Music Review | verfasst 04.07.2019
Brief Encounter
We Want To Play
Athens Of The North, 2019
Text Christoph Benkeser
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Redaktion
Cover Brief Encounter - We Want To Play

Mehr als eine kurze Begegnung war nötig, um das 1981 gezündete Soul- und Discofeuerwerk »We Want To Play« von Brief Encounter neu aufzulegen. Dutzende E-Mails, mehrere Flüge über den Atlantik und ein entscheidendes Treffen mit Euan Fryer, dem Labelchef vom Reissuelabell Athens of the North, sollte es brauchen, bis die übriggebliebenen Mitglieder der Band aus North Carolina sich zu einer Zusage durchrangen. Wer hätte gedacht, dass die Sache mit der Liebe so schwer sein kann? Zumal man annehmen möchte, dass eine Band, die sich in ihren Songs fast schon manisch in der vermeintlich schönsten Sache der Welt suhlte, ein gnädiges Verhältnis zu ihrem Vermächtnis pflegt. Denkste. Die in die Jahre gekommenen Herren rund um das einstige Bailey-Brüder-Quartett ließen sich schön bitten, bis sie dem Label aus Edinburgh ihr Vertrauen schenkten. »Now I Know I Love You«, eine Ballade, so schmalzig wie ausgelassenes Schweinefett, ist dafür so etwas wie der späte Liebesbeweis auf einem Album, das sich sonst – zack, zack, zack – auf die Tanzfläche schmeißt, drei lässige Pirouetten dreht und dann zum abgefahrensten Groove abgeht, der jemals zwischen Motown und Mississippi-Delta aus einem Schlagzeug geprügelt wurde. Egal ob auf dem Disco-Stampfer »Rocking«, der R&Biedermeier-Nummer »Open Up Your Heart« oder dem für Jesus-Fans und liebeshungrigen Fantasten gleichsam geeigneten »Always«, hier trifft melodischer Reichtum auf triefenden Pathos und haut der Oma im Partykeller die Dritten raus. Stayin’ Alive, aber im Beast Mode!

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