Music Review | verfasst 13.06.2019
Du Du A
Du Du Archive 1984-1989
Discom, 2019
Text Christoph Benkeser
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7.5
Redaktion
Cover Du Du A - Du Du Archive 1984-1989

Im ehemaligen Jugoslawien entstand während der 1980er Jahre eine New Wave-Szene, die sich an der punkigen Scheiß-dir-nix-Attitüde aus Großbritannien, der verschleppten Ska- und Reggae-Rhythmik aus Jamaika und der Kombination aus beidem bediente. Vom kommunistischen Regime trotz kritischer Texte unterstützt, sprossen im heutigen Serbien und Kroatien Bands wie psychedelische Pilze aus dem Boden und sorgten für eine »Goldene Ära« der dortigen Rockmusik. Eine grandiose Mitstreiterin dieser künstlerischen Hochzeit war die Belgrader Band Du Du A. 1981 von Dejan Kostić und Zoran Zagorcic gegründet, veröffentlichte man zwei Jahre später das erste Album, auf dem man mit zensurbefreitem Gaga-Songwriting, Drumcomputer-Beats und in Funk versenkten Gitarrenriffs einen musikalischen Monolithen der jugoslawischen Avantgarde hochzog. 1996 kam mit »Ritual« zwar noch ein passabler Nachzügler raus, doch der kreative Schaffensprozess beschränkte sich auf das Verwalten des schmalen aber nicht minder interessanten und durchaus kreativen Erbes bei vereinzelten Konzertauftritten. Zumindest dachte man das. Denn auf dem serbischen Indie-Label Discom, das sich auf die Veröffentlichung von jugoslawischen Perlen der Siebziger und Achtziger spezialisiert hat, erscheinen nun Aufnahmen, die Du Du A zwischen 1984 und 1989 produzierten – aber nie veröffentlichten. Das ist spannend, weil man damit zum ersten Mal eine unbekannte Schaffensphase abbildet, in der sich die Gruppe aus ihrem Reggaekokon schälte, in lichte Pophöhen aufstieg (»Love Festival«), sich mit dem Zerschnipseln von Aufnahmen selbst dekonstruierte (»Riff Ruff«), um mit ungewöhnlichen Rhythmusbrüchen in krautigere Gefilde zu gelangen (»Voodoo Party«). Dank zeitgemäßem Mastering züngeln sich die Gitarren lasziv wie eh und je durch slappende Seinfeld-Bässe und atmosphärische Ambientpassagen, kreuzen sich mit Uhrwerkbeats – und heben mit ihrem Raumschiff aus den jugoslawischen Eighties mal eben die Zeit auf.

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