Music Review | verfasst 12.03.2019
Laurie Spiegel
The Expanding Universe
Unseen Worlds, 2019
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
8.8
Redaktion
Cover Laurie Spiegel - The Expanding Universe

Das Universum dehnt sich aus. Von einer wissenschaftlichen Tatsache zu sprechen, ist da womöglich etwas schwierig, zumindest was die Überprüfbarkeit betrifft. Die Ansicht ist jedoch unter Leuten, die etwas davon verstehen müssten, ziemlich verbreitet. Liest man hingegen den Titel des Debütalbums der New Yorker Computermusikpionierin Laurie Spiegel, »The Expanding Universe«, klingt das fast nach New-Age-Esoterik. Könnte einfach am veränderten Drumherum liegen. Denn vielleicht hat sie das ja genauso nüchtern gemeint wie die Astrophysiker. Wie man ihre Musik, je nach Haltung, ebenfalls sehr unterschiedlich hören kann. Als Arbeiten einer Klangforscherin, die ihre potentiellen Hörer mag, oder die einer Art elektronischen Mystikerin. Man sollte es mit der ersten Option wenigstens probieren. Auf dieser Platte von 1980 bestehen Spiegels Stücke oft aus mehrstimmigen Melodiepatterns, die sich langsam, na ja, vielleicht nicht ausdehnen, aber jedenfalls weiterentwickeln, aus Harmonien im Raum, die ihre Farbigkeit langsam verändern. Auf ihrem zweiten Album „Unseen Worlds“, 1991 erschienen, sollte dann das computergestützte Modellieren von Klangtexturen stärker im Vordergrund stehen. Auf »The Expanding Universe« sind die Klänge noch schlichter gehalten, weisen aber schon allerhand reges Binnenleben auf, das immer wieder aufbricht, ohne sich komplett von seiner Anfangsgestalt zu lösen. Die ursprünglichen vier Stücke mit gut fünfzig Minuten Dauer, von denen das als »Meditation« gedachte Drone-basierte Titelstück eine halbe Stunde beansprucht, wurden für den Reissue großzügig ergänzt, sodass es auf der Platte jetzt 15 Nummern mit gut zwei Stunden Musik gibt. Was ja ins Konzept passt.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 09.07.2018
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.
Music Review | verfasst 11.10.2012
Thought Broadcast
Emergency Stairway
Thought Broadcast begibt sich in die Belanglosigkeit, findet unser Rezensent Jens Pacholsky.
Music Review | verfasst 28.01.2012
Vladislav Delay
Vantaa
Dass diese Platte ihre Zeit braucht, steht ganz außer Frage. Was allerdings noch nicht geklärt ist: Ist das noch Musik?
Music Review | verfasst 12.03.2013
TM404 (Andreas Tilliander)
TM404
Andreas Tilliander widmet sich analogen Drum-Machines, Synthesizers und Sequencern, die Roland in den 1980er Jahren auf den Markt brachte.
Music Review | verfasst 13.12.2013
Heatsick
Re-Engineering
Diese Musik ist herrlich bekloppt. Doch sie groovt, sie weiß ganz ganz viel von elektronischer Musik und möchte gehört werden.
Music Review | verfasst 09.01.2014
Emanuele de Raymondi
Ultimo Domicilio EP
Raymondi dreht seine Runden durch Drones, Störgeräusche und Elektronik – stets leichtfüßig und ohne seine Dringlichkeit zu verlieren.
Music Review | verfasst 19.03.2014
Hiele
Essential Oils
Auch auf seinem zweiten Album »Essential Oils« möchte sich der Antwerpener Musiker Roman Hiele nicht festlegen.
Music Review | verfasst 05.05.2014
Hecker
Articulaçao
Hecker verarbeitet einen Text des Philosophen Reza Negarestani und kreiert ein undurchhörbares Gesamtpaket.
Music Review
Lee Moses
How Much Longer Must I Wait? Singles & Rarities 1965-1972
»How Much Longer Must I Wait?« versammelt Singles und Raritäten des noch immer nicht ausreichend gewürdigten Soulsängers Lee Moses.
Music Review
Zaliva-D
Forsaken
Auf Knekelhuis ist kürzlich die Werkschau »Forsaken« des chinesischen Technoproduzenten Zaliva-D erschienen.
Music Review
Ohbliv
Give Thanks
Kantig, roh, reduziert, dabei nie formelhaft homogen: der fleißige Beatmaker Ohbliv hat mit »Give Thanks« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Backstreet Brit Funk Vol.1
Die von Joey Negro zusammengestellte Compilation »Backstreet Brit Funk Vol.1« aus dem Jahr 2011 ist nun erstmals auf Vinyl erschienen.
Music Review
Amato (The Hacker)
Mécanismes Vol. 1
Als Amato dreht The Hacker mittlerweile richtig auf. »Mécanismes Vol. 1« ist in EBM in Nicht-Ganz-Reinform – zum Glück!
Music Review
Tim Hecker
Anoyo
Mit »Anoyo« legt Tim Hecker weitere 34 Minuten aus seinen mit einem Gagaku-Orchester eingespielten Sessions nach.
Books Review
FLEE
Benga, A Kenyan Kaleidoscope
Mit dem Sammelband »Benga, A Kenyan Kaleidoscope« wirft das Kollektiv FLEE wichtige Fragen zur globalen Auseinandersetzung mit Benga auf.
Music Review
Darling & Lexi
Darling & Lexi EP
»Mama is een poes«: Der niederländische Produzent Darling nimmt mit seiner 4-jährigen Tochter Lexi eine Schallplatte auf.
Music Review
Gigi
Illuminated Audio
2003 ließ die Sängerin Gigi ein ganzes Album von ihrem Mann Bill Laswell als Dub-Version neu einspielen. Ob das gut ging? Tatsächlich!
Music Review
Ambien Baby
En Transito
NAP und D. Tiffany tun sich wieder als Ambien Baby zusammen. »En Transito« ist eine multifunktionale Allzweckwaffe für die Open-Air-Saison.
Music Review
Reginald Omas Mamode IV
Where We Going?
Auf »Wehre We Going?« begibt sich Reginald Omas Mamode IV musikalisch auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln.
Music Review
Mappa Mundi
Musaics
Mit »Musaics« haben Mappa Mundi schon 1990 so manche zeitgeistige Musik von heute vorwegnehmen können.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Prisma Sonoro
»Prisma Sonoro«, Library Music-Aufnahmen des Komponisten Alessandro Alessandroni aus dem Jahr 1974, werden erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Identified Patient & Sophie du Palais
Don't Exclude Anything
Identified Patient und seine »vrouwe fataal« Sophie du Palais debütieren mit »Don’t Exclude Anything« auf Pinkman.
Music Review
Azymuth
Aguia Nao Come Mosca
Azymuth spielen in einer eigenen Liga. Eine These, die mit »Aguia Nao Come Mosca«, ihrem Album aus dem Jahr 1977, locker belegt werden kann.
Music Review
Ezra Collective
You Can't Steal My Joy
Die britischen Jazzer vom Ezra Collective legen mit »You Can’t Steal My Joy« ein energetisches Debüt vor.
Music Review
Jimi Bazzouka
Edits Vol.6
Joakim liefert als Jimi Bazzouka neue »Edits Vol.6« und mischt exotische Field Recordings, schamanistische Gesänge & treibende Percussions.
Music Review
Altin Gün
Gece
Das zweite Album »Gece« der anatolischen Band Altin Gün ist großartig und hält auch locker dem Vorwurf kultureller Appropriationen stand.
Music Review
Kyoto/Zoe Sinatra
Venetian Blinds / Mais Qu’Est-Ce Que Tu Fumes
Zwei in Vergessenheit geratene, hitverdächtige Songs aus Belgien bilden das neueste Release des immer überraschenden Labels Stroom.
Music Review
Jensen Interceptor
Delayed Response
»Delayed Response«, bereits im letzten Jahr bei Power Station erschienen, zeigt Jensen Interceptor in seinen bislang souveränsten Momenten.
Music Review
Various Artists
Elsewhere LVI
MIt »Elsewhere LVI« hat DJ soFa zum vierten Mal etwas krude, obskure groovende, retrofuturistische Tracks zum Entdecken zusammengestellt.
Music Review
Pharoah Sanders
Africa
Auf »Africa« von 1987 finden Pharoah Sanders, Idris Muhammad, John Hicks und Curtis Lundy zusammen und spielen grandiose Musik.
Music Review
Quelle Chris
Guns
Spätestens mit seinem neuen Album »Guns« hat sich Quelle Chris zur softesten und doch irgendwie lautesten Stimme im Rap entwickelt.
Music Review
Roza Terenzi
Let's Ride
»Let’s Ride« ist das Dekmantel-Debüt der Australierin Roza Terenzi. Darauf zu hören: Electro-Dekonstruktionen und 90s-Rave mit eigener Note.
Music Review
Furniture
When The Boom Was On
Emotional Rescue veröffentlicht das 1983er Debüt »When The Boom Was On« von Furniture neu. Das ist was für Teenie-Zimmer von 16-56.
Music Review
Tiger & Woods
AOD
Album Oriented Dance, »AOD« war die Ansage von Tiger & Woods, die sie uns gleich im Titel ihres neuen Longplayers lieferten. Ging es auf?
Music Review
Guerilla Welfare
The Nature Of Human Nature
Guerilla Welfare haben zwischen 1986 und 1991 Ethno, Dub und Funk verührt. »The Nature Of Human Nature« fasst ihre Musik zusammen.
Music Review
Neuzeitliche Bodenbeläge
Leben
Premiummusik für liebevoll heruntergewirtschaftete Hinterhoflokale und ihre Gäste. Zur EP »Leben« von Neuzeitliche Bodenbeläge.
Music Review
Ill Bill & Stu Bangas
Cannibal Hulk
Diese Collab wurde im Horrorcore-Genre sehnsüchtig erwartet: Ill Bill und Stu Bangas machen auf »Cannibal Hulk« gemeinsame Sache.
Music Review
The Comet Is Coming
Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery
Shabaka Hutchings und kein Ende: sein Projekt The Comet Is Coming zockt auf »Trust In The Lifeforce Of The Deep Mystery« vital wie selten.
Music Review
Bibio
Ribbons
»Ribbons« von Bibio funktioniert als 50-minütiges Gesamtwerk, das vor vorne bis hinten die warme Stimmung der Zweisamkeit einfängt.
Music Review
New World Science
Osmos (Movements)
Das Trio New World Science wandelt auf »Osmos (Movements)« auf den Spuren von Jon Hassel. Unterstützung erhalten sie von RAMZi und R Weng.
Music Review
The Budos Band
V
Natürlich ist diese testosterongeschwängerte »Macho-Mucke« der Budos Band etwas anachronistisch, aber was soll’s: »V« macht einfach Spaß.
Music Review
Keys
Voltage
Key ist das neue Duoprojekt von Benedikt Frey, gemeinsam mit Chris Cox.Am besten auf »Voltage« sind die Tracks, die aus der Reihe tanzen.
Music Review
Fennesz
Agora
»Agora« ist sehr viel sparsamer als die vorangegangen Releases des österreichischen Musikers. Doch damit erreicht Fennesz einfach sehr viel.
Music Review
Asuna & Jan Jelinek
Signals Bulletin
Sechs Jahre haben der japanische Organist Asuna und der in Berlin lebende Musiker Jan Jelinek an »Signals Bulletin« gearbeitet.
Music Review
Marvin Gaye
You're The Man
»You’re The Man« versammelt Musik von Marvin Gaye, die der Öffentlichkeit bisher weitestgehend vorenthalten wurde. Widerspruch inklusive.
Music Review
VC-118A
Inside
Als VC-118A liefert Samuel van Dijk mit »Inside« für Delsin die bestmögliche Synthese seiner verschiedenen musikalischen Projekte ab.
Music Review
Wilma Vritra
Burd
Scheinbarer Widerspruch, genial gelöst: Odd Future’s Pyramid Vritra und Wilma Archer machen auf »Burd« als Wilma Vritra gemeinsame Sache.
Music Review
Lee Fields & The Expressions
It Rains Love
Lee Fields feiert 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Mit »It Rains Love« wurde nun sein fünftes Album mit The Expressions veröffentlicht.
Music Review
Palms Trax
To Paradise
Nach drei Jahren meldet sich Palms Trax mit einer neuen EP für Dekmantel zurück. »To Paradise« ist eine handwerkliche Meisterleistung.