Music Review | verfasst 21.01.2019
Machinefabriek
With Voices
Western Vinyl, 2019
Text Kristoffer Cornils
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7.7
Redaktion
Cover Machinefabriek - With Voices

Google Maps flüstert uns morgens auf dem Fahrrad die Richtung zu, tagsüber fragen uns körperlose Call-Center-Stimmen nach unseren Problemen ab und abends befehlen wir entweder Alexa, Entspannungsmusik anzuwerfen, oder aber lösen irgendwelche Streitgespräche auf Partys mit einer schnellen Suche im Netz, die wir Siri aufgetragen haben. Das zweite Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts ist eines der Stimme und diese Stimme ist meistens artifiziell. Davon zeugt der Siegeszug von Autotune ebenso wie experimentelle Versuche von Holly Herndon, Stine Janvin oder Audrey Chen und anderen oder der zunehmende Einsatz der menschlichen Stimme im Ambient-Zirkus wie zuletzt Wild Anima oder Jax Deluca. Die Stimme also solche ist kurios: Sie ist etwas, das zu uns gehört und dennoch immer außerhalb unseres Körpers stattfindet. In der Musik von Rutger Zuydervelt war sie bisher jedoch kaum zu hören. Denn obwohl er unter dem Pseudonym Machinefabriek auf weit mehr als hundert Releases immer wieder die Kollaboration mit anderen Musiker_innen gesucht hat, blieb die Musik überwiegend wortlos. Ähnliches lässt sich auch über »With Voices« sagen, obwohl die Stimme im Zentrum der acht Tracks stehen, für welche jeweils eine andere Person das Material geliefert hat: Terence Hannum von der Bleak Metal-Band Locrian etwa, die Düster-Folk-Songwriterin Marissa Nadler, Peter Broderick oder die taiwanesische Performerin Wei-Yun Chen, die Zuydervelt auf die Idee für das Konzeptalbum brachte und den Anstoß für ein 35minütiges Stück gab, auf dessen Grundlage wiederum alle anderen improvisierten. So disparat wie das Personal fallen auch die musikalischen Ergebnisse aus. Choraler Ambient, digitale Glitch-Ästhetik und flirrende Drones wechseln einander ab: Hier wurde viel manipuliert, abstrahiert und der glattpolierten Digitalästhetik der Sprachassistentinnen eine überwiegend wortlose Geste des Widerstands entgegen gesetzt. Eine ästhetische Rückeroberung vielleicht. Das macht »With Voices« zu einem spannenden, unbedingt zeitgenössischem Album.

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