Music Review | verfasst 19.03.2019
Betonkust & Eilandnet
Robogoth EP
Mothball, 2019
Text Lars Fleischmann , Fotos © Mothball
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Redaktion
Cover Betonkust & Eilandnet - Robogoth EP

Alle Berechnungen zu Folge wird die Erderwärmung zu einer Verwüstung großer Landstriche, zum Aussterben tausender Tierarten und zum Anstieg des Weltmeerspiegels führen. Neben solcher Inselstaaten wie den Malediven sind auch die Niederlande gefährdet, schon innerhalb weniger Jahrzehnte einen großen Teil ihrer Landmasse an die Weiten der Nordsee zu verlieren. Noch ist es aber nicht so weit und hinter den Deichen entsteht derzeit gefühlt so viel gute Musik wie nie. Die Akteure heißen nur nicht mehr Vader Abraham, sondern zum Beispiel – hier kommt der Bogen, versprochen – Betonkust und Eilandnet. Während man Betonkust vor allen Dingen aus seinen Kooperationen mit Palmbonen II kennt, ist Eilandnet bisher unter seinem Pseudonym Stippenlift in Erscheinung getreten. Auf der »Robogoth EP«, die auf dem australischen Italo Disco-affinen Label Mothball erscheint, spürt man trotz drohender Überschwemmung wenig von Zukunftsängsten. Das will nicht bedeuten, dass es hier happy-weekend-sounds oder dergleichen gibt. Ganz sicher nicht. Gedenk dem bisherigen Katalog des Duos hätte dies auch eher für Erstaunen gesorgt. Während der eine, Betonkust, in den letzten Jahren einen Trademark-Sound entwickelt hat, der belgischen New Beat erneuert und mit Industrial auf 100 BPM vermengt, steht Eilandnet für frischen Elektro. Bekommt man das zusammen? Klar, wenn morgen das Studio schon weggeschwemmt sein könnte. Ganz unironisch widmet man sich konzeptuell der preschenden Sexyness der Goths – und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft: So cool »Stella«, die Protagonistin des zweiten Tracks hier, schon im humanen Gewand ist, wird ihre Robo-Variante unwiderstehlich erscheinen. Ein Hohelied auf Cyborgs/Androiden mit Depressionen kennt man zwar schon von Douglas Adams, doch selbst der Kultautor ist nicht so verführerisch tanzbar gewesen. Schön sluggy geht das von Statten, schaut auch mal vorbei im nächsten ›…-Wave‹-Trend. Wer hier gerade den warmen Enthusiasmus vermisst, der liegt richtig. Erstens ist die Musik durchgehend kühl, wenn auch nicht düster, zweitens mach ich mir jetzt vor allen Dingen Sorgen ob des Klimawandels.

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