Music Review | verfasst 21.06.2019
I Hate Models
L'Age Des Metamorphoses
Perc Trax, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover I Hate Models - L'Age Des Metamorphoses

Da ist er also. Der in Szenekreisen lang erwartete erste Longplayer von Guillaume Labadie, dessen Haudrauf-Hymnen aus Acid, Industrial Techno, Big Room und Electro House über die letzten Jahre Raver rund um den Globus in nackte Verzückung versetzt haben. Relativ unscheinbar begann das Projekt I Hate Models mit der EP »Warehouse Memories« im Juli 2016 bei Arts, dem in Berlin ansässigen Label von Emmanuel Ashoka Beddewela. Mit der grell wummernden Nostalgiedusche »Daydream« war rückblickend einer der großen Techno-Momente der 2010er darauf vertreten: Ein Ecstasy-geschwängertes Euphoriefest für alle, denen die Neunziger einfach nicht lang genug waren. EPs vom Kaliber »Totsuka No Tsurugi« oder die Vinyl 10“-Kollaboration mit Umwelt »Rave Or Die 10« quollen zwar in ähnlicher Retromanier aus den Speakern, erscheinen aber nach wie vor frisch, furios und fett produziert, ohne dass Labadie dafür irgendwelche pseudo-innovativen Verrenkungen ausführen musste. Am hilflosen Genre-Yoga mancher Kollegen rennt der halb vermummte Produzent auch auf »L’âge des métamorphoses« im Affenzahn vorbei – und lässt während dieser knapp 94 Minuten jede Ambition, Techno zu überhöhen oder zur Kunst zu verklären hinter sich. Das kann man richtig geil oder total langweilig und uninspiriert finden. Zurück zu den Wurzeln wäre hier trotzdem nicht mehr das passende Motto, denn auch wenn auf diesem Album abgesehen von zwei Ausnahmen (»The Beginning Of The End« und »Partner In Crime«) alle Tracks eine bekannte Struktur durchexerzieren, sind die meisten in puncto Sounddesign schlicht auf der Höhe der Zeit oder leicht darüber. Das fängt beim Hardstyle-Beat von »Crossing The Mirror«, seiner Dampfmaschinen-Aura und den ab der vierten Minute anschwellenden Synths und Pads gerade erst an, geht über die mystischen Melodieschauer von »The Night Is Our Kingdom« weiter und hört auch nach dem hyberbrutalen »Sexual Tension« nicht auf. Vielleicht wiederholen sich hier manche Ideen, vielleicht sind sogar ein paar Fillermomente dabei und das Ganze hätte auch unter Umständen zwanzig bis dreißig Minuten kürzer ausfallen können. Doch bewertest du Techno unter Techno-Gesichtspunkten, dann ist dieses Debüt eine bis zur Erschöpfung ravende Schönheit, der du aus dem Club überall hin folgen willst.

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