Music Review | verfasst 20.06.2019
Mort Garson
Mother Earth's Plantasia
Sacred Bones, 2019
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Mort Garson - Mother Earth's Plantasia

Irgendwas hatten die Musiker in den 1970er Jahren mit den Pflanzen. Stevie Wonder begab sich 1979 auf seine »Journey Through ›The Secret Life of Plants‹«, ein Soundtrack für den gleichnamigen Dokumentarfilm. Der wieder beruhte auf dem Buchbestseller gleichen Titels von Peter Tompkins und Christopher Bird, in dem Pflanzen allerlei Fähigkeiten wie Musikhören zugesprochen wurde. Ein paar Jahre zuvor schon hatte der Synthesizerexperte Mort Garson sich mit dem Album »Mother Earth’s Plantasia« hervorgetan. Und das war insofern eine andere Geschichte, als es wohl nicht unbedingt als Musik für Menschen gedacht war, sondern den photosynthesebetreibenden Erdbewohnern selbst gewidmet. Hinzu kommt, dass der Veganismus damals noch nicht so verbreitet war und die Empathie für Pflanzen womöglich ähnlich stark wie die für Tiere (mal als steile These hingestellt). Mort Garson jedenfalls streichelt Blumen, Bäume und was sich sonst so an Gestrüpp angesprochen fühlen könnte, mit saftigen analogen elektronischen Klängen voller Harmonie und üppig sprießenden Melodien. »Symphony For A Spider Plant« oder »Music To Soothe The Savage Snake Plant« heißen die Stücke, mit denen er sich einzelnen Arten zuwendet. Das ist hinreißend naiv in seinem projektiven Missverständnis, auf dem das Konzept dann wohl doch zu beruhen scheint. Aber wer weiß, vielleicht mögen Pflanzen das ja tatsächlich. Für Menschen ist diese Pflanzenfantasie gleichfalls verträglich. Und sehr fein gearbeitet, von Albernheiten wie dem »Baby Tear’s Blues« einmal abgesehen. Doch wer so einen Bubikopf, so heißt letztere Pflanze auf Deutsch, als Zimmergewächs zu Hause haben sollte, kann es dem ja probehalber vorspielen. Man selbst geht aus dem Versuch angenehm blödsinnig vitalisiert hervor.

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