Music Review | verfasst 30.04.2019
Altin Gün
Gece
Glitterbeat, 2019
Text Christoph Benkeser
Deine Bewertung:
7.5
Nutzer (2)
7.7
Redaktion
Cover Altin Gün - Gece

Altın Gün lassen die goldene Ära des Anatolischen Rocks aufleben. Die 2017 in Amsterdam gegründete sechsköpfige Band um Gründer Jasper Verhulst schultert einmal mehr die Gitarren und Langhalslauten und schleift sie auf ihrem zweiten Album »Gece« durch kreischende Wahwah-Effektgeräte, um den Shisha-Rauch mit sehnlichem Gesang tief einzusaugen und über groovenden Basslines im Sinne der türkischen Hochzeit des Psychedlic Rocks wiederauszuhusten. So ähnlich haben Altın Gün das bereits auf ihrem im letzten Jahr erschienenen Debüt »On« praktiziert. Funktioniert aber immer noch großartig – und hält auch locker dem Vorwurf kultureller Appropriationen stand. Schließlich stehen mit Erdinç Ecevit und Merve Daşdemir zwei türkische Landsleute an den Mikrofonen, und Bandgründer Verhulst betont regelmäßig, dass ihnen nicht daran läge, den Sound der türkischen Vergangenheit zu kopieren, sondern ihn vielmehr neu zu interpretieren. Die Inspiration für diese Neuinterprationen finden Altın Gün vor allem in der Musik von Neşet Ertaş, der wie kein anderer die Musik des 20. Jahrhunderts in der Türkei geprägt hat. Seine Lieder elektrifizieren sie im Stil von Dan Auerbachs [Black Keys](http://www.hhv-mag.com/de/glossareintrag/2103/the-black-keys) (»Leyla«), bringen aber wie in »Derdimi Dokersem« auch den funkigen Sound des türkischen Staatskünstlers Özdemir Erdoğan mit rein und schrecken nicht davor zurück, die ein oder anderen Disco-Referenzen (»Supurgesi Yoncadan«) in die ausgefuchsten Arrangements zu streuen. Das bleibt – um dieses Bild zu strapazieren – in den Ohren kleben wie türkischer Honig in den Zähnen.

Verlosung
Altin Gün - 2 x 2 Tickets für ein Konzert deiner Wahl zu gewinnen
Wir verlosen 2×2 Freikarten für ein Altin Gün Konzert deiner Wahl. Du musst nichts weiter tun als dich einzuloggen und an der Verlosung teilnehmen. Die Gewinner werden ausgelost.

Die Verlosung läuft bis zum 25.11.2019.
Du musst eingeloggt sein um an einer Verlosung teilzunehmen. ― Login
»Gece« von Altin Gün findest du bei HHV Records: Vinyl 2LP (EU) | Vinyl 2lp (US) | CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
02.
Dezember
München
Music Tour | verfasst 24.06.2019
Altin Gün
Touren weiter
Nichts in der Welt ist, wie es oberflächlich erst einmal scheint. So hört sich die Musik von Altın Gün türkisch an, aber nur ein Mitglied der Band ist in der Türkei geboren. Und obwohl das neue Album »Gece«, das am 26.4. bei Glitterbeat Records veröffentlicht wurde, mit elektronischen Instrumenten eingespielt wurde und voll von Funk-Grooves und psychedelischen Texturen ist, nennt die Band selbst ihre Musik Folk Music. Altın Gün (= goldener Tag) interpretiert und arrangiert eine komplette Musiktradition neu. Die eindringliche Stimme von Erdinç Ecevit und seine Saz sind unverwechselbar, während Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion die Rhythmen befeuern und Merve Daşdemir mit der hypnotisierenden Kraft einer jungen Grace Slick. Altın Gün bringt Musik aus so vielen unterschiedlichen anatolischen Quellen zusammen, dass sie die Power und Dichte einer Rockband hat. Wie intensiv Altın Güns Musik wirkt, kann man ab Anfang Dezember wieder live erleben.

###SIDETEXT:☛:symbol### ● Tickets sind ab sofort erhältlich.
Mehr Infos findet ihr auf der Facebook Seite von Altin Gün.
Vinyl von Altin Gün findet ihr bei uns im Shop.
HHV präsentiert
Verlosung
― mehr
Music Review | verfasst 05.04.2012
Alabama Shakes
Boys & Girls
Ähnlich mitreißende, rohe Gitarrenmusik mit so viel Hingabe stand schon lange nicht mehr im Fokus der Aufmerksamkeit.
Music Review | verfasst 25.10.2013
Okkervil River
The Silver Gymnasium
Das siebente Album von Okkervil River, »The Silver Gymnasium«, ist ein Konzeptalbum über die Jugend des Sängers Will Sheff.
Music Review | verfasst 19.12.2013
Midlake
Antiphon
Midlake haben einen neuen Sänger, ansonsten bleibt vieles gleich. Den Fleet Foxes oder Tame Impala können sie aber nicht das Wasser reichen.
Music Review | verfasst 03.03.2016
Aziza Brahim
Abbar el Hamada
»Abbar el Hamada« von Abbar el Hamada erzählt von Migrationen ebenso wie von den Wurzeln einer Entwurzelten.
Music Review | verfasst 27.06.2016
Afro-Haitian Experimental Orchestra
Afro-Haitian Experimental Orchestra
Der Schlagzeuger Tony Allen wurde eingeladen mit haitianischen Musikern auf einem Konzert zu spielen. Dazu kam es nicht.
Music Review | verfasst 19.09.2016
Noura Mint Seymali
Arbina
Auf »Árbina«, dem zweiten Album von Noura Mint Seymali, gehen Rockmusik und die mauretanische Azawan-Musik eine intensive Verbindung ein.
Music Review
Various Artists
Esa Presents Amandla: Music To The People
DJ Esa Williams aus Kapstadt will mit seiner Compilation »Esa Presents Amandla: Music to the People« die Menschen zusammenbringen.
Music Review
Amelie Lens
Little Robot EP
Amelie Lens’ neueste EP »Little Robot« ist Big-Room-Techno auf der Höhe der Zeit. Nicht mehr und nicht weniger!
Music Review
Hugo Heredia
Mananita Pampera
Mit dem 1976 von Hugo Heredia und seinem Ensemble aufgenommenen »Mananita Pampera« ist ein weiteres Juwel des Jazz wiederveröffentlicht.
Music Review
Barker
Utility
Schon viele Jahre in Berlin als DJ und Produzent unterwegs, legt Sam Barker mit »Utility« nun auf Ostgut Ton sein Debütalbum »Utility× vor.
Music Review
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review
Ill Considered
8
Etwas urbaner als der eher atmosphärische Vorgänger, präsentiert »Ill Considered 8« eine weitere Schattierung der britischen Jazzer.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Review
Grup Doğuş
Grup Doğuş
Grup Doğuş wurde von der Bühne weggesignt, nahmen ein Tape auf und gerieten in Vergessenheit. Der deutschen Rockszene entging damit etwas.
Music Review
Ezra Furman
Twelve Nudes
»The songs are naked with nothing to hide.« Ezra Furman ist auf »Twelve Nudes« so geradeaus wie nur selten zuvor.
Music Review
X.Y.R.
Robinson Crusoe
Soundtrack für den Cocktail-Kater: 2012 nur auf Tape erschienen, erhält »Robinson Crueso« von X.Y.R. nun eine Vinylversion.
Music Review
Saint Petersburg Disco Spin Club
Live Sessions Vol.2
Kito Jempere hat ein neues Darling: Saint Petersburg Disco Spin Club. Die »Live Sessions Vol.2« sind bei Emotional Response erschienen.
Music Review
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Hinter Blanck Mass steckt Fuck Buttons’ Benjamin John Power. Sein »Animated Violence Mild« kann unglaublich nerven oder pervers mitreißen.
Music Review
Gökçen Kaynatan
Cehennem
1973-1975 verarbeitete Gökçen Kaynatan mit einem EMS Synthi AKS sein körperliches Leid. Das dabei entstandene Album erscheint erst jetzt.
Music Review
Alexander Tucker
Guild Of The Asbestos Weaver
»Guild Of The Asbestos Weaver« von Alexander Tucker ist ein absolutes rundes Ding. Große Wellen schlagen wird es trotzdem nicht.
Music Review
Alphonse
Stolen Sunrise
Die Sonne scheint jetzt immer. Auch auf dem Dancefloor. »Stolen Sunrise« von Alphonse ist deshalb eine der Platten der Stunde.
Music Review
Dazion
A Bridge Between Lovers
Sommerliche Töne sind auf »A Bridge Between Lovers«, dem neuen Release von Dazion zu hören, der soeben bei Second Circle erschienen ist.
Music Review
Kosh
Vicious Love
Kosh, der derzeit gehypteste Export aus Marokko seit Nanaminze, Haschisch und Bibelfilmen, fackelt auch auf »Vicious Love« nicht lange rum.
Music Review
Die Höchste Eisenbahn
Ich Glaub Dir Alles
Allerhöchste Eisenbahn! Mit »Ich Glaub Dir Alles« ist das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn endlich erschienen.
Music Review
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Neu gemastert und mit einer zweiten Platte mit neuen Songs bestückt wurde das tolle »Apollo« von Brian Eno aus dem Jahr 1983 neu aufgelegt.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.