Music Review | verfasst 05.06.2019
Robag Wruhme
Venq Tolep
Pampa, 2019
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
7.5
Nutzer (4)
8.9
Redaktion
Cover Robag Wruhme - Venq Tolep

Robag Wruhme ist zurück oder: überhaupt erst gelandet. Als Wanderer über dem Baumkronenmeer steht er auf dem Cover von »Venq Tolep« mit frischem Raumanzug und schaut vermutlich über das Saaletal zurück in die Vergangenheit. Dort muss die Erzählung seines zweiten Albums für Pampa sowieso beginnen, genauer mit »Thora Vukk«, seiner letzten LP dort. Das Jahr ist 2011, alle reden von Deep House und niemand weiß so ganz genau, was das eigentlich heißt, doch sind sich alle einig, dass Minimal endlich zurecht wieder in die Bretterverschlagclubs dieser Welt verbannt wird. »Thora Vukk« ist ein gleichermaßen elegantes wie experimentelles Album, das seine sanft pluckernden und stampfenden Rhythmen als Unterlage für Soundspielereien nimmt, der zu dieser Zeit höchstens Nicolas Jaar mit »Space Is Only Noise« das Wasser reichen kann. Die House-Szene Jenas erlebt einen unwahrscheinlichen Hype, alle Welt redet plötzlich von Robag Wruhme und der… lässt erstmal wenig von sich hören. Ein paar verstreute EPs, eine Handvoll Remixe pro Jahr, nur der Nachfolger zum internationalen Durchbruch schiebt sich hin. Tatsächlich bildet »Venq Tolep« die komplette Schaffenszeit Gabor Schablitzkis von 2012 bis 2019 ab und klingt wie seine LP dermaßen aus einem Guss, dass es fast unheimlich wäre. Wenn es denn nicht so freundlich klänge. Die Zutaten sind im Grunde ähnliche: Lysann Zander von stereofysh ist auf zwei Tracks vertreten, am Ende gibt es wieder Overvoices über zarte Pianoklänge zu hören und zwischendrin schauen noch Sidsel Endresen und Bugge Wesseltoft vorbei beziehungsweise arbeitet Schablitzki Oxias Minimal-Smasher »Domino« zu einem marschierenden Stück mit viel Flirrtönen um und dazwischen wirkt alles wie in pastellfarbene Zuckerwatte eingewickelt und mit Realitätseffekten durchgepudert. Toll ist das, weil es denselben unaufdringlichen Flow hat wie einst »Thora Vukk« und genial ist es, weil es zwischendurch noch viel besser, stilistisch diverser und versierter klingt als je zuvor. Die neue Welt, die Robag Wruhme nach langer Abwesenheit wieder besucht, sie leuchtet ein weiteres Mal in den kräftigsten Tönen auf. Ihm zuliebe, ihm sei Dank.

Das Album »Venq Tolep« von Robag Wruhme findest du bei hhv.de auf 2LP+7inch und CD.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 02.06.2011
Robag Wruhme
Thora Vukk
Mit seinem zweiten Studioalbum reiht sich Robag Wruhme ein in die Garde der ruhigen Wilden um Nicolas Jaar, Soul Clap & Co. ein.
Music Review | verfasst 18.10.2011
Various Artists
Soma Records - 20 Years
Das Glasgower Label Soma Records wird 20 Jahre alt und feiert das Jubiläum mit einer stattlichen Compilation.
Music Review | verfasst 19.09.2012
Robag Wruhme
Olgamikks
Ganz im Sinne des Nachtdigital Festivals ist der Mix von Robag Wruhme ein sanft groovendes Fließgewässer der elektronischen Clicks & Beats.
Music Review | verfasst 04.02.2011
Isolée
Well Spent Youth
Isolées Soundentwurf, minimalen House mit maximalen Mitteln zu machen, konnte bislang niemand etwas entgegensetzen.
Music Review | verfasst 11.06.2011
Ada
Meine Zarten Pfoten
Mit Meine zarten Pfoten präsentiert Ada auf DJ Kozes Pampa-Imprint das berüchtigte schwierige zweite Album.
Music Liste | verfasst 08.06.2011
Ada
DJ Charts
Seit ihrem Debüt Blondie und Kooperationen mit Triple R, Tyrant, und Erlend Øye ist Ada ein fester Bestandteil der elektronischen Szene. Für unsere DJ-Charts hat die Wahlkölnerin ihre zehn derzeitigen Favoriten ausgesucht.
Music Review | verfasst 09.04.2013
DJ Koze
Amygdala
Koze selbst sagt über sein Album: »Ein Meisterwerk von tierisch überragender Qualität.« Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Music Kolumne | verfasst 12.07.2013
Zwölf Zehner
Juni 2013
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.
Music Review
Meo
Cikuana/Alturas – 12"
Mitte der 1980er Jahre gehörte Meo zu den Protagonisten des »Afro«-Stils. Die Vinyl 12" »Cikuana/Alturas« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Vazz
Cloud Over Maroma
Der Durchbruch war Vazz einst in den Achtzigerm nicht beschienen. Aber jetzt kommen sie zu spätem Ruhm. »Cloud Over Maroma« wird helfen.
Music Review
Sidiku Buari
Disco Soccer
Sidiku Buari war einst Afrikameister im 400-Meter-Lauf. Dann machte er Musik.. »Disco Soccer« von 1979 wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Kim Gordon
No Home Record
Acht Jahre nach dem Ende von Sonic Youth legt Kim Gordon nun mit »No Home Record« ihr Solodebüt vor. Ein Meisterwerk ist es nicht geworden.
Music Review
Bremer / McCoy
Utopia
Das neue Album »Utopia« des dänischen Jazzduos Bremer/McCoy holt dich für eine Dreiviertelstunde aus dem grauen Loch.
Music Review
Erobique & Jacques Palminger
Yvon im Kreis der Liebe
Zehn Jahre nach »Wann strahlst du?« veröffentlichen Erobique, Jacques Palminger und die Sängerin Yvon Jansen ein gemeinsames Album.
Music Review
Various Artists
Nigeria Soul Power 70
Die SOul Jazz-Compilation »Nigeria Soul Power 70« versammelt 14 Songs, die das politische Bewusstsein in Nigeria in den Siebzigern abbilden.
Music Review
Occult Orientated Crime
The Occult Orientated Crime Album
Occult Orientated Crime ist weitere Seitenprojekt des Niederländers Legowelt. »The Occult Orientated Crime Album« ist nicht von dieser Welt.
Music Review
Sunn O)))
Pyroclasts
Mit »Pyroclasts« schieben Sunn O))) ihrer aktuellen LP »Life Metal« vier Proberaumjams hinterher, die das Konzeptalbum ausstechen.
Music Review
Jazzanova
Of All The Things
»Of All The Things«, das 2008 erstmals veröffentlichte, zweite Album der Berliner Band Jazzanova, hat nun einer Neuauflage erhalten.
Music Review
Quiroga
Passages
Seit 15 Jahren ist der neapolitanische Produzent Quiroga nun schon aktiv. Soeben ist bei Hell Yeah sein zweites Album »Passages« erschienen.
Music Review
Grouper
A I A: Dream Loss | A I A: Alien Observer
Groupers Alben »A I A: Dream Loss« und »A I A: Alien Observer« von 2011 haben 2019 nichts an ihrer obskuren Strahlkraft verloren.
Music Review
Mariana Ingold
Cara A Cara
Left Ear veröffentlicht »Cara A Cara«, eine Zusammenstellung mit Lieder der uruguayischen Sängerin Mariana Ingold.
Music Review
Emptyset
Blossoms
Auf Basis künstlicher Intelligenz haben sich Emptyset ihr neues Album »Blossoms« programmieren lassen.
Music Review
Ka Baird
Respire
Singen, Sprechen, Hecheln, Keuchen: Ka Bairds hat mit »Respire« ein zweites Album vorgelegt.
Music Review
Various Artists
Tone Dropout Vol.8
Die Roland-Maschinen klappern auf der Compilation »Tone Dropout Vol.8« immer noch so schön wie 1992.
Music Review
Automat
Automat
Das neue Label Tempo Dischi will Perlen der Musik Italiens neu auflegen. Die Reissue von »Automat« ist ein erstes Highlight.
Music Review
Stephen Mallinder
Um Dada
Nach 35 Jahren erscheint mit »Um Dada« das zweite Soloalbum von Cabaret Voltaire’s Stephen Mallinda. Kann man so sehen.
Music Review
Brahja
Brahja
Der Saxophonist Devin Brahja Waldman hat ein gutes Dutzend Musiker um sich geschart und mit »Brahja ein ganz starkes Jazzalbum aufgenommen.
Music Review
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Review
Maleem Mahmoud Ghania & Pharoah Sanders
The Trance Of Seven Colors
»The Trance Of Seven Colors«, das gemeinsame Album von Maleem Mahmoud Ghania und Pharoah Sanders wurde erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hozan Yamamoto with Sharps & Flats
Beautiful Bamboo-Flute
Die Bambusflöte ist besser als ihr Ruf. Das wusste Hozan Yamamoto schon 1971 und nahm »Beautiful Bamboo-Flute« auf.
Music Review
De Ambassade
Duistre Kamers
Nach der Single »Wat Voel Je Nou« vor 3 Jahren haben nicht wenige auf »Duistre Kamers«, das erste Album von De Ambassade gewartet.