Music Review | verfasst 03.06.2019
Flying Lotus
Flamagra
Warp, 2019
Text Nils Schlechtriemen
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (5)
8.8
Redaktion
Cover Flying Lotus - Flamagra

Von Vorfahren und Zeitgenossen gleichermaßen inspiriert, macht Flying Lotus weitere Fortschritte in seinen unerhörten Experimenten zwischen Nu Jazz, Glitch-Hop, Neo-Soul und Wonky. Begonnen hatte er damit streng genommen schon auf »Until The Quiet Comes«, das in Tonalität und Features mehr Jazz und Soul in seiner Musik zuließ als alle vorigen Werke. »You’re Dead!« holte den Fusion der 1970er Jahre dann vergleichsweise songorientiert noch direkter in die Moderne und rückte Flying Lotus damit ein Stück weit näher in Richtung Mainstream – nebst wohlverdientem Erfolg. Konzept und Sound wollten da zwar nicht mehr so perfekt zusammenpassen wie noch auf »Cosmogramma«. Unterm Strich machte der Produktionsgenius mit seinen Fähigkeiten aber trotzdem noch ein spannendes Erlebnis aus diesen knapp 38 Minuten. »Flamagra« ist nun fast doppelt so lang und streicht wieder etwas von der rohen Experimentierfreude der frühen Jahre ein, mit »Post Requisite«, »Takashi« und dem schrägen David-Lynch-Feature »Fire Is Coming« als schon in der ersten Albumhälfte beeindruckenden Eklektizismen jenseits jeder gängigen Genredefinition. Konnten die Lötstellen der Stylesynthesen auf dem Vorgänger quasi noch rausgehört werden, scheint die Transformation mit Album Nummer sechs so gut wie abgeschlossen. »Burning Down The House«, diese famose Kollaboration mit George Clinton, oder das von Toro y Moi falsettierte »9 Carrots« unterstreichen dabei zwar, dass Flying Lotus wirklich jedem Feature gewachsen ist. Trotzdem sind es mal wieder die alles zusammenhaltenden Solo-Tracks, in denen dieser Sound wirklich zu voller Blüte getrieben wird. »Pilgrim Side Eye« zollt Credits an Herbie Hancock, spuckt aber wilde Glitches in bester Lotus-Manier aus, während »All Spies« auch gut auf die EP »Pattern+Grid World« gepasst hätte. Am hellsten flammen aber tatsächlich Erinnerungen an die famose »Cosmogramma« auf, der Steven Ellison mit diesem Material nach fast einer Dekade wieder überraschend nah kommt. Andere hätten daraus wahrscheinlich zwei Alben gemacht.

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