Music Review | verfasst 14.11.2018
Michele Mercure
Beside Herself
Rvng Intl, 2018
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Michele Mercure - Beside Herself

An minimalistischer Musik auf Synthesizerbasis herrscht im Allgemeinen ja kein Versorgungsmangel. Und so schön und prinzipiell unbestimmt der Klang analoger Generatoren ist, gibt es auch da mitunter Stereotype und Konventionelles. Auftritt Michele Mercure. Die in ihren porös gearbeiteten Miniaturen gar nicht irgendetwas neu erfindet, dafür aber ihre Mittel schon mal auf dezidiert andere Weise reduziert einsetzt als die Mehrheit ihrer Kollegen, vom tribalistisch programmierten Drumcomputer angefangen. Es tröpfelt, brummt und klackt bei ihr in Punktstrahlmanier, manchmal hallen trocken einrastende Maschinengeräusche, manchmal kommt so ein Achtziger-typischer Fretless-Bass dazu, der scheinbar gar nicht dorthin gehört. Überhaupt haben Michele Mercures’ Stücke auf »Beside Herself« bei aller Strenge eine Offenheit, die verschiedenste ethnische Einflüsse bis zu High-Life so integriert, dass sie nicht wie ein zusammengeklaubter Mischmasch, sondern überraschend selbstverständlich und stimmig klingen, auch wenn nicht klar ist, was da jetzt genau stimmt. Selbst ihre der Entstehungszeit gemäßen digitalen Sounds passen hervorragend zum Rest. Eine eigene Stimme, und eine, die zu hören lohnt.

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