Music Review | verfasst 13.09.2018
Various Artists
Testimony
Knekelhuis, 2018
Text Lars Fleischmann , Fotos © Knekelhuis
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Redaktion
Cover Various Artists - Testimony

Aus dem Hause Knekelhuis kommt jetzt seit zwei Jahren (um genau zu sein sind es schon vier – mehr Infos im Labelfeature) meist trockener, experimenteller House- und Techno. Dazu avantgardistischer, krachiger Wave – mal dark, mal leichter bekömmlich. Nie stromlinienförmig; die Punk-Vergangenheit von Label-Boss Mark van de Maat wummert hier aus jeder Rille. Nun legt das Label also Zeugnis ab, wenn man dem Namen der EP glauben darf. »Testimony« besteht aus vier Beiträgen von alles andere als betagten Künstlern aus dem Umfeld des Labels. Der mit Abstand Arrivierteste der Vier ist der Belgier Maoupa Mazzocchetti. Nach Veröffentlichungen auf Labels wie Unknown Precept oder Mannequin stieß Mazzocchetti vor zwei Jahren zum Amsterdamer Label. Die EP »Glow In The Dark« war ein kleines Meisterwerk des übersteuerten Leftfields und mit dem Track »644 Beauty Marks« setzt er an der selben Stelle wieder an. Zum beepigen Bett, das je nach Zählweise auf 55 BPM oder eben 110 dahinschwankt, gesellt sich ein orientalistisches Saitenspektakel (wohl am ehesten von einer Oud oder einer Saz gespielt). In weniger als vier Minuten entspinnt sich eine Erzählung, die trotz des klebrigen Tempos ordentlich anschiebt. Patricia Koketts mutet im ersten Moment ebenso nordafrikanisch an, was vielleicht auch am Namen »Luxor« liegt. Irgendwo zwischen Acid Arab-Krach und Chris & Cosey-Anleihen blitzt jedoch auch der litauische Kollege Manfredas durch. Kokett, der ähnlich frisch beim Label untergekommen ist (er steuerte die letzte VÖ bei) wie B2-Seiten-Spieler Job Sifre, wird sich damit sicher einen Namen machen können. Bei besagtem Sifre-Beitrag denkt man hingegen eher an Minimal Electro oder gar an D.A.F., was ja nicht die schlechtesten Referenzen sind. Hier bricht auf jeden Fall ordentlich (Post-)Punk mit auf’s Vinyl. Womöglich ist das Highlight der Platte dennoch der Opener des italienischen Produzenten Sabla. Sein superslower »Chant 35« kocht vor innerer Spannung fast über und ist durchzogen von tiefen Basssequenzen, namengebenden Echo-Chants und knallenden Percussions. Wenn diese Platte Zeugnis über die Marschrichtung der nächsten Monate und Jahre ablegt, dann nur her damit.

Die Compilation »Testimony« findest du bei HHV: Vinyl LP
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