Music Review | verfasst 02.11.2018
Jens Friebe
Fuck Penetration
Staatsakt, 2018
Text Martin Silbermann
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Redaktion
Cover Jens Friebe - Fuck Penetration

So ein inspirierendes und stimulierendes Umfeld wie Jens Friebe möchte wohl so mancher Künstler gerne haben. Das Cover ziert ein Renaissance-Kupferstich der Moskauer Universität von Stefan Papst der Band Ja, Panik. Die schreibende Zunft vertritt sein ehemaliger Intro-Buddy Linus Volkmann, der den Text von »Es Leben Die Drogen« beisteuert. Aus Theater-Projekten entstanden die Songs »Tränen Eines Hundes«, auf dem Jens Friebe auch gleich das Mikrofon an Doreen Kutzke abgibt, und »Call Me Queer«. Den kryptischen Schluss-Song inspirierte Maggie Nelsons Buch »Die Argonauten«, welches er wiederum über Margarete Stokowski entdeckte. Diese Aufzählung der Einflüsse und Mithelfenden ließe sich wohl ewig fortsetzen; fest steht: Noch nie war Jens Friebe so explizit politisch. Zugleich ist der Großteil der Texte neuerdings auf Englisch – allein der Titel wäre auf Deutsch nicht halb so gut. Und Dandy-haft dahingeschmachtete Zeilen wie »Only because you’re jealous doesn’t mean you’re in love« und »When you are afraid of being worthless, you tear out my heart«, »Is it enough love?« und die Gegenfrage »Is love enough?« kommen in der Pop-Weltsprache einfach besser. Aber auch in seiner Muttersprache singt Jens Friebe nicht nur über die Liebe, sondern über eine bessere Zukunft für alle, entwirft egalitäre Utopien, beschwört mit großen Gesten und bunten Farben den notwendigen Aufbruch in eine ungewisse, aber womöglich gerechtere Welt. Dass vieles davon umgekehrt wieder auf die Liebe übertragbar ist, macht »Fuck Penetration« neben seiner relevanten Gesellschaftskritik extra spannend.

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