Music Review | verfasst 26.06.2018
Various Artists
Check Your Reality
candomblé, 2018
Text Lars Fleischmann , Fotos © Candomble
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Redaktion
Cover Various Artists - Check Your Reality

Finally Repress-Time: Die Vinyl 10" »Check Your Reality« war schneller ausverkauft als man von Mülheim a.d. Ruhr nach Salvador da Bahia fliegen kann – ungefähr. Nun wurde der bisher einzige Vinylrelease des Labels candomblé aus dem Jahre 2017 nachgepresst. Wer über den Namen des Labels stolpert, dem sei in aller gegebenen Kürze erklärt: Der Candomblé ist der Name der afrobrasilianische Ritusreligion; verwandt mit dem haitianischen Vodou. Zentrum der Religion – rein geographisch ist die eben schon eingeworfenen brasilianische Küstenstadt Salvador. In dieser finden sich die typischen Tempel, die bei Ritualen ein verschmelzen der Teilnehmer mit den drei Gottheiten Orisha, Nkisi und Vodum zu lassen. Wer tiefere Einblicke in die Religion, die Rituale und den Synkretismus aus brasilianischen und west-afrikanischen Elementen sucht, dem seien die Berichte des Schriftstellers Hubert Fichte und die Fotos seiner »Lebensgefährtin« Leonore Mau ans Herz gelegt. Ob die drei Tracks aus der ehemaligen Montanstadt nun wirklich besessen sind von den Geistern des Candomblés, da müsste man lange drüber diskutieren. Beeinflusst, eher passiv als wirklich aktiv, scheinen sie dennoch zu sein. Der Opener von AkiAki und Rasputin (heute auch bekannt unter ihrem Band-Pseudonym Phaserboys) ist sicherlich noch am weitesten entfernt vom afrobrasilianischen Kult. Eher subtil wird mit Delays und Zeitverschiebungen ein transzendentes Moment aufgerufen. Grundgerüst der Nummer »Kit Plavaet V Okeane« (russisch: Der Wal schwimmt im Ozean) ist ein lustvoller Synthpop-House-Track mit Wave-Elementen. Auf der A2 wird’s dann schon konkreter. Schaik Mitz‘ »Voya« mit seinem pseudo-Cumbia-Beat und den teilweise verschleppte Percussions lässt anklingen, was man hinter dem Titel vermutet. Darüber schiebe sich diese gegenläufigen Larry-Heard-Synthlines, die das nötige Moment »Dreamyness« einbringen. Zu guter letzt wähnt man sich plötzlich in Italien. Cassiel vespricht San Pellegrino. Der Titel hält aber nicht, was der Abschlusstrack verspricht. Hier wird der Samba auf rechts (oder auf links) gedreht, mit Deep-House- und Rave-Elementen gepaart und in die Wildbahn entlassen.


Die Compilation »Check Your Reality« findest du bei HHV Records: Vinyl 10inch

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