Music Review | verfasst 08.03.2019
Cochemea
All My Relations
Daptone, 2019
Text Björn Bischoff , Fotos © Daptone
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7.3
Redaktion
Cover Cochemea - All My Relations

Meinte es jemand nicht gut mit diesem Album von Cochemea Gastelum, er hätte es leicht. Denn nur zu schnell lassen sich die zehn Songs als Weltmusik verstehen. Und es würde stimmen. Denn Cochemea nimmt die Hörer auf »All My Relations« in die weite Welt mit. Aber: Mit der leeren und drögen Durchschnittsware des Genres hat diese Platte wenig zu tun. Der Saxofonist der Dap-Kings ging gemeinsam mit Kollegen von Daptone ins Studio und forschte seinen Wurzeln nach – wie es so nett im Pressetext zum Album heißt. Ganz konkret geht es hier jedoch um eine Erfahrung, dass Jazz und Weltmusik mehr als nette Unterhaltung im Ohrsessel am Sonntagnachmittag sein können. Dafür wählt Cochemea keine radikalen Ansätze, tatsächlich braucht »All My Relations« ein paar Durchläufe, einfach, weil auf diesem Album sehr viel passiert und sich langsam aufbaut. Songs wie »Maso Ye’eme« oder »Al-Mu’tasim« haben kräftige Rhythmen und Mantras, an denen sich ihre Struktur ausrichtet. Cochemeas Saxofon steht so weit weniger im Vordergrund. In »Asatoma« tragen die Musiker ein altes Gebet aus Indien vor, es geht um Erlösung, um den Weg aus der Dunkelheit ins Licht. Was sich als Vorgabe erst einmal sehr spirituell und verquer liest, aber dann auf viereinhalb Minuten doch Sinn ergibt. Die Leistung dieses Albums ist jedoch weniger dieser Ansatz. Durch das Spirituelle zum Göttlichen wollten seit den Sechzigerjahren ja schon diverse Musiker finden. Vielmehr schafft es Cochemea diesem Sound noch Originäres und Eigenes abzuringen. Allein die Melodie in »Sonora« kommt komplett unverbraucht und frisch daher, die Tonfolge scheint aus einem alten Jazzkeller zu dringen, während der Rhythmus munter aus dem Afrobeat zitiert. Es ist die Vielseitigkeit der Menschen, die hier über dem Album steht, die Fusion der Dinge. Vielleicht nicht das originellste Thema. Aber diese zehn Songs gehören zu den spannendsten Umsetzungen mit dieser Prämisse aus den letzten Jahren.

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