Music Review | verfasst 12.12.2018
Takehisa Kosugi
Catch-Wave
Superior Viaduct, 2018
Text Björn Bischoff
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Redaktion
Cover Takehisa Kosugi - Catch-Wave

Wer denkt, dass nach Dada kein neuer Kram mehr die Kunstwelt erschütterte, kennt Fluxus noch nicht. Also: Einlesen vor dem Lesen dieser Review: Ausgedacht vom amerikanischen Künstler George Maciunas erreichte diese Bewegung ihren Höhepunkt in den 1960er Jahren. Das fertige Kunstwerk nimmt dort einen wesentlich geringeren Wert als seine Idee ein. Die Bewegung prägten etwa Joseph Beuys, Yoko Ono und John Cage. Und den japanischen Komponisten Takehisa Kosugi bringt die Musikkritik mit dieser Kunstrichtung in Verbindung. Kosugi veröffentlichte 1975 mit »Catch-Wave« sein wohl zugänglichstes Werk in Form eines Albums mit zwei langen Stücken aus Drone, Ambient und Noise. Wobei sich der Krach in Grenzen hält, es ist vielmehr eine Disharmonie, die unter den beiden Stücken liegt. Struktur? Gibt es hier natürlich kaum bis gar nicht. Vielmehr drängt sich der Klang in seiner Essenz auf den Boxen. Wenn Vocals auftauchen, gibt es sie nur durch Echos und Effekte. Dazu verzerrte Kosugi seine Geige bis ins Unhörbare. In Zeiten der komplett glatten Produktionen, in denen aller Klang wie selbstverständlich Synthese ist, sticht »Catch-Wave« immer noch heraus. Denn mehr als einmal erschließt sich nicht, wie Kosugi diesen Klang, diese Atmosphäre erzeugt hat. Allerdings lässt sich dieses Album davon ab natürlich eben als Album genießen, als eine experimentelle Reise an die Grenzen von Kunst und Verständnis. Und das soll als Kompliment gemeint sein. Denn Takehisa Kosugi forderte nicht nur seine Zeit heraus, sondern die Musik selbst. Er selbst wird die Reaktionen auf diese Neuauflage nicht mehr miterleben, Kosugi starb im Oktober dieses Jahres. Doch wenn nur die Idee zählt, der Mut, die Schöpfungskraft, gehört dieses Album ohne Frage zu den spannenderen musikalischen Werken der Avantgarde.

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