Music Review | verfasst 07.01.2019
Earl Sweatshirt
Some Rap Songs
Columbia, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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6.4
Redaktion
Cover Earl Sweatshirt - Some Rap Songs

Ohne fette Allüren schafft es Earl Sweatshirt 2018 in die Favoritenlisten der großen Publikationen. Fact, Vinyl Factory, Pitchfork führen »Some Rap Songs« unter den besten Alben des Jahres und sehen den Grund vor allem in der authentischen roughness einer Produktion, die mit Lo-Fi-Ästhetik und wirrer Wohnzimmeratmosphäre zu punkten sucht. Wie auf dem Vorgänger sind Earl Sweatshirts Deadpan-Raps immer noch prägnant in ihrer abwesenden, teilweise fast schon gelallten Artikulation. Wo »I Don’t Like Shit, I Don’t Go Outside« trotz dessen noch kräftig und kompakt klang, dominieren nun zerfaserte Instrumentalsamples, Gedichte von Earls Eltern, knarzende Beats, graues Rauschen. Im Funkeln von »Cold Summers« oder dem wirren Spielzeug-Beat eines »Eclipse« scheinen diese Rap-Songs ziellos und verträumt, machen daher auch immer wieder den Eindruck von vertonten Erinnerungen. Das ist sicher gewollt, wirkt aber als postmoderner Nostalgieflash einfach zu gewollt. In den Ghetto-Aphorismen von »Nowhere2go« und dem viel zu kurzen »December 24« klingt alles verwaschen, kaum greifbar, wie ein Werbespot im Halbschlaf bruchstückhaft wahrgenommen – Vaporwave-Anbahnungen nicht immer ausgeschlossen. Vielleicht sind es aber auch diese quasi provisorisch gefertigten Arrangements, die zur offenkundigen Faszination von »Some Rap Songs« beitragen. Denn zugegeben: unkonventionell und abenteuerlich ist dieses Album trotz der Verballhornung hinlänglich bekannter Hip-Hop-Tropen ja schon irgendwie.

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