a carcass left out in the heat«. »God’s Favorite Customer« ist trotz der Ankündigungen im Vorfeld kein Trennungsalbum geworden, auch wenn Verlustängste und schräge Gedankenexperimente (wie immer mit großer Geste) vorgetragen werden. Besonders überzeugen die zehn neuen Songs aber musikalisch: die wiedergefundene Stringenz unterstreicht den Ohrwurm-Charakter seiner Folk-Rock-Stücke – allem voran die Single »Mr. Tillman«. Kompakter, fokussierter und nicht mehr ganz so zynisch lotet Father John Misty die Untiefen der Zweisamkeit aus und denkt dabei auch immer seinen besonderen Status als verschrobenen Popstar mit.


»God’s Favorite Customer« von Father John Misty findest du bei uns im Webshop: Vinyl LP und Limited Edition Vinyl LP und Tape *.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 06.04.2017
Father John Misty
Pure Comedy
Father John Misty hat mit »Pure Comedy« seinen Sound gefunden und einen komplexen Brocken menschlicher Empfindungen geschaffen.
Music Review | verfasst 06.02.2015
Father John Misty
I Love You, Honeybear
Auch Josh Tillmans zweites Soloalbum »I Love You, Honeybear« soll ein Konzeptalbum über einen Narziss voller Welt- wie Selbstekel sein.
Music Review | verfasst 31.08.2015
Beach House
Depression Cherry
Auf »Depression Cherry« finden Beach House wieder zu ihrer um Melodien gebauten Schlichtheit zurück.
Music Porträt | verfasst 18.05.2012
Beach House
Panoramablick des Subjektiven
Niemand derzeit in der Popmusik spielt das Unnahbare und gleichzeitig Intime so perfekt aus wie das Duo Beach House aus Baltimore. Mit ihrem vierten Album »Bloom« schreiben sie nun diese Erfolgsgeschichte in die Breite fort.
Music Review | verfasst 28.05.2012
Father John Misty
Fear Fun
Ein bisschen Bonnie »Prince« Billie, Verweise auf Neil Young und Leonard Cohen. Joshua Tillman hat sich von den Fleet Foxes emanzipiert.
Music Review | verfasst 03.05.2011
Fleet Foxes
Helplessness Blues
Die Fleet Foxes machen in Sachen Klang und Weltmschmerz einfach da weiter, wo sie mit ihrem Debüt vor drei Jahren aufhörten.
Music Review | verfasst 24.05.2012
Beach House
Bloom
Das Album keinen neuen Sound, aber ist ein Hohelied auf Beach House’ schauriges Storytelling.
Music Review
Tunde Mabadu
Viva Disco
Mr Bongo veröffentlichen mit »Viva Disco« von Tunde Mabadu etwas weniger bekannten Afrobeat aus Nigeria.
Music Review
Cecil Mc Bee
Mutima
Everland Jazz legt »Mutima«, das Debüt des Jazzpianisten Cecil McBee aus dem Jahre 1974 wieder auf.
Music Review
Ground
Sunizm
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Auf ESP Institute erscheint »Sunizm«, das kurzweilige Debüt des Japaners Ground.
Music Review
Giant Swan
High Waisted
Giant Swan flexen mit »High Waisted« die Muskeln und beweisen viel Muckertum, gut geht das aber nur auf zwei der vier Tracks.
Music Review
Sichtexot Gäng
SXT Rawtakes III
»SXT Rawtakes III«, das sind garantiert unberechenbare lyrische Bonmots zwischen Booms Baps jener Sorte, bei denen es schön staubt.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride Vol.2
Ein weiterer Beitrag für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Rastafarianismus und Clement »Sir Coxson« Dodds Studio One.
Music Review
Nigeria Fuji Machine
Nigeria Fuji Machine
Mit diesem Album schließen Soul Jazz Records an die vor kurzem erschienene Compilation »Yoruba!« mit geistlicher Musik aus Nigeria an.
Music Review
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.
Music Review
John Coltrane
Both Directions At Once: The Lost Album
Durch das wiederentdeckte »Both Directions At Once: The Lost Album« ist das Schaffen von John Coltrane um ein großes Album reicher geworden.
Music Review
Princess Nokia
A Girl Cried Red – EP
Auf »A Girl Cried Red« der neuen EP der New Yorker Musikerin Princess Nokia gibt es tiefe Einblicke in eine verletzte Außenseiterseele.
Music Review
Donald Byrd
Love Has Come Around – 12"
Groovin hat die beiden Nummern »Love Has Come Around« und »I Feel Like Loving You Today« von Donald Byrd wiederveröffentlicht.
Music Review
Florence & The Machine
High As Hope
Mit »High As Hope« begreift die Welt nun endlich, warum sie Florence & The Machine schon seit gut zehn Jahren an den Lippen hängt.
Music Review
Equip
I Dreamed Of A Palace In The Sky
Auf »I Dreamed Of A Palace In The Sky« erweckt Equip mit Sounds aus Videospielen, New Age, Filmmusik der Achtziger nostalgische Gefühle.
Music Review
Daniel Bacalov
1984/5: Il Ladro Di Anime / Diario Segreto Contraffatto
Zwischen akademischer Strenge und instrumentalem Pop: Die ersten beiden Alben von Daniel Bacalo wurden wiedderveröffentlicht.
Music Review
A-Team
Trouble
Für ihre wohl einzige Nummer vertraute sich das A-Team Mad Professor an. Das Ergebnis, »Trouble«, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Project Pablo
Come To Canada You Will Like It
Mit »Come to Canada You Will Like It« hat Project Pablo eine Schallplatte mit frühen Aufnahmen veröffentlicht.
Music Review
Artis
Caecilia
»Caecilia« ist die phantasievolle und spielfreudige Debüt-EP eines geheimnisvollen Producers namens Artis.
Music Review
Jenny Hval
The Long Sleep EP
Mit »The Long Sleep EP« entfernt sich Jenny Hval vom hauntologisch aufgeladenen Sound von »Blood Bitch«.
Music Review
Various Artists
Check Your Reality
Das Düsseldorfer Label candomblé legt eine Nachpressung der tollen Compilation »Check Your Reality« vor.
Music Review
Mndsgn
Snax
Mndsgn sendet mit »Snax« ein 15 Tracks starkes Lebenszeichen. Im Gegensatz zu »Body Wash« arbeitet der Producer hier mehr mit Raps.
Music Review
Liza Ngwa
Sunshine
Nubiphone veröffentlicht das zuerst 1980 erschienene, zweite Album der kamerunischen Sängerin Liza Ngwa erneut.
Music Review
Black Savage
Black Savage
Black Savage aus Kenia haben in den 1970er Jahren nur eine Hand voll Songs veröffentlicht. Jetzt werden sie wiederveröffentlicht.
Music Review
MC Paul Barman
(((Echo Chamber)))
MC Paul barman hat den »Anarchist Book Store« verlassen und bringt nach neun Jahren Alben-Abstinenz die LP »(((Echo Chamber)))« heraus.
Music Review
Kate NV
для FOR
Ihr zweites Soloalbum hat die Russin Kate NV bei Rvng Intl veröffentlicht. »для FOR« setzt auf verspielten Minimalismus.
Music Review
Malör
Bali
Das Lied zur Lage kommt aus dem Jahr 1985. Er stammt von Malör, deren Song »Bali« neu aufgelegt wurde.
Music Review
Driftmachine
Shunter
Driftmachine saugen auf ihrem vierten Album dem Dub das Blut aus und legen mit »Shunter« ein Album hin, das dramaturgisch ausgefeilt ist.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Transllusion
A Moment Of Insanity
Gewohnt unberechenbar in der Wirkung, kommen jetzt »Moments Of Insanity« von James Stinson als Transllusion zum Vorschein.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.
Music Review
Onyx
Complete Works 1981–1983
Flanger-heavy Shit aus den 80igern, cooler als alles sonst! Post-Punk, New Wave, Digi Dub, nur gut.
Music Review
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Auf seinem zweiten Album regelt DJ Richard die Farbwerte noch weiter runter und tut vor allem eins: Haltung bewahren.
Music Review
Melody's Echo Chamber
Bon Voyage
Auch mit »Bon Voyage« spinnt Melody’s Echo Chamber an den Fäden der Musikgeschichte weiter, die Broadcast und Stereolab haben liegen lassen.
Music Review
CEM3340
Perfect Stranger
CEM3340 orientiert sich auf »Perfect Stranger« am Detroiter Electro der 1980er Jahre und setzt diesen in einen zeitgenössischen Kontext.
Music Review
Various Artists
Boombox 3
Am frühen Rap kann man sich so schlecht satthören: »Boombox 3« beweist das wieder einmal eindrucksvoll.
Music Review
Richard Wahnfried
Time Actor
Der Synthesizerkönig der Berliner Schule Klaus Schulze trat mit »Time Actor« 1979 erstmalig als Richard Wahnfried in Erscheinung.
Music Review
Colin Potter
The Where House?
Ein bisschen Cabaret Voltaire-Kaputtheit schwingt mit: Zur Reissue des zuerst 1981 veröffentlichten »The Wehre House?« von Colin Potter.
Music Review
RSF
RSF
RSF macht seine Sache so gut, dass man ihm praktisch alles abkaufen würde: Flirren, Sprudeln, Strahlen, Italo-Disco oder Synthie-Pop.
Music Review
Delroy Edwards
Aftershock
Roh, perkussiv, loopy: »Aftershock« bedient zumindest das für Delroy Edwards typische Understatement und ist ein prima DJ-Tool.
Music Review
Royce Da 5'9
Book Of Ryan
»Book Of Ryan« von Royce Da 5’9 lebt von episch auserzählten Erinnerungen und strotzt vor Reife und Selbstreflektion.
Music Review
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Kendrick Lamars Zerrissenheit passt nicht zu den Heldenphantasien von »Black Panther«.