Music Review | verfasst 14.06.2019
Biosphere
The Senja Recordings
Biophon, 2019
Text Kristoffer Cornils
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8.7
Redaktion
Cover Biosphere - The Senja Recordings

Am 17. November 2015 war Geir Jenssen mit einem Hund namens Tara unterwegs und beschloss, ein bisschen Eis auf einen gerade zugefrorenen See zu schmeißen. »Skålbrekka« heißt das fast dreiminütige Stück, welches die entstandenen Klänge wiedergibt, es steht an erster Stelle von Jenssens Album »The Senja Recordings« unter seinem Pseudonym Biosphere. Senja ist eine Insel unweit Jenssens Heimat Tromsø an der norwegischen Küste und die sechzehn folgenden Stücke der Platte bilden in chronologischer Reihenfolge die dort entstandenen Außenaufnahmen und Studio-Improvisationen des Ambient-Produzenten bis in den Dezember 2018 hinein ab. Ein Solo auf einem Roland-Synthesizer, ein aus einem Vorratsbehälter heraus aufgenommenes Gewitter, Notrufaufnahmen, eine vietnamesische Handtrommel, Rentiere und Miltärflugzeuge: Die Umwelt verzahnt sich wie so oft im Werk Biospheres fast nahtlos mit der Technologie. In gewisser Weise lassen sich »The Senja Recordings« zwar wohl als klangliche Tagebuchnotizen abtun, die gegen die konzeptuellen Großprojekte in der Biosphere-Diskografie wie das Überalbum »Substrata« zuerst kaum bestehen mögen. Doch nicht nur gelingt es Jenssen, die dunklen, getragenen Klängen über gut 65 Minuten zu einer kohärenten Atmosphäre zu verdichten und nebenbei noch einiges über seinen Schaffensprozess transparent zu machen, auch sind »The Senja Recordings« eine Meditation über das Verhältnis von Raum und Zeit. Subtiler könnte diese nicht ausfallen, denn tatsächlich klingt hier alles wie aus einem Guss. Doch wie sich über die 17 Tracks hintergründig die Stimmung wandelt, so scheint sich auch die Insel Senja überhaupt in rund drei Jahren verändert zu haben. »The Senja Recordings« übermitteln das gleichermaßen greifbar wie abstrakt.

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